Never use jargon words like reconceptualize, demassification, attitudinally, judgmentally. They are hallmarks of a pretentious ass.

David Ogilvy via Boing Boing

(abt. no noes)

(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass öfter als nicht das gesamte ‘web’ als beobachtungs- und bewertungsebene für dinge ausgemacht wird)

((was leider eine sinn- weil diskriminationslose abstraktionsebene ist, weil das web keine ontologische substanz ist oder hat, in der irgendwas stattfinden kann, sondern bestenfall die aggregierte summe aller einzelereignisse ist, die auf allen jeweils konkreten plattformen halt stattfinden. das zu unterscheiden ist deshalb wichtig, weil es eben keine allgemeine logik des webs gibt, sondern nur konkrete einzellogiken konkreter plattformen, die aber mitunter auch völlig verschieden sein und verschiedenste dynamiken triggern können))

(((nur als kleines beispiel, weil wir das in letzter zeit häufiger hören: die aussage ‘im web werden die umgangsformen immer barbarischer’ klingt zunächst völlig plausibel; man muss schon ein sehr behütetes dasein führen, wenn man noch nie über kommentare gestolpert ist, wo man sich nur fassungslos fragen konnte, wo man denn da gelandet ist. und gefühlsmässig weitet sich das tatsächlich auch in bereiche aus, die vor einigen jahren noch nicht betroffen waren. es breitet sich also aus, im netz, und da muss man was gegen tun.

das ding ist halt: die kommunikationskultur ist kein abstraktes phänomen, das im web seine ausdruckskraft sucht, kommunikationskultur entsteht immer nur als konkretes produkt auf konkreten plattformen. die gute nachricht dabei ist, dass sich damit das problem sofort zerteilt und dass es also viel leichter ist, die ‘pathologischen’ ereignisse auf plattformen zu isolieren und zu versuchen zu verstehen, was bei ihnen warum ‘schiefläuft’. die schlechte nachricht ist, dass trotzdem immer auch plattformen betroffen sein können, die das wirklich nicht wollen (etwa die kommentarspalten der qualitätszeitungen), oder die eingebaute verstärkungseffekte haben, die das ganze also auch noch multiplizieren (etwa facebook). die gute nachricht ist wieder, dass man das verständnis der plattformdynamik in die bewertung hinein fakturieren kann und man die tatsächliche signifikanz vl. realistischer versteht. die schlechte nachricht ist, dass man sicher auch gelegentlich plattformen gwm. abschreiben bzw. aufgeben muss, zumindest was die erwartungshaltung einer idylle zum erzeugen von kommunikativer vernunft betrifft (was nicht heisst, dass eine solche nicht auch stattfinden kann, das kann sie immer; nur stellen sich plattformen im konkreten gebrauch früher oder später als mehr oder weniger resilient heraus). was als gute nachricht nochmal die einschätzung des stattfindenden diskurses verbessert; das ist übrigens deshalb wirklich wichtig, weil das übliche hysterische skandalisieren oft selbst mehr schadet als nützt.

jedenfalls ist es wichtig im hinterkopf zu behalten, dass der kommunikative umgangston kein symptom vom web ist, sondern immer das symptom einer konkreten plattform, die halt im web ist, aber immer neben allen anderen plattformen steht, die halt auch im web sind und ihre eigenen verhältnisse und dynamiken und umgangstöne erzeugen. es gibt zum glück ja auch viele, die wirklich angenehm funktionieren. der gedanke ist übrigens auch dann nützlich, wenn man sich überlegt, wie man kommunikativ resiliente oder sogar antifragile plattformen bauen könnte)))

(bonuspunkte also wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie)

(twitter cards folgen der logik von überwachungskameras; hat einer angefangen müssen alle nachziehen und am ende hat niemand einen vorteil, aber die qualität des gesamtsystems ist geschrumpft)

(ein buch sagt mehr als tausend tweets)

nessie

^ Google heute mit einem Nessie Doodle. Im Blog gibt es dann auch ein paar Hinweise, wie man dem mit einer speziellen underwater view auch selbst auf/unter den Grund gehen kann.

Für die Offenlegung aller Machtalgorithmen

(schon wieder) guenterhack

Warum ist Deutschland in allen Dingen Web so daneben?

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 61 schuldig.

Und die ist: wegen den Deutschen.

——

Derzeit gibt es wohl zwei dominante Kulturformen, die das allgemeine sozio-technologische Potential einer ‘Gesellschaft’ reflektieren:

(1) das Fernsehen
(2) das Web

Beide Formen sind hochgradig komplex (duh) und auf vielfältige Weise mit mehreren anderen gesellschaftlichen Subsystemen verwoben (duh). Beide sind nicht als Produkt, sondern nur als systemisches Bündel an Produktions-, Rezeptions- und Distributionsbedingungen, die alle selbst wiederum in den verschiedensten systemischen Abhängigkeiten zu Bildung, Technologie, Finanzierung/Kapital, Politik/Recht, etc. stehen, zu verstehen.

Das gesellschaftlich mögliche Potential beider Felder entsteht als Equilibrium im Zusammenspiel der jeweils beteiligten Strukturen, wobei es innerhalb dieses Equilibriums nur beschränkt die Möglichkeit zum ‘Ausbruch’ nach oben gibt.

Sprich: es ist nicht möglich, in einer Kultur einfach schnell mal besseres Fernsehen zu machen, oder einfach schnell mal bessere Startups zu erzeugen, indem man sie ein bisschen fördert oder in Schulen C++ unterrichtet. Will man sich verbessern, muss man das Niveau des Gesamtsystems erhöhen, was nur gelingen kann, wenn man das Zusammenspiel versteht.

(was es allerdings gibt, sind lokale maxima und talente, die auch in anderen milieus funktionieren könnten. ein harald schmidt war in seiner hochzeit mitunter sogar besser als ein david letterman; ein stefan raab macht – egal ob man ihn mag oder nicht – unterhaltsames fernsehen, das in dieser form woanders gar nicht möglich wäre; ein christoph waltz kommt in hollywood überhaupt erst zur entfaltung; usw.)

Spielen wir das nur mal als Milchmädchen frei assoziativ mit Fernsehserien durch: Es gibt die Ebenen der Produktion, die einerseits mehrere kulturelle Gebiete wie Schauspiel, Literatur/Drehbuchschreiberei, Musik/Ton und Regie/Kamera integriert, aber natürlich auch alle anderen Aspekte einer Produktion wie Schnitt, Casting, Kostüme, Bühnenbild und Set Design, Postproduktion und Special Effects, etctrara beinhaltet. Dann gibt es die Ebene der Kritik und der Rezeption, also wie viele Leute es anschauen, welche Leute es anschauen, was von Kritikern oder Sehern darüber gesagt und geschrieben und gevloggt wird, welche Themen oder Charaktere sich ins kulturelle Unbewusste einprägen, welche Bilder oder Themen davon zu zirkulieren beginnen, auch welche Veranstaltungen es dazu gibt (Comic-Con, Bambi), usw. Und es gibt natürlich die Ebene der Finanzierung, Distribution, Vermarktung und Ausstrahlung, also dem Gewebe an öffentlichen und privaten Fernsehanstalten, an Produktionsfirmen, an Programmverantwortlichen, Showrunnern, Werbenden, usw, die auch wiederum alle in unterschiedliche Strukturen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen eingebettet sind.

(nicht jede erwähnte und vergessene schraube wirkt sich sofort auf alle anderen schrauben aus, d.h. es gibt schon grössere und kleinere abstraktionen, aber vieles hängt mit vielem anderen mehr oder weniger direkt zusammen)

Für jede der beteiligten ‘Positionen’ gibt es offizielle oder inoffizielle Bildungswege, Werdegänge und Verfahren der Besetzung (gewerkschaftlich, meritokratisch, nepotistisch, etc.). Und auf jeder Ebene werden sich formelle oder informelle Prozesse etablieren und ausdifferenzieren. Und das Zusammenspiel von allem etabliert dann eben halt das jeweils konkrete gesellschaftliche Gesamtmilieu.

Hier ist nun das Ding: dieses Gesamtmilieu definiert weitgehend einerseits die durchschnittlich erwartbare minimale Qualität von Produktionen und andererseits die maximale Höhe der Idealproduktion. In einer Kultur mit hohem Gesamtmilieu ist nicht nur jede durchschnittliche Produktion viel besser als jede durchschnittliche Produktion aus einer Kultur mit niedrigerem Gesamtmilieu, in einer Kultur mit hohem Gesamtmilieu sind auch die Spitzen (die The Wire’s, die Breaking Bad’s oder die Jon Stewart’s) ungleich viel höher, als sie in einer Kultur mit niedrigerem Gesamtmilieu überhaupt möglich sind.

Innerhalb eines (niedrigeren) Milieus fällt das nicht auf, weil alles andere ja genauso mittelgut ist und es eine lokale Verteilung mit lokalen Hits gibt. Die eigene Höhe im internationalen Vergleich spürt man nur, wenn man die eigenen Programme international verkaufen will. Und bei Fernsehserien kann man sich ja leicht ausmalen, wie das Verhältnis von Import zu Export ist.

Ich glaube die Frage, warum es fast unmöglich ist, aus dem lokalen Milieu auszubrechen, wird am Beispiel Fernsehen recht anschaulich: Bei guten TV-Serien (oder auch Reality TV) sind einfach alle Ebenen irre gut; die Schauspieler sind irre gut und die Stories bzw. die Dialoge sind irre gut und die Cinematographie ist irre gut und der Schnitt ist irre gut und die Musik ist irre gut und die ganze Qualität der Produktion ist irre gut, usw. Was bedeutet, dass es diese guten Schauspieler und Schreiber und Regisseure und Kameramänner und Editoren und alle anderen zuerst einmal geben und dass man sie dann auch finden und bekommen muss. Und in Kulturen mit hohem Milieu haben sich diese Prozesse eben zu einem Grad ausdifferenziert, dass es einerseits einen sich permanent nachfüllenden Pool an Talenten gibt, und andererseits Mechanismen die besten zu entdecken und auf die aktuellen Projekte zu mappen. Und weil sich Talent nicht in einem Vakuum entwickelt sondern nur im Benchmark gegen andere wird dieser Pool an Talenten umso besser, je besser er schon ist. Und je grösser und besser der Pool ist, desto eher professionalisieren und spezialisieren sich die Filterprozesse; Aufgaben wie Casting werden überhaupt erst dann ‘als Kunst’ geschätzt und anerkannt, wenn man aus einem vollen Pool schöpfen kann, aber auch weiß, dass es auch alle anderen tun. (deutsches reality tv beginnt üblicherweise mit wirklich lahmem casting, was ihnen in konsequenz dann kein material für subtileres storytelling gibt, sondern halt nur für ein sich akzelerierendes gegenseitiges anschnauzen)

Komponenten beim Web

Mit dem Web verhält es sich grundsätzlich sehr ähnlich. Es gibt die Ebene der Produktion, die mehrere technische/informatische Gebiete wie Systemanalyse, Programmieren, Entwicklung von bösen Algorithmen, Datenbanken, Testen oder Design integriert, aber natürlich auch alle anderen Aspekte eines Projekts wie Projektmanagement, Qualitätssicherung, Administration, Dokumentation, usw. beinhaltet. Dann gibt es die Ebene der Benutzung und der Rezeption, also wie und wie viele und welche Leute es verwenden, was die Blogger oder Benutzer darüber sagen, welche soziale Objekte erzeugt werden und wie sie fliessen können, wie es via APIs o.ä. mit dem Gesamtsystem anderer Dienste zusammenhängt, usw. Und natürlich die Ebene der Leitung, Finanzierung und Vermarktung, also den Gründern und Managern, dem Gewebe an öffentlichen Förderungen und Einrichtungen und Wagniskapital, an Human Resources und Contractors, an Werbenden und zahlenden Kunden, Presse, Kommunikation, Community Management, usw. die auch alle wiederum in unterschiedliche Strukturen mit unterschiedlichen Rahmenbedingungen eingebettet sind.

Und auch hier gibt es für jede der beteiligten Positionen offizielle oder inoffizielle Wege der Ausbildung und Besetzung und auf jeder Ebene eine Ausdifferenzierung formeller und informeller Prozesse zum gesellschaftlichen Gesamtmilieu, das auch hier wieder ganz weitgehend einerseits die durchschnittlich erwartbare minimale Qualität von und andererseits die maximale Höhe der Idealproduktion definiert. Wir kennen die Logik von oben.

Zu erwähnen ist vielleicht, dass es bei Startups natürlich ein viel breiteres Spektrum an Größenordnungen als beim Fernsehen gibt. Es gibt ja tatsächlich Ein-Personen Startups, die gesellschaftlich durchaus signifikante Effekte erzielen können. Und es gibt Probleme, die mehrere Tausend hochgradig spezialisierte Leute beschäftigen können und manche Milieus beschäftigen sogar zehntausende Leute damit alle andern zu überwachen. Der sweet spot für Startups scheint jedenfalls aber ein Kern von zwei, drei Leuten zu sein. Aber ob groß oder klein, alle sind an ihr Milieu gebunden.

Aber es gibt zwei wichtige Unterschiede:

Die Auswirkungen sind gesellschaftlich deutlich relevanter, weil es nicht nur ein Markt für Unterhaltung ist und/oder die Gesellschaft auf symbolischer Ebene tangiert (was natürlich auch nicht zu unterschätzen ist), sondern eben direkt in grundsätzlich alle anderen gesellschaftlichen Subsysteme einwirkt und diese u.u. transformiert, egal ob die das selbst dann wollen oder nicht. Dieses ‘es ändert sich alles’ klingt zwar wie eine blöde Plattitüde, aber es kann ja jeder versuchen sich zu erinnern, wie die Welt vor nur 20 Jahren noch war und es geht natürlich erst los, nur wissen wir noch nicht wohin.

Und die Bedeutung der ‘Rezeption’, also der Feedbackloops mit den ‘Benutzern’, ist nicht nur ungleich höher, sie ist essentiell, weil die Entwicklung neuartiger Dienste nur in Koevolution mit Benutzern möglich ist. Aus den Standardsituationen (aus 2009, also immer 5 jahre dazurechnen):

gerade im und um das internet lagen eigentlich alle schon immer falsch, man braucht nur an die metaphern und visionen von vor 15 jahren denken. niemand hat vor 10 jahren mit wikipedia, google oder blogs, vor fünf jahren mit facebook, youtube oder flickr, noch vor zweieinhalb jahren mit twitter und mit den damit einhergegangenen strukturveränderungen gerechnet, einfach auch deshalb, weil die meisten tools selbst reine zufälle waren, deren effekte noch nicht mal die gründer auch nur erahnten. facebook entstand, weil zuckerberg ein fauler hund war und aufgaben crowdsourcen wollte; flickr war ein abfallprodukt eines online-games; die wikipedia entstand, weil aus der eigentlich angedachten nupedia, die von experten geschrieben werden sollte, nix wurde; twitter war als sms-dienst unter freunden gedacht, den die user dann umfunktionalisiert haben und zu dem gemacht haben, was es ist. wir wissen alle nix und selbst wenn man mit einer aussage/prognose zufällig richtig liegt, dann eher deshalb, weil irgendeine aussage immer stimmt, und nicht weil man es wissen konnte.

(nts: mich öfter selbst zitieren)

Aber der Zufall kommt, das habe ich damals nicht betont, nicht von allein; er entsteht nur in der Dialektik zwischen der Art, wie Leute ein Angebot be- und oft missnutzen und für sich interpretieren, und der Aufmerksamkeit von Gründern, die sich abzeichnende Flüsse wahrnehmen und im Idealfall aufgreifen und damit laufen. Ohne die Neugier der frühen Benutzer entsteht ganz einfach nichts Neues. (Permutationen sind ab einem gewissen Grad des Verständnisses dann natürlich möglich, aber auch die erhöhen im besten Fall die Wahrscheinlichkeit für einen gewissen Erfolg; man sieht das daran, wie wenige Gründer ihren ersten Erfolg dann wiederholen können, auch wenn sie dann deutlich freundlicher behandelt werden, was natürlich auch schon wieder der Grund für das ‘Nichtfunktioneren’ sein kann, weil ihnen der tatsächliche Gegenwind fehlt; VC folgt übrigens einer anderen Logik, die versuchen Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu optimieren)

Und das ist dann eigentlich schon das K.o. für rein deutsche Startups in der ersten Runde, die notwendige Dichte an explorativen Benutzern gibt es hier einfach nicht, weil alles Neue zunächst als reine Zumutung wahrgenommen wird, die einen mit einer Vollbegründung erst von ihrem Sinn und Nutzen überzeugen muss, bevor man sich vl. mal zur temporären Benutzung erbarmt. Rationalität und Erbsenzählerei sind in einigen Bereichen nützliche Eigenschaften, als Katalysatoren für Startups sind sie aber ungeeignet. In Deutschland ist sicherlich einiges suboptimal, aber auch Medien und Politik, die zwei größten absichtlichen Bremser, können nichts verunmöglichen was wirklich ans Tageslicht will. Das große Unglück für die deutschen Startups sind die deutschen User.

(wenn das noch nicht reicht, dann kommt in deutschland noch dazu, dass gründungen häufig bwl-getrieben sind, was auch noch die zweite seite der erwähnten dialektik behindert, weil es bei denen im vergleich zu tech-getriebenen deutlich schwerer ist, aufmerksam zu sein und sich mit agilität anzupassen)

Und das bedeutet leider, dass das ganze Standard-Repertoire an von Politikern, Verbänden, Vertretern und Bloggern geforderten Förderungen überhaupt nichts bringt, weil sie im besten Fall ein Problem lösen, das von diesem Grundproblem dann schon im Keim erstickt wird. Die (oft bemängelte) Anzahl an Startups zb. ist ja überhaupt nur dann bedeutsam, wenn es einerseits zu mehr Variation führt und es andererseits auch eine gesellschaftliche Selektionsfunktion gibt, die die potentiell funktionierenden Startups dann entdecken kann. Ansonsten ist das ein reiner crap shoot. (inkubatoren sind die standard-maschine zur erzeugung dieser variation, nur benötigen auch die wieder eine gewisse systemische dichte als katalysator, die üblicherweise durch eine art hunger-funktion erzeugt wird, die es in deutschland eigentlich – zum glück – auch nicht gibt).

(nur zur sicherheit: mich interessieren hier nur native webstartups, die irgendeine neue beziehung oder verbindung von davor unverbundenem ermöglichen, irgendein neues soziales objekt generieren, irgendwelche neuen ströme erzeugen oder fliessen lassen, irgendeinen neuen möglichkeitsraum erzeugen. mich interessiert hier nicht die abbildung von grundsätzlich ohnehin gut verstandenen verhältnissen jetzt halt auch im web, das folgt mitunter einer etwas anderen logik mit teilweise grösserer steuer- und planbarkeit; auch der komplex internet of things und alles was mikro- oder makroskopisch mit hardware zu tun hat funktioniert anders)

Wenn man sich also sagen wir mal auf mittlerem Niveau überlegt, wo man ansetzen soll und was man tun kann, um international mitzuspielen zu können, dann ist es wichtig, die eigenen Schwächen zu verstehen, damit man an seinen asymmetrischen Stärken arbeiten kann.

Das ist im Falle Web im Vergleich zum Fernsehen auch deshalb relativ wichtig, weil im Web nur die Ebene der Produktion an das lokale Milieu gebunden ist; die Ebene der Rezeption ist zumindest grundsätzlich flüssig, d.h. für Benutzer gibt es keine Notwendigkeit, mittelgute lokale Reinterpretationen zu verwenden, weil man immer auch das Original verwenden kann. Der Name World Wide Web deutet das schon an.

(es ist nicht nur völlig sinnlos, den höchstentwickelten projekten des höchstentwickelten milieus à la ‘wir brauchen ein europäisches google’ direkt konkurrenz machen zu wollen, es ist auch eine verschwendung von ressourcen, die in andere projekte gesteckt werden könnten. mit den 200 mio die etwa in theseus gepumpt wurden, hätte y-combinator 1.667 startups inkubieren können. das problem dabei ist natürlich, dass es im milieu dementsprechende verfahren geben müsste, die diese sinnvolleren projekte erkennen kann, was auf mittelhohem niveau eher unwahrscheinlich ist, es hängt eben alles mit allem zusammen)

Es wird ein bisschen lang und das ist vl. Thema für ein anderes Posting, aber ich glaube es ist die Hoffnung nicht ganz unbegründet, dass das ‘Deutsche’ nicht nur das Problem, sondern auch die Lösung ist, weil es einige tatsächlich distinktive Eigenschaften und ausgeprägte Qualitäten hat, die sich für die zukünftige Ausdifferenzierung vom weltweiten Gesamtmilieu als nützlich erweisen könnten.

google

^ endlich spargel.

Tool oder Plattform, das das Prinzip von IFTTT – also dem programmierbaren Verketten von Ereignissen – aufgreift, aber auf historische, auf Webdiensten schon abgebildete Ereignisse überträgt.

you may also like

^ der dokumentarischen voha kleiner nachtrag zu 587191314317496320 : twitter hat offensichtlich damit begonnen, bei manchen tweets in der einzelansicht empfehlungen für potentiell interessante andere tweets abzugeben. ohne dem weiter nachzugehen ist vl. das interessanteste, wie fast schon google-patschert sie das implementiert haben; sie zeigen die empfehlungen nur bei tweets ab einem gewissen threshold an favs und retweets an, und die empfehlungen sind dann ein wirklich völlig kontexloses gemisch an auch wieder zumindest semipopulären tweets (bevorzugt, aber nicht notwendigerweise mit assoziiertem bild) von leuten, denen man selbst nicht folgt, oder so. weil sich bekanntlich viele auf twitter denken: twitter ist super und alles, aber was ich wirklich oft vermisse sind irgendwelche tweets von irgendwelchen leuten, die zumindest 5 favs haben usw.)

(kontextlose randbemerkung, aber es ist schon irre, wie gut gewisse serien schon vom absoluten anfang an besetzt und konzipiert waren)

fyi: wir müssen nicht für alle/alles sein, das eines unserer argumente unterstützt. wir müssen auch nicht gegen alle/alles sein, das einem unserer argumente widerspricht.

(ganz witzig ist eigentlich, dass gerade die materialität vom papier über die hintertür eine art absolution vom ‘lesenmüssen’ einführt, während die digitalität des links eine art andauernde kafkaeske unerfüllbarkeit konstituiert)

Die nicht notwendigerweise feinen Unterschiede von Pierre Bourdieu.

Der Gamer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge/Plattformen/Systeme/die Welt als Spiele konzipiert, die es zu gewinnen gilt.

Dem reinen Gamer geht es also nicht primär um die Erzeugung oder Abschöpfung von Wert oder Sinn (wobei er mit seinem tun durchaus wert und/oder sinn erzeugen und/oder abschöpfen kann), es geht ihm um das Maximieren von Punkten entlang einer Skala an Scores auf einem Leaderboard.

Öfter als den reinen Gamer gibt es aber den Abschöpfer, also den Gamer, der das Spiel mit dem ausschließlichen Ziel des Abschöpfens von Wert in ein anderes System verfolgt (wobei er damit trotzdem durchaus wert und/oder sinn erzeugen kann). Das kann durchaus oft funktionieren, weil viele als ‘Spiele’ konzipierbare Verhältnisse eine ‘Gewinnfunktion’ haben, die von gewinnenwollenden Spielern relativ leicht angezapft werden kann, weil die meisten ‘Mitspieler’ gar nicht bewusst spielen; das bedeutet oft aber auch, dass das ganze Spiel zu einem Nullsummenspiel oszilliert, weil alle einfach zu gewinnenden Spiele früher oder später auch viele andere Abschöpfer anzieht, mit denen man sich dann herumstreiten muss (man denke an den ganzen komplex google- oder ebay basierten ecommerce).

(den gamer bei analysen im hinterkopf zu behalten kann durchaus nützlich sein, weil wir in den letzten jahren ja immer wieder konstellationen hatten, bei denen irgendwelche incumbents plötzlich mit gamern zu tun bekamen, die ihnen die wurst vom brot stahlen und sich nun anschicken, auch noch ihr brot anzuknabbern)

((der grundsätzliche fehler ist dann fast immer, sich selbst in einen spieler im ‘vorgegebenen’ spiel verwandeln zu wollen, statt zumindest für sich selbst ein eigenes spiel zu definieren))

(abt. supermarket studies)

Nicht in Technologien denken, sondern in Habitualisierungsprozessen

guenterhack

poodle

^ omg, bei pinboard kann man auch mit poodles taggen.

fyi: aussagen müssen nicht notwendigerweise allgemeingültig sein, sondern können sich auch auf bestimmte felder unter bestimmten rahmenbedingungen zu bestimmten zeiten oder gegebenheiten beziehen.

poodle

^ eher devoha: twitter hat ‘neue’ retweets. wenn man auf retweet klickt, kann man wie bisher retweeten, oder man kann den retweet annotieren.

(leicht verwirrend/ganz interessant/nicht uninteressant/etwas inkonsistent ist der umstand, dass diese retweets keine eigentlichen retweets sind, sondern ‘nur’ autonome/eigenständige tweets, die mit der URL des ‘geretweeteten’ tweets vorpopuliert sind, wobei twitter den verlinkten tweet als solchen erkennt und als spezialfall inline ‘expandiert’. das bedeutet aber, dass die referenz auf das original verloren geht und der retweet eher eine resimulation ist; man sieht es beim original weder unter den retweets noch unter den replies; ich frage mich, ob sie das wollten (was durchaus sein kann, wobei mich dann interessieren wäre warum), oder ob sie das übersehen haben (was durchaus sein kann, wobei mich auch dann interessieren würde, wie ein solches übersehen bei einem so zentralen ding möglich ist)

fyi: am internet gibt’s nichts zu verstehen, es ist selbstevident. jeglicher diskurs darüber ist nichts als verwirrung.

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