Themenwechsel, July 2nd, 2005
Autodoku altes Theme:

Ideasling
Ideasling [war http://www.ideasling.com/] – ein interessantes neues Blog, das handlungsvermeidende Ideengeneratoren mit ideenlosen Umsetzern verbinden will. Erinnert mich etwas ans LazyWeb.
Instead of letting your idea fester and nag you until the day you die, let it free, into the wild. Who knows it may take wings under the guidance of some industrious soul.
Hello Lynch!
Ein schöneres ‘Hello World!’ hätte ich mir eigentlich nicht wünschen können: David Lynch hat seinen eigenen – etwas kauzigen – Wetterbericht [http://www.davidlynch.com/dailyreport/]

Mit wget -O "dailyreport_`date +%e_%b_%Y`.mov" http://www.davidlynch.com/dailyreport/frontdoor.mov kann man sich das Quicktime-Video datumsgestempelt schnappen.
Gestrickte Infooekonomie
Das Gespenst des Data-Overkills oder Information-Overloads spukt ja bei so manchem im Browser. Die Strategien dagegen reichen dann von einer asketischen Selbstbeschrnkung bis zu obskuren und neurotischen Versuchen der Informationsverdichtung/-gewichtung/-priorisierung von Daten aus 2000 Quellen. Zum Glück gibt es Strickblogs, da steht dann ganz pragmatisch, wie man es am besten macht.
Gestrickte Mathematik

Supercat

Stuff On My Cat (gibts auch schon bei Flickr)

ugly creatures

postzivilisatorische Reste: Abandoned
In 80 Blogs um die Welt
(oder warum das Preisbloggen nicht völlig sinnlos ist.)
Mit Blogs geht es mir wie mit Photos, eigentlich gefällt mir (fast) jedes, irgendwie. Allein schon, dass es da ist, und zwar so und nicht anders, so aussieht und nicht anders, genau das drinsteht und nichts anderes, finde ich schon absolut faszinierend.
Mit welchen Blogs man dann wirklich resoniert, welche man besonders schön und/oder informativ und/oder gut geschrieben und/oder witzig und/oder konversationell und/oder wahnsinnig findet, das ist eine ganz individuelle Angelegenheit, die davon abhängt, was man selbst daraus ziehen möchte (eben wieder: eine gewisse Empfindsamkeit, oder Information, oder das Stillen eines gewissen Kommunikationsdranges, oder weil man den Blogger kennt und mag, oder was auch immer). Deshalb ist eine Art Jury-basierter Wettbewerb (wie es die Zeit gerade veranstaltet [war http://preisbloggen.zeit.de/]) unsinnig, weil die zugrundegelegten Bewertungskriterien in jedem Fall ein willkürliches (und im Falle der Zeit langweiliges) Subset sind, die dem Format Blog nicht gerecht werden.
Ein Problem mit den Blogs ist allerdings, dass man gar nicht weiß, welche es gibt und wo sie sich verstecken. Natürlich gibt es die sogenannte A-Liste, die Top 100 der Blogcharts, die Bürgermeister der jeweiligen Blogszenen. Die werden linkdemokratisch ausdifferenziert und sind es allesamt eigentlich verdienterweise, und die findet dann man auch schnell auf den Blogrollen. Aber die kleinen Perlen drängen sich nicht unbedingt auf, und da hat ein Preisbloggen durchaus seinen Wert, nicht im Auszeichnen der Klassenbesten, aber im Auflisten von Blogs, die dem jeweiligen Radar entgangen sind.
Ich habe mich jedenfalls einmal durch die ersten 80 von etwa 280 durchgeklickt und fühle mich jetzt etwas matschig in der Birne.
Applablabla
So langsam haben sich die Gerüchte vor und die Verarbeitungen nach Steve Jobs Keynote bei Apples WWDC 2005 – bei der der Umstieg von IBM- auf Intel Prozessoren verkündet wurde – ja abgekühlt.
Als ich (vor etwa einem Jahr) (von Linux) auf einen Mac switchte, habe ich mich in der ersten Zeit einigermassen über den sich selbst feiernden Kult gewundert, der von vielen Mac-Usern zelebriert wird. Den kriegt der Rest der Welt ja nicht mit, der interessiert sonst natürlich auch niemanden, aber die Zeit die der durchschnittliche Windows User mit dem Entfernen von Spyware, mit Viren und mit Friemeln in der Registry verbringt (und das alles gibt es unter OS X wirklich nicht), die verbringt der durchschnittliche Mac User am Rockzipfel von Steve Jobs, am hermeneutischen Deuten seiner Aussagen und damit, sich über Windows und dessen Pentium lustig zu machen. Zeitökonomisch ist das jedenfalls ein wash.
Das kollektive und retrospektive Umdeuten dieses Wechsels und das Hochstilisieren als genialen Schachzug ist aber wirklich nur mehr wurstegal. Whatever.
Themenwechsel, May 30th, 2005

Autodoku altes Theme…
basta, pasta.

Sssounds

Bei sonicyouth.com gibts gerade die Sonic Mixtape Vol.2. Bekanntes und (mir) unbekanntes, sehr schön.
Nicht entgehen lassen sollte man sich auch die dieswöchige Solid Steel Show. Nur noch ein paar Tage online.
Im Umfeld von Creative Commons gibt es nun auch eine an die cc angelehnte Sampling License, die regelt, was man mit den Sounds so anstellen darf:

(Sampling, Sampling Plus, Noncommercial Sampling Plus)
Eine CD-Länge voller sample-, remix-, mashup- bzw. dekonstruierbarer Tracks findet man bei Wired.
Social BBC
Tom Coates von plasticbag stellt die Folien seiner Präsentation zu BBCs Experimenten mit social software, die er im Rahmen O’Reilly’s Emerging Technology Conference gehalten hat, zur Verfügung.
Unter anderem wird daran gearbeitet, die Metapher Tagging (also die frei flottierende Annotation von Objekten wie etwa URLs (del.icio.us) oder Fotos (Flickr)) auf ihrem gesamten Radioprogramm anzuwenden. Via Phonetags funktioniert das auch ber SMS. Entstehen soll ein intermediary space, der mit dem gängigen Modell des broadcasting bricht und die Hörer auch untereinander vernetzt.
Gadget Spanner
Eine nette kollektive Fotoserie zum Thema Inhalt eurer Taschen gibt es bei Flickr.
Fast alle enthalten: ein Powerbook (oder wenn der Besitzer wirklich Geschmack hat: ein iBook), 2 Akus, 3 PDAs und 4 Cellular Phones (oder BlackBerrys,…).
Die Interessen einiger weniger
.. setzen sich üblicherweise gerne durch, wenn sie nur stark genug sind, auch wenn sie gegen die Interessen der allermeisten laufen, wenn diese das noch nicht so genau wissen.
Der EU-Rat segnet die Richtlinie zu Softwarepatenten ab und gibt dem Lobbyismus einiger Unternehmen nach, die tausende und zehntausende Patente auf jeden softwaretechnischen Furz gestellt haben oder stellen werden. Ich vermute da weniger Korruption als Ahnungslosigkeit, Dummheit und Kurzsichtigkeit.
Wozu wird das führen? Zu einer Art quasi-Kartellbildung, bei der sich die globalen Spieler mit Gegengeschäften schadlos halten, bei gleichzeitiger Verunmöglichung des Markteintritts von allen anderen. Sie werden sich auch nicht so blöd anstellen sofort alle zuzuklagen und abzumahnen, aber es wird als Damoklesschwert über unser aller Köpfen schwingen.
In Patents for profit: dystopian visions of the new economy zitiert Becky Hogge Bill Gates (1991):
The solution is patenting as much as we can. A future startup with no patents of its own will be forced to pay whatever price the giants choose to impose… Established companies have an interest in excluding future competitors.
Skurril: Microsoft hat vor kurzem einen Patentantrag auf einen IstNicht Operator gestellt.
Auf Kuro5hin [http://www.kuro5hin.org/] gibt es einen anderen interessanten Artikel, der die Absurdität von Softwarepatenten via der Analogie aufzeigt, was Patente im Feld der Literatur bedeuten würden.
Farewell Gates
Geoff Hargadon’s Somerville Gates sind nun leider zu einem Ende gekommen. Zusammenfassung für alle nicht boingboing Leser: Geoff hat sich über die hysterische Begeisterung seiner New Yorker Mitbewohner ber die Installation The Gates von Christo and Jeanne-Claude gewundert und diese dann persifliert, indem er Photos von 13 ‘Gates’ Miniinstallationen auf seiner Homepage publizierte. Boingboing berichtete fast täglich (zuletzt hier) und bescherte dadurch Geoff über 4 Millionen Hits in einer Woche, worüber er sich dann vermutlich noch mehr gewundert hat.

von Geoff Hargadon
Micropatron Blogger
A-List Blogger Jason Kottke gründet eine Ich-AG und finanziert sich künftig durch micropatronships (30 $ von Lesern – in den USA funktioniert das wahrscheinlich auch, das ist mir was wert, das unterstütze ich und so).
Stealth Mode X
Gruseliger als das Texas Chainsaw Massacre: der Stealth Mode, einzusortieren unter stupid OS X tricks : ‘Apfel’ + ‘Ctrl’ + ‘alt’ + 8


Review: Austerlitz
Vor drei Tagen ist ein Packerl von A angekommen: Austerlitz von W.G. Sebald. Ich habs seitdem verschlungen, hier nur lose Anmerkungen:
Die erste Hälfte liest sich wie ein Bernhard gekreuzt mit einem Handke des Chinese des Schmerzes. Ab seite 200 kippt es dann und wird etwas ganz anderes. Aber die Grundkonstellation ist ein ohnehin schon begabter Erzähler, der einen noch begabteren (Austerlitz) erzählen bzw. präziseste Beschreibungen vornehmen lässt.
Dabei vergehen eigentlich nie mehr als 10 Seiten, in denen nicht irgendein wunderbarer Gedanke oder sonst ein Effekt (Emphase, Wahrnehmung etwas sonst nicht wahrnehmbaren, Witz, Leid, Unfassbares) ausgelöst wird, und das immer in einer im Grunde einfachen und klaren Sprache -im Grunde, weil es manchmal von Fachtermini wuchert, oder Architekturen die man nicht kennt, die aber eine eigene verstehende Aufladung erhalten.
Sehr viel läuft dabei über eine Findung/Wiederfindung durch Spuren (Photographien, Archive, Gebäude, Orte) und natürlich in und gegen die Sprache. Das wesentliche Motiv ist natürlich die De-/Rekonstruktion einer Identität unter den Bedingungen einer Unmöglichkeit und Unausprechbarkeit und Unverstehbarkeit und Unvorstellbarkeit, aber ohne Pathos, ohne Zeigefinger, eher sublim und mit Damian Hurstschen Präzision.
Insofern Staunen
H. ermuntert mich dazu, etwas journalistischen Output zu generieren, vielleicht macht mir das auch Spass. Problem sehe ich etwas in meinem doch eher autoreflexiven Schreibstil (man schaue sich nur den Grad an reuse und sampling bei meinen Seminararbeiten an) und in meinen Windungen mich auf irgendwas festzulegen.
Ich operiere ja im grundsätzlichen Modus, dass ich an nichts nur deshalb glaube, weil es so gesagt wird, sondern eher, weil etwas für mich in einer gegebenen Situation funktioniert. Andererseits habe ich eine echte Abneigung gegen Meinungen. Mir fehlt echt das Verständnis dafür, einerseits eine vorgefasste Meinung zu irgendwas überhaupt zu haben, und noch mehr der Drang, diese dann auch irgendwie evangelistisch zu kommunizieren (insofern auch mein Staunen über Talkshows).
(dadurch aber auch zumindest das Staunen, wenn Leute eine Position einnehmen können, und aus dieser dann auch noch etwas Gutes generieren).