close coaching

app or reader view

^ der dokumentarischen voha: netvibes offeriert jetzt ein kleines coaching, mitunter wird auch auf die den meisten unbekannte reader view hingewiesen.

Daring Fireball pages load fast, but the pages I link to often don’t. I worry that the inherent slowness of the web and ill-considered trend toward over-produced web design is going to start hurting traffic to DF.

daring fireball via quirksmode

^ so weit ist es jetzt anscheinend schon gekommen, dass sich sogar blogger um ihren traffic und einnahmen sorgen machen, weil die seiten, die sie verlinken und kommentieren, so langsam ausgeliefert werden, viel langsamer und unmoderner als die instant articles von facebook.

(nicht nur wegen dem impliziten und fast schon skurrilen zynismus von gruber interessant, der artikel von quirksmode ist unabhängig davon ein netter appell an mehr minimalismus)

tweets

^ kleines lebenszeichen von rivva (dämlicher anlass, aber man nimmt was man bekommt)

fyi: katzen und reality tv sind die letzten räume für theorie.

‘mögen deine wünsche in erfüllung gehen’ ist ja einer dieser chinesischen flüche, die sich früher oder später besonders hinterlistig bewahrheiten – und am umstand, dass es durch das vom web bedingten unbundling und microchunking zu einer strukturellen krise der durchschnittlichkeit, besonders zu einer krise des durchschnittlichen textes kam, ist vielleicht einer der hinterlistigsten bewahrheitungen.

wir erinnern uns: neben dem hypertext, also der möglichkeit zur vernetzbarkeit von texten, was der grundsätzlichen kern vom web ist, war die damit verbundene entkoppelung der textfragmente von ihrem kontext, die das freie flottieren und beliebige rekombinieren und reaggregieren von texten, informationen, gedanken und also ein genuin neues dispositiv ermöglicht, die zentrale metapher und wunschvorstellung für die zukunft von text.

was auf semiotischer ebene jedoch wie ein paradies klingt, hat nicht mit den psychologischen resp. infoökonomischen nebeneffekten gerechnet.

ganz allgemein gesagt sind menschen relativ unkomplizierte und leicht zufriedenzustellende lebewesen, die mit durchschnittlichkeit gut leben können, solange das gesamtpaket stimmt. ein, zwei goodies reichen aus, um der gesamten restlichen durchschnittlichkeit zumindest den notwendigen hauch von wertigkeit zu verleihen.

(durchschnittliches als angenehm empfinden zu können ist übrigens alles andere als ungeschickt, weil es nicht nur naturgemäß viel mehr durchschnittliches als besonderes gibt und man sich also über viel mehr im leben freuen kann, sondern weil das durchschnittliche in den allermeisten fällen auch völlig ausreicht. dieser von der werbung erzeugte wahn immer nur das allerbeste zu wollen ist aber ein völlig anderes thema).

bündel und pakete sind jedenfalls notwendige formen, uns viele durchschnittliche einzeldinge als angenehm wahrnehmen zu lassen und uns zufrieden zu stellen. bricht man die bündel jedoch auf, liegen die dinge plötzlich isoliert vor uns und müssen also einzeln beurteilt, bewertet und empfunden werden. das hat natürlich gegenüber dem bündel einen riesigen vorteil – man kann sich die rosinen aus dem kuchen picken (wenn man rosinen mag, ansonsten kann man sich den kuchen aus den rosinen picken), es hat aber auch eine ganze reihe an nachteilen. die notwendigkeit plötzlich alles einzeln beurteilen, bewerten und empfinden zu müssen ist nicht nur aufwendig und belastend, die davor geniessbare durchschnittlichkeit verliert entbündelt sogar ganz grundsätzlich den zugang zu diesem naiven genuss und muss sich plötzlich die frage gefallen lassen, warum man nun gerade es und nicht etwas anderes lesen soll, usw.

die zwei paradigmatischen formate, die mit dem internet entbündelt und in die einzelnen bestandteile zerlegt wurden, sind natürlich zeitungen und LPs.

bei LPs sind die effekte jedem musikliebhaber bekannt: das snacken nur an den ‘besten’ songs eines albums ermöglicht zwar viel mehr streuung, discovery und durchschnittlich eine viel höhere einzelintensität der gehörten tracks, aber es geht auch der persönliche bezug verloren, den man etwa in den kleinen aha momenten entwickelt, wenn ein song, den man bis dato völlig ignoriert hat, plötzlich der lieblingssong eines albums wird usw. (natürlich funktioniert das nur bei alben, die wirklich als solche bestimmt sind und denen das auch gelungen ist, aber guten musikern gelingt das oft). das vermeiden der durchschnittlichkeit und die erhöhte intensität der einzelstücke macht gleichzeitig den hörer selbst unzufriedener, weil er fortan immer auf der suche nach etwas besserem sein muss. die sehnsucht nach dieser bindung an etwas vorgegebenes erkennt man ja am comeback von vinyl.

und bei zeitungen sind die effekte allen ausser den zeitungsmachern bekannt: ein davor wirklich grossartiges papierbündel zerfällt zu einem losen haufen an artikeln, die fast alle durchschnittlich und nicht besser oder schlechter als die artikelhaufen aller anderen zeitungen sind und für den leser also eine einzige infoökonomische zumutung sind (für den übergang vom wertvollen bündel zum wertlosen haufen können die zeitungen nichts, ihre plötzliche wertlosigkeit war gwm. höhere gewalt; woran sie allerdings selbst schuld sind, ist, dass sie die situation und ihre position nicht verstehen, den kopf in den sand stecken und dort dann versuchen, ein liedchen zu pfeifen). die wirklich einmaligen artikel, die eine zeitung an einem tag erzeugt, die man also nicht gleichwertig überall sonst findet, dürften sich im einstelligen, bei wochenzeitungen vl. im zweistelligen bereich befinden und die muss man natürlich auch erstmal finden.

aber interessanter als die krise der texte der zeitungen ist der umstand, dass dieses verhältnis jede art an text betrifft und sich früher oder später also direkt in den text selbst einschreibt. es hat eine zeit lang gedauert, bis wir das bemerken können, weil sich natürlich auch die produktions- und rezeptionsbedingungen anpassen müssen, durch die verstärkung dank social media wird die logik jedoch langsam sichtbar:

damit durchschnittliche texte, die bisher ein perfekt feines dasein als füllstoff führen konnten, im haufen aller aufgelösten artikel aller einen funken wert behalten können, müssen sie jetzt auf irgendeine art auch isoliert und autonom funtionieren. und dafür gibts zwei primäre möglichkeiten: entweder sie stiften selbst ‘sinn’ für den leser, enthalten zumindest etwa eine nützliche information; oder sie erzeugen eine ‘erregung’, also das kompakte gefühl eines lols, oder wins, oder omgs, oder cutes, oder fails, oder wtfs.

und woran erkennt man, ob ein text ‘sinn’ oder ‘erregung’ erzeugt? genau, er wird geshared. wenn ein text im web von niemandem geshared wurde, wurde er dann überhaupt geschrieben? der verbliebene wert von durchschnittlichen texten im zustand der entbündeltheit zeigt sich also in der sharebarkeit.

das ding jetzt ist natürlich, dass sinn nicht nur viel schwerer zu produzieren ist, es erfordert auch viel mehr aufwand vom leser, ihn zu erkennen, und es ist auch viel riskanter ihn zu sharen. und dass erregungen andererseits nicht nur viel leichter erzeugt werden können als sinn, erregungen können auch viel schneller aufgeschnappt werden und erzeugen also auch viel eher anschlusskommunikation und selbstverstärkung in den sogenannten erregungswellen. ich habe oben die lols, wins, omgs, usw. als qualifizierer von erregungen nicht zufällig von buzzfeed zitiert – sie zeigen, wie präzise buzzfeed diese logik schon vor langem erkannt hat und deshalb nur noch genau diese art von texten produziert. buzzfeed ist eine maschine zur produktion und distribution der letzten durchschnittlichen texte, die noch verwertbar sind.

die zeitungen, zumindest die qualitätszeitungen, haben nun natürlich das problem, dass sie in ihrem selbstverständnis die produzenten vom sinn sind und die produzenten von erregungen gwm. verachten müssen und sie sich dadurch quasi auf diese eine position festlegen; gleichzeitig produzieren sie natürlich in realität deutlich mehr (unsharebaren und austauschbaren) fülltext als sonstwas, erzeugen also viel weniger leistung, als sie es in ihrer selbstwahrnehmung glauben; nur müssen sie auch ihren kollegen von buzzfeed dabei zuschauen, wie die ganz ungeniert eine wissenschaft der verpönten sharebaren erregungen entwickeln können und ihnen die PIs, die aufmerksamkeit und die werbegelder und fast den ganzen kuchen wegknabbern.

von dieser logik sind natürlich auch die blogs betroffen. auch die konnten in den ersten 10, 15 jahren gut mit durchschnittlichem fülltext leben, weil es mehrere kontexte gab, die den fülltext im ‘bündel’ rezipierbar machten. einerseits gab es (imaginierte) communities wie antville oder twoday, andererseits gab es feedreader wie den google reader oder netvibes, die die abos der feeds zu einer personalisierten superzeitung rekontextualisierten. im aufgelösten zustand haben blogs aber das gleiche problem wie die zeitungen: die durschnittlichen posts, wenn wir ehrlich sind also fast alles was wir produzieren, sind im haufen aller posts aller völlig wertlos. im grunde gibt’s dann nur 2 strategien: man produziert selbst shareables (socialismus), oder man erzeugt sich seinen eigenen kontext im eigenen gesamtwerk und tut so als wär das jetzt so (solipsismus). wem das eine zu blöd und das andere zu anstrengend ist, der hört dann halt auf zu bloggen und wechselt vielleicht zu einer plattform wie tumblr oder medium, wo man ein bisschen kontext von der plattform spendiert bekommt und gleichzeitig in die eine oder andere richtung ‘gelenkt’ wird (erregung bei tumblr, sinn bei medium).

(überhaupt ist es natürlich nicht so, dass der durchschnittliche text seine funktion für immer verloren hat. ich habe das nur nicht betont, weil ich sonst jeden punkt relativieren hätte müssen, und dann aber auch die relativerungen relativieren hätte müssen, weil sie auf tektonischer ebene trotzdem wieder egal wären, es hätte alles jedenfalls unnötig verkompliziert. aber die entbündelung hat nicht nur opfer, sondern erzeugt naturgemäß auch einen neuen möglichkeitsraum für tools, plattformen, communities (fast alle funktionierenden tun das letztendlich) etc. dafür, eigene, neue kontexte für text zu erzeugen, innerhalb derer dann auch die durchschnittlichen texte wieder einen platz bekommen können, ohne dass diese sich selbst beweisen müssen. wie fast immer kann man sich einfach anschauen, was funktionert.)

nur am rande beobachtet ist doch lustig, dass wir gerade mit der krise der durchschnittlichkeit den von den poststrukturalisten vor 50 jahren diagnostizierten verlust der autorschaft konkretisiert bekommen. nur, wie so oft, kommt es anders als damals gedacht: die neuen kleinformate transzendieren nicht nur den autor, sie schreiben sich wörtlich genommen tatsächlich selbst und brauchen die readaktionellen prozesse inklusive aller beteiligten menschen und software nur noch als organisatorische struktur. moderne redakteure tun ja im grunde nichts anderes als texten eine erste form zu geben und diese dann solange anzupassen, bis die roten lämpchen, die auf schlecht formulierte überschriften, hohe absprungraten nach dem ersten satz, falsche keywords, geringes sharementum, etc. hinweisen, nicht mehr rot blinken und der text also seine objektive form gefunden hat. paradoxerweise sind es deshalb ausgerechnet die roboterjournalisten, die den ethischen anspruch auf autorschaft am reinsten repräsentieren.

Tool oder Plattform oder Plugin, das in den eigenen Stömen – dem Twitter-Strom, dem Feed-Strom, etc. – die überambitionierten Superfleissigen etwas vorfiltert und versteckt oder als schon gelesen markiert.

(das ganze müsste völlig transparent und mit opt-in und nicht auf basis einer geheimen sauce a la facebook oder google+, die dann erst wieder ohnehin nur eine proportion herstellt, ablaufen)

I generally do not connect to web sites from my own machine, aside from a few sites I have some special relationship with. I usually fetch web pages from other sites by sending mail to a program (see git://git.gnu.org/womb/hacks.git) that fetches them, much like wget, and then mails them back to me. Then I look at them using a web browser, unless it is easy to see the text in the HTML page directly. I usually try lynx first, then a graphical browser if the page needs it (using konqueror, which won’t fetch from other sites in such a situation).

Richard Stallman via Kottke

(ihr lacht jetzt, aber den letzten lacher hat er vl. im grab, wenn dann niemand – zumindest mit absoluter sicherheit – rekonstruieren kann, welche webseiten er sich angeschaut hat)

kl. nachtrag zu 598425890696073216 – zumindest eine erste iteration, die sich lustigerweise aus der überschneidung mit einem anderen tweet ergibt, den ich am gleichen tag aber in einem völlig anderen kontext (verizon schluckt aol) getwittert hatte:


um die zwei tweets zusammenzubringen, sollte ich zwei dinge erwähnen:

(1) einer der größten, wenn nicht der größte im allgemeinen ausgemachte feinde des offenes webs sind projekte wie facebook zero oder internet.org, also konstrukte, die ein kontrolliertes subset an webseiten oder apps kostenlos offerieren, um der nächsten milliarde menschen zugang zum internet zu ermöglichen. was sich als akt der nächstenliebe gibt, ist jedoch, so die verteidiger des offenen webs unisono, nichts anderes als die ausbeutung ökonomischer benachteiligung, die nur neue user einfangen und an sich binden und damit das eigene wachstum anheizen will, also digitaler imperialismus (und wem das nicht reicht nachtürlich auch eine freche verletzung der netzneutralität, aber um das geht es hier nicht). und ihr plan geht auch noch auf, viele der so angelockten glauben dann sogar, facebook sei das internet. statt im offenen web zu publizieren, verkaufen sich diese armen seelen an facebook und landen im vorraum zur hölle.

(2) compuserve war anno dazumal, also plus/minus vor 20 jahren, neben aol die einfachste möglichkeit, mit einem macintosh zugang zum internet und email zu bekommen. es gab auch schon einige websites und der netscape navigator war gerade neu und hip, aber ein grosser teil des nutzens war zunächst das angebot, das compuserve bereitstellte. über die uni hatte ich dann bald auch ein bisschen webspace und zugang zum usenet und unter der ägide von hotwired und webmonkey dann irgendwann auch ein rudimentäres verständnis von html und framesets, aber die möglichkeiten von compuserve hat meine erfahrung mit dem internet in den ersten jahren weitgehend dominiert. und auch wenn ich dann quasi das web ‘mitbegleitet’ habe, bis zu meinem eigentlichen knacks im kopf dauerte es dann weitere 10 jahre.

der punkt dieser zweiten, zugegebenerweise schon etwas verstaubten geschichte ist, dass die erste geschichte nicht notwendigerweise den dystopischen verlauf nehmen muss, von dem alle ausgehen. wer in einem geschlossenen garten aufwächst, muss nicht notwendigerweise den rest seines lebens darin verbringen. menschen können lernen und zusammenhänge verstehen. manchmal fehlt nur eine einzige information. wer heute zb. glaubt, dass facebook das internet ist, dem muss nur einer einmal zeigen, dass das nicht der fall ist, sondern dass facebook im besten fall ein nützlicher und in jedem fall ein grosser wal in einem riesigen ozean namens web ist, das man mit etwas entdeckergeist dann selbst erforschen kann (ob das dann angenommen wird und denjenigen interessiert ist eine andere frage). und wir brauchen gar nicht so betroffen tun, noch vor 10 jahren haben hierzulande die meisten geglaubt, dass das internet dieses blaue ‘e’ am desktop ist.

ich will mit dieser anmerkung nicht die grundsätzliche korrektheit der kritik an facebook (und co) kritisieren und ich will die machenschaften von facebook (und co) weder relativieren noch legitimieren. was sie abziehen ist unterm strich eine riesige sauerei, vor allem deshalb, weil sie es auch ganz einfach auch anders andenken und umsetzen hätten können.

der fehler liegt nicht in der vorgetragenen kritik, sondern in der analyse und der bewertung, was das bedeutet. und eine hysterische bewertung (es ist ganz eindeutig das endgame, wenn wir jetzt verlieren, dann ist das offene web verloren, usw.) führt zu einer hysterischen überreaktion, die dann, wenn wir pech haben, mehr schaden anrichtet als der feind, wegen dem man überhaupt erst losgelegt hat.

(interessanterweise teilen die protagonisten eines offenen webs, hier fortan stellvertretend mozilla, und die ideologisch mehr oder weniger aus der gegenteiligen ecke kommenden verlage diesen schaum vor dem mund, wenn sie es mit google oder facebook oder apple zu tun bekommen; aber lassen wir hier die verlage einmal beiseite)

der allgemeine fehler von mozilla ist, vom offenen web kein ‘sinnverständnis’ zu haben, sondern den sinn in der vorhandenheit selbst zu sehen, was bedeutet, dass sie den erzeugten wert also nur am marktanteil messen können. alles, was von facebook (und co) aufgesaugt wird, ist ein verlust und die masse des von facebook aufgesaugten ist eine katastrophe. als reaktion bleibt ihnen also nur der ‘kampf’ um marktanteile und als grund für die beliebtheit von facebook (und co) ist ihnen leider nur eingefallen, dass der offene stack technisch unterlegen ist, was nur bedeuten kann, dass sämtliche apis der geschlossenen plattformen nachgebaut werden müssen, siehe den kleinen überblick ihrer aktuellen interventionen.

(man erkennt auch die wiederholung eines musters: als das soziale web der katalysator für das wachstum war, wurde im ‘social graph’ von facebook der zaubertrank gesehen, und die damalige erwartung war, dass man den nur offen nachbrauen muss, dann wird alles gut. wir erinnern uns an projekte wie open social, friend connect, portable contacts, chi.mp, diaspora, usw.)

der spezifische fehler in hinblick auf die ‘emerging markets’ neuer user, die gleich mit dem smartphone einsteigen, ist, dass die entwicklung als lineare, technik-getriebene evolution vom statischen über das soziale hin zum mobilen web gesehen wird, und den menschen innerhalb dieser entwicklung keine subjektivität oder möglichkeit zum widerstand oder zur reinterpretation zuzutrauen. wir sehen es ja bei uns, da kleben die jungen ja nur noch an ihren handys und chatten oder posten selfies statt zu bloggen oder die wikipedia zu verbessern. was wir bei uns erleben ist aber weniger eine evolution, sondern eine angleichung an das ‘natürliche’ kommunikative gleichgewicht unter den bedingungen vom mobilen internet, das halt erst jetzt möglich geworden ist, aber immer schon so veranlagt war. die phasen waren also, wenn man so will, in ihrem historischen ablauf notwendig, weil wir uns immer kollektiv an das gerade technisch machbare angepasst haben, aber einmal vorhanden verhalten sie sich, als wären sie immer schon da gewesen.

aber die technische ebene ist ja nicht die einzige. auch interessant ist mitunter, wie sich die technik / das web auf gesellschaftlicher ebene auswirkt – und da macht das narrativ der evolution einen u-turn. da sind dann plötzlich die apps des mobilen webs die primitive form, die halt (natürlich massenweise) private kommunikationsereignisse ermöglichen, die aber weder für die öffentlichkeit bestimmt noch für die gesellschaft nützlich wären. erst mit dem offenen und sozialen web bekommen wir einen viel interessanteren hebel, um gesellschaftliche probleme zu behandeln und gemeinsame lösungen auf sozialer sinnebene zu finden.

und hier muss man der kommenden ‘mobilen milliarde’ einfach zutrauen, dass sie ihre eigene entwicklungsgeschichte durchmachen und dabei vl. auf einem viel höheren niveau landen, als wir es bis dato geschafft haben, oder aber auch nicht. sie beginnen zwanzig jahre später und das dauert sicher ein bisschen zeit, aber der umstand, dass sie bei unserem ‘ende’ beginnen bedeutet eben nicht, dass sie dort bis in alle ewigkeit braten müssen.

(man erkennt übrigens die wiederholung eines weiteren musters: als etwa das ipad vorgestellt wurde, haben es die vertreter des offenen webs als zynische und infantilisierende konsumationsmaschine wahrgenommen und die kollektive volksverblödung befürchtet, siehe das offene web und seine feinde. gekommen ist es natürlich anders, nur das mangelnde vertrauen in die systemkraft der eigenen offenheit und die kreativkraft der menschen ist ihnen leider geblieben)

Tool oder Plattform, wo man ein Foto eines Anschlusses eines Gadgets posten kann und diesen (von der crowd, von einem lernfähigen algorithmus, etc.) in der Folge benannt und klassifiziert bekommt.

fyi: social media saugt den ganzen cognitive surplus aus der welt, sodass für ‘collective action’ oder ‘political interventions’ kaum was übrig bleibt.

One of the driving factors in setting prices is understanding the issue of substitutes. If there are four kinds of bottled water and one is half the price of the others, guess which will generate all the sales? They are quite close to perfect substitutes, so take the cheap one.
Even though all the movies at the multiplex cost $12 a seat, you can’t often substitute one for another to save money. You don’t go to Mall Cop merely because it’s $2 less.

Your job then, isn’t to merely set your price low enough to keep people from seeking substitutes. It’s to create a product or service unique or connected or noteworthy enough that the other choices are ever more imperfect.

enthalten und angedacht hier.

(neurasthenie scheint derzeit überhaupt der allgemeine gemütszustand vom web zu sein)

Plugin/Erweiterung für das Kommentartool der Wahl, das es ermöglicht Kommentare auch als Postkarten zu verschicken.

(bonuspunkte für eine premium-version mit handgeschriebenen briefen)

fyi: herauszufinden, dass irgendeine annahme oder grundannahme*, die man gemacht hat und von der man ausgegangen ist, ja gar nicht stimmt, sondern dass ja alles ganz anders kommt oder ist, stellt einen und die welt nicht schlechter. die welt bleibt wie sie ohnehin ist. es bedeutet nur, dass die eigene annahme oder grundannahme eben nicht gestimmt hat (und dass man vl., je nachdem, etwas mehr für eine sache tun muss oder stärker gegen eine sache vorgehen muss).

*etwa: das offene web wird geschlossene plattformen hinwegfegen und freiheit, friede und wohlstand für alle bringen.

fyi: blogger, die einzelne artikel nicht richtig mit ihrem permalink verlinken können, die also etwa nur auf die startseite vom blog linken, oder den ganzen url-cruft von google analytics, feedburner, buffer, usw. mitschleppen oder die, noch schlimmer, die shorturls von twitter oder bitly verlinken, sind keine richtigen blogger.


kl. nachtrag zu 596681851009380353 weil man es doch auch missverstehen kann:

in den ersten 20 minuten seiner keynote hat er – unterhaltsam und sympathisch wie immer – in mehreren iterationen einen gedanken etabliert: die eulen sind nicht, was sie scheinen; wir erzeugen die realität auf basis unserer selektiven wahrnehmung, die sich im historischen verlauf auch ständig kulturell rekalibrieren muss.

in den verbliebenen 10 minuten hat er dann das problem skizziert – mit dem netz werden plötzlich massive konflikte wie unglaublicher hass sichtbar – und dann einige techniken zur gemeinsamen bewältigung/verarbeitung vorgestellt, wie man mit den konflikten umgehen müsste. man könnte filtern, selbstreflexion betreiben, die ichbezogenheit ablegen, inseln der vernunft etablieren, mit humor reagieren oder ambiguitätstolerant sein.

und das sind alles keine schlechten tipps, aber sie sind doch einerseits eher generell und stimmen immer und überall, sind aber andererseits auch leichter gesagt als getan. mal schnell die ichbezogenheit abzulegen ist halt nicht so einfach, das hat er ja im ersten teil eindrucksvoll gezeigt.

und das ist in etwa, was ich mit ‘sein grundsätzlicher fehler ist, das problem wahrnehmungsphysiologisch zu framen’ gemeint habe. indem er das thema primär im dilemma unserer wahrnehmungen positioniert hat, wahrnehmungen, die uns einerseits täuschen und die wir andererseits kollektiv anpassen müssen, blieb ihm dann nicht viel anderes übrig, als den von ihm mit dem netz gesehen konflikten durch ‘verschiebungen’ unserer wahrnehmungen mit den von ihm genannten techniken zu behandeln.

trotz der inseln der vernunft steht er dem nachdenken (lummas ‘denkt da mal drüber nach’ oder dem alternativen versuch, die sich mit dem web ergebenen verhältnisse zu verstehen) eher ironisch gegenüber. das ist deshalb nicht unkonsequent, weil er den damit verbunden drang zu ‘gewissheiten’ eben misstrauen muss, wahrheit ist für ihn halt ein kompromiss.

dabei – und das ist in etwa, was ich mit ‘fruchtbarer wäre vl. gewesen, das problem epistemologisch zu framen’ gemeint habe – schliessen sich die beiden ebenen, also wahrnehmung/bewusstsein auf der einen seite und wissen/wahrheit auf der anderen, nicht nur nicht aus, nur im zusammenspiel kommt man aus den eigenen falschen wahrnehmungen gwm. raus, ohne sie dabei aufgeben zu müssen.

die von ihm im ersten teil erwähnten beispiele haben ja alle gemein, dass wir (zumindest grundsätzlich) wissen, wie sie funktionieren. und während uns unsere sinne weiterhin ‘täuschen’, können wir etwa optische illusionen weiterhin geniessen, genau weil wir wissen, dass und wie sie uns täuschen. wir kommen zwar nicht aus unserem bewusstsein raus, aber das ist auch nicht nötig, wir können uns nämlich immer im bewusstsein über die damit verbundenen limitationen bewusst sein, wenn wir sie verstanden haben. (wir müssen das ja nicht andauernd und immer machen, das wär wohl nicht praktikabel; aber wir können es machen, wenn es wichtig ist)

und wir kommen auch aus unserem netz nicht raus, aber auch hier könnten wir lernen, wie es funktioniert, welche prozesse und/oder dynamiken und/oder gesetzmässigkeiten es gibt oder auch nicht, und mit diesem wissen könnten wir dann unsere empfindungen, die wir im oder wegen dem netz machen, relativieren bzw. adäquater einschätzen. bevor wir also unsere wahrnehmungen verschieben, sollten wir versuchen zu verstehen, was warum wie eigentlich wirklich passiert.

paradoxerweise ist es ja genau der bezug auf eine ‘echte wirklichkeit’, mit denen sich verschiedene ‘falsche wahrnehmungen’ nicht als feinde (wer hat die einzige richtige falsche wahrnehmung? nieder mit den blaulosen) sondern als willkommene und nützliche diversität verstehen lassen (cool, ihr seht blaus und wir sehen grüns, machen wir beim klassifizieren von pflanzen ein team). sein mantra für ein besseres miteinander ‘wahrheit ist immer ein kompromiss’ ist gut gemeint, bewirkt unterm strich aber genau das gegenteil vom intentierten, weil es die partikularität des einzelnen gwm. nicht schätzen kann, sondern im kompromiss auflösen muss (ok, da kommen wir nicht weiter, dann sagen wir halt zu allem türkis).

(nur am rande: lustigerweise irritierte mich hier an diplix das gleiche, was mich schon vor kurzem bei seinem bevorzugen der dummheit über die bösartigkeit irritiert hat, nur war damals das problem entlang anderer gegensätze fomuliert)

(und nur prophylaktisch: den einwurf ‘dann mach’s doch selbst’ weise ich zurück)

fyi: alles sagbare ist schon gesagt – es ist nur noch nicht gleichmässig angekommen.

fyi: auf was es wohl hinausläuft: big data vs. eigensinn.

Algorithm, Or the Cultural Logic of Late Capitalism von Fredric Jameson.

Warum fällt es der Indiecrowd so schwer zu verstehen, dass sie es sind, die das materialistische/warenfetischistische Verständnis von Daten haben, und nicht die Plattformen?

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 97 schuldig:

Ich glaube die Wurzel des Nichtverstehens liegt in den tendenziell linken/liberalen Werten der Indiecrowd – dem Glauben an Offenheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Autonomie, Demokratie, Bürgerrechten, Datenrechten, usw. Damit ausgestattet werden sie wiederholt mit Plattformen konfrontiert, auf denen Menschen Dinge tun und die mit hunderten Millionen, manche sogar mit dutzenden (Twitter) oder hunderten (Facebook) Milliarden bewertet werden.

Das weckt natürlich die Neugier und wenn man sich fragt, wo der Wert denn herkommt, wer ihn erzeugt, wer davon u.u. unrechtsmäßig profitiert, usw., dann landet man schnell bei der Diagnose, dass es – und ich beziehe mich im folgenden exemplarisch auf Twitter, das Prinzip lässt sich aber leicht auf die meisten anderen Plattformen übertragen – ein Produkt gibt (den Tweet), das von ganz offensichtlich unbezahlten Arbeitern produziert wird (den Usern), was in der Summe ein aggregiertes Ganzes ergibt, dessen Mehrwert sich die Betreiber dann fürstlich bezahlen lassen.

Ist man gedanklich einmal bei diesem Ausbeutungszusammenhang gelandet, kommt man nicht nur schwer wieder davon los, es beginnt auch eine Art warenfetischistische Überbewertung des Produktes Tweet. Sprich: der Tweet selbst wird als viel wichtiger und bedeutsamer und wertvoller imaginiert, als er eigentlich ist (in 98,2% aller Fälle ist es ein in 20 Sekunden abgesetzter Blurb mit 80 Zeichen und zwei Hashtags und/oder einem Link und/oder 6 Emojis).

Es wäre sicherlich interessant, sich die Arten der Übertragungen und Projektionen etwas genauer anzuschauen – mitunter geht es um Fragen der Kontrolle, vom Besitzanspruch, von der sogenannten Hoheit über die eigenen Daten, um die Ströme und Reaggregierbarkeit, usw. – hier relevant ist aber nur, dass der Tweet fortan als Ware und also die eigene Aktivität als Arbeit und also das Verhältnis als Ausbeutungsverhältnis konzipiert wird und dass man sich in dieser Schlinge umso mehr verfängt, je mehr man sich darauf fixiert.

Mein Vorschlag zur Kur wäre, Tweets nicht länger als Produkt mit einem (ohnehin nur solipsistisch imaginierten) Wert zu konzipieren, den dann ein anderer abschöpft, sondern funktionalistisch als Abfälle kommunikativer Akte zu verstehen, mit denen man Dinge erreichen will und/oder kann.

Man twittert aus reinem Egoismus, weil man seine Bekannten und Verwandten mit dem eigenen Geistesblitz beglücken möchte, weil man die Welt unbedingt über den letzten grenzgenialen eigenen Blogeintrag informieren möchte, weil man eine schnelle Frage hat auf die wohl einer aus der geneigten Verfolgschaft eine Antwort hat, uswusf.

Und man liest die Tweets der Anderen aus reinem Egoismus, weil es einen mit dem bekannten sozialen 6ten Sinn versieht, weil man über Ereignisse fast in Echtzeit informiert wird, weil man eine Injektion an Serendipity bekommt, die sonst kaum möglich wäre, weil man ein genuines Interesse an den Mitmenschen hat, etctrara.

Das Problem der Indiecrowd ist also grundsätzlich, dass sie gelegentlich bürgerliche Eigentums- und die damit verbundenen Kontrollverhältnisse konstruieren und darauf bestehen, wo es eigentlich um Kommunikationsverhältnisse geht und wo deshalb auf diese Kommunikationsverhältnisse optimierte Plattformen, auch wenn sie noch so geschlossen sind (funktional sind die meisten ohnehin offen), den auf Eigentums- und Kontrollverhältnisse optimierten Indieplattformen in der Gunst der Benutzer bei weitem überlegen sind. Benutzer verhalten sich üblicherweise halt funktional rational und nicht asketisch ethisch.

(nur zur sicherheit wie immer als faustregel: sei so indie wie möglich!!11 und backe alles up; aber beharre nicht auf dem indie wo es mehr schadet als nützt oder wo es irrelevant ist)

Note: Ich spiele mich gerade mit dem Design der Startseite herum, das hier waren gerade die letzten 20 Einträge aus live.hackr und data.hackr. Dort gibt's auch die normale Pagination zu den älteren Einträgen.

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