Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 112 schuldig:

diese unsäglichen, üblicherweise animierten Gifs, die man mit zwei Tipps oder Clicks einfügen kann, um einem Tweet eine besondere Note zu geben

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‘toxischstes für einen zivilen Diskurs’ klingt sicher etwas übertreibend, ist aber vl. nicht unberechtigt:

  • die primäre Motivation von Twitter für das Feature kann nichts anderes gewesen sein, als die Produktion von Tweets aus einer der emsigsten Demographien zu maximieren, die zu guten Teilen visuell kommuniziert: den Kids (und in der Folge dann natürlich allen anderen, die kindliche Kommunikationsformen aufgreifen).
  • das Problem dabei ist aber, dass solcherweise generierte Tweets im besten Fall wertlos sind, öfter als nicht einen Thread zumindest visuell irritieren, emotional hijacken und nicht selten auf eine völlig falsche Bahn lenken können.
  • das tun sie, indem sie die jeweiligen Threads undifferenziert aber mit Maximalstärke emotionalisieren, entweder als Zustimmung (yass, slay queen, standing ovation) oder als Ablehnung (facepalm, disgusting, wtf) oder als undifferenzierte Verstärkung (omg, shook). Und während zwar auch schon Emojis primär emotionale Verstärker und visuelle Kontextualisierer sind, so funktionieren sie einerseits weit weniger aufdringlich, müssen trotz Bildlichkeit noch immer als Zeichen interpretiert werden und lassen durch Kombination und Wiederholung üblicherweise ein weit breiteres Spektrum an Ausdruck zu. Gifs sind viel aggressiver, weil sie sich aufdrängen und gwm. nicht ungesehen gemacht werden können.
  • und das wiederum ist schon in Threads mit einheitlicher Reaktion ärgerlich genug, sprich: warum muss man sich durch diese immergleichen Bilder mit völlig übertreibender Ikonographie quälen?, aber in Threads mit sich widersprechenden Reaktionen führt das oft zu einer Ausdifferenzierung an die bipolaren Ränder, bei denen sich alle nur noch als im Team oder als Feinde wahrnehmen können. Und ich will jetzt nicht behaupten, dass Gifs daran schuld sind, aber weil die Motive so plakativ und oft unmittelbar beleidigend und als Bilder eben auch unmittelbar wirksam sind, erzeugen sie oft eine ebenso plakative Gegenreaktion, auf die eine weitere Gegenreaktion folgt, usw., und weil sie so aufwandslos und ohne Kosten für den Twitternden sind kann jeder mit gewisser Leidenschaft für oder gegen irgendwen oder irgendwas fast unbegrenzt Zank stiften.

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Unter dem Strich sind Gifs also ein Feature, das auf Produzentenseite die Kosten für das das Erstellen von psychohygienischen Rants minimiert, diese Tweets auf Rezipientenseite aber emotional teuer und inhaltlich wertlos sind und diese Tweets zudem Feedbackloops triggern, die die ganze Plattform problematischer machen.

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Die gute Nachricht ist, dass das bis dato wohl nur bestimmte Themen mit bestimmten Demographien tangiert und dass man das etwa in Deutschland doch nur selten sieht. Was das Feature aber nur umso dümmer macht, weil sich Twitter großen potentiellen Schaden für unterm Strich gegen Null gehenden Nutzen (für sie: anzahl an tweets, aufregung um die tweets) eingebaut hat. Man darf ja nicht vergessen: neben den eingebauten Retweets und @replies sind die Gifs neben Fotos, Umfragen und Emoji das einzige unterstützte Feature für Tweets.

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Endlich wieder einmal ein Quiz: welches unterm Strich unnötige Feature in der Serie an Verschlimmbesserungen von Twitter dürfte sich mittlerweile als toxischstes für einen zivilen Diskurs herausgestellt haben und warum?

(nts: ein ding bei dingen: ihr nutzwert ist immer ein radikaler überschuss, sprich: wir können sie nie maximal ausnutzen, zu ende benutzen, usw. oder nur die allerwenigsten dinge, die allermeisten nur zu einem bruchteil. insofern brauchen wir kein schlechtes gewissen zu haben. (industriell hergestellt verschiebt sich das nat. nochmal) der bezug ist auch immer persönlich – sprich: dem nächsten sind sie egal, er hat den bezug nicht)

(blogpost ausnahmsweise mal über kein dilemma, aber doch über ein signifikantes problem im derzeitigen web: den umstand, dass erfinder und entwickler glauben zu wissen, was ihre erfindung bewirken wird oder bewirken sollten, nur weil sie es entwickelt haben. wir sehen again und again, dass sie es nicht tun, und tatsächlich auf jeder ebene falsch liegen (von tim bernes lee bis @jack und zuckerberg))

((bonuspunkte wie immer für konkrete ethnographische, ökonomische und semiotische beschreibungen und sternchen für eine umfassende typologie))

fyi: we don’t have to fix the internet, we just have to fix advertising.

(mir ist das tatsächlich noch nie aufgefallen, aber ganz lustig: dt. bücher und en bücher sind an ihrer rückseite verkehrt beschriftet; dt. sind zum einordnen optimiert (kopf nach links drehen), en zum stapeln (kopf nach rechts drehen))

dezentral, blockchain ist der technokratische (und debil durchgestrichene) bruder der simulakren. wenn man so will werden gerade die konzepte von baudrillard von vor 40 jahren realisiert

(bei ihm war das kapital / die verhältnisse der produktion auf der 3. stufe angekommen; in der ersten gab es einen direkten bezug zur natur, in der zweiten einen zum tauschwert, in der dritten nur noch zum zirkulationswert von zeichen, so in die richtung, und mit bitcoin sind wir gwm. auf dieser dritten ebene einer reinen simulation, nur simuliert sie gwm. den bezug auf den tauschwert der 2.)

(im grunde gibt’s zwei richtungen: das 5-fache hinterfragen der japaner und das 5-fache verblöden der dt. politiker und journalisten (nach dem motto es geht immer noch blöder))

fyi: webdienste müssen trotz der menschen funktionieren können, nicht dank der oder für die menschen.

fyi: die welt ist nicht lösbar.

live.hackr feiert heute seinen 13. Geburtstag!

Einen herzlichen Dank an alle, die hier noch immer vorbeischauen, ohne euch wäre es nicht so lustig!

(nts: vergleichbar zum POSSE (Publish (on your) Own Site, Syndicate Elsewhere) und PESOS (Publish Elsewhere, Syndicate (to your) Own Site) aus dem indieweb bietet sich für die primäre verwaltung von daten, dokumenten und dateien und deren backup ein äquivalentes setup an:

SEBOD Store Elsewhere, Backup (on your) Own Disk
SODBE Store (on your) Own Disks, Backup Elsewhere
)

hackr.de

kleiner tipp: die vl. einfachste methode, im web fast clutter free herumzustreunen, ist, sich die safari technology preview herunterzuladen und dort dann unter ‘Develop’ Bilder und Javascript zu disablen, das kann man mit einem klick an- und austogglen. (hier bringts jetzt noch nicht ganz so viel, aber nicht wenige seiten werden damit erstmals sogar zumindest erträglich)

disable

Tool oder Extension, das den Browser der eigenen Wahl nach einem etwaigen Reset bei den jeweiligen Plattformen mit einem kontrollierten Bündel an automatisierten Requests quasi wieder mit den Basics der eigenen Präferenzen vorpopuliert.

screenshot leeres disqus kommentarfeld
vor 10 jahren

screenshot disqus laden
heute

ui: heute vor 10 Jahren hab ich disqus hier eingebettet und wirklich nie bereut.

fyi: plattformen sind die indifferenzkurven der gesellschaft.

meeker 2018

devoha: Mary Meeker mit ihrem jährlichen (genau genommen halbjährlichen) Bericht zum Stand des Internets (ich mag sowas ja)

(siehe Mary Meeker’s View Of The World In 355 Slides und Mary Meeker’s View Of The World In 213 Slides und Mary Meeker’s View Of The World In 197 Slides und Mary Meeker’s View Of The World In 50 Slides)

Der Alte Dattl (m/f, eher m) ist ein in doch häufig zu sehender Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er die Welt nur nach dem letzten von ihm benutzten Wahrnehmungsfeld bewertet und auch bei größtenteils kontrafaktischen Begebenheiten nicht mal auf die Idee kommt, dass sich vl. das ganze Dispositiv in den letzten 20 Jahren verändert hat.

(nur als cheap shot zb die von fast allen über 40 vorgebrachte generalkritik an instagram oder youtube, da will ja jeder nur ein star sein und zeigen wie super das eigene leben ist, während doch gleichzeitig beim machen der selfies das leben selbst verloren geht, weil man den moment selbst nicht mehr genießen kann, sondern nur noch dokumentieren will usw., ohne zu sehen, dass sich sowohl die ebene der identifikation und subjektbildung als auch der semiotischen verkettungen via internet auf den verschiedensten plateaus redifferenzieren kann)

((der alte dattl muss übrigens nicht alt sein, es gibt auch junge alte dattl; und der alte dattl muss auch nicht dumm sein, er aktualisiert nur seine wahrnehmungsmatrix nicht und sieht das nicht))

(((echte und ernstgemeinte bitte: man merkt ja selbst nicht, wenn man ein alter dattl wird. wer bei mir den eindruck bekommt, dass ich es insgesamt bei einem thema/feld bin, der kann mich gerne darauf hinweisen)))

(abt. supermarket studies)

wordpress

hui, wordpress wird auch schon fünfzehn

Die Selbstbeschäftigung der Gesellschaft von Niklas Luhmann #dsbdg

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