Notsonotizblog

((abt. für die leicht zu unterhaltenden))
Unterm Grund

ReQuoting pt. 105 (The Obsessed Edition)
At the end of my first sixty-thousand-step day, I staggered home with my flashlight knowing that I’d advance to sixty-five thousand, and that there will be no end to it until my feet snap off at the ankles. Then it’ll just be my jagged bones stabbing into the soft ground. Why is it some people can manage a thing like a Fitbit, while others go off the rails and allow it to rule, and perhaps even ruin, their lives?
Nützliche Unterscheidungen pt. 24 (The Responsible Edition)
Eine weitere besonders nützliche Unterscheidung ist ganz sicherlich die Unterscheidung: besteht mein Verhältnis zu einem Ding eher in einem Verhältnis der Bringschuld oder eher in einem Verhältnis der Holschuld? Kann ich mich bequem im Ohrensessel neben dem Kamin zurücklehnen, weil das Ding ohnehin bei mir vorstellig werden und sich dann erklären muss, oder muss ich mir die Waldviertler anziehen und mich selbst darum kümmern, wenn ich das Ding benützen will?
und als allgemeine Formel kann man hier sicherlich sagen: Wenn du das Internet pragmatisch egoistisch benutzen und du also deine eigenen Möglichkeitsräume damit erweitern willst, dann zieh dir lieber deine Waldviertler an und kümmere dich selbst darum. Dem Internet ist egal, ob du bloggst oder ellost oder etc. oder nicht, und wenn du die sich dadurch jeweils für dich selbst ergebenden Möglichkeitsräume nicht von selbst siehst und erwartest, die dich überzeugenden 10 vorgekauten Gründe vorserviert zu bekommen, bevor du dich irgendwann zur Teilnahme erbarmst, dann geht es allen ohne deine Teilnahme wahrscheinlich besser.
(es geht dabei vor allem um die disposition; ist man neugierig oder ist man satt und überdrüssig. man muss sich nicht alles selbst aus der nase ziehen können, aber man muss bereit sein fragen zu stellen, sich anzuschauen was andere machen oder sich einzubringen und selbst zu experimentieren)
(abt: draw the distinction!)
Social Books Reloaded

kl. nachtrag zu Social Books : nachdem sie es vor einem jahr vorgestellt haben, haben lobo/kappes/wagner heute ihr sobooks auch öffentlich lanciert, hier nach 5 minuten herumspielen also noch schnell mein endgültiges urteil:
ich fürchte das wird nix. aber der reihe nach: sobooks ist eine plattform, auf der man bücher (books) sozial (so) lesen kann. einige bücher kosten nichts, andere kann man kaufen nachdem man sie kurz angelesen hat. alles läuft im browser ab, als leser kann man seiten kommentieren oder durch kommentieren von kommentaren mit den anderen oder dem autor ‘diskutieren’ (und soweit ich sehe kann man auch textstellen sharen, aber dafür müssen anscheinend popups erlaubt sein, was die meisten browser aber unterbinden, weil andere damit schindluder treiben). die optik und zum grösseren teil die usability ist nicht schlecht. alles sehr minimalistisch und funktional, wenn sie es irgendwie auf die reihe bekommen, dass einzelne seiten eines buches auch ohne scrollen auf eine bildschirmseite passen ist es vl. der beste browserbasierte reader für ebooks, über den ich bisher gestolpert bin; bonuspunkte wenn sie dann noch so dinge wie bookmarks oder eine elegante übersicht der eigenen anmerkungen usw. implementieren. bezüglich der reinen leseerfahrung haben sie gegen kindle / ibooks auf ipads zwar trotzdem keine chance, allerdings auch keinen unverzeihlichen nachteil. bleibt also das soziale und die grosse leistung von sobooks scheint mir hier zu sein, die konkrete seite eines buches durch vergabe einer sprechenden URL quasi zu sozialisieren bzw. sharebar und kommentierbar zu machen – und das ist natürlich ein wirklicher meilenstein. trotzdem frage ich mich, wie viel tatsächlicher nutzen durch die dabei entstehenden aktivitätsszenarien entsteht. ich will jetzt noch überhaupt nicht ausschliessen, dass es nicht irgendwelche anwendungsfälle gibt, die irgendeinen nutzen erzeugen und auch funktionieren (vl. gibt es ja eine jerry cotton fangemeinde, die nur darauf wartet, spuren auf absatzebenen zu diskutieren oder zwischen den heften ein netz an querverweisen zu etablieren; autoren können es vl. zum korrekturlesen von betabüchern verwenden; usw.). aber ich glaube weiterhin, dass das buch und die damit assoziierten praktiken (sprich: das lesen) viel zu sperrig ist, um darauf eine nachhaltige kommentarwirtschaft zu etablieren, und viel zu teuer ist (neben den kosten vor allem natürlich die kosten der eigenen zeit für das lesen), um die kommentare und shares als wirkungsvolles mittel für distribution oder discovery zu transformieren, die nicht grundsätzlich von anderen schon mitunter besser gelöst ist. wenn ich nicht schon ein grosses oder noch besser: wirklich grosses bestehendes interesse am buch oder einem jeweiligen sobooker selbst habe, dann interessiert es mich im allgemeinen einfach nicht so besonders, dass irgendwer irgendeine stelle in irgendeinem buch wirklich sharenswert findet und ggf. annotiert, selbst wenn ich mir dann die ganze seite als kontext dafür anschauen kann. in diesem sinne: viel glück.
Lazy Startup Ep. 26
Dienst oder Tool, das diesen säuerlichen ‘altes Buch’ Geruch aus alten Büchern bekommt. Bonuspunkte für eine Ersetzung mit diesem wunderbaren ‘frisches Buch’ Geruch.
Der Besserwisser pt. 2 (Apple Watch)
kl. nachtrag zum besserwisser pt. 1 revisited : ich wollte eigentlich zur apple watch nichts mehr sagen, bevor ich sie nicht zumindest einmal an der hand gehabt habe und zumindest die rudimentärsten offenen fragen (wie lang hält der akku wirklich, was geht für entwickler mit diesem watchkit, bis zu welchem grad kann man sie ohne iphone in unmittelbarer nähe verwenden, wieviel kosten die editions, inwieweit lassen sich die innereien updaten, etc.) ansatzweise beantwortet sind, und ich wollte die besserwisserserie eigentlich auch besser früher als später unter den teppich kehren, aber mit zwei kleinen änderungen des bezüglich ellos im speziellen aber sozialer webapps im allgemeinen vorgeschlagenen modells lassen sich auch die meisten einschätzungen zur watch etwas relativieren, wenn ich also schon dabei bin hier also auch noch usw…
zur erinnerung: die unterscheidung in maschine auf der einen seite und historisch soziale kontingenz auf der anderen seite im zusammenspiel mit dem begriff des asymmetrischen wettbewerbs hilft uns zwar nicht beim vorhersagen der auswirkungen von sozialen webapps, aber so trivial sie ist lassen sich damit die meisten getätigten prognosen ‘dekonstruieren’.
änderung 1: auf der anderen seite der ‘maschine’ apple watch steht nicht länger eine gesellschaftliche kontingenz, kein ergebnis eines historischen und sozialen ausdifferenzierungsprozesses usw., sondern ein jeweils einzelnes subjekt mit jeweils konkreten bedürfnissen und begierden. es gibt also nicht eine maschine für alle, sondern die (im rahmen der editions und variierbarkeit mehr oder weniger) gleichartige maschine für jeden einzelnen.
änderung 2: asymmetric competition bleibt zwar auch hier ein nützliches konzept, hier noch nützlicher aber ist: job to be done
und auch das verwende ich frei nach asymco der es frei nach christensen verwendet und das ist die ganz einfache frage: für welchen job heuere ich ein ding an? es geht dabei nicht darum, dass das jeweilige individuum die frage dann auch adäquat beantworten kann (oft wissen wir es selbst nicht, oft ist es was gänzlich anderes als vermutet), sondern um die annahme, dass wir das immer für einen konkreten job in unserem leben tun. diese jobs können übrigens durchaus andere sein, als es die macher der maschine gedacht oder geplant haben.
der fehler, den fast alle machen, die ihre einschätzungen zur apple watch publizieren, ist für die watch den EINEN RICHTIGEN job to be done zu suchen, diesen dann üblicherweise als zu erledigenden job FÜR ALLE selbst festzulegen und dann ihre gesamte kritik auf diese ihre eigene festlegung zu beziehen. aber hier kommt der unterschied zwischen der anderen seite der maschine zum tragen: anders als bei sozialen webapps, wo es (innerhalb vieler freiräume) doch auch stark darauf ankommt, ein spezifisches soziales objekt gemeinsam auszuhandeln, die dichte also mit dem grad der gemeinsamkeit zunimmt, liegt der wert von gadgets im potential für einen einzelnen einen oder auch mehrere jobs zu erledigen, der wert des gadgets also mit der vielzahl an möglichkeiten zunimmt.
im fall soziale webapps ist die geschichte kontingent, im fall gadgets der nutzen. die watch muss also keinen von irgendeiner instanz festgelegten universellen überjob realisieren, sie muss nur für jedes konkrete individuum NUR EINEN EINZIGEN aller möglichen jobs realisieren, um dem leben mehr freude oder sinn zu geben. und mit kosten von 50c pro tag liegt die hürde dafür, die watch auch ökonomisch attraktiv zu machen, wirklich nicht besonders hoch.
wenden wir diese abgewandelte unterscheidung und das neue konzept nur exemplarisch an einem der grössten cluster eines vorfestgelegten überjobs an (wer lust hat kann das leicht auf andere cluster wie ‘mode’, auch hier ‘offenheit’, etc. übertragen):
die naiven evolutionisten
die naiven evolutionisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die watch als technoevolutionäre weiterentwicklung vom iphone sehen und die uhr als neue zentrale (kleinere, permanentere, bessere) kommandozentrale für das vernetzte selbst konzipieren, die das handy ablösen wird. und weil die watch das in der vorgestellten version nicht in der geforderten autonomie und vollständig tut und das iphone noch nicht komplett ersetzt, wird sie gleich bis auf weiteres als im grunde völlig sinnlos verworfen.
ich sympathisiere grundsätzlich mit jedem ansatz, der sich explorativ oder als gedankenspiel mit möglicherweise kommenden technologien auseinandersetzt, und es steht natürlich jedem völlig frei was auch immer als k.o.-kriterium für sich selbst zu definieren – aber wie man nicht sehen kann, dass die watch nicht alles bisherige vollständig ersetzen muss und wie sie auch im zusammenspiel mit dem ohnehin gegebenem setup hunderte andere und mitunter auch gänzlich neue jobs tun kann, geht wirklich über meine vorstellungskraft.
(nur am rande: ich glaube überhaupt, dass erst durch den dialektischen gang durch die watch einige qualitäten und eigenschaften von stinknormalen smartphones sichtbar werden, die wir derzeit gar nicht als solche registrieren oder schätzen; ein screen in der grösse zwischen 4 und 5 inch dürfte doch der sweet spot zwischen nützlichkeit zur darstellung von information und den kosten für portabilität sein; alles was kleiner ist hat (auch wenn es optimierte apps oder alternative interfaces wie voice gäbe) zunehmende kosten bei der informativen universalität, alles was grösser ist kann nicht länger gedankenlos eingesteckt werden. und wir können damit telefonieren; auch wenn wir das üblicherweise nicht mehr tun, viele wollen zumindest die theoretische möglichkeit dazu und nicht jeder will dick tracy sein. aber davon abgesehen hat ein phone etwa auch den vorteil nicht am körper befestigt zu sein, sondern als ding autonom zu sein, und das ist vl. wichtiger als wir es derzeit vermuten. aber das ist ein anderes thema.)
Der Besserwisser pt. 1 Revisited
hmm, das mit dem besserwisser hat ja nicht gerade zu viel falsifikation von aussen geführt (nts: der titel war wohl doch ein bisschen suboptimal gewählt), hier zumindest als nachtrag zwei beispiele von mir selbst…
vorab eine vielleicht nützliche unterscheidung für die ‘bewertung’ von webapps (und im konkreten fall ello) und zwar die unterscheidung in die ‘maschine’ und das was die menschen damit machen also die ‘historisch soziale kontingenz der benutzung’.
unter maschine verstehe ich dabei die der anwendung zugrundeliegende analoge und digitale materialität, also den gesamten stack an hardware und software und den konkreten code der anwendung selbst. während das an sich jeweils unendlich komplex sein mag, diese komplexität braucht den benutzer nicht zu interessieren; was ihn betrifft stellt sich die maschine auf eine ganz konkrete art zur verfügung und den möglichkeitsraum könnte er ganz konkret beobachten. es gibt kein geheimnis, man muss es sich nur anschauen.
und unter der historisch sozialen kontingenz der benutzung verstehe ich die gesamtheit der konkret stattgefundenen und stattfindenden aktivitäten der benutzer, die von der maschine gebrauch machen und dinge tun inklusive der gesamtheit aller dabei angefallenen daten und spuren – das darauf stattgefundene und stattfindende leben, wenn man so will. auch diese prozesse können unendlich komplex sein, aber auch diese komplexitäten brauchen den benutzer nicht zu interessieren; was ihn betrifft stellen sich alle anderen auf eine jeweils ganz konkrete art und dadurch erzeugten möglichkeiten zur anschlusskommunikation zur verfügung und auch das könnte er wieder ganz konkret beobachten.
im zusammenspiel zwischen maschine und der historisch sozialen kontingenz ist es wichtig im hinterkopf zu behalten, dass jede historisch soziale kontingenz zwar eine maschine benötigt, die maschine selbst aber nie ein hinreichender grund für das auf ihr stattfindende ist. ab einem gewissen punkt der gegenseitigen ‘interpenetration’ kommt es idealerweise natürlich zu einer funktionierenden koevolution, aber auch dann bleibt der zusammenhang kontingent und kleinste justierungen an der maschine können ungewollt riesige konsequenzen haben und größte änderungen können wirkungslos bleiben.
und mehr vorab ein nützliches konzept: asymmetric competition
ich verwende es frei nach asymco der es frei nach christensen verwendet und ich verstehe darunter eigentlich nur die zwei ich glaube selbstevidenten aussagen, dass einerseits vorteile der einen mitunter auch vorteile für andere erzeugen können und dass andererseits einfach nicht alle das gleiche spiel spielen, aber alle oft so tun als ob. zum beispiel: sind plattformen einmal dominant, dann stellt es einen wert an sich dar, nicht ebendiese plattform zu sein. wer alles mit google macht, für den ist vl. sogar schon yahoo für die mails interessant, weil dann zumindest die mails und damit der zugang zu allen anderen accounts nicht bei google liegen. wer sein leben auf facebook verbringt, für den ist alles was nicht facebook ist eine möglichkeit für einen frischen wind, für andere kontakte, für eine andere darstellung von sich selbst, usw. nicht-das-eine-sein ist ein riesiger vorteil, den das eine selbst nie haben wird und der umso grösser wird, je dominanter das eine wird.
— (1)
[…] Paul Budnitz […] hat nach den Machern von Diaspora als einer der Ersten die Eier gehabt, einfach mal zu versuchen, einen Facebook-Konkurrenten zu basteln.
denkt man die zwei dinge zusammen, dann erledigen sich schon einige unfruchtbare vergleiche oder annahmen, die über ello gemacht wurden.
ello muss dann nämlich nicht mehr in einer direkten konkurrenzbeziehung zu facebook oder twitter konzipiert werden, sondern kann als asymmetrische und durchaus auch koexistierende alternative verstanden werden, deren wert gerade nicht darin besteht ein anderes facebook oder twitter zu sein um dort mit den gleichen das gleiche halt woanders zu tun, sondern darin, einen anderen raum aufzuspannen, den man auf facebook oder twitter nicht mehr aufspannen kann. und während das wiederum viele neue netzwerke tun hatte ello dabei auch das notwendige quäntchen glück vom richtigen timing, weil facebook gerade eine gruppe von dragqueens und viele andere mit einer verschärften durchsetzung vom juristischen namen quasi vertrieben hat, die dann ello als neues zuhause adoptiert haben, was als story natürlich gut war und ello also in die presse brachte.
gleichzeitig ist jede frage, ob es sich bei irgendwas um das – meistens bzgl. der grösse gefragte – nächste facebook oder twitter handelt, schon auf ganz grundsätzlicher ebene blödsinnig. nicht weil es grundsätzlich nicht möglich ist (statistisch wird halt jede 10.000 anwendung oder 2 bis 3 pro jahrgang gross und wenn man es bei jeder anwendung fragt hat man also auch mal recht), sondern weil die historisch sozialen kontingenzen einfach nicht vorhersehbar sind und milliarden von einzelentscheidungen zusammenkommen müssen und gleichzeitig keine destruktiven ereignisse eintreten dürfen.
(wie seltsam johnnys zitat auch ansonsten ist wird glaub ich klar, wenn man es neun jahre vordatiert als: “ehssan dariani hat mit seinem studivz als einer der ersten die eier, einfach mal zu versuchen, einen facebook-konkurrenten zu basteln”)
der grund, warum ich auf dem vl. mehr als angemessen herumreite, ist auch, weil der vergleich zwar gut gemeint ist aber mehr schadet als nützt. leute plappern das mit dem ‘neuer facebook konkurrent’ nach, schauen sich die seite an, denken sich aha, das soll das neue facebook sein, und gehen wieder. das ganze framing wird den möglichkeiten und eigenen eigenschaften überhaupt nicht gerecht.
— (2)
They don’t have feeds in or out. That means whatever you put in there, starting right now, is theirs. They won’t even share your stuff with you. That’s not a good deal. You shouldn’t accept that.
So Ello isn’t answering any question I can think of.
If they were open, then I would be interested.”
dave winer (interessanterweise ursprünglich auf facebook)
dave winer steht hier synekdochisch für alle vertreter und spielarten der offenheit, die seit vielen jahren reflexartig jedes geschlossene system mit der immer gleichen checklist in der hand kritisieren, sich aber anscheinend noch nie wirklich gefragt haben, warum offenheit in vielen bereichen so offensichtlich unwichtig ist, während sich die user in geschlossenen gärten horten und freiwillig melken lassen.
die einfache antwort ist: kultur. kultur verstanden als spezifische ausbildung eines sozialen objekts (SO) und von gemeinsam ausgehandelten formen zur produktion, rezeption und distribution ebendieses SOs (das ist etwas komprimiert formuliert, aber wer hier ein bisschen sucht findet viel dazu). und in diesem sinne verstandene kultur ist deshalb ein so filigranes und unwahrscheinliches pflänzchen, weil sie nur als ganz spezifische ausdifferenzierung zwischen maschine und der historisch sozialen kontingenz entsteht, wobei das soziale objekt sehr stark durch die maschine aber die gemeinsam ausgehandelten praktiken natürlich primär auf der seite der historisch sozialen kontingenz definiert werden. aber es ist halt die kultur, die einen dienst attraktiv und sinnvoll macht, nicht die tatsache offen oder verschlüsselt zu sein. solange die open crowd nicht versteht, dass ein tweet etwas ganz grundsätzlich anderes ist, als ein string mit maximal 140 zeichen, solange werden sie es nicht schaffen dienste zu entwickeln die kultur haben und offen sind.
der grund, warum ich auch auf dem vl. mehr als angemessen herumreite, ist, weil auch die forderung nach offenheit gut gemeint ist aber auch wieder mehr schadet als nützt. in vielen situationen ist die offenheit selbst nämlich der verunmöglicher der möglichkeit der entwicklung einer kultur. dienste brauchen üblicherweise eine gewisse zeit, bis sie zu sich selbst finden, die meisten bekannten dienste sind reine zufälle. das letzte was sie in dieser inkubationsphase brauchen sind leute, die irgendeine automatisierbare sozialmediale kommandozentrale verwenden, um ihre inhalte dann auf maximal vielen plattformen zu verbreiten oder um ihre netzwerkdichte zu maximieren ohne auf die jeweilige kultur rücksicht zu nehmen und alle andere bots. (der differenzlose gesamtstrom ist gwm. die definition der kulturlosigkeit)
(nur zur sicherheit als faustregel: sei so indie wie möglich!!11 und backe alles up; aber beharre nicht auf dem indie wo es mehr schadet als nützt oder wo es irrelevant ist)
—
We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce, and manipulate – but a place to connect, create, and celebrate life.
You are not a product.
als kleiner anhang ein bauchgefühl: die art, wie die selbstbeschreibung von ello angenommen wurde, war eig. auch interessant. die einen nahmen es irgendwie wörtlich, haben es einfach mal geglaubt und das hat viele sicher auch motiviert; die anderen haben es mit dem dann ‘aufgedeckten’ funding quasi als grosse lüge entlarvt, weil vc-money und grundsätze oder keine ads ja ein oxymoron sind. ich glaube beide schiessen in die falsche richtung. das manifest kann glaub ich besser als übersteigerte approbation von tautologischen plattituden über soziale netzwerke – also etwa im stile von laibach – verstanden werden. mir kommt überhaupt vor, dass ello die erste app ist, die darauf basiert sich mit ernster miene ironisch von sich selbst zu distanzieren und die jetzt trotzdem einfach mit allem entstehenden und zufallenden einfach läuft, was ello dann wieder irgendwie sympathisch macht.
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Der Besserwisser pt. 1 Rivvasited
Konzept des Tages: Die Karawane
enthalten und ausgeführt hier in den kommentaren.
Der Besserwisser pt. 1 (Ello)
für den webdiskurs ist ello eine art fontaine von r.mutt.
— Markus Spath (@hackr) September 28, 2014kl. revision vom papierkorb pt. 44 und nachtrag zu obigem tweet – aber ca. 50 reviews von ello später muss ich den ansatz vom besserwisser psychohygienisch doch fast zumindest einmal mit ello ausprobieren.
das interessante an ello ist ja, dass es es eigentlich nicht geben dürfte. es tut nichts, was nicht hunderte andere projekte auch oder auch besser tun, es ist vl. optisch nicht ganz uninteressant (vor allem natürlich durch die verweigerung aktuell sein zu wollen, sondern sich eher am webdesign der 90er zu orientieren) aber es ist jetzt trotzdem bei weitem nicht irgendwie grossartig, es ist zentralisiert und geschlossen wie nur was, das manifest ist eher prätentiös, usf, und trotzdem hat es zuerst in de und dann sogar international eine karawane ausgelöst, wie ich sie das letzte mal bei pownce erlebt habe. gleichzeitig bringt vl. gerade diese unwahrscheinlichkeit die phantasmatische qualität des diskurses selbst in einem grad zum vorschein, den ich bisher so auch noch nicht gesehen habe.
(andererseits merkt man selbst ja nicht, wenn man senil oder schrullig wird und nur noch auf der parkbank sitzend mit dem stock schwingend über alles vorbeiziehende schimpft; aber irgendwie geht es mir zunehmend so, dass ich mit dem web, oder besser: dem gebabbel über das web kaum noch im einklang bin und dass ich eigentlich fast überhaupt keine aussagen mehr lesen oder hören kann, ohne irgendwelche fehler oder falschen grundannahmen oder falsche logische schlussfolgerungen zu finden oder überhaupt irgendeine logik zu erkennen. und irgendwann drängt sich dann doch die vermutung auf, ob man nicht eben selbst der verrückte ist usw.)
jeder der will ist hier also wirklich ganz besonders willkommen, einen beliebigen (gerne auch eigenen) artikel oder text zu ello in den kommentaren zu posten, das in den letzten 5 oder so wochen ja für einiges an aufsehen gesorgt hat. ich wiederum werde versuchen, im jeweiligen artikel oder text zumindest einen groben fehler oder eine falsche grundannahme oder ein non sequitur oder irgendeinen sonstigen blödsinn zu finden und zu nennen. meine zu widerlegende wahnvorstellung/these lautet, dass ich in jedem text zumindest einen blödsinn finden werde.
(damit das sinnvoll ist, sollten die texte natürlich eine gewisse länge haben und jenseits der nachricht (also verkündung des starts oder des wachstums oder nennung der kerndaten) zumindest versuchen, eine art einschätzung oder bewertung oder prognose über ello abzugeben)
—
update: ist jetzt geschlossen. ein kl. nachtrag liegt hier .
G16

^ Google mit einer Art Geburtstagsdoodle
(siehe auch Google Piñata)
Papierkorb pt. 44
(habe nach langem hin und her eine neue serie namens ‘der besserwisser’ verworfen, bei der man beliebige artikel/texte zu einem jeweiligen thema/aufreger posten könnte und ich nenne dann zumindest den ersten groben fehler)
Papierkorb pt. 43
(man – und mit man meine ich jetzt nicht nur aber besonders auch mich – müsste wirklich mehr auf blogs kommentieren; öfter als nicht öffnen sich gerade in der dialektik aus post – kommentar – kommentar vom kommentar räume, die man im eigenbau nicht finden würde)
Lazy Startup Ep. 25
Plugin/Erweiterung für das Blogtool der Wahl, das tote Links aufspürt und mit dem frühesten entsprechenden Backup bei der Wayback Machine ersetzt.
(siehe auch ep. 23)
Get Lucky Cat

^ untested aber super: die vorlage für grumpy cat als lucky cat
Papierkorb pt. 42
(ich weiß, es ist anal usw., aber leute, die via falsch verwenden, machen mich einfach wahnsinnig)
Papierkorb pt. 41
oder was twitter aus dem u2/itunes fiasko lernen könnte, was beide big brother aber nie zu fragen wagten:
präambel: ich glaube es war das amerikanische big brother 15, bei dem es in den ersten wochen den twist gab, dass die zuschauer für einen bewohner stimmen konnten und dieser erhielt dann irgendeine besondere macht. und weil eine bewohnerin die schwester der sehr beliebten siegerin der vorigen staffel war, hat sie dann in den ersten wochen immer klar gewonnen. und weil das aber wiederum langweilig wurde, haben die produzenten dann irgendwann umgestellt und es wurde dann nicht mehr für eine belohnung sondern für irgendeine bestrafung gevotet. der umstand, dass auch das dann immer noch die gleiche bewohnerin getroffen hat, hat sowohl im haus als auch in der gesamtsphäre von social media eine kognitive dissonanz erzeugt, die im kollektiv nicht aufgelöst werden konnte. als beste erklärung hat sich dann durchgesetzt, dass die fans der schwester der bewohnerin nicht verstanden haben, dass sie seit dem wechsel nicht mehr für sondern gegen sie stimmen und ihr deshalb quasi unabsichtlich im eifer auch den schwarzen peter zugesteckt haben. auf den ganz einfachen umstand, dass der ausgang eines votings für irgendwas nur wenig mit dem ausgang eines votings gegen irgendwas zu tun hat, besonders, dass beide votings durchaus und sogar durchaus wahrscheinlich den gleichen ‘sieger’ haben, kam tatsächlich niemand. der beliebteste kann nicht der unbeliebteste sein, wie sollte denn das gehen? es geht natürlich, weil ein starker fanblock viele stimmen für jemanden generiert und sich die stimmen aller anderen auf alle anderen verteilen. bei der wahl gegen die kanditaten sammeln sich aber die ‘gegner’ und die stimmen das fanblocks verteilen sich auf alle anderen. anyway, das war alles ein bisschen umständlich für: ‘die wahl für etwas ist nicht die umkehrfunktion der wahl gegen etwas’ und für ‘ein starker fanblock kann die reale bedeutung und wertschätzung stark verschleiern’.
apple durfte den effekt dieses missverständnisses kürzlich mit den reaktionen auf die zwangsbeglückung mit dem album von u2 hautnah erleben. das sind jetzt hausnummern, aber nehmen wir einmal an, dass u2 mit durchschnittlich 5 mio verkauften downloads pro album die beliebteste aller bands auf itunes ist. aber obwohl u2 vl. übers jahr die meisten tracks verkauft, das macht sie noch lange nicht für die mehrzahl aller 500 mio benutzer hörbar oder wünschenswert. auf alle 5, die sich wirklich über das geschenkte album freuen, kommen 45, die halt mit den achseln zucken, und 50, die das wirklich irritiert. ein starker fanblock kann stadien füllen, aber er sagt nichts über die allgemeine disposition aus.
was uns zu twitter bringt: twitter ist drauf und dran den gleichen fehler wie apple zu begehen und (relativ betrachtet) populäre tweets für allgemein wünschenswert empfundene tweets zu halten. ich habe vorhin unabsichtlich auf den bereich #discover geklickt, der ja gwm. andeutet, was twitter für jeden als empfehlenswert erachtet und was uns twitter wohl in zukunft mit mehr nachdruck ans herz legen möchte um unsere erfahrung auf twitter zu verbessern, und während ich bei den meisten vorgeschlagenen tweets nachvollziehen kann, warum sie von twitter empfohlen werden (das wird algorithmisch wohl eine mischung aus sozialer entfernung, reaktionen und zeit sein), so scheint es sogar jetzt schon einen unsäglichen/gewissen typ an tweets zu geben (irgendein bildl mit einem lustigen begleitenden spruch oder irgendeiner art von überraschung oder einem bruch), die von einem mikroskopisch kleinen aber hypersozialen anteil der betwitterung so freudig geteilt werden, dass sie die (wieder: relativen) ‘charts’ trotzdem immer dominieren werden. nur macht diese relative popularität tweets für einen weder gut noch aus anderen gründen wünschenswert; sicher ist mal ein kleiner lacher dabei, aber in fast allen fällen sind sie kleine u2’s, die mehr nerven als sonstwas.
(und die antwort auf diesen umstand ist natürlich nicht, dass man halt einen besseren algorithmus finden muss, der jedem dann die richtigen tweets/musik vor die nase setzt, sondern zu verstehen, dass das problem selbst falsch formuliert ist und dass man g’scheiter ein attraktiveres angebot für selbstselektionen machen könnte, was ja übrigens nicht ausschließt, dass man einen bot offeriert, dem man zb freiwilligen folgen kann und der einem dann ‘intelligente’ populäre tweets oder lokale schnäppchen injiziert usw.)
A message to your privacy

^ auch eher dokumentarisch: Apple hat eine Art Minisite gebaut, die dann über die apple’sche Disposition und Verfahren bzgl. Privacy informiert.
omg, Ello

^ eher devoha aber next up in der selfreaggregate reihe: Ello