Papierkorb pt. 29
(ich überlege gerade, aber während ich apple zwar ‘ideologisch’ vermeide, liebe ich meinen imac und mein ipad und mein ipod und mein macbook; und während ich google zwar ‘konzeptionell’ liebe, liebe ich defacto wirklich nur gmail und youtube und vl. noch google maps und die suche ist halt quintessentiell und mein android toleriere ich halt; aber der ganze rest von google kann mir fast gestohlen bleiben; aber das ist natürlich auf der einen ebene proto-faschistisch, auf der andern aber auch, usw.)
Die Kränkung
minianmerkung, genauer zwei minianmerkungen, zu sascha lobos Die digitale Kränkung des Menschen :
(1) es ist ein durchaus schöner text, dem ich aber nur die these (unser optimismus und unser glaube ans web war naiv, die grimasse der gegenteiligen wirklichkeit hat uns nun eingeholt, was uns fundamental kränkt, aber auch einen neustart ermöglichen sollte) nicht ganz abkaufe. sascha wusste ganz genau, dass das internet das radikal gute und das radikal böse und alles dazwischen verstärken kann (kevin kelly hat das ja als hauptthese im von ihm geschätzten what technology wants, ich kann mir nicht vorstellen, dass sascha das überlesen oder verdrängt hat und auch sonst reicht ein kurzer blick in die wissenschaftsgeschichte). die aussage ist also nicht wörtlich zu verstehen, sondern rhetorisch, aber das ist gut gemacht und ich glaube der text wirkt.
(2) mit der 4ten kränkung irrt er sich deshalb aber. (es gibt aber eine andere 4te grosse kränkung der menschheit, die ist aber nicht digital sondern sozial, und zwar die erkenntnis, dass wir bei all der gegebenen vernetztheit mit allen anderen unterm strich dennoch alleine sind (das bitte nicht missverstehen, ich will nicht darauf hinaus, dass es keine digital vermittelten echte freundschaften oder kein gemeinsames handeln geben kann etc.))
Hausfrauen und picklige Teenager
Since the world drives to a delirious state of things, we must drive to a delirious point of view
- Baudrillard via Kroker, The possessed Individual, S. 66.
^ apropos ReQuoting pt. 102 :
Bei Arthur Kroker, den ich seit ein paar Tagen wiederlese, ist diese Lust so angenehm, mit der er alles konsumiert und in der Folge transformiert: Herrlich, lesen Sie die Franzosen, da steht drin, wo wir jetzt eigentlich sind, in Amerika. Wunderbar, der Lyotard, und fabelhaft, der Baudrillard, und unschlagbar, diese Deleuze/Guattari, ja, das ist Amerika…
Aber ich will hier jetzt auf was anderes hinaus, nämlich auf ein Problem, oder besser eine Disposition, die vor allem in Deutschland ausgeprägt ist und aus der ich auch nicht rauskomme, nämlich Dinge zu ernst, zu literal, zu wörtlich zu nehmen und nicht in ihrer Potentialität zu sehen. Bei mir selbst aufgefallen ist mir das bei meiner Ersteinschätzung von Empire, das ich zwar zu Teilen sehr gut fand, wo mich aber irgendwie der Ton gestört hat und vor allem, dass sie gegen Dinge angelaufen sind, die ich nicht als Problem verstehe. Dann habe ich aber ein Interview mit Hardt gehört und der hat das irgendwie eingeframet als Gedankenexperiment. Der Ton sei zwar eher deklarativ, aber es ist doch eine gedankliche Gratwanderung mit Begrifflichkeiten die es eigentlich noch gar nicht gibt. Und das hat für mich den Gesamteindruck völlig umgekehrt, und wenn ich es jetzt nochmal lesen würde, dann sicher mit mehr Gewinn, weil ich dann während des Lesens weniger Widerstand aufbringe gegenüber etwas, das diesen Widerstand in dieser Form überhaupt nicht braucht.
Anyway. Wo ich oft etwas stocke, bei den ganzen technophilen Denkern, ist dieses Momentum, dass wenn einmal etwas deklariert ist (Ende des Menschen, Ende der Geschichte, Post-*) dann von anderen so getan wird, als sei das dann so. Es gibt aber natürlich nie ein Ende, sondern nur ein Ende einer bestimmten Konzeption oder eines Bündels bestimmter Konzeptionen von dem wie Geschichte oder Menschsein wahrgenommen oder begriffen werden kann, also Begriffe und Begrifflichkeiten mit denen Geschichte etwa erzeugt und das geschichtliche Wissen diskursiv gestreut und entwickelt werden kann.
Woran ich mich da meist aber eigentlich störe, ist die gesamte Anschlusskommunikation die daran stattfindet; wie das unkritisch aufgenommen, übernommen und weitererzählt wird, oder wie oberflächlich das kritisiert wird. Was man in Wirklichkeit von den originären Denkern begreifen kann ist, dass sie einen Raum zur Wahrnehmung für etwas öffnen, das unter gegebenen Bedingungen im entstehen ist, dass sie ein Sensorium für Veränderungen bereitstellen, die sich gerade im Formieren sind, usw.
Wie unterscheiden sich nun die französischen/amerikanischen Theoretiker von Künstlern/Schriftstellern (phantastische Welten wurden ja vorher auch schon gezeichnet, sei es etwa in Form eines Kafka, oder auch Oswald Wieners)? Das ist keine leichte Frage und ich glaube auch nicht, dass ich die beantworten kann, aber ein Momentum ist sicher genau das, dass sie eben innerhalb der Diskursformation Wissenschaft bzw. Philosophie, Soziologie, Geschichtsschreibung etc. und mit bzw. eben gegen die Begrifflichkeiten dieser Wissenschaft arbeiten, denken, ihre Begriffe daraus ziehen und gegen diese einführen bzw. an die neuen Gegebenheiten, Machtverhältnisse, Konstellationen usw. einführen, aktualisieren, zumindest damit experimentieren.
Sidenote: irgendwie ist es ja so, dass Veränderungen nur für denjenigen wahrnehmbar sind, der sie erlebt, aber nicht für die, die hineingeboren werden. Gleichzeitig verhalten die sich aber wie Frösche, die nicht aus dem Kochtopf springen, weil es zu langsam heißer wird. Das kann man sich ja für die unterschiedlichsten Achsen durchdenken (Medien, Computer, Internet, Globalisierung, …). Bessere Theoretiker gehen aus den existierenden (Diskurs-)Formationen aus (siehe Foucault) und aktualisieren das, haben es auf das nächste Tableau (siehe D/G), zumindest einmal heuristisch. Gute Denker machen das dann auch noch auf eine Weise, die auch retrospektiv noch eine Nachvollziehbarkeit hat. Schlechte bleiben nur als Witz oder Kuriosität. Aber Umstände werden normal, was natürlich nicht heisst, dass sie dann unreflektiert oder unkritisiert bleiben sollen.
Ein bisschen eine Sackgasse war alles, was mit cyber-* beginnt und die Imaginationsfähigkeit des Menschen betrifft. Die Möglichkeiten von dem, was Computer innerhalb der Vorstellungskraft des Menschen verändern könnten, wurden weit überschätzt (virtuelle Räume oder Realitäten, interaktive und selbstlernende Agenten, spachfähige Systeme, …) und etwa in der Literatur schon viel zu detailliert durchgedacht, um dann nicht in ihrer Realisierung zu enttäuschen. Soweit ich das sehe hat sich das ohnehin aufgehört. Virtual Gloves wurden zum Joystick und MUDs zum Chatroom, in dem sich Hausfrauen und picklige Teenager tummeln. Themen sind da eher Biopolitics, Warmachines, Kontrollstrukturen usw., also wie sich die Informationstechnologien auf die gesellschaftlichen Konstellationen auswirken, wenn sie von bestimmten Stellen aus systematisch angewandt werden (Waffentechnologien, Satelliten, Imagery, Gentechnik, Wirtschaft) und welche Skaleneffekte dann eintreten (Hegemonien, Überlegenheiten, Kräfteverschiebungen).
^ aus der beliebten abt. heute vor 10 jahren in irgendeinem (damals noch docbook) file.
Lazy Startup Ep. 24
Bot, der bei jedem Eintrag im Web kommentiert: “grundsätzlich gar nicht schlecht, aber man müsste halt ein bisschen differenzieren” (in bis zu 50 variationen natürlich)
Haque 2014
Irgendwie freut es mich ja, dass auch Umair Haque noch einen gewissen Überlebenswillen hat.
Don’t give up on your dreams.
Don’t be afraid to suffer.
Seek the mystery inside the truth, not the truth inside the mystery.
Let you happen.
Papierkorb pt. 28
(man gewöhnt sich an alles)
UI Patterns

^ ich mag ja sowas: User Interface Design Patterns
Delicious 2014

^ irgendwie freut es mich ja, dass delicious noch einen gewissen überlebenswillen hat (siehe auch TYIR Pt. 11)
(und während ich schon ein paar mal knapp daran war, delicious überhaupt zu axen, siehe etwa vor zwei jahren pinnwand.me, ich bin jetzt doch froh, zumindest eine gewisse art an konservierendem frieden mit delicious gefunden zu haben, zumal es gemeinsam mit gmail quasi das tool für meinen persönlichen übergangsritus war, siehe paradigm shift)
Nützliche Unterscheidungen pt. 21 (The Applause Edition)
Eine weitere zumindest pragmatisch nützliche Unterscheidung kommt von Seth Godin und unterscheidet 3 Arten von Reaktionen:
- Applause
- (genuine, useful, insightful, etc.) Feedback
- Snark
(abt: draw the distinction!)
Was sie schon immer über Privacy wissen wollten ...
… und Gangsta Rap nie zu fragen wagten

(eher eine allgemeine anmerkung, ausgelöst durch aber nicht im speziellen auf diesen post bezogen: die ganzen verknotungen im diskurs rund um ‘privatheit’, ‘datenschutz’, etc. entstehen primär, weil aussagen aus verschiedenen diskursiven ebenen miteinander verglichen oder verbunden werden, ohne die unterschiedlichkeit der ebene entsprechend zu reflektieren)
Papierkorb pt. 27
(kontextlose randbemerkung aber auch so eine blöde trope: ich war ja lange dagegen, aber jetzt bin ich dafür, deshalb muss es richtig sein usw.)
The Year In Review (2013 Edition) Pt. 12

das Jahr in Kickstarter
Wer ausser Nerds?
Was wird der nächste Schritt im Bereich Software Entwicklung?
Kein uninteressantes Thema. Welche Programmiersprachen wird es in 5, 10, 50 Jahren geben? Welche werden in 3, 5, 20 Jahren dominant sein, welche nur mehr Kuriositäten? Welche Paradigmen setzen sich durch, welche Tools wird es zur Unterstützung geben? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen werden sich etabliert haben? Wem gehört das alles? Wird es besser (freier, schneller, grösseren Nutzen stiftender, echte Probleme lösender)? Oder schlechter (monopolistisch, aufgeblasen, aufgesetzt, unnötige Feature-diven)?
Ich kann mir wenig so wenig vorstellen wie diesen Bereich. Ich hab kein Gefühl, wo wir da in der Kurve sind – ob es also so weiterbeschleunigt und echt ganz anders wird – aber wie? – oder ob schon sehr viel ausgereizt ist, und eher Lücken gestopft und Monopole gebildet werden.
Und wie wird Software den Menschen beeinflussen und das Menschsein reinterpretieren? Wird sie einen totalen Überwachungsapparat instantiieren, der bisher einfach nicht sinnvoll zu realisieren war? Oder in einem symbiotischen Verhältnis die Kreativität andocken? Werden einfach ein paar Sachen immer besser/schlechter, aber ohne echte Wirkung, weil die Komplexität des Restes einfach zu gross ist?
Eigentlich ist es ja jetzt schon so, dass die Hardware im Bereich Desktop einen Zustand erreicht hat, der für alle Anwendungen ausser Games und Weltsimulationen mehr oder weniger ausreichend ist, wenn man nur genügend Speicher hat. Das ist noch nicht so lange so. Es ist auch so, dass Anwendungen, die die Entwicklung um ihrer selbst willen weitertreiben, weil sie diese Effekte als Selling Point vermarkten, eigentlich nie die Versprechungen einlösen. Man denkt sich beim ersten Mal Wahnsinn, beim dritten Mal gähnt man. Sinn entsteht woanders, nicht im Noch-einen-drauf. Und es wird dann aber zunehmend schwieriger, diese Komplexitäten noch irgendwie zu koordinieren.
Ein Aspekt ist das Human-Computer Interface. Wer sich wünscht es wäre super mit dem Copmuter sprechen zu können, liegt glaub ich etwas auf dem Holzweg. Da wird zwar sicher noch viel gemacht werden, aber ein effizientes Medium wird es nicht werden. Wer ausser Nerds will schon mit dem Rechner sprechen, man klickt 10 mal schneller, man tippt 100 mal schneller, für Poweruser ist das nichts, eher was für infantilisierte Männer.
Ich befürchte einmal eine infantilisierende Oberfläche wird sich trotzdem zunehmend durchsetzen, aber es wird die puristische Alternative geben, die wahrscheinlich wirklich auch optisch ansprechend sein wird.
Ein Ding wird Bio-Computing sein. Man wird ziemlich gut wissen, wie man drauf ist, was einem fehlt, was man tun sollte.
Und jedes Ding wird vernetzt sein. Nicht sehr, aber so, dass der Besitzer ausgemacht werden kann, dass es sonst nicht funktioniert, usw.
^ aus der beliebten abt. heute vor 10 jahren in irgendeinem (damals noch docbook) file.
Memolution on Facebook

Facebook mit einer kleinen Evolutionstheorie der Meme.
(siehe Meme Studies)
Papierkorb pt. 26
(kontextlose randbemerkung: wer das web verstehen will, muss eigentlich nur zwei andere dinge verstehen: die dynamik der ströme und die semiotik der sozialen objekte)
Lazy Book Ep. 20
Phänomen und Logik der Screenshots von Charles S. Peirce.
The Year In Review (2013 Edition) Pt. 11

^ nicht unnett, eig. sogar sehr nett: Delicious generiert für jeden Benutzer unter der URL
http://2013.delicious.com/username (etwa)
einen durchaus schicken Report inkl. verschiedener Charts und Clouds.
(via)
Yahoo Food Revisited

^ und 6 Jahre nach dem Start bekommt auch Yahoo Food das Kachel-treatment – und bei Food hat diese Optik zumindest ein bisschen Sinn…
Yahoo Tech

^ Yahoo restartet Yahoo Tech (ann) – immerhin haben sie für das Design von Flickr die Möglichkeit zur Weiterverwertung gefunden…
The Year In Review (2013 Edition) Pt. 10

das Jahr in WordPress