live.hackr

die romantische komödie

RTV Studies

als kl. nachtrag zu Was man von Big Brother über Trump lernen kann noch ein paar bonus-lektionen, die wir aus dem reality tv ziehen können:

  • competition ist asymmetrisch. jede stärke kann eine schwäche sein und jede schwäche eine stärke. viele gute spieler sehen die erste metaebene nicht, nämlich dass alleine die tatsache, dass sie extrem gut spielen, blut vermeiden, etc. selbst schon eine zielscheibe auf ihren rücken malt
  • don’t name names. falls du gefragt wirst, frage zurück und gehe von dort
  • don’t have targets, zumindest nicht in den ersten wochen; einer der häufigsten gründe früh auszuscheiden ist, dass man aus irgendeinem grund irgendjemanden raus haben will, dass der dann davon wind bekommt und dass man selbst deshalb von dem oder dessen allianz das ziel wird und draussen ist. in den ersten wochen ist es nur wichtig, durchzuschwimmen
  • don’t assume what people say is true. für mich einer der seltsamsten fehler, dass in big brother oft das ganze haus einer vorgetragenen behauptung einfach glaubt. im veto ‘I’m coming after you’ sagen und dann nichts in diesem sinne zu machen heisst überhaupt nichts, trotzdem wird das oft noch wochen später als gegeben hingenommen usw.
  • fast alle überschätzen sich selbst (mitunter radikal) und halten die meisten anderen für idioten. wer den eigenen stolz abschalten kann, kann das sehr für sich ausnützen
  • don’t overthink. die dümmsten fehler wurden gemacht, weil irgendwer in der ersten woche 10 schritte zuweit und drei achsen zu kompliziert gedacht hat. mit glück hält sich der schaden in grenzen, mit pech ist man als erster oder zweiter draussen.
    die effektivsten spieler denken schon nach, treffen dann aber auch eine entscheidung auf basis der aktuellen umstände und reevaluieren ggf. im nächsten loop
  • schau dir die regeln an und versuche sie wirklich zu verstehen. schau dir auch ein paar alten staffeln an und versuche dabei auch den sinn vom spiel zu verstehen resp. ein feeling dafür zu entwickeln. den sinn vom spiel zu verstehen ist etwas anderes als die regeln des spiels zu kennen. nur als beispiel: jury-management bei survivor oder big brother; wer gewinnen will, muss einerseits bis zum ende kommen, andererseits dort dann aber mehr jury-stimmen als das gegenüber haben; man muss also verstehen, was den juroren wichtig ist, usw.
  • das micromanagen von problemen erzeugt immer mehr unerwartete und/oder nicht bedachte probleme an anderer stelle. die ganzen twists, die sich die macher von reality shows ausdenken, um die shows spannender zu machen, führen fast immer exakt zum gegenteil vom erwünschten, weil die leute natürlich ihr verhalten anpassen; alle twists bei big brother canada etwa haben sogenannte ‘big moves’ erzeugt, einfach weil irgendwer eine riesige macht bekommen hat mit der er halt was machen konnte, aber genau das hat ‘organische’ big moves abgeschafft, weil kein spieler mehr was macht, wenn er damit rechnen muss von einem twist overruled zu werden. das einzige wichtige ist unterm strich das casting.
☍ 11.11.2016 # tv

Was man von Big Brother über Trump lernen kann

in den USA hat in den letzten wochen ja nicht nur die wahl zum präsidenten stattgefunden, es läuft gerade auch die erste reine online-ausgabe von big brother. und wenn man sich die anschaut, kann man das wie und warum und nochmal das wie vom sieg von trump vl. schlüssiger verstehen, als mit den meisten medienkritischen und politikphilosophischen oder sozialwissenschaftlichen erklärungsversuchen, die wir in den kommenden tagen und monaten sehen werden.

ich gehe ausnahmsweise mal davon aus, dass nicht jeder hier mitlesende auch us big brother schaut, deshalb ein paar worte zum format:

es zieht eine gruppe von leuten in ein haus, lebt dort von der welt abgeschieden, wird aber rund um die uhr gefilmt und im fernsehen/im internet übertragen; jede woche wird eine person hinausgewählt, der letzte verbliebene gewinnt 250k; das spiel besteht einerseits aus wettbewerben, die bestimmte rechte verleihen (andere zur elimination nominieren, schutz vor nominierung, usw.), hat andererseits aber auch eine starke soziale komponente (allianzen bilden, kochen, nett oder unterhaltsam sein, dumm oder unfähig und also keine gefahr sein, usw.).

neu in der aktuellen online version ist, dass es keine komprimierte und editierte show im fernsehen gibt, die immer auch die interessen oder narrativen wünsche der produzenten reflektiert, sondern dass alles im webstream live gezeigt wird, auch das normalerweise versteckte. und noch wichtiger: dass die zuschauer durch abstimmungen in das geschehen eingreifen können (einen spieler nominieren, eine stimme zur hinauswahl, diverse andere sicherheiten oder vergünstigungen).

zum verständnis der wahl interessant war nun die dynamik und die feedbackloops der internen und externen gruppenbildungen, die sich nicht nur gegenseitig etabliert und beobachtet, sondern auch eine weise aufgeschaukelt, isoliert und verfestigt hat, die ohne diese wechselseitige interpenetration UND spezifische konstellation nicht möglich gewesen wäre:

der katalysator war eine (leider etwas unglückliche) primäre selbstselektive trennung im haus, bei der es einerseits die normalos (weiß, collegeabschluss, heterosexuell, fit und idealerweise aus dem süden) und andererseits die underdogs (schwarz, dropouts, schwul, dick) gab. und in dieser konstellation sympathisiert natürlich jeder zuschauer für die underdogs, was dazu führte, dass ‘amerika’ in den ersten zwei wochen die unsympathischsten WASPs rausgewählt hat, obwohl sie intern durch die wettbewerbe eigentlich die ‘macht’ im haus gehabt hätten.

der effekt davon war, dass die ‘misfits’ das als zeichen einer uneingeschränkten sympathie von ‘amerika’ verstanden haben, was sie in der folge auf eine weise selbstgerecht gemacht hat, in der plötzlich sie diejenigen wurden, die aus einer position der macht (amerika liebt uns und hasst die anderen) heraus begonnen haben, unnette und ungustiöse dinge zu tun (die polster der anderen unter ihrer achsel reiben oder darauf furzen, trashtalk der auch in den expliziteren roasts funktionieren würde, usw.) – während die verbliebenen ‘plastics’ plötzlich die sympathischen underdogs wurden, weil es einfach vier mädel waren, die überraschend gut miteinander ausgekommen sind (üblicherweise zerlegen sich die frauen in big brother als allererstes selbst).

(übrigens ein anfängerfehler, weil in dem format mittlerweile bekannt sein sollte, dass sympathie immer an die position gebunden ist und auch ehemalige fan favorites in nur einer woche zum verachteten individuum werden können, wenn sie ein zweites mal eingeladen werden und sich dann als checker geben)

der andere effekt war eine fanbildung außen, die die interne dynamik inklusive der falschen selbsteinschätzung und selbstgerechtigkeit und wachsenden kognitiven dissonanzen mehr oder weniger gespiegelt und übernommen hat.

üblicherweise ist es in der populärkultur ja so, dass die ‘misfits’ die sympathischen geheimen helden sind, denen man gerne die daumen drückt und die am ende idealerweise auch gewinnen, während die privilegierten ‘plastics’ abgestraft werden, sich ihr prinz als frosch herausstellt und sie wenn sie glück haben nach einer läuterung eine versöhnung erfahren.

hier war es aber so, dass die ‘misfits’ nach allen pragmatischen kriterien des zusammenlebens bald die eigentlichen ungustl waren, was von den ursprünglichen fans aber nicht zur kenntnis genommen wurde, was allerdings nur funktionieren konnte, indem der bezug zur realität kollektiv aufgegeben wurde und man sich auf eine art emergenten hive mind bezogen hat, in dem alles eitel freud und sonnenschein war.

das notwendige konstitutive element dafür war glaub ich, dass sich eine gruppe falscherweise selbst als ‘fucked over’ wahrgenommen hat. im haus hat sich diese auslegung in der dritten woche gebildet, nachdem die stimme von ‘amerika’ das erste mal nicht mehr zu gunsten der misfits ausgefallen ist, als sie selbst das erste mal an der macht waren. ihre einzige erklärung dafür war, dass der prozess selbst ‘rigged’ sein muss. amerika liebt sie, das haben die ersten wochen gezeigt, und die anderen sind furchtbare menschen, das ist selbstevident, es kann also nicht anders sein als dass irgendwas nicht stimmt.

und diese selbstwahrnehmung als ‘fucked over’ hat sich auch nach aussen übertragen. auch die fans der misfits haben einfach als axiom angenommen, dass niemand für die plastics stimmen könnte und dass jedes voting für diese also ‘rigged’ sein muss. entweder weil die fans der anderen rassisten oder homophob sind, oder weil sie das wahlsystem gamen, oder weil die produktionsfirma korrupt ist und das ergebnis fälscht.

nachdem diese falsche selbstwahrnehmung aber einmal etabliert war, kam es zu einer art operativen schliessung und entwicklung von techniken, die wir dann auch bei trump zu spüren bekamen:

  • die entwicklung von filter- und gruppierungsprozessen, bei denen man zunehmend nur noch das zu sehen bekommt, was man sehen will und was die eigene meinung bestärkt (blocked bye). ich bin kein fan des konzepts der filterbubble, weil es auf individueller ebene einfach kein problem ist, weil jeder seinen inputstrom so variabel halten kann wie er will; aber sozial verschaltet wird tatsächlich eine eigene dynamik getriggert, wenn leute beginnen den realitätsbezug sozial aufzugeben. wobei dabei ganz interessant ist, dass es weniger ein problem der sichtbarkeit von aussagen oder fakten ist – die gruppen besuchen sich auch gegenseitig um zu trollen usw. – sondern dass es eher darum geht, die eigene bewertung davon zu bestätigen.
  • die ausbildung einer paranoiden wahrnehmung, bei der schon die kleinsten dinge als beweis für eine verschwörung herhalten können. der ursprung der paranoia entsteht dadurch, dass das wahrgenommene gefühl des eigenen stroms nicht in der wahl amerikas reflektiert wird (die ursache dafür war bei big brother aber ganz lapidar, dass sich auf verschiedenen plattformen verschiedene fangruppen gefunden haben – auf twitter sind die fans der misfits, auf reddit die fans der plastics. im eigenen strom schwimmt man in einer bequemen mehrheit, den vl. grösseren schwarm zwei ecken weiter sieht man nicht). einmal etabliert beweist aber potentiell alles die verschwörung.
  • damit verbunden das verlieren von jedem maßstab resp. das verzerren von aussagen. stundenlange schimpftiraden sind gleichwertig wie ein ‘jeez, das sind solche idioten’, schon eine handvoll an fehlern reicht aus, um sie im argumentativen tresor zu verwahren und bei bedarf immer wieder herauszuholen.
  • eine verpflichtung für alles sein zu müssen, was den eigenen kandidaten begünstigt oder den anderen kandidaten benachteiligt, und gegen alles sein zu müssen, was den eigenen kandidaten benachteiligt oder den anderen kandidaten begünstigt (ansonsten schnell: hast du heute deine medikamente vergessen? achtung, dein account wurde gehackt)
  • ganz interessant dabei ist, dass neben der genuinen dummheit auf semantischer ebene, das kollektiv durchaus eine systemische schlauheit entwickeln und zu erstaunlich effektiven verfahren kommen kann (nur als beispiel: bei den votings ist es wichtig, die stimmen auf ein gemeinsames ziel zu konzentrieren, weil man sonst auch bei gegebener mehrheit gegen eine einheitliche minderheit verlieren kann; und während sich auf der ebene der interpretation von votings eher die bizarren thesen der grössten beliebtheit erfreuten, so hat es nur eine weitere woche gebraucht, bis mechanismen zur selbstorganisation etabliert waren)
  • neben der entwicklung von schlauen spielzügen eine parallele entwicklung von mehr oder weniger legalen tricks, das spiel selbst zu unterlaufen (um beim beispiel votings zu bleiben: neben den methoden zur selbstorganisation wurden gleichzeitig techniken entwickelt, die die selbstorganisation der anderen seite verhindern oder unterlaufen sollten – manipulation der polls, versuch der infiltration der anderen mit fake-accounts, usw.). viele aktivitäten griffen dann auch schnell unter die gürtellinie, verspottende meme sind noch eher die angenehmeren symptome. das problem der legitimität stellt sich deshalb nicht, weil man eben selbst die unterdrückte gruppe ist und in reiner notwehr handelt.
  • das spiel ist selbst asymmetrisch; where they go low we go high oder ein bezug auf rationalität sind keine strategien, mit denen man gewinnen kann. blöderweise hätte man mit einem where they go low we go lower noch mehr verloren.

das nur auf die schnelle, aber ich glaube die ähnlichkeiten mit dem wahlkampf von trump sind leicht zu erkennen (der grösste unterschied ist natürlich, dass sich im falle trump ausgerechnet die weiße mehrheit als unterdrückt empfunden hat, von den bürokraten in washington, von den liberalen medien, von den bankern an der wall street, von der sprachkontrolle der politisch korrekten, vom system clinton, von allen anderen, die ihnen die waffen wegnehmen wollen, usw.).

(der kapitale fehler war glaub ich nicht, dass wir uns auf falsche politische gewissheiten verlassen haben und die medien deshalb ihrem auftrag als überzeuger der mehrheit vom anständigen nicht nachgekommen sind, wie es sascha lobo in seiner analyse vermutet. wobei es eine fatale falsche gewissheit gab, nämlich die annahme, dass trump niemals wirklich gewählt werden würde, die vorstellung war einfach absurd; das hat niemand so gesagt, als horrorszenario wurde die möglichkeit natürlich betont, aber ich glaube es haben die wenigsten wirklich gedacht. reine spekulation, aber ich kann mir gut vorstellen, dass der gesamte wahlkampf anders abgelaufen wäre, wenn trump als realistische option empfunden worden wäre. retrospektiv kommt mir eher vor, dass der wahlkampf von clinton und allen liberalen medien primär auf verwaltung eines 5% vorsprungs ausgelegt war, wahrscheinlich um sich nicht unnötig auf versprechungen oder konkrete positionen festlegen zu müssen, die sich dann in der amtszeit vl. rächen könnten. kleines indiz dafür war, dass sie nicht einmal eine alternative rede vorbereitet hatte.)

wobei die frage bleibt, was man tun hätte können oder was man in zukunft tun kann. wobei man aber zumindest sehen kann, was in dieser konstellation nicht funktioniert – nämlich das aufklären und informieren, das verstehen und gute zureden, auch nicht das emotionalisieren. am ehesten bleibt wohl eine gute politik, die die rechte von allen menschen angemessen festschreibt.

☍ 10.11.2016 # politics tv

Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 34: Der Ignorant

Der Ignorant (m/w) ist ein universell gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er – der Name deutet es an – der Welt gegenüber ein ignorantes Verhältnis hat und auf alles scheißt, was ihn nicht unmittelbar tangiert.

(nur zum beispiel: wer ihn sucht findet ihn ziemlich sicher in den kommentaren jedes artikels jeder zeitung über twitter; spätestens im dritten kommentar macht er seinen auftritt und gibt kund, dass ihn twitter nicht interessiert, dass er an twitter überhaupt keinen sinn erkennen kann und noch nie erkennen konnte, dass es ihm völlig egal ist, ob es twitter gibt oder nicht, usw.)

((nur zur sicherheit: das eigene verhältnis zu twitter sei jedem selbst überlassen und weder die benutzung noch die nichtbenutzung ist wieauchimmer als charakterzug relevant, unterm strich schlauer ist sicher eher die nichtbenutzung; aber nicht zu sehen, dass twitter eine sehr spezifische und zumindest derzeit nicht ersetzbare position im globalen infoökonomischen gesamtsystem einnimmt, ist ignorant. twitter ist, ob man will oder nicht, die erste und einzige anlaufstation für ungefilterte und öffentliche kommunikation in echtzeit, was ein bis dato unmögliches sensorium zur gesellschaftlichen selbstbeobachtung etabliert))

(((eine variation vom ignoranten ist der nihilist, dem ist das was ihn nicht tangiert nicht nur egal, der wünscht sich dann auch das verschwinden)))

(abt. supermarket studies)

☍ 10.11.2016 # misc

FF-12

ff 12

immerhin wurde heute auch der firefox 12.

☍ 09.11.2016 # firefox birthday

Stacked Terminology

(nur am rande, aber immer wenn politiker über technologie reden oder wenn technologen über politik reden, reden sie am thema vorbei; es gibt einen gewissen stack an bedeutungsebenen für das politische und es gibt einen gewissen stack an bedeutungsebenen für das technologische und in der kommunikation zwischen politikern und technologen kommt es öfter als nicht nur deshalb zu abbrüchen, weil auf beiden seiten das verständnis der eigenen sehschwäche bzgl. des stacks der anderen seite fehlt)

☍ 04.11.2016 # fyi concepts tech politics

Quiz Pt. 107 Solution

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 107 schuldig:

das diagramm zeigt den umsatz von apple der letzen 5 jahre, wenn man die iphones herausnimmt.

(apple tuckelt damit natürlich auf hohem niveau dahin – zur relation: facebook hatte gerade ein rekordquartal mit 7000m revenue -, aber es ist doch erstaunlich, dass sämtliche innovationen und interventionen der letzten jahre, der revolutionäre mac pro, das skinny macbook, apple music, die übernahme von beats, das ipad pro und sein pencil, die subscriptions im appstore, die fernbedienung fürs tv, apple pay, die icloud, die goldene apple watch, usw., gerade mal das aufgefangen haben, was an anderer stelle weggebrochen ist)

☍ 03.11.2016 # apple

Quiz Pt. 107 (The Flat Edition)

chart

^ endlich wieder einmal ein bilderrätsl: wer oder was ist das? (zahlen in millions)

☍ 02.11.2016 # quiz

FYI 076

fyi: die casio VL-1 ist derzeit die primäre metapher für all things 3d, VR, AR, usw.

☍ 27.10.2016 # casio 3d vr ar fyi

FYI 075

fyi: das absurde ist ja, dass g+ nur chronologisch werden müsste, um potentiell wieder relevant werden zu können (der ganze secret juice war ohnehin immer nur der minderwertigkeitskomplex von page/brin gegenüber zuckerberg)

☍ 23.10.2016 # googleplus facebook twitter

FYI 074

fyi: im grunde ist es so einfach: alles algorithmisch lösbare ist libidinös wertlos.

☍ 22.10.2016 # fyi psychology ai

Lazy Blog Ep. 67 Blogged

nachtrag zu lazy blog ep. 67: marcel weiss hat den eintrag auf neunetz geschrieben und beschreibt sehr schön die damit verbundenen organisatorischen und finanzwirtschaftlichen verwicklungen, verzwickungen und komplexitäten, die die idee einer übernahme von einer genossenschaft als nicht nur blauäugig, sondern eher als debiles megalomanisches wunschdenken erscheinen lassen, und ist damit auch der erste lazy blogger

es gibt jetzt jedenfalls auch die erste offizielle petition: wearetwitter. und ich vermute ich bin jetzt ein bisschen zu sensibel, aber sie liest sich auf eine passiv-aggressive weise herablassend und vom hohen ross, die mir sehr unangenehm ist.

(weil sich marcel fragt, warum sich so viele intelligente menschen mit so einer zeitverschwendung beschäftigen: nach dem manifest bin ich mir ziemlich sicher, dass da keiner davon auch nur im funken an die umsetzbarkeit oder auch nur sinnhaftigkeit glaubt; es ist eher eine gar nicht uninteressante variation von bruce sterling’s gothic high-tech – siehe buy a chair, das dort verlinkte video vom vortrag ist leider verschwunden, selbst zu hosten hat gegenüber youtube halt doch auch seine nachteile usw., das mp3 bei scripting geht aber noch. das von sterling herausgearbeitete kernmerkmal der positionierung im narrativ ist noch intakt, nur handelt es sich beim ‘agenten’ nicht mehr um eine person, die sich davor technologisch, politisch oder bürokratisch positionieren musste und gleichzeitig dadurch auch verfällt, sondern um leute, die sich selbst eine art moralische autorität verliehen haben und durch die positionierung zumindest eine art absolution erfahren wollen)

☍ 22.10.2016 /via @neunetz # misc

Lazy Blog Ep. 67

Das Ganze nimmt sehr spannende Fahrt auf. Macht mit, im Ernst!

blogpost aus­nahms­wei­se über ein eher spezifisches thema: warum die überlegungen, twitter in eine von den usern betriebene genossenschaft überzuführen, selbst blödsinnig sind.

(man könnte damit beginnen zunächst einmal zu beschreiben, was man eigentlich ‘retten’ möchte. mir zb. wäre nur wichtig, dass das system twitter (datentyp tweet, profile und beziehungen, referenzimplementierungen für web und iOS/android, API für alle anderen) in seiner jetzigen form erhalten bleibt und nicht noch weiter verschlimmbessert wird. your mileage may vary – aber wem twitter gehört wäre in jedem fall zunächst einmal egal.

in einem zweiten schritt müsste man dann zeigen, dass ein genossenschaftliches modell ein garant dafür wäre, dass twitter in ein bald nicht mehr erkennbares konstrukt transformiert würde, das dann zwar allen u/o vielen gehört, jeden ursprünglichen sinn aber verloren hat. das nur mal in den raum gestellt, aber wer sich in johnnys googledoc anschaut, welches abstruse macro- und micromanagement sich schon bei einer beteiligung von 10 oder 20 leuten einstellt (kaufen oder reicht auch nachbauen? open sourcen oder nicht? be excellent als motto oder nur kein dick? vl. ein karma-system, aber ab wann ausschluss und was ist überhaupt hatespeech? foto/video/audio oder nicht? 140 zeichen oder mehr? oder 140 zeichen aber links und sagen wir 10 mentions werden nicht mitgezählt? favs oder hearts? conversations als baum oder liste? vl. ein flag für important? vl. verlust vom handle bei inaktivität? und wer machts eigentlich, ein team oder freestyle open source prozeß und offices vl. in berlin? free oder freemium oder paid und ggf. was wann und wie überhaupt mit ads? vl. auf basis vom interplanetary file system? etctrara) das problem dabei ist nicht nur, dass niemals gute software entsteht, wenn man die crowd fragt, welche features sie haben will, das eingebaute problem ist, dass mittelfristig alle unzufrieden sind, weil features, die man selbst will, ignoriert oder features, die man ablehnt, eingebaut werden, obwohl einem twitter gehört und man sich beteiligt hat)

((nur am rande: der übersehene witz an twitter ist ja, dass es im grunde überhaupt kein verbessern oder nachdenken oder sonstigen informationellen transaktionskosten benötigen würde, weder auf seite der betreiber noch auf der der user; die letzte wirklich wertsteigernde innovation war die formalisierung von retweets und das war 2009. alles was danach kam waren nur versuche den marktanteil zu pimpen, kein einziger war erfolgreich und fast jeder hat twitter etwas schlechter gemacht, wobei man ihnen hoch anrechnen muss, dass sie es trotzdem noch immer halbwegs intakt gelassen haben. twitter als genossenschaft würde asymptotisch ein völlig sinnloses aber permanentes nachdenken und abstimmen aller über alles bedeuten, das trotzdem twitter in jeder iteration immer noch schlimmer macht))

(((bonuspunkte wie immer für konkrete ethnographische und ökonomische beschreibungen und sternchen für eine umfassende typologie)))

☍ 17.10.2016 /via @spreeblick # twitter

FYI 073

fyi: der google assistant ist der neue mr. clippy (abt. hate to brake it to you but…)

☍ 15.10.2016 # fyi google ai fyi

o2 can do

präambel: mein anschluss bei o2/telefónica war am abend vom 29. sept. noch aktiv und ich war zu diesem zeitpunkt ein seit fast 10 jahren mehr oder weniger zufriedener kunde (der ihnen zumindest 4.000 euro in die kasse gespült hat, customer lifetime value usw.) am morgen vom 30. sept. war der anschluss dann tot und ich habe es zunächst als glitch abgetan. am frühen abend hab ich dann zunächst versucht, ihre hotline zu erreichen und dann o2de eine DM mit den symptomen der störung und meinen daten geschickt. spätestens in der nacht vom 4/5 okt. wurde auch von der technik von o2 eine störung am anschluss gemessen und bestätigt. das folgende ist in tweets dokumentiert, weil ich zumindest ein psychohygienisches outlet haben will:


sa 1. 10:


so 2. 10:


mo 3. 10:


di 4. 10:


mi 5. 10:


do 6. 10:


fr 7. 10:


sa 8. 10:


so 9. 10


mo 10. 10


di 11. 10


mi 12. 10


do 13. 10

update

mein timing war wohl auch besonders gut, siehe:

(aber immerhin interessant zu sehen: es gibt einerseits keine einfache möglichkeit, das datenvolumen zu begrenzen (osx falsch eingestellt schluckt mal schnell 500mb updates), es gibt aber auch in den browsern usw. keine gute möglichkeit, also keinen pocket mode oder insta mode, der alle bilder rausschmeisst und alle links pocketifiziert. das ding bei amp ist vl. weniger, dass sie schnell sind, sondern dass sie klein sind))

☍ 08.10.2016 # o2 wtf

G18

doodle

^ omg, google wurde heute 18.

ganz witzig ist, dass der klick auf den geburtstagsdoodle nicht wie in den vergangenen jahren – siehe G17, G16, Google Piñata, G14, 10g, 9 und ausser konkurrenz 1998 – dann auf der ersten seite auf eine liste von artikeln verweist, die darauf hinweisen, dass google heute geburtstag hat und dafür einen doodle hat, sondern auf eine liste von artikeln verweist, die darauf hinweisen, dass google offensichtlich seinen eigenen geburtstag nicht kennt:

You do know, right, Google?

^ nur die ersten 5 ergebnisse, es geht so weiter; diese koinzidenz ist erstaunlich, weil google den geburtstagsdoodle schon jahrelang am 27. sept. feiert und alle also schon jahrelang die möglichkeit gehabt hätten, das datum zu thematisieren, aber sich just heute zu diesem schwarm zusammengefunden haben. die wege der medien sind unergründlich.

☍ 27.09.2016 # birthday google doodle

Apple Bag 7s

fig 1

^ sehr super: das patent auf den apple bag

☍ 20.09.2016 /via @gizmodo # apple patents bags

Papierkorb pt. 150

(auch nur am rande, aber weil das in letzter zeit zunehmend vorkommt: man sieht ja immer öfter irgendwelche statistiken, die behaupten, dass die reichen immer reicher werden, dass sich die klüfte in den einkommens- und besitzverhältnissen immer mehr verschieben, usw.; und immer wenn so eine statistik publiziert wird dauert es nicht lange, bis einer daherkommt und kommentiert, dass das ja völlig irreführend sei, weil nicht nur die allerreichsten halt viel viel viel viel viel veil reicher wurden, sondern weil es auch der mittelklasse besser geht und sogar den allerärmsten. noch nie ist es so vielen so gut gegangen. und wenn man genau hinschaut, dann haben die allerärmsten sogar viel mehr profitiert als die allerreichsten, weil sie etwa in den letzten 100 jahren ihre lebenserwartung von 30 jahren in einer mine auf 65 jahre erhöht haben, während die wohlhabendsten im gleichen zeitaum ihre lebenserwartung vielleicht nur um 20 jahre erhöht haben, siehe etwa epstein bein econtalk .

was da aber immer vergessen wird ist die baseline: es ist nicht sinnvoll vorher und nachher absolut zu verlgeichen, sondern mit dem, was zu einem gegebenen zeitpunkt die soziotechnologische baseline ist, die unter ‘gerechten’ vervältnissen machbar wäre, was alle also auf basis des entwicklungsstandes locker bekommen könnten. und nur bzgl. dieser baseline sollte man sich anschauen, wer nach oben oder unten abweicht und wer ggf. was abzapft)

☍ 17.09.2016 # misc

Papierkorb pt. 149

(wenn man einmal im halben jahr über ein blog stolpert, das noch so ein feedburner chicklet eingebaut hat, weiß man: you are in for a treat)

☍ 17.09.2016 # blogging

Previously on Earth

naturkunde

Google widmet sich auf Google Arts and Culture jetzt auch der Naturkunde (ann)

☍ 14.09.2016 # google nature history

740x14957 Pixel

earth temperature timeline

habt ihr sicher schon gesehen aber sehr super: die Earth Temperature Timeline von xkcd.

☍ 14.09.2016 /via @blogs-en # geography climate