Die Überwinder ist ein in letzter Zeit häufig gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich selbst als Vertreter (oder auch nur ungewollter aber jedenfalls Teil) einer neuen, digitalen Formation sieht, die im Begriff ist, eine alte, analoge Formation abzulösen. Der Ablösungsprozess selbst wird dabei als mitunter durchaus kämpferisches Handeln für die revolutionäre Sache innerhalb einer allerdings natürlich gesehenen Evolution von etwas Einfacherem zu etwas Besserem gesehen, wobei sich die alte Formation aber durchaus auch wehrt, also zu überwinden gilt.

Die dabei produzierten Aussagen sind dabei oft gar nicht falsch, das Problem seh ich eher darin, dass sich die Position für den eigenen Blick von Anfang an in einem weniger fruchtbaren Gegensatz verfängt, was in der Folge dazu führt, von Anfang an weniger fruchtbare Unterscheidungen aufgedrängt zu bekommen, die man dann kaum mehr los wird. Oft sind das eben genau die alten, eigentlich zu überwindenden Differenzen, die sich dadurch quasi in den Blick selbst hineinretten.

(das spektrum der überwinder reicht natürlich von der liebenswerten dumpfbacke bis zum zynisch-pragmatischen vollprofi, der genau weiss, dass er sich damit (und eig. nur damit) am effizientesten sein massenmediales scheinwerferlicht abholen kann)

((ein subtypus ist übrigens der selbstüberwinder, ein überwinder, der aber zumindest ein bisschen mit sich ringt und irgendwie kurz davor steht das überwinden selbst zu überwinden. ein interessantes beispiel dafür ist der auf g+ dokumentierte schreibprozess vom bildungsbuch von yuri m lotman. kein expose – etwa heute – kommt ohne die tropen ‘früher wars mal so (langsam, zeitlich begrenzt, bürokratisch, verkrustet, …), aber jetzt geht das nicht mehr, jetzt läuft das so (schnell, lebenslang, graswurzelig, verflüssigt, …)’ aus, aber man spürt gleichzeitig auch das unbehagen mit sich selbst und gwm. ein dahinter der begriffe))

(abt. supermarket studies)