Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 113 schuldig:

der Umstand, dass es für den Grad der individuellen Nützlichkeit völlig irrelevant ist, was die anderen damit machen (und ob resp. wie viele andere überhaupt was damit machen), weil jeder die jeweilige Nützlichkeit für sich selbst im konkreten Gebrauch für sich selbst erzeugt

(es schwingt ja immer so ein resignativer tonfall mit, wenn konstatiert wird, dass feeds als format halt enttäuschen oder versagt haben, wenn es halt nur ein paar hunderttausend oder wenns hoch kommt ein paar millionen benutzer von feedreadern gibt, während sich hunderte millionen oder milliarden auf twitter und facebook tummeln und sich ihren strom primär dort befüllen lassen, weil die ausdifferenzierung von technologischen entwicklungen einerseits nur als lineare evolution gedacht werden kann (neuer ist besser und twitter/facebook sind neuer und also besser) und andererseits nur über kennzahlen für die popularität validiert werden kann (mehr ist besser und zwei milliarden sind mehr als ein paar millionen und also viel besser). was dabei aber übersehen wird ist, dass feeds eine immer schon perfekte form zur ausdifferenzierung und ausbalancierung des eigenen inputstroms sind, und anders als facebook/twitter eben völlig unabhängig davon, was die anderen machen)

(wenn man so will sind feeds die emanzipative form des inputstroms, während twitter und facebook regressive und unmündige formen sind, weil man einfach von anderen irgendwas vorgesetzt bekommt, das man dann in sich aufnimmt (im falle facebook auch noch von irgendwelchen algorithmen selektiert, die ihren jeweiligen parameter de jour, den sie gerade pimpen wollen abbilden). übrigens spricht in einer ausgewogenen mediendiät überhaupt nichts dagegen, sich auf F/T inspirieren zu lassen, weil die eigene selektion eben auch eine art bubble definiert, aber als primäre form ist der soziale strom halt ungesund und führt bei vielen mittelfristig zu diesem gefühl der übersättigung und erschöpfung)

(wer sich nun fragt, moment mal, wenn feeds so perfekt sind, warum sind sie denn dann nicht viel populärer? zwei gründe: (1) sie sind aufwendiger und sie erfordern ein echtes interesse an einem oder mehreren themen, was unwahrscheinlich ist; und (2) es fehlen ihnen die externen signale, die likes und retweets und das gefühl einer gemeinschaftlichkeit, man operiert halt im stillen kämmerchen isoliert vor sich hin und muss den gesamten sinn also für sich selbst erzeugen, was noch unwahrscheinlicher ist)

(wenn man will funktionieren feeds nur an der schnittstelle einer sehr spezifischen doppelten kontingenz: der leser muß sich so sehr für ein angebot interessieren, dass er der aufwand in kauf nimmt, es zu abonnieren und permanent alle abos zu kuratieren; der anbieter muß am potentiellen leser mehr interesse haben, als ihn als klickvieh verwerten zu wollen (wer das nicht hat, hat mit feeds natürlich ein problem, weil damit die kontrolle über den konsum der inhalte aufgegeben wird, weil nicht mehr getrackt, gezählt, geworben, geoverlayed und gewasauchimmered werden kann, und da das maschinenlesbar ist könnte es auch noch weiterverarbeitet und, gott behüte, republiziert werden))

Endlich wieder einmal ein Quiz: welcher (für den jeweils einzelnen im grunde entscheidende) Umstand wird üblicherweise, im Grunde immer übersehen u/o ignoriert, wenn über den Zustand von RSS / Feeds gejammert u/o sinniert wird?

(es ist eine extrem einfache beobachtung, die ich aber glaub ich noch nie in der gebotenen klarheit gelesen habe, die aber irgendwie doch den schlüssel zur entfaltung des vorhandenen potentials beinhaltet)

Bruce Sterling und Jon Lebkowsky / The Well zum Stand der Dinge

(siehe SotW 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007 und 2006)

piglet

happy new year!

facebook zeitgeist

Das Jahr in Facebook

visualizations

untested aber super: Data Studio Community Visualizations (ann)

hypemachine zeitgeist

Der Hypemachine Zeitgeist (ann)

(siehe The Year In Review 2017 Edition Pt. 2, The Year In Review 2016 Edition Pt. 4, The Year In Review 2015 Edition Pt. 10, The Year In Review 2014 Edition Pt. 5, The Year In Review 2013 Edition Pt. 5, The Year In Review 2012 Edition Pt. 5, The Year In Review 2011 Edition Pt. 17, The Year In Review 2010 Edition Pt. 7, The Year In Review 2009 Edition Pt. 5 und Musikgeist)

google

Pt. 1 diesmal: Google

  1. World Cup
  2. Avicii
  3. Mac Miller
  4. Stan Lee
  5. Black Panther
  6. Meghan Markle
  7. Anthony Bourdain
  8. XXXTentacion
  9. Stephen Hawking
  10. Kate Spade

Bonusliste: Wie…? Fragen

  1. Wie viele Längengrade umfasst eine Zeitzone?
  2. Wie wird das Wetter?
  3. Granatapfel wie essen?
  4. Wie viele Wochen hat ein Jahr?
  5. Wie lange dauert Überweisung?
  6. Wie wird der Winter?
  7. Wie funktioniert Netflix?
  8. Wie viele Menschen gibt es auf der Welt?
  9. Wie tief ist die Donau?
  10. Wie schnell ist mein Internet?

(siehe Suchen des Jahres 2017, Suchen des Jahres 2016, Noch mehr Suchen des Jahres 2015, Noch mehr Suchen des Jahres 2014, Noch mehr Suchen des Jahres 2013, Suchen des Jahres 2012 Edition, Noch mehr Suchen des Jahres 2011 Edition, Noch mehr Suchen des Jahres 2010 Edition, Mehr Suchen des Jahres 2009 Edition, Suchen des Jahres 2008 Edition und Suchen des Jahres)

ein aggregator für diese buchchallenge auf twitter (also etwa die top 100, bonuspunkte für thematische cluster, ähnliche leser, usw.)

youtube rewind

^ das Jahr in Youtube (ann)

((dieses jährliche youtube rewind video ist ja auch nie uninteressant, weil es genau genommen mehr als alles andere über den geisteszustand und vor allem die primäre soziale disposition von google informiert; a bit bizarre, I’m not gonna lie))

(es ist eine dieser undokumentierten tragödien, dass sich diese viel elegantere umgekehrte polnische notation auf taschenrechnern nie wirklich durchsetzen konnte)

Tool oder Extension, das den Rechtsklick auf Links (um ebendiese etwa in einem neuen privaten fenster zu öffnen oder sonstwas nützliches zu triggern) um die Möglichkeit erweitert, das auch in einem anderen Browser zu tun.

(wäre supernützlich, weil man vor allem unbekanntes idealerweise zuerst mal in der safari technology preview mit disabled images und javascript gustiert und schon ein einfachstes ‘right click -> open in new stp private window’ das zwar auch nicht unzumutbare ‘right click -> copy link -> cmd tab zur stp -> cmd v in der adresszeile’ ersetzen könnte, was bei sagen wir 100k angeklickten links im jahr doch was ausmachen würde)

100

keine schlechte liste: 100 Websites That Shaped the Internet as We Know It

Eine weitere zumindest pragmatisch sehr nützliche Unterscheidung ist die Unterscheidung in funktionale und strukturelle/bastlerische Freiheit.

(diese unterscheidung ist besonders nützlich, wenn man über die trajektorie des potentials von gerätschaften nachdenkt; funtionale freiheit bedeutet dabei die freiheit, die dadurch entsteht, irgendwas mit den dann jeweils zur verfügung gestellten mitteln benutzen zu können und also die damit verbundenen möglichkeiten ausnützen zu können/müssen; strukturelle/bastlerische freiheit bedeutet dabei die freiheit dinge genau so machen zu können, wie man sie machen will

die paradigmatische gerätschaften für funktionale freiheit sind natürlich iphones und ipads, die mehr oder weniger geschlossene systeme sind, allerdings über apps eine hunderttausendschaft an usecases abstrahieren, die sich damit einfach so erledigen lassen und die dadurch einen einen großteil vom gesamtnutzen bedienen können, einfach weil das meiste was wir tun nicht besonders speziell ist.

die paradigmatischen gerätschaften für strukturelle/bastlerische freiheit sind wiederum linux kisten, aber auch alle PCs und macs, weil man bei denen sämtliche work- und infoflows mehr oder weniger vollständig optimieren kann, indem man eine bricolage aus allen jeweils zur verfügung stehenden mitteln kreieren kann. das kann sinnvoll sein, wenn man weiß warum, was aber natürlich einige der gesellschaftlich ‘wertvollsten’ anwendungsfälle sein können)

(abt: draw the distinction!)

20g

google 20 doodle

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 112 schuldig:

diese unsäglichen, üblicherweise animierten Gifs, die man mit zwei Tipps oder Clicks einfügen kann, um einem Tweet eine besondere Note zu geben

gifs

‘toxischstes für einen zivilen Diskurs’ klingt sicher etwas übertreibend, ist aber vl. nicht unberechtigt:

  • die primäre Motivation von Twitter für das Feature kann nichts anderes gewesen sein, als die Produktion von Tweets aus einer der emsigsten Demographien zu maximieren, die zu guten Teilen visuell kommuniziert: den Kids (und in der Folge dann natürlich allen anderen, die kindliche Kommunikationsformen aufgreifen).
  • das Problem dabei ist aber, dass solcherweise generierte Tweets im besten Fall wertlos sind, öfter als nicht einen Thread zumindest visuell irritieren, emotional hijacken und nicht selten auf eine völlig falsche Bahn lenken können.
  • das tun sie, indem sie die jeweiligen Threads undifferenziert aber mit Maximalstärke emotionalisieren, entweder als Zustimmung (yass, slay queen, standing ovation) oder als Ablehnung (facepalm, disgusting, wtf) oder als undifferenzierte Verstärkung (omg, shook). Und während zwar auch schon Emojis primär emotionale Verstärker und visuelle Kontextualisierer sind, so funktionieren sie einerseits weit weniger aufdringlich, müssen trotz Bildlichkeit noch immer als Zeichen interpretiert werden und lassen durch Kombination und Wiederholung üblicherweise ein weit breiteres Spektrum an Ausdruck zu. Gifs sind viel aggressiver, weil sie sich aufdrängen und gwm. nicht ungesehen gemacht werden können.
  • und das wiederum ist schon in Threads mit einheitlicher Reaktion ärgerlich genug, sprich: warum muss man sich durch diese immergleichen Bilder mit völlig übertreibender Ikonographie quälen?, aber in Threads mit sich widersprechenden Reaktionen führt das oft zu einer Ausdifferenzierung an die bipolaren Ränder, bei denen sich alle nur noch als im Team oder als Feinde wahrnehmen können. Und ich will jetzt nicht behaupten, dass Gifs daran schuld sind, aber weil die Motive so plakativ und oft unmittelbar beleidigend und als Bilder eben auch unmittelbar wirksam sind, erzeugen sie oft eine ebenso plakative Gegenreaktion, auf die eine weitere Gegenreaktion folgt, usw., und weil sie so aufwandslos und ohne Kosten für den Twitternden sind kann jeder mit gewisser Leidenschaft für oder gegen irgendwen oder irgendwas fast unbegrenzt Zank stiften.

gifs

Unter dem Strich sind Gifs also ein Feature, das auf Produzentenseite die Kosten für das das Erstellen von psychohygienischen Rants minimiert, diese Tweets auf Rezipientenseite aber emotional teuer und inhaltlich wertlos sind und diese Tweets zudem Feedbackloops triggern, die die ganze Plattform problematischer machen.

gifs

Die gute Nachricht ist, dass das bis dato wohl nur bestimmte Themen mit bestimmten Demographien tangiert und dass man das etwa in Deutschland doch nur selten sieht. Was das Feature aber nur umso dümmer macht, weil sich Twitter großen potentiellen Schaden für unterm Strich gegen Null gehenden Nutzen (für sie: anzahl an tweets, aufregung um die tweets) eingebaut hat. Man darf ja nicht vergessen: neben den eingebauten Retweets und @replies sind die Gifs neben Fotos, Umfragen und Emoji das einzige unterstützte Feature für Tweets.

gifs

Endlich wieder einmal ein Quiz: welches unterm Strich unnötige Feature in der Serie an Verschlimmbesserungen von Twitter dürfte sich mittlerweile als toxischstes für einen zivilen Diskurs herausgestellt haben und warum?

hype cycle 2018

und alle Jahre wieder der Hype Cycle von Gartner (siehe auch hype cycle und hype cycle 2008 und hype cycle 2009 und hype cycle 2010 und hype cycle 2011 und hype cycle 2012 und hype cycle 2013 und hype cycle 2014 und hype cycle 2015 und hype cycle 2016 und hype cycle 2017 wie immer siehe auch die siggi beckersche sozio-technologische voraussetzung für einen hype)

(nts: ein ding bei dingen: ihr nutzwert ist immer ein radikaler überschuss, sprich: wir können sie nie maximal ausnutzen, zu ende benutzen, usw. oder nur die allerwenigsten dinge, die allermeisten nur zu einem bruchteil. insofern brauchen wir kein schlechtes gewissen zu haben. (industriell hergestellt verschiebt sich das nat. nochmal) der bezug ist auch immer persönlich – sprich: dem nächsten sind sie egal, er hat den bezug nicht)

(blogpost ausnahmsweise mal über kein dilemma, aber doch über ein signifikantes problem im derzeitigen web: den umstand, dass erfinder und entwickler glauben zu wissen, was ihre erfindung bewirken wird oder bewirken sollten, nur weil sie es entwickelt haben. wir sehen again und again, dass sie es nicht tun, und tatsächlich auf jeder ebene falsch liegen (von tim bernes lee bis @jack und zuckerberg))

((bonuspunkte wie immer für konkrete ethnographische, ökonomische und semiotische beschreibungen und sternchen für eine umfassende typologie))

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