FYI 022
(eher systemtheoretisches) fyi: das blog ist das strukturelle gegenteil vom zettelkasten.
Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 24: Der Käfer
Der Käfer (m) ist ein doch gelegentlich gesehene Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er jegliche Rationalität und Einfühlungsvermögen abblockt, ohne im eigenen Abblocken die mangelnde Rationalität überhaupt zu erkennen.
(abt. supermarket studies)
Lazy Book Ep. 27
Legaler Sinn. Kritik der sozialen Vernunft von Pierre Bourdieu.
(sollte eine bestandsaufnahme vom ‘legalen kapital’ dokumentieren, also die art und weise, wie nationale und internationale gesetze und abkommen nur bestimmte interessen von bestimmten interessengruppen vertreten, welche verteilungsströme sich dadurch ergeben, usw.)
Papierkorb pt. 96
(ich glaube eine der blödesten grundannahmen (nicht nur von medienhanseln) ist, dass content selbst schon wünschenswert ist)
Papierkorb pt. 95
(ich glaube eine der blödesten grundannahmen vieler startups und fast aller incumbents ist, dass leute mit ihren gerätschaften ‘reden’ wollen)
FYI 021
fyi: wir brauchen kein growth hacking, wir brauche ein sinn hacking.
Cheap
(auch eher als nts und weil man sich gelegentlich selbst daran erinnern muss: manchmal vergessen wir in unserem (natürlich immer völlig berechtigten) bemängeln vom noch immer unerreichten und jetzt-schon-möglich-sein-sollendem, was trotzdem auch jetzt schon ganz konkret angeboten wird; nur als beispiel: vor 20 jahren bekam man für $10 gerade mal eine 12” mit 2 oder 3 tracks; heute offerieren die ganzen musikdienste für $10/m zugriff auf die gesamte musikgeschichte, zumindest auf mehrere millionen tonaufnahmen)
Lazy Startup Ep. 42
Verlag, der alle Tweets von Leuten in 10.000er-Blöcken als Papierbuch publiziert.
(das design müsste uniformiert und sammelbar sein, also entweder wie reklam oder stw, oder farblich serialisiert wie merve oder edition suhrkamp)
Crowdfeigling
(nur damit ich es vergessen kann und es mir nicht jedesmal, wenn ich von einem mutigen crowdfunding projekt höre, denken muss: crowdfunding ist sehr super und tatsächlich ein fundamentaler shift in den produktionsbedingungen und ermöglicht vieles sonst unermöglichte, aber was es nicht ist ist mutig. crowdfunding ist sogar das diametrale gegenteil von mutig, weil es das risiko vom produzenten nimmt und zum funder verschiebt. und das ist völlig ok, weil jeder funder natürlich nur einen winzig kleinen teil vom risiko trägt und dafür neben dem goodie auch ein gutes gefühl von sich selbst bekommt usw. – aber der modus der produktion basiert eben nicht auf courage und der erzeugung von ungewissem, sondern auf vorfinanzierung und risikominimierung)
FYI 020
fyi (und nts): dinge konkret zu dokumentieren und empirisch zu beschreiben ist was anderes, als die aussage ‘wundert mich wenig’.
Express Yourself

^ Google spendiert Gmail hunderte Themes und Emojis und ich verdränge noch die Befürchtung, dass sich die ehemalige und jetzt ja blöd herumstehende kreative Energie von G+ nun mit Gmail ein anderes Opfer sucht, sich mit Emails selbstverwirklichen oder ausdrücken zu wollen ist ja doch ein bisschen ein stretch, auch das Gmail Inbox löst ja nur umständlich ein Problem, das man gar nicht haben sollte usw., aber warten wir mal ab, Gmail in den Sand zu setzen traue ich selbst Google noch nicht zu.
FYI 019
fyi: leute, die tun, denken leider nichts wirklich durch; und leute, die wirklich durchdenken, tun leider nichts.
Pinboard Is Six Years Old

^ Pinboard wird sechs
By 1980 Pinboard was an elaborate system of strings and pulleys cross-referencing material across five bookshelves and a greenhouse. One of my earliest memories is tugging on one of the threads and watching a cloud of white bookmarks fly out from between the onion-skin pages of a thick tome. I got a sound drubbing for it. But how we laughed!
(siehe Pinboard Is Five Years Old, Pinboard Is Four Years Old, Pinboard Turns Three, Two Years of Pinboard und One Year Of Pinboard)
FYI 018
fyi: wenn wir es mit dem web nicht schaffen, die welt besser zu machen, haben wir weder das web noch die bessere welt verdient.
Twittable Twitter Tricks Pt. 7 The Receptive Edition
aktiviert in euren settings das empfangen von allen DMs.
(in settings -> security and privacy -> receive direct messages from anyone; das eröffnet allen die möglichkeit, euch dm’s zu schicken, also etwa auch jenen, denen man eigentlich gerne folgen würde, die aber jeden tag 100+ tweets raushauen und denen man nur deshalb nicht folgt, oder natürlich auch gänzlich unbekannten und insgesamt jedenfalls also viel mehr unerwartbarkeit; falls irgendwann der spam überhand nehmen sollte, kann man es dann noch immer deaktivieren)
618394991371620352 Revisited
.@martinweigert mspro diplix das 'große problem' ist doch nicht die demut/epistemologische reflexion, sondern die dummheit/arschlochigkeit
— Markus Spath (hackr) July 7, 2015
@martinweigert _jk mspro diplix (nur zur sicherheit: ich meine das nicht persönlich, sondern strukturell; etwa ausblenden des int. disk.)
— Markus Spath (hackr) July 7, 2015kl. nachtrag zu 618394991371620352 weil man es doch auch missverstehen kann:
vorgeschichte war diese anmerkung von diplix über eine anmerkung von niggemeier, in der dieser sich über die pseudo-wirlassenunsauchgernekorrigieren-prozesse der medien mokiert und diplix stattdessen mehr demut im journalismus fordert, damit gewinne man eher vertrauen zurück als als ignoranter, besserwisserischer gockel. aber während demut natürlich nie schlecht ist und wenn man von der korrektur handwerklicher fehler (etwa der verwechslung einer riesigen demo gegen mit einer riesigen demo für etwas oder umgekehrt) einmal absieht, das ‘große problem’ in der berichterstattung über griechenland ist doch nicht die mangelnde demut und dass man nicht durchblicken lässt, dass man eigentlich überhaupt keine ahnung hat (und dann vermutlich die eigene ahnungslosigkeit zur eigentlichen krise erklärt und das dann diskutiert), sondern dass ein grossteil der leitmedien nicht nur keine uninformierte aber zumindest im versuch neutrale, sondern im tandem mit der regierungspolitik eine über weite strecken desinformierende, polemische und den griechen gegenüber völlig unverantwortliche und asoziale linie gefahren ist, und das auch lange, nachdem wirklich offensichtlich war, dass sowohl die maßnahmen, als auch der die maßnahmen flankierende diskurs in einer sackgasse gelandet sind und man am ende angekommen nun auch noch ein loch graben will. wer den twitterstrom von @martinlindner ein paar monate zurückliest, wird seinen augen nicht trauen, wie lange die deutschen massenmedien und allen voran die öffentlich-rechtlichen talkshows – anders als ihre internationalen kollegen, die die dissonanz zwischen plan und wirklichkeit spät aber doch irgendwann erkannten und verdauten – unisono die trope vom faulen griechen wiederholten, der sich alle probleme selbst eingebrockt hat, der jetzt schon seit jahren trotz konkreter anweisungen seine hausaufgaben nicht macht und der doch wirklich von alleine darauf kommen sollte, dass er einfach noch ein bisschen mehr sparen muss, usw. da fehlt nicht die demut, da wird ganz gezielt nur eine sehr einseitige wirklichkeit konstruiert und überhaupt nur jene stimmen zugelassen, die eben diese wirklichkeit bestätigen. ich kenne mich null aus, aber dass das gesamte hilfsprogramm nichts anderes war als ein hilfsprogramm für die betroffenen banken, dass man ein wirtschaftlich ohnehin am boden liegendes land nicht schuldenfrei sparen kann, dass die verschuldung als mittel beliebiger politischer erpressungen verwendet wird, dass deutschland mit diesem politischen gehabe gerade weltweit viel von dem ansehen verspielt, das es sich in den letzten 60, 70 jahren völlig zurecht erarbeitet hat (ehemals exzellente medien, die von aussen mittlerweile nur noch als hinterwäldlerisch wahrgenommen werden; wertebasierte politik (liberal und sozial), die zumindest in der causa griechenland von aussen nur noch als unfähig und stur wahrgenommen wird) scheint mir offensichtlich zu sein. man muß keine lösung im köcher haben, um eine falsche lösung als falsch zu erkennen.
(ich vermute, dass die wurzel dieses deutschen sonderweges im fall griechenland die gleiche ist wie im fall web 2.0 oder lsr, nämlich das zusammentreffen vom grundgefühl, dass es keinen nutznießer geben darf (dieses ich schneide mir lieber den finger ab, bevor ein anderer von meiner leistung profitiert
, siehe der parasit), mit dem umstand, dass sich die deutschen medien nur selbst lesen – und also den internationalen diskurs auf der einen seite, den socmed diskurs auf der anderen seite einfach nicht registrieren und nur in ihrem eigenen saft dahinköcheln, ohne dadurch einen wettbewerbsnachteil zu haben, weil es ja alle anderen auch tun)
Konzept des Tages: Superposition Politics
(etwas verspätet, aber eben auf twitter wieder heraufgespült:)
Superposition Politics ist die neue Neue Mitte. In einer Gesellschaft, die hart und schnell auseinanderdriftet, kann ein Politiker nur dann Mehrheiten einsammeln, wenn er in der Lage ist, auch die krassesten Widersprüche ruhig und souverän in sich zu vereinen. Die Manifestationen der Superposition Politics werden jeweils im richtigen Moment im richtigen Kanal ausgespielt und aktualisieren damit die mediale Existenz des Spielers. Jede Geschichte dreht sich zwanghaft um sich selbst. Es ist kein Fechten mehr, es ist ein Tanz!
enthalten und angedacht hier.
Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 23: Der Untertan
Der Untertan (m) ist der von den Institutionen paradigmatisch erwünschte und auch oft gesehene Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich unter die gegebenen Macht- und Kraftverhältnisse subordiniert, um sich dadurch in eine Position zu manövrieren, in der sich opportunistische Vorteile für sich selbst abschöpfen lassen.
(der ganze politische und mediale hass auf varoufakis lässt sich im grunde darauf zurückführen, dass er diese rolle gwm. verweigert hat und sich ganz im gegenteil als objekt der begierde inszeniert hat, das keinen schlips trägt und sogar ein motorrad fährt; für eine vollständige beschreibung siehe der untertan von heinrich mann)
(für systemische ausdifferenzierungen ist der untertan schädlich, weil er – gemeinsam mit allen anderen untertanen – um die gesellschaftlich aussaugendsten strukturen und funktionen herum ein beschützendes, inkubierendes und kaum zu durchdringendes gewebe in mehreren schichten bildet, das sich autopoietisch auch immer problemlos reorganisiert und regeneriert)
(abt. supermarket studies)
Deutscher Hitzerekord

protipp: zumindest die hälfte der news breakenden headliner mit dem broken news bot @ATBrokenNews ersetzen; das ist lustiger und das ist nicht mal weniger informativ.
FYI 017
fyi: wie lächerlich ein eigener gedanke ist, merkt man oft erst dann, wenn ihn ein anderer ausspricht.