Quiz Pt. 88 (The Bad Good Idea Edition)
endlich wieder einmal ein quiz:
warum ist das Indieweb eine schlechte gute Idee?
(hint: die idee selbst leuchtet natürlich unmittelbar ein. man publiziert seine inhalte selbst, syndiziert sie aber in den gartencommunities und kombiniert das beste aus beiden welten (posse), duh. aber es gibt dabei zumindest eine radikal falsche grundannahme und in der konsequenz auch sozial dysfunktionales verhalten)
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material:
- IndieWebCamp
- indieweb und reclaim social media
- The rise of the IndieWeb
- The #indieweb as a minimum viable social web ecosystem
Papierkorb pt. 36
(das gfrett mit der kryptik ist, dass sie nicht nur das unnötige, sondern oft auch das nötige reduziert)
Papierkorb pt. 35
(es gibt leute, die als monade recht interessante monologe führen können, die aber im sozialen gwm. verblöden)
Leftovers 2013 (Gesture Edition)
auch nicht wirklich weitergekommen sind wir 2013 jedenfalls mit einer Semiotik der (sozialen) Gesten.
(das ist natürlich nicht ganz verwunderlich, gesten sind schwer zu fassen, weil es vor allem auch unsichtbare/negative gesten gibt, usw.)
Leftovers 2013 (Casuistry Edition)
auch nicht wirklich weitergekommen sind wir 2013 jedenfalls mit dem produzieren, rezipieren und diskutieren von subtileren begriffen und prinzipien von dingen, die vor allem, aber nicht nur, das web betreffen.
(unterm strich sind kleine und/oder spitzfindige differenzen sozial nicht mehr anschlussfähig; was nicht lautstark das ende/den tot von irgendwas oder den anfang/den völligen umsturz von was anderem verkündet, wird vom strom ignoriert, einfach weil die damit thresholds für die jeweiligen triggerlevels nicht erreicht werden können)
Stop Making Nonsense
Fortunately, the true nature of the Internet isn’t hard to understand. In fact, just a fistful of statements stands between Repetitive Mistake Syndrome and Enlightenment…
^ World of Ends – grossartige grundsatzbestimmung von doc searls und david weinberger.
(via)
Papierkorb pt. 34
(katzen sind internetoptimisten)
Papierkorb pt. 33
(hmm, ich glaub mit lazy zeitgenossen der gesellschaft würd ich es wirklich übertreiben)
((fyi: pt. 1 wäre der schuldenböcker gewesen))
The Bridgy Is Over

Bridgy ist endlich mal wieder ein sinnvoller Versuch, eine offene Struktur neben und mit und nicht gegen die vorhandenen Strukturen zu etablieren: es sendet ‘webmentions’ auf eigene Links, die es auf Facebook, Twitter, Google+ und Instagram entdeckt (via – dort sieht man ü. auch, wie man das zb integrieren könnte)
Web Science Southampton

^ I just signed up for Web science: how the web is changing the world on @futurelearn starting Feb. 10.
Google Nest

^ und achja und auch devoha: Google hat natürlich auch Nest für 3 oder so Mrd. übernommen.
Google Lens

^ devoha und auch das noch: jetzt tüftelt Google auch noch an einer Kontaktlinse.
Netvibes 2014

^ Netvibes hat eine neue Version vorgestellt und mein Herz stand kurz ein bisschen still, aber während sie es – zumindest für meine Art der Verwendung – nicht verbessert haben, haben sie es zum Glück – zumindest wieder für meine Art der Verwendung – auch nicht verschlechtert.

Das Design ist ein bisschen ‘neuer’ ohne aber wirklich gut zu sein, was wohl eine Verschlechterung ist, weil es gleichzeitig den anachronistischen Charme verliert, und es gibt ein Mosaic und eine Abt. für ‘langsame Feeds’ die gar nicht blöd ist, aber das Bekannte wie multiple sich synchronisierende Tags und j/k funktioniert halt immer noch.
Resilienz Deutschland
Warum ist Deutschland in allen Dingen Web so daneben?
Ich war euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 61 schuldig.
Aber ich lasse Talebs Konzept der Antifragilität (zumindest für einen bonuspunkt) gelten.
(in der dreiheit fragil (zerbricht bei erschütterung) – resilient (hält erschütterungen aus) – antifragil (wird durch erschütterungen besser) dominiert in deutschland die ‘resiliente disposition’. das web ist aber gwm. der garten, in dem am schönsten die antifragilen blumen blühen und gewächse wuchern. dieser nachteil/die schwache ausdifferenzierung auf der ebene des webs ist aber gleichzeitig ein vorteil/ermöglicht eine starke ausdifferenzierung auf der ebene der politischen und technologischen infrastruktur. natürlich nicht auf parteipolitischer ebene, für die ist das alles nur ein maelstrom, aber man sieht das ja jetzt schon ganz konkret an der ‘hacker-szene’ rund um den ccc, an der relativen wichtigkeit von netzpolitischen und aktivistischen blogs, am obsessiven diskursiven mäandern rund um themen wie privacy und netzneutralität oder den sinn von dem ganzen, usw.)
Papierkorb pt. 32
(protipp: schlechte synchronisation als brecht’sche synchronisation reinterpretieren)
Papierkorb pt. 31
(du bist, was du blogst)
Papierkorb pt. 30
(double bind theory: immer das eine sagen, aber das gegenteilige implizieren, usw.)
Papierkorb pt. 29
(ich überlege gerade, aber während ich apple zwar ‘ideologisch’ vermeide, liebe ich meinen imac und mein ipad und mein ipod und mein macbook; und während ich google zwar ‘konzeptionell’ liebe, liebe ich defacto wirklich nur gmail und youtube und vl. noch google maps und die suche ist halt quintessentiell und mein android toleriere ich halt; aber der ganze rest von google kann mir fast gestohlen bleiben; aber das ist natürlich auf der einen ebene proto-faschistisch, auf der andern aber auch, usw.)
Die Kränkung
minianmerkung, genauer zwei minianmerkungen, zu sascha lobos Die digitale Kränkung des Menschen :
(1) es ist ein durchaus schöner text, dem ich aber nur die these (unser optimismus und unser glaube ans web war naiv, die grimasse der gegenteiligen wirklichkeit hat uns nun eingeholt, was uns fundamental kränkt, aber auch einen neustart ermöglichen sollte) nicht ganz abkaufe. sascha wusste ganz genau, dass das internet das radikal gute und das radikal böse und alles dazwischen verstärken kann (kevin kelly hat das ja als hauptthese im von ihm geschätzten what technology wants, ich kann mir nicht vorstellen, dass sascha das überlesen oder verdrängt hat und auch sonst reicht ein kurzer blick in die wissenschaftsgeschichte). die aussage ist also nicht wörtlich zu verstehen, sondern rhetorisch, aber das ist gut gemacht und ich glaube der text wirkt.
(2) mit der 4ten kränkung irrt er sich deshalb aber. (es gibt aber eine andere 4te grosse kränkung der menschheit, die ist aber nicht digital sondern sozial, und zwar die erkenntnis, dass wir bei all der gegebenen vernetztheit mit allen anderen unterm strich dennoch alleine sind (das bitte nicht missverstehen, ich will nicht darauf hinaus, dass es keine digital vermittelten echte freundschaften oder kein gemeinsames handeln geben kann etc.))
Hausfrauen und picklige Teenager
Since the world drives to a delirious state of things, we must drive to a delirious point of view
- Baudrillard via Kroker, The possessed Individual, S. 66.
^ apropos ReQuoting pt. 102 :
Bei Arthur Kroker, den ich seit ein paar Tagen wiederlese, ist diese Lust so angenehm, mit der er alles konsumiert und in der Folge transformiert: Herrlich, lesen Sie die Franzosen, da steht drin, wo wir jetzt eigentlich sind, in Amerika. Wunderbar, der Lyotard, und fabelhaft, der Baudrillard, und unschlagbar, diese Deleuze/Guattari, ja, das ist Amerika…
Aber ich will hier jetzt auf was anderes hinaus, nämlich auf ein Problem, oder besser eine Disposition, die vor allem in Deutschland ausgeprägt ist und aus der ich auch nicht rauskomme, nämlich Dinge zu ernst, zu literal, zu wörtlich zu nehmen und nicht in ihrer Potentialität zu sehen. Bei mir selbst aufgefallen ist mir das bei meiner Ersteinschätzung von Empire, das ich zwar zu Teilen sehr gut fand, wo mich aber irgendwie der Ton gestört hat und vor allem, dass sie gegen Dinge angelaufen sind, die ich nicht als Problem verstehe. Dann habe ich aber ein Interview mit Hardt gehört und der hat das irgendwie eingeframet als Gedankenexperiment. Der Ton sei zwar eher deklarativ, aber es ist doch eine gedankliche Gratwanderung mit Begrifflichkeiten die es eigentlich noch gar nicht gibt. Und das hat für mich den Gesamteindruck völlig umgekehrt, und wenn ich es jetzt nochmal lesen würde, dann sicher mit mehr Gewinn, weil ich dann während des Lesens weniger Widerstand aufbringe gegenüber etwas, das diesen Widerstand in dieser Form überhaupt nicht braucht.
Anyway. Wo ich oft etwas stocke, bei den ganzen technophilen Denkern, ist dieses Momentum, dass wenn einmal etwas deklariert ist (Ende des Menschen, Ende der Geschichte, Post-*) dann von anderen so getan wird, als sei das dann so. Es gibt aber natürlich nie ein Ende, sondern nur ein Ende einer bestimmten Konzeption oder eines Bündels bestimmter Konzeptionen von dem wie Geschichte oder Menschsein wahrgenommen oder begriffen werden kann, also Begriffe und Begrifflichkeiten mit denen Geschichte etwa erzeugt und das geschichtliche Wissen diskursiv gestreut und entwickelt werden kann.
Woran ich mich da meist aber eigentlich störe, ist die gesamte Anschlusskommunikation die daran stattfindet; wie das unkritisch aufgenommen, übernommen und weitererzählt wird, oder wie oberflächlich das kritisiert wird. Was man in Wirklichkeit von den originären Denkern begreifen kann ist, dass sie einen Raum zur Wahrnehmung für etwas öffnen, das unter gegebenen Bedingungen im entstehen ist, dass sie ein Sensorium für Veränderungen bereitstellen, die sich gerade im Formieren sind, usw.
Wie unterscheiden sich nun die französischen/amerikanischen Theoretiker von Künstlern/Schriftstellern (phantastische Welten wurden ja vorher auch schon gezeichnet, sei es etwa in Form eines Kafka, oder auch Oswald Wieners)? Das ist keine leichte Frage und ich glaube auch nicht, dass ich die beantworten kann, aber ein Momentum ist sicher genau das, dass sie eben innerhalb der Diskursformation Wissenschaft bzw. Philosophie, Soziologie, Geschichtsschreibung etc. und mit bzw. eben gegen die Begrifflichkeiten dieser Wissenschaft arbeiten, denken, ihre Begriffe daraus ziehen und gegen diese einführen bzw. an die neuen Gegebenheiten, Machtverhältnisse, Konstellationen usw. einführen, aktualisieren, zumindest damit experimentieren.
Sidenote: irgendwie ist es ja so, dass Veränderungen nur für denjenigen wahrnehmbar sind, der sie erlebt, aber nicht für die, die hineingeboren werden. Gleichzeitig verhalten die sich aber wie Frösche, die nicht aus dem Kochtopf springen, weil es zu langsam heißer wird. Das kann man sich ja für die unterschiedlichsten Achsen durchdenken (Medien, Computer, Internet, Globalisierung, …). Bessere Theoretiker gehen aus den existierenden (Diskurs-)Formationen aus (siehe Foucault) und aktualisieren das, haben es auf das nächste Tableau (siehe D/G), zumindest einmal heuristisch. Gute Denker machen das dann auch noch auf eine Weise, die auch retrospektiv noch eine Nachvollziehbarkeit hat. Schlechte bleiben nur als Witz oder Kuriosität. Aber Umstände werden normal, was natürlich nicht heisst, dass sie dann unreflektiert oder unkritisiert bleiben sollen.
Ein bisschen eine Sackgasse war alles, was mit cyber-* beginnt und die Imaginationsfähigkeit des Menschen betrifft. Die Möglichkeiten von dem, was Computer innerhalb der Vorstellungskraft des Menschen verändern könnten, wurden weit überschätzt (virtuelle Räume oder Realitäten, interaktive und selbstlernende Agenten, spachfähige Systeme, …) und etwa in der Literatur schon viel zu detailliert durchgedacht, um dann nicht in ihrer Realisierung zu enttäuschen. Soweit ich das sehe hat sich das ohnehin aufgehört. Virtual Gloves wurden zum Joystick und MUDs zum Chatroom, in dem sich Hausfrauen und picklige Teenager tummeln. Themen sind da eher Biopolitics, Warmachines, Kontrollstrukturen usw., also wie sich die Informationstechnologien auf die gesellschaftlichen Konstellationen auswirken, wenn sie von bestimmten Stellen aus systematisch angewandt werden (Waffentechnologien, Satelliten, Imagery, Gentechnik, Wirtschaft) und welche Skaleneffekte dann eintreten (Hegemonien, Überlegenheiten, Kräfteverschiebungen).
^ aus der beliebten abt. heute vor 10 jahren in irgendeinem (damals noch docbook) file.