2022

happy new year!
Rutschen MMXXII

einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Nützliche Unterscheidungen pt. 59 (The Usufruct Edition)
Eine weitere zumindest pragmatisch sehr nützliche Unterscheidung ist die Unterscheidung in Nutznießer und Schuldiger, i.e. ob einer Entität der Nutzen an irgendwas quasi in den Schoß fällt und sie halt nicht nein sagt, oder ob die Umstände proaktiv und intentional verschuldet werden.
(der grösste teil auch der guten kritik an bestehenden problemen beschränkt sich damit, einen schuldigen zu finden und die interventionen dann darin zu sehen ihn zu verhindern und bekämpfen statt das eigentliche problem zu lösen. dabei sind die bekämpften strukturen oft nur nutzniesser, denen zugefallen ist, kasse zu machen. irgendwann bekommt das natürlich eine eigendynamik, oft weil es gepaart ist mit einem falschen verständnis der eigenen leistung, aber das ändert den perspektivengewinn der unterscheidung nicht)
(abt: draw the distinction!)
The Year In Review (2021 Edition) Pt. 2

^ das Jahr in Pocket
The Year In Review (2021 Edition) Pt. 1

^ in alter Tradition eröffnet Youtube mit das Jahr in Youtube die Jahresreviews.
(eig. interessanterweise und auch symptomatischerweise haben sie heuer schon wieder ihr youtube rewind video ausgelassen)
bonuslink: das jahr in youtube music
Suchen des Jahres (2021 Edition)

Pt. 1 diesmal: Google (ann und minisite)
- Australia vs India
- India vs England
- IPL
- NBA
- Euro 2021
- Copa América
- India vs New Zealand
- T20 World Cup
- Squid Game
- DMX
Bonusliste: foods
- Birria tacos
- Nasi goreng
- Feta pasta
- Charcuterie board
- 生姜 焼き (Shōgayaki)
- Potato Soup
- ぶり の 照り 焼き (Teriyaki Amberjack)
- 豚汁 (Tonjiru)
- Baked oats
- Overnight oats
Fire TV 4k

oh hai fire tv.
(weiteres beispiel für ein gadget, das das eigene homöostatische system doch unerwartet aber spürbar verbessert, indem es einen usecase isoliert. ich hatte seit mehr als 10 jahren keinen fernseher mehr, aber ein blöd herumstehender alter monitor bekommt damit ein zweites leben.
bonusüberraschungen: die fernbedienung mit alexa macht das ganze auch kompakter, die integration mit amazon music und einem echo als speaker ist wirklich nett, weil die lyrics mitunter mitlaufen aber alles sehr unaufdringlich und gut genug usw.)
Papierkorb pt. 203
(kontextlose randbemerkung, aber ein echtes pet peeve von mir ist diese trope die jungen. auf fb nur noch die boomer. implizit die annahme, die jungen sind der indikator für die zukunft, das nächste, das weiter. sie sind nichts davon, bzw. schon auch aber nicht per se, sie sind nur jung und haben andere interessen, zeiten und usecases, die man halt hat, wenn man jung ist)
Papierkorb pt. 202
(der ausschnitt der welt, den wir (jeder einzelne unter uns) wählen, wie intentional auch immer, ist immer völlig winzig und willkürlich. schon einen schritt daneben schaut es mitunter völlig anders aus usw.)
Papierkorb pt. 201
(kontextlose randbemerkung: ich wünsche ich hätte mir immer alle bedienungsanleitungen aller gerätschaften aufgehoben. einfach jetzt beginnen, jede kommt in einen umschlag und fertig)
Papierkorb pt. 200
(kontextlose randbemerkung: die eine grosse leistung von tiktok ist afaics, dass es erlaubt, mitunter andere dinge als nur das neuste sozial zu synchronisieren. immerhin kommt dadurch ab und an was altes, was vergessenes, was unerwartetes zurück. (kann auch über fernsehserien teilweise getriggert werden und es gibt immer wieder inseln, die etwas für sich im kleinen entdecken, aber für masse ist das sonst kaum zu erreichen))
1238132610657914881 Revisited
schneller nachtrag zu 1238132610657914881 :
ich hab endlich ein gefühl für seinen modus. für ihn kommt sein eigener/systemtheoretischer ansatz in der digitalisierung quasi zu sich selbst. er empfindet eine art jouissance, was dann seine überindizierung der leistung erklärt. (mir kommt vor er hat da ein bisschen zu wenig ahnung, wie schwer oder leicht das ist, aber die einbettung hat er grundsätzlich richtig)
was er in seiner überindizierung dann lustigerweise aber nicht sieht, ist, dass das eh klar ist und auch kein problem, dass das nur deshalb ein problem wird und wurde, weil das alle überindiziert haben. wenn man so will kommt er zum selbstverständlich ausgangspunkt zurück. er baut umständlich den selbst umständlichen überbau zurück. auf gewisse weise baut er die fehler zurück, die die soziologie davor selbst eingebaut hat. und das ist eine echte leistung.
er überindiziert also primär, was diese ‘verdoppelung’ der welt in den daten bedeutet. auf gewisse weise dekonstruiert er die naive überindizierung im diskurs/seinen kollegen, muss dafür aber das prinzip ‘digitalisierung’ selbst fetischisieren. dabei liefert er die am wenigsten blöde beschreibung der leistung einer komponiermaschine, die ich im ‘intellektuellen’ umfeld jemals gelesen habe.
(was er, glaub ich, auch falsch sieht, ist, dass dinge nie irgendwie waren, sondern dass man sie einfach noch so beschreiben konnte. und bis zu einem gewissen grad ginge das halt auch heute noch, aber man käme halt aus andern gründen damit nicht weit usw.)
(auch ein ding: das problem, das shannon gelöst hat, ist auf einer anderen ebene als das problem allgemeiner kommunikation. es ist nur in einem modell eines stacks sinnvoll, den nassehi aber zumindest nicht definiert. aber er ist der erste, der mein dauerdings: ja aber es operiert eben alles immer auf allen ebenen gleichzeitig und jeweils eigen und mit eigenen schwingungen, fast identisch postet. aber er macht einen fehler: seine differenzierungen im ‘analogen’ aus denen er dann die universelle digitalisierung ableitet und die für ihn etwas neues darstellt: auf dieser ebene ist er dann kitschig, dort nimmt er sie nicht vor. buchdruck ist bestimmt auf das feld sprache. digitaliserung ist aber unbestimmt und ist insofern eine potentialität in alle richtungen, bedeutet aber die bestimmungen vornehmen zu müssen.)
Papierkorb pt. 199
(kontextlose randbemerkung und kein vollwertiger zeitgenosse der gesellschaft, aber im podcast zwischen seth godin und tim ferris ist mir aufgefallen, das sie eine genuin unterschiedliche disposition haben. seth stellt eine denkweise vor und kann dann eig. alles daraus ableiten, tim sucht oft das loophole oder schlupfloch, was ist der trick der mir das abkürzt, den meisten bang bringt, etc. etwa: kannst du dich an die floskel erinnern, mit denen du leuten sagst, dass du keine zeit hast? well, ich habe keine zeit. hahahaha, genial. als unterscheidung muss man das gar nicht auf der ethischen ebene interpretieren und pragmatisch reicht sicher oft völlig aus, aber die disposition triggert verschiedene serien)
Hype Cycle 2021

und alle Jahre wieder der Hype Cycle von Gartner (siehe auch hype cycle und hype cycle 2008 und hype cycle 2009 und hype cycle 2010 und hype cycle 2011 und hype cycle 2012 und hype cycle 2013 und hype cycle 2014 und hype cycle 2015 und hype cycle 2016 und hype cycle 2017 und hype cycle 2018 und hype cycle 2019 und hype cycle 2020 und wie immer siehe auch die siggi beckersche sozio-technologische voraussetzung für einen hype)
Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 46: Der faule Kritiker
Der faule Kritiker (m/f) ist ein universell anzutreffender Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich in seiner kritik darauf beschränkt, ein set an aussagen/vorwürfen/forderungen zu formulieren, die einen erwartbaren applaus und zustimmung von einer eigenen crowd garantieren.
(in seiner funktion als ‘kritiker’ tut er nicht nichts. er erbringt schon eine gewisse vorleistung im finden und entwickeln von phrasen, floskeln und konzepten und im evaluieren ihrer anschlussfähigkeit (nach innen) resp. ihres irritationspotentials (nach aussen). aber er differenziert seine kritik nur bezüglich dieser resonanz aus, nicht bezüglich ihrer begrifflichen/theoretischen schärfe oder realen/sozialen/politischen wirksamkeit. sprich: hat er etwas gefunden, das funktioniert, dann bleibt er dabei und wird mitunter nicht müde das dann immer und immer wieder zu permutieren/variieren/reiterieren. seine faulheit bezieht sich also nicht auf seinen output, der faule kritiker kann bände füllen, sondern auf die begrifflichkeit selbst)
((als eigenen typus mit einer ganz spezifischen neuen art von ‘text’ hat sich der faule kritiker erst in und mit den socmeds fomiert, weil erst damit die entsprechende disposition mit passenden feedbackloops und entsprechenden anreizen kurzgeschlossen wurden. fast interessanter ist aber, dass dieser text dann selbständig im jeweiligen stratum/fandom funktioniert. die faule kritik benötigt insofern keinen ‘autor’ sondern kann auch als und im schwarm funktionieren. gleichzeitig gibt es auch schwarmthemen, die sich ein gesicht als begriffsfigur zur fixierung suchen))
(grundsätzlich wäre das natürlich egal, aber für die systemische ausdifferenzierung ist die relative hyperefffizienz der faulen kritik ein großes problem, weil sie öfter als nicht ausgerechnet das, was sie ursprünglich lösen will, in eine sackgasse manövriert, aus der sie nicht mehr rauskommt, das aber selbst gar nicht bemerkt, weil sie darin symbolische siege deklariert. genau das kann man derzeit in vielen feldern bebachten – digital(politik), klima(politik), gender(politik), corona(politik), wissenschaft(hanna), usw. – aber am offensichtlichsten sicher bei datenschutz und den etablierteren cancelthemen)
(abt. supermarket studies)
Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 45: Der Maximalist
Der Maximalist (m/f) ist ein in vielen Feldern doch immer häufiger anzutreffender Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er eine Position isoliert, an einem Rand maximiert und daraus ableitend dann einen endlosen Strom an Präpositionen und Forderungen ohne Rücksichtnahme auf externe Kosten für Andere/s u/o die Umwelt generiert.
(die beschreibung der effekte des maximalisten auf die ausdifferenzierung eines diskursiven milieus sprengt hier den rahmen, es ist mitunter aber oft schon recht nützlich einen maximalisten für sich selbst als solchen zu erkennen und benennen, um nicht immer wieder ins gleiche argumentative rabbit hole zu fallen. wenn nichts sonst sind maximalisten nämlich erwartbar; erfolgreiche maximalisten entsprechen funktionen, die sich selbst auf beliebige inputs anwenden können)
((nur zur sicherheit: maximalisten gibt es an allen enden des spektrums. im vernakular wird er eher mit diversen wirtschaftlichen oder staatlichen interessen assoziiert (copyright maximalism etc.), aber es gibt ihn auch bei themen wie datenschutz, klima, usw. oder auch als inversen vektor))
(abt. supermarket studies)
Papierkorb pt. 198
(kontextlose randbemerkung, aber ein echtes pet peeve von mir ist diese trope 'das valley macht uns süchtig'. ich hab glaub ich noch nie gelesen, dass wir das vl. vor allem auch deshalb gerne tun, weil da was ist, was wir wirklich wollen o.ä.)Papierkorb pt. 197
(ich wundere mich schon seit längerem alle 6 monate immer wieder, warum es keine besseren twitter clients/viewers, aggregators und vor allem collectors gibt. die api gibt das eig. für alles im privatgebrauch her. vor allem lookup von tweets ist ja quasi free, das einzige was man organisieren muss sind die ids)
Papierkorb pt. 196
(nur ein kleiner tipp: das web ist auf mobilen / touch-only gerätschaften eine solche eingeschränkte zumutung, dass es sich sehr anbietet, irgendeinen laptop, egal ob 200 euro cheapo oder chromebook, als browsing device zur verfügung zu haben, man kann ja eh tethern. vor allem wenn man sich nicht gut auskennt und die überwindungstricks nicht kennt ist mobile only eine unnötige umständlichkeit)
Die Macht der Plattformen
eine art nanoreview von ‘die macht der plattformen’ von michael seemann in tweets:
die macht der plattformen (2021)
— Markus Spath (hackr) 20. Mai 2021
(huch, liest sich gut an)
— Markus Spath (hackr) 20. Mai 2021
(19-48: er versucht sich am spagat, vorgefundene definitionen von ‘plattform’ zu synthetisieren: “plattformen sind vorselektionen potentieller verbindungen, die unerwartete anschlussselekionen konkreter verbindungen wahrscheinlicher machen”)
— Markus Spath (hackr) 1. Juni 2021
(mir gefällt die symmetrie, aber ich bin mir nicht sicher, wie grundsätzlich sinnvoll eine allgemeine definition ist, weil plattform eine art homonym on steroids ist, i.e. nicht ein wort für verschiedene dinge, sondern ein wort für alles ist, in dem sich sein sinn reaktualisiert)
— Markus Spath (hackr) 1. Juni 2021
(49-86: dunno. hat mir ein bisschen zu sehr so einen sendung mit der maus vibe, den er aber mit ein paar theoretischen schmankerln konterkariert)
— Markus Spath (hackr) 2. Juli 2021
(87-116: noch ein dunno. enthält sicher ein paar nützliche unterscheidungen, aber für die entwicklung von einem ‘grossen’ begriff (netzwerkmacht) ist mir das ein bisschen zu pickandchoose)
— Markus Spath (hackr) 3. Juli 2021
(117-144: check)
— Markus Spath (hackr) 4. Juli 2021
(145-190: hmm)
— Markus Spath (hackr) 5. Juli 2021
(191-274: check) ((nts: lb 74))
— Markus Spath (hackr) 7. Juli 2021
(275-334: check)
— Markus Spath (hackr) 8. Juli 2021
(335-391: check. hier doch noch der payoff für die ausgangsdefinition)
— Markus Spath (hackr) 9. Juli 2021
(kl. nachtrag: die tweets klingen, wenn ich sie so sehe, etwas unentschlossen, nur zur sicherheit: es ist eine absolute leseempfehlung, schon allein deshalb, weil er einer der ganz wenigen ist, der gleichzeitig theoriefest ist, als auch den technologischen stack nicht völlig missversteht und hier schon einen anspruchsvollen wurf hingelegt bzw. eine neue baseline gezogen hat)
(ich würde zwar vieles etwas anders ‘begreifen’ und/oder ‘unterscheiden’, tu mir mit anmerkungen aber etwas schwer, wenn ich die produktionsbedingungen berücksichtige. bei einer wissenschaftlichen arbeit kann man zb. nicht mal schnell salopp größere teile der wissenschaftsgeschichte oder des diskurses für irrelevant/nicht zuständig/kurzerhand falsch/ungültig erklären oder begriffe einfach aus sich selbst heraus begründen und erklären, zumindest ohne eine kenntnis der begriffsgeschichte signalisiert zu haben etc. an vielen stellen hätte ich mir das aber gewünscht, weil er dann vl. weniger der versuchung unterlegen wäre, theorien deshalb in sein framework zu integrieren, weil sie seine kernbegriffe (plattform und macht, no na, aber auch regime, graph, hegemonie, souveränität, usw.) verwenden oder behandeln, ohne sie aber wirklich in den eigenen semantischen vektorraum hineinzurechnen. ein beispiel: die graphnahme hat sich als reiteration der schmittschen landnahme natürlich fast aufgedrängt, aber damit ausgestattet wird schnell übersehen, dass eine zentrale leistung von plattformen tatsächlich ist, den graph selbst quasi aus dem nichts zu erzeugen statt etwas unabhängig davon exisitierendes zu ‘nehmen’. aber da sind wir dann schnell bei korinthen usw.)
((ob ich seine im tweet oben zitiert abstraktion für plattform für eine gute oder schlechte (gute schlechte oder schlechte gute) idee halte, muss ich noch ein bisschen sinken lassen; im epilog zeigt er, wie nützlich eine daraus ableitbare systematik mitunter sein kann. aber was er mit seiner definition an universalität gewinnt, verliert er mit der partikularität der aussagen, die man sinnvollerweise nur über die dann immer notwendigen differenzierungen machen kann, usw. man kann sich ja herumspielen.))
aber wie gesagt: lesetipp.