Mehr Suchen des Jahres (2014 Edition)

Pt. 2 diesmal: Yahoo
- Ebola
- Minecraft
- Ariana Grande
- Jennifer Lawrence
- Kaley Cuoco
- Kim Kardashian
- Frozen
- Miley Cyrus
- iPhone 6
- Jennifer Aniston
einiges mehr von yahoo gibt es in der 2014 Yahoo Year in Review
(siehe Suchen des Jahres 2013 Edition, Mehr Suchen des Jahres 2011 Edition, Mehr Suchen des Jahres 2010 Edition, Suchen des Jahres 2009 Edition, Suchen des Jahres 2008 Edition und Suchen des Jahres)
Social Contracts Pt. 94
ich bin euch ja noch (meine) antwort auf quiz 94 schuldig, die da wäre, dass beide argumentationslinien den umstand übersehen, dass die cc-lizenz neben der literalen bedeutung auch noch eine dimension der (unausgesprochenen aber als bekannt vorausgesetzten) sozialen erwartungshaltung hat.
die konkreten sozialen erwartungshaltungen sind von fall zu fall verschieden und müssen also jeweils konkret bestimmt und berücksichtigt werden, aber cc-lizenzen sind üblicherweise eine einladung zur ‘benutzung’ aber nicht zur ‘ausnutzung’.
(soziale erwartungshaltungen drücken sich insgesamt oft durch ein doppeltes ‘so tun als ob’ aus. zb.: wenn ein neffe mit seinem onkel essen geht, dann tut er wenn die rechnung kommt so, als ob er nach seiner geldbörse greifen würde, und der onkel winkt ab, weil es natürlich auf ihn geht. beides gehört aber notwendigerweise zum ‘ereignis’ dazu. grosse teile des humors von ‘curb your enthusiasm’ basieren darauf, die literalen bedeutungen zugunsten dieser sozialen erwartungshaltungen zu substituieren, was die situation auf dem papier schlüssig aber ingesamt eben katastrophal macht.)
im fall flickr ist diese motivation der cc-linzenz vermutlich, dass man das allgemeine strömen von fotos zulassen will (also etwa das persönlich ausgewählte einbinden von fotos auf einem blogpost, als illustration in der wikipedia oder einer präsentation, gerne auch das integrieren in einem prospekt oder einer kommerziellen publikation, uvm.) und dabei durchaus auch kleinere egoismen in kauf nimmt, um die allgemeine und angemessene strombildung nicht insgesamt zu verhindern. genau dieser aspekt scheint mir überhaupt die zentrale funktion von cc zu sein: es geht um das zulassen von strömen auch unter möglichkeit der parasitären bunutzung, weil die verhinderung jeder möglichen ausnutzung selbst die verunmöglichung der strombildung selbst bedingen würde.
und das funktioniert üblicherweise reibungslos, weil die missbräuchlichen anwendungsfälle selbst öfter als nicht schlimmstenfalls eben nur lästige fliegen sind, mit denen man halt leben muss. wenn ein einzelner eines meiner fotos auf ein t-shirt drucken und verkaufen will, good luck und whatshallyado. genau das ändert sich aber, wenn die plattform selbst die grenzen übertritt. dann handelt es sich nämlich nicht mehr um die fliege, die man halt in kauf nimmt, sondern um die verletzung der sozialen erwartungshaltung auf struktureller ebene. der missbrauch wird nicht länger als vernachlässigbare rahmenbedingung in kauf genommen, der missbrauch wird gwm. strukturell ins system eingebaut.
die dummheit von yahoo besteht also nicht in der ‘ausbeutung’ der lizenzen, die die user ihren fotos verpasst haben, die rechtlich natürlich zulässig und auch nicht schlimmer als jede mögliche intervention von dritten ist, die sich in diesem sinne auf der plattform bedienen würden; die dummheit besteht darin, nicht zu verstehen, dass die erlaubnis des gebrauchs die erwartungshaltung der vermeidung eines missbrauchs beinhaltet, den man in ‘pathologischen’ fällen ignoriert, um das system am laufen zu halten, der aber nicht selbst in das system hineingebaut werden darf.
Re
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Lazy Blog Ep. 42
(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass der effekt der geshare’ten urteilskraft inklusiv ist, der output einer schwachen urteilskraft also immer auch den output jeder stärkeren urteilskraft beinhaltet. asymptotisch: wer alles share’t hat immer recht)
((bonuspunkte also wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie))
The Year In Review (2014 Edition) Pt. 1

das Jahr in Spotify
Suchen des Jahres (2014 Edition)

eigenartigerweise haben sie die ergebnisse nur in relativ spezifischen kategorien veröffentlicht, z.b. tv shows:
- big bang theory
- dwts
- pawn stars
- walking dead
- the young and the restless
- chelsea lately
- today show
- game of thrones
- the view
- american idol
(insgesamt ein usability horror, dafür immerhin noch immer für den IE optimiert)
(siehe Mehr Suchen des Jahres 2013 Edition, Suchen des Jahres 2011 Edition, Suchen des Jahres 2010 Edition und Noch mehr Suchen des Jahres 2009 Edition)
Nützliche Unterscheidungen pt. 28 (The Categorical Scope Edition)
Eine weitere kleine, aber zumindest pragmatisch nützliche Unterscheidung unterscheidet 2 Arten von ‘Ansprüchen’ für die technische Lösung von (kleineren) Problemen: welche, die einem kategorischen Imperativ genügen müssen und also einen gesellschaftlich wünschenswerten Ausgang erzeugen, wenn sich alle Menschen daran halten würden, und andere, die eine individuelle Verbesserung unter Berücksichtigung aller kontextuellen Rahmenbedingungen erzeugen sollen und also einen individualistisch besseren Ausgang erzeugen, wenn man sich selbst daran halten würde.
(das ist natürlich offensichtlich, aber es entstehen gelegentlich unstimmigkeiten, wenn die ebenen vermischt werden, also entweder der kategorische anspruch auf individuelle subansprüche gemappt wird oder idiosynkratische lösungen als allgemeingültig verkauft werden)
(abt: draw the distinction!)
Lazy Blog Ep. 41
(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass sich der sinn immer nur im (oder in bergen von) unsinn versteckt)
((bonuspunkte also wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie))
Papierkorb pt. 54
(statt der bürokratischen informatik sollten sie logik, viel model thinking und ein bisschen hacken unterrichten)
Papierkorb pt. 53
(omg, web 2.0 wurde 10 jahre alt1 und niemand hat’s bemerkt)
1 die erste web 2.0 conference, später dann summit, fand im oktober 2004 statt
Papierkorb pt. 52
(nature beats palace)
Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 17: Der Rechtmacher
Der Rechtmacher (m/w) ist ein abstrakter aber in den verschiedenen Instantiierungen extrem weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er es den anderen Leuten Recht machen will.
Das ist sicher nicht die bösartigste Einstellung, die man haben kann, allerdings führt sie öfter als nicht zu unserem beliebten gut gemeint ist schlecht gemacht oder durchdacht.
Der mit Abstand größte Rechtmacher-Doofus ist natürlich Google – bei denen kann man fast die Hypothese aufstellen, dass das Rechtmachen ihre große Schwäche ist, sprich sie immer dann genial oder zumindest gut sind, wo sie versuchen irgendwas so gut wie möglich zu machen und mit diesen Serien dann etwa bei einem neutralen Funktionalismus (etwa gmail vor 6, 7 jahren) oder einer autoritären Algorithmokratie (etwa google suche vor 6, 7 jahren) landen, und immer dann bestenfalls unbeholfen oder debil sind, wo sie versuchen das dann noch besser zu machen, indem sie es personalisieren, antizipieren und eben dem User rechter zu machen (so ziemlich jeder versuch email oder die suchergebnisse in dieser richtung zu verbessern ist bis dato in einem fiasko oder einer stillen revision geendet, siehe dazu googleheimer). Wobei Gmail und Suche ja noch tendenziell resilient sind und die Interventionen von Google noch relativ locker wegstecken konnten, problematischer ist natürlich, dass die ganze Vision von Google in diese Richtung schielt.
die genuin falsche grundannahme ist, dass es dieses im moment ‘richtige’ gibt und man es nur auf basis der daten ausrechnen muß, daten hat google ja im idealfall wohl genug, es kennt den ort, es kennt die zeit, es kennt die gesamte vorgeschichte, alle bisherigen suchen, käufe, mahlzeiten, treffen, alle kontakte, die gesamte kommunikation, usw., da kann das dann wohl nicht so schwer sein. aber genau das ist der fehler. dieses ‘richtige’ gibt es nicht vorab, sondern nur retrospektiv. bei allem was den funken eines persönlichen werts hat, spielt das begehren eine viel grössere rolle als die summe aller neutraler sachverhalte. man kann glaub ich fast sagen, dass alles, was uns eine suchmaschine vorschlagen kann, per definitionem ‘wertlos’ wird und das begehren verscheucht. das begehren kommt immer nur von der seite, von der wir es nicht erwarten oder sehen können. google will also wohin, wohin es – zumindest für moderat komplexe lebewesen – nicht kann.
The Google Supposed To Know (nts: mich öfter selbst zitieren)
In eine ähnliche Sackgasse laufen aber auch alle anderen Rechtmacher, die die Zukunft der Ausdifferenzierung von sozialen Objekten (Zeitungen als personalisierte Nachrichtenströme, Fernsehen als personalisierte Ströme von Sendungen und Serien, etc.) in personalisierten Empfehlungssystemen sehen. Sie übersehen den entscheidenden Punkt, nämlich dass Wert nur aus Differenz entsteht. Wenn alles gut ist, ist nichts gut. Intensitäten kann man nur in Relation zu einem ‘Mangel’ erzeugen. Hunger ist der beste Koch. Und sie übersehen, dass Identitäten nur im aktiven Auslassen von dem, was man nicht ist, entsteht; das registrierende Auslassen ist eine wichtige Geste.
Empfehlungssysteme sind grossartig zur Inspiration, als Reize, als Serendipity, usw. – aber sie sind kein guter kategorischer Imperativ für gesellschaftliche mediale Produkte.
(wer sich noch daran erinnern kann: die über die filterbubble jammerten, jammerten exakt über den falschen punkt. das problem einer algorithmischen bubble ist nicht, dass man die alternativen stimmen nicht mehr zu sehen bekommt und deshalb auch keine alternativen blickwinkel kennen lernt, das problem der algorithmischen bubble ist, dass man die alternativen stimmen nicht mehr zu sehen bekommt und deshalb nicht mehr so tun kann, als gäbe es die ohnehin bestehende bubble nicht)
(abt. supermarket studies)
Nützliche Unterscheidungen pt. 27 (The Only You Edition)
Eine weitere zumindest pragmatisch nützliche Unterscheidung kommt von Seth Godin und unterscheidet 2 Arten von Jobs: welche, die man nur selbst machen kann, und alle anderen, die man auch delegieren könnte.
When you get rid of every job you do that could be done by someone else, something needs to fill your time. And what you discover is that you’re imagining growth, building partnerships, rethinking the enterprise (working on your business instead of in it, as the emyth guys would say). Right now, you don’t even see those jobs, because you’re busy doing things that feel efficient instead.
(^ diese seine schlussfolgerung ist dann natürlich teilweise falsch, vor allem die vollständige eliminierung von allgemeinen skills aus dem eigenen bündel ist nicht nur nicht wünschenswert, sondern kann auch schnell die bedingung der möglichkeit für das eigene selbst zersetzen, aber als gedanklicher hintergrund ist die unterscheidung seminal)
(abt: draw the distinction!)
Lazy Startup Ep. 31
iOS oder Android App, die den aktuell auf dem Turntable gespielten Track registriert, ggf. durch Shazam jagt, das entsprechende Youtubevideo heraussucht und dann auf dem sozialen Netzwerk der Wahl postet.
Lazy Blog Ep. 40
(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass dinge nicht in ihrem idealen gleichgewichtszustand belassen, sondern immer weiter verbessert werden – und dabei aber nur verschlechtert werden können)
((wie so oft liegt der grund dafür im umstand, dass der idealzustand selbst zufällig gefunden wurde und nicht das ergebnis einer klarer vision, harter arbeit und genialem design war und dass die technische maschine halt einfach den drang hat, immer weiter fortzuschreiten. eine analyse von fallbeispielen könnte aber durchaus interessant sein, weil ich vermute, dass die kosten des abweichens zunehmend teuer werden, weil man immer auch gleichzeitig gegen die gravitation das idealzustands arbeitet, und sich die dynamik dabei also zunehmend hochschaukelt; ein an der hand liegendes beispiele wären sicherlich gmail, das irgendwann, gefühlsmässig gegen 2010 kann aber auch früher gewesen sein, wirklich den idealen universellen email client repräsentierte, während in der folge fast jede weitere verbesserung nur noch ein kleineres oder grösseres hindernis oder ärgernis war, das man im besten fall ignorieren konnte oder das man irgendwie umschiffen musste.))
(((bonuspunkte also wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie)))
Thrello

^ auch devoha: ello hat mit ello x threadless die erste der angedeuteten monetarisierungsideen vorgestellt, und ich finde die idee gar nicht unnett – neben ello shirts gibt es alle zwei wochen auch ein limitiertes shirt von einem ‘community artist’.
Complete Tweet Index
hab’s schon in chronicle erwähnt aber weil das massiv ist auch hier: Building a complete Tweet index
(wenn man den struggle von twitter mit der suche mitbekommen hat, im grunde kämpfen sie ja seit 2007 damit, dann hat es mit der übernahme von summize 2008 ganz kurz funktioniert und seit ende 2008 struggleten sie wieder damit usw., dann ist doch erwähnenswert, wenn die suche tatsächlich wieder bis in die anfänge zurückreicht)
Lazy Blog Ep. 39
(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass digitalisiertes ganz grundsätzlich nicht die position des lacanschen meistersignifikanten einnehmen kann)
((das klingt zunächst natürlich sogar nach einem fortschritt, weil man sich vermeintlich von den warenfetischistischen bindungen usw. löst und sich deshalb metaphysisch befreit etc. – allerdings stellt sich leider genau dieser rest als bedingung der möglichkeit der semiose heraus usw.))
Lazy Startup Ep. 30
Dienst oder Tool, das einen Überblick generiert/aggregiert, was aus einem gesuchten Ding – einer Person, einer Band, dem Mitglied einer Band, gerne auch einem Konzept, einem Webdienst, etctrara – geworden ist.
(bonuspunkte für eine liste aller aktuell betriebenen kanäle wie facebook, ello, twitter, medium, youtube oder sogar blogs)
Papierkorb pt. 51
(etwa heute vor 20 jahren hat die hochzeit von d&b begonnen, die dann etwa 3, 4 jahre lang eine absolut phantastische entwicklung mit einigen der soundsemiotisch grossartigsten ausdifferenzierungen ever hingelegt hat (nur um dann natürlich irgendwann bei dub- und clownstep zu landen und sich dann auf einem insignifikanten aber auch nicht schlechten level irgendwie einzupendeln))