The Year In Review (2013 Edition) Pt. 4

das Jahr in Twitter (ann)
Papierkorb pt. 21
(kontextlose – oder eig. nicht kontextlose aber hier nicht konkreter kontextualisierte – randbemerkung: es gibt zwei grundsätzliche fehler, die von den meisten bewertungen der angeblichen indifferenz der bevölkerungen ob der überwachung und/oder der netzpolitik im allgemeinen gemacht werden: (a) aus der abwesenheit kollektiver tangibler reaktionen wird der (falsche) schluss gezogen, dass privacy nicht wichtig genommen wird, dass die vollständige überwachung niemanden wirklich juckt, dass netzpolitik kein thema ist, etc. (die piraten ziehen trotz vogelstraußtaktik ob snowden und trotz offensichtlicher internetplanlosigkeit der regierung nicht mit wehenden fahnen in den bundestag – also ist netzpolitik bei den menschen kein thema; die leute migrieren nicht in scharen von facebook zu diaspora – also ist ihnen egal, dass amerikanische konzerne ihre daten sammeln und sicherlich dann auch verkaufen; die leute verwenden immer noch handys obwohl alle verbindungsdaten gesammelt und ausgewertet werden – also ist ihnen der überwachungsglobus egal, usw.). dabei wird aber übersehen, dass verschiedene dinge verglichen werden und dass mit einer etwaigen verhaltensänderung üblicherweise riesige reale kosten anfallen würden. die vorhandene alternative zur cdu ist ja nicht eine netzpolitisch informierte und ihr programm dementsprechend ausrichtende cdu, sondern sich selbst dekonstruierende und in erster linie mit methodischen und anderen internen grabenkämpfen beschäftigende piraten. das einzige was man aus dem wahlergebnis ableiten kann ist also nur, dass für die meisten menschen netzpolitik (noch) nicht das die eigene wahl entscheidende thema ist, nicht dass sie kein thema ist. die vorhandene alternative zu facebook, twitter & co. ist ja nicht ein ansonsten äquivalentes datenschutz- und privacytechnisch korrekteres facebook, twitter & co., sondern ein dann quasi selbstgewähltes exil wie diaspora oder app.net oder der völlige verzicht auf diese art der kommunikation mit seinen bekannten und verwandten. das einzige was man aus dem freudigen verbleiben bei facebook, twitter & co. ableiten kann ist also nur, dass für die benutzer der dienst unter berücksichtigung der privacy-kosten mehr wert erzeugt als alle bekannten alternativen oder der totale verzicht auf selbstausdruck und kommunikation. (b) in ermangelung präziserer begriffe wird ‘privacy’ für gänzlich unterschiedliche sachverhalte und gänzlich unterschiedliche individuelle dispositionen benutzt. einmal benutzt wird die diagnose ‘privacy’ dramatisch maximal aufgeladen, der zugrunde liegende sachverhalt aber vergessen. vor cookies, die im schlimmsten fall dazu dienen, dem benutzer werbung aufzutischen, die ihn vl. wirklich interessiert, oder vor fotos von hausfassaden werden wir in der folge mit der gleichen (wenn nicht mit mehr) verve beschützt, wie vor der sammelung aller digitaler spuren aller durch sich immer paranoider ausdifferenzierende geheimdienste. ein effekt davon ist, dass der begriff selbst abstumpft. wer immer feuer schreit, dem glaubt man irgendwann auch dann nicht mehr, wenn es mal wirklich brennt. gleichzeitig sollen mit ‘privacy’ bereiche behandelt werden, die damit nicht mehr adäquat behandelt werden können. (post-privacy versucht das glaub ich teilweise zu thematisieren, das problem mit dem begriff post-privacy ist aber, dass er eine art überwindung oder ein weiter suggeriert, während es sich aber nur um eine in gewissen szenarien (für gewisse leute mit gewissen dispositionen, nicht immer für alle) einfach nicht zutreffende oder relevante unterscheidung handelt))
Privacy Ltd Revisited
aus der beliebten abt. heute vor 6 jahren: Privacy Ltd – Seth Godin über Privacy
There’s been a lot of noise about privacy over the last decade, but what most pundits miss is that most people don’t care about privacy, not at all.
…
Your credit card company knows an insane amount about you.
…
What people care about is being surprised.
…
So far, government and big companies have gotten away with taking virtually all our privacy away by not surprising most of us, at least not in a vivid way. Libertarians are worried (probably with cause) that once the surprises start happening, it’ll be too late.
Leftovers 2013 (Leftovers 2011 and 2012 Edition)
devoha (und damit ich mich vl. weniger wahrscheinlich wiederhole) eine kurze wiederbesichtigung der leftovers 2011 und leftovers 2012 (wo praktikabel):
- Leftovers 2011 Lumberjack Edition – der holztrend hat sich 2012 dann sogar noch verstärkt, ist heuer dann aber abgeflacht.
- Leftovers 2011 Stream Edition – nach wie vor einer meiner wenigen vl. wichtigen texte, der leider zu kurz ausgeführt ist, um das in einem anderen kopf ankommen zu lassen, der aber den kern zum verständnis von fast allem (things web) beinhaltet.
- Leftovers 2011 Signifiers Edition – wie der holztrend hat auch das kreative benennen etwas abgenommen, so paradigmatische 2.0 namen sieht man immer seltener.
- Leftovers 2011 Schöner Launchen Edition – gibts nach wie vor, hat aber ein bisschen nachgelassen.
- Leftovers 2011 Filter Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2013 kein jota weitergekommen. ich versteh nicht, warum das noch keiner systematisch angegangen ist, aber ich hab die hoffnung darauf mittlerweile aufgegeben.
- Leftovers 2011 Logical Fallacy Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2013 kein jota weitergekommen, wobei da natürlich kein weiterkommen zu erwarten war.
- Leftovers 2011 Stubborn Edition – hach dave winer.
- Leftovers 2011 Clueless Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2013 kein jota weitergekommen, wobei da natürlich auch hier kein weiterkommen zu erwarten war. eigentlich schade, weil das im gegensatz zu den logical fallacies ein grundsätzlich lösbares problem ist.
- Leftovers 2011 TV Edition – gesagt, getan. hier war ich irre produktiv.
- Leftovers 2011 Composition Edition – hat sich 2012 verbessert, mitunter dank scrivener (siehe bartleby) in dem jetzt einiges steckt, wofür ich davor einiges an retrospektiv völlig blödsinnigen aufwand betrieben habe, hat sich dann aber heuer wieder etwas verkompliziert.
- Leftovers 2011 Sharecropping Edition – nicht viel weitergekommen, aber durch reduktion quasi automagisch vereinfacht. allerdings juckts doch noch immer ein bisschen, das wieder etwas zu erweitern.
- Leftovers 2011 Scope Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2013 kein jota weitergekommen, wobei da natürlich auch hier wieder kein weiterkommen zu erwarten war.
- Leftovers 2011 Polychronicity Edition – und auch das gilt noch, hat sich aber anders entwickelt, als ich vermutet hätte; statt immer grösseren strukturellen reibungen, die durch die kognitiven dissonanzen getriggert werden, scheint sich das gesamtsystem eher auf eine gemeinsame postzeitlichkeit zuzubewegen.
- Leftovers 2011 Difference Edition – hmm, eine auslaufrille, ich weiss.
- Leftovers 2011 Dead Man Edition – gar nicht schlecht.
- Leftovers 2011 Axis of Good Edition – stimmt auch noch immer.
- Leftovers 2012 POV Edition – stimmt auch noch immer.
- Leftovers 2012 Indifference Edition – da bin ich persönlich ein bisschen weitergekommen; die deutsche ‘netzgemeinde’ hingegen not so much, grösste teile bestehen im abarbeiten von fremdbestimmten themen und dem widerlegen von willkürlichen aussagen als eine art selbstbeschäftigung (wobei das natürlich das persönliche geschäftsmodell sein kann)
- Leftovers 2012 Sauerkrauts Edition – auch ende 2013 noch immer offen.
- Leftovers 2012 Burrow Edition – stimmt auch noch immer.
- Leftovers 2012 Semiology Edition – fehlt auch noch immer.
- Leftovers 2012 Hillbilly Edition – hat sich vl. ein bisschen verbessert, ist aber grundsätzlich noch recht lesenswert.
- Leftovers 2012 Restart Edition – fehlt auch noch immer.
- Leftovers 2012 Mist Edition – damit struggle ich auch noch immer.
- Leftovers 2012 Boxes Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2013 kein jota weitergekommen. eigentlich schade, weil das wie die cluelessness ein grundsätzlich lösbares problem ist.
The Year In Review (2013 Edition) Pt. 3

das Jahr in YouTube und YouTube Rewind: What you watched in 2013
top videos:
- Ylvis - "The Fox (What Does the Fox Say?)" by tvnorge
- "Harlem Shake (original army edition)" by kennethaakonsen
- "How Animals Eat Their Food" | MisterEpicMann by MisterEpicMann
- "Miley Cyrus - Wrecking Ball (Chatroulette Version)" by SteveKardynal
- "baby&me / the new evian film" by EvianBabies
- Volvo Trucks - "The Epic Split feat. Van Damme" by VolvoTrucks
- "YOLO (feat. Adam Levine & Kendrick Lamar)" by thelonelyisland
- "Telekinetic Coffee Shop Surprise" by CarrieNYC
- "THE NFL : A Bad Lip Reading" by BadLipReading
- "Mozart vs Skrillex. Epic Rap Battles of History Season 2" by ERB
Le Next 10 Years


^ in alter Tradition (siehe etwa crunchcam oder supernova.tv oder next.tv) wieder einmal ein Benchmark, in diesem Fall zwischen dem Livestream der LeWeb (82 Zuschauer) und dem Wasserloch im südafrikanischen Busch (46 Zuschauer).
Techblogs des Jahres (2013 Edition)
(ohne grossartige beschreibung des speziellen oder allgemeinen milieus, im grunde gibts ja auch kaum was dazu zu sagen und auch über die unsaggebbarkeit gibts nichts mehr zu sagen, aber gleichzeitig ist das alles auch egal, usw.)


Anyway, die zwei für mich sogar mit Abstand besten Techblogs 2013 waren Techdirt und Asymco’s Podcast Critical Path. Mike Masnick (via) ist noch immer eine Art ein-Mann-Armee, der mit glasklarer Urteilskraft sämtlichen Schwachsinn des medial-politischen Komplexes dekonstruiert und gleichzeitig dabei ohne Hysterie auskommt
; und Horace Dediu / Critical Path (blog, via) hat sich heimlich, still und leise zum vl. produktivsten Generator von nützlichen Unterscheidungen, Metaphern und Begriffen gemausert.
Eine lobenswerte Erwähnung geht an textdump und das flankierende und insgesamt eine art – ich sag mal – gonzokybernetischen journalismus konstituierende @guenterhack (via).
siehe Techblogs des Jahres und Techblogs des Jahres 2009 Edition und Techblogs des Jahres 2010 Edition und Techblogs des Jahres 2011 Edition und Techblogs des Jahres 2012 Edition
(siehe Techblogs des Jahres 2013 Edition auf Rivva)
More In-Depth

^ ha, ist mir noch nie aufgefallen, aber google hatte anscheinend schon ein paar monate ‘in-depth’ ergebnisse und zeigt jetzt noch mehr davon an (zb squirrel)
Reform Government Surveillance

devoha: AOL, Apple, Facebook, Google, LinkedIn, Microsoft, Twitter und Yahoo – also die meisten Elephanten – haben eine Art offenen Brief gegen resp. für zumindest rudimentär kontrollierte Überwachung veröffentlicht.
Think Mandela

^ apple heute mit einem ganzseitigen mandela doodle.
(h/t)
Maybe U'r Crazy
(kontextlose randbemerkung/rant aber was mich wirklich nervt, ist diese rhetorische figur irgendwas – durchaus auch schlaues aber in jedem fall auch – semioffensichtliches zu sagen und das dann mit ‘maybe it’s just me’ oder ‘maybe I’m crazy’ etc. einzurahmen)
Leftovers 2013 (Logic of Sensation Edition)
kl. nachtrag zu Leftovers 2013 Logic of Sense Edition : auch nicht wirklich weitergekommen sind jedenfalls startups 2013 mit dem ‘erzeugen’ von sinn und kommunzieren dieses sinns als parameter/kennzahl/produkt/effekt/… ihrer webdienste.
(kl. rant, weil ich gerade den stream der tc moscow sehe, wo sich dutzende russische startups pitchen, und weil nächste woche die le web ist, wo sich weitere dutzend startups pitchen werden, genauso wie sich heuer schon zehntausende andere startups auf hunderten startup panels vor (den immergleichen aber auch schon wieder) tausenden vcs gepitcht haben, und alles wird begraben unter den immergleichen euphemistischen und hypertroph optimistischen bullshitantworten auf die immergleichen 10 grundfragen und irgendwie scheinen aber auch alle damit völlig zufrieden zu sein usw.)
((nur am rande: die ausnahme sind dann so leute wie ev williams, die versuchen zumindest ein neues soziales objekt zu erzeugen und zu kommunzieren ; mit einer milliarde auf dem konto kann man sich sicherlich gewisse dinge wie buhlen vor investoren etwas leichter als andere sparen, aber das irritierende bleibt die völlige abwesenheit von sinn zugunsten von spreadsheet-basierter investierbarkeit bei den allermeisten nachrückern; und ohne in den guten alten zeiten suhlen zu wollen, das war 2003, 2004, 2005 tatsächlich noch anders, siehe mitunter die damals dokumentierten panels bei itconversations))
(((und klar: es gibt noch ein paralleles universum an startups – sei es von motivierten einzelkämpfern und/oder im umfeld von barcamps und/oder open source und/oder academia und/oder etc. -, das diesen zirkus ignoriert und tatsächlich an einem sinn arbeitet; die laufen dann allerdings fast immer in die sackgasse, die entsteht, wenn der ‘konstatierte sinn’ und die ‘ethik des überbaus’ selbst belohnt werden sollte, und das spielt es üblicherweise natürlich noch viel weniger)))
Leftovers 2013 (Loser or Old or Something Edition)

auch nicht wirklich weitergekommen bin ich 2013 jedenfalls mit dem am ball bleiben von memen und semen, siehe etwa Greg Rutter’s Second Definitive List of The 99 Things You Should Have Already Experienced On The Internet Unless You’re A Loser or Old or Something – da krieg ich echt fast nichts mehr mit (ausser dem cat content, das kannte ich alles).
(ganz grundsätzlich scheinen wir jedenfalls von einem eher erwachsenen-getriebenen zu einem von 9-16 jährigen getriebenem evolutionsmodell übergegangen zu sein, zumindest was die ausdifferenzierung von potentiell viralen inhalten betrifft. was auch nicht überraschend ist, weil diese altersgruppe mehr zeit als alle anderen hat, leicht zu unterhaltend ist, via peer groups extrem verschaltet und also verstärkend ist und – das ist vl. ein bisschen überraschend aber auch nicht wirklich – ein extrem ausgeprägtes nicht klassen- aber dafür massenbewusstsein hat, usw.)
NYR3-KW49
(kontext)
Books:
-
Movies
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Series:
- Almost Human S1E4
- Amazing Race S23E10
- American Horror Story Coven S3E9
Apps
-
Leftovers 2013 (Tube Edition)
auch nicht wirklich weitergekommen sind wir 2013 jedenfalls mit dem finden von dichteren, stärkeren, nützlicheren, zumindest weniger blöden, etc. begriffen für das web und den damit und dadurch getriggerten ereignissen.
(das web ist ja nichts, das irgendwie schwierig oder kompliziert wäre und sich durch mehr denken oder bessere analyse angemessener erschliessen würde; wovon wir mehr bräuchten sind die begriffe und denkfiguren, mit denen das ganze dann offensichtlich und tautologisch eigenrichtig wird, indem sie die potentialitäten erfassen und die kontingenzen behandelbar machen; für mich ist es tatsächlich das grösste rätsel, wie wenig da nicht nur aus deutschland, sondern weltweit kommt, zumal das web ja doch eines dieser raren wirklich singulären ereignisse ist, das doch auch die echten dichter und denker anziehen und stimulieren sollte; unsere aktuellen begriffe sind jedenfalls bestenfalls schläuche, auf denen wir stehen)
Gmail Takeout

^ Google integriert in den kommenden Wochen auch Gmail und Calendar in Takeout. (ist jetzt nicht soo daten resp. abhängigkeitsbefreiend, weil das mit genügend energie auch jetzt schon via imap möglich wäre, aber für ein setup mit weniger dokumentierten procedures aka einem gedankenlosen einmal im quartal backup trotzdem nützlich)
Konzept des Tages: Moderation Glitch

von malcolm gladwell, enthalten und ausgeführt von seth godin hier
Work Life Balance

schicke selbstvisualisierung von dave’s mostly tinkering via qs
Let it Snow

ruby -e 'C=`stty size`.scan(/\d+/)[1].to_i;S=["2743".to_i(16)].pack("U*");a={};puts "\033[2J";loop{a[rand(C)]=0;a.each{|x,o|;a[x]+=1;print "\033[#{o};#{x}H \033[#{a[x]};#{x}H#{S} \033[0;0H"};$stdout.flush;sleep 0.1}'
^ ins (os x) terminal kopieren und entern, siehe Let it Snow in the Terminal of Mac OS X
The Year In Review (2013 Edition) Pt. 2

das Jahr in Tumblr, natürlich auch mit cute overload usw.