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woanders ist es auch schoen


2015.05
NZSegxLwFTW NZSegxLwFTW - ich weiss erbsenzählerisch nicht, ob ich das beschränkungen so betonen würde, es ist so richtig oder falsch wie wenn man sagt, ein roman ist eine literarische struktur aus beschränkungen auf bestimmte charkatere und handlungen. 'entscheidungen' wäre vl. besser, die beschränkungen sind ja eher ein effekt (der selbst aber sehr nützlich sein kann).
/via @lotman # misc

@martinlindner: ja, für literarische genres gilt das ja auch: sie erzeugen systeme von fruchtbaren beschränkungen, die gerade durch die beschränkungen einen reichtum/vielfalt erzeugen, die paradoxerweise in freien/offeneren umgebungen nicht entstanden sein würden.

u.a. auch wegen netzwerkeffekten: wenn viele leute nebeneinander ähnliche formen benutzen (sagen wir: den 3-minuten-popsong) entsteht komplexität auf einer eigentümlichen ebene, durch wechselwirkungen, antworten, fortspinnen, samplen und covern usw. das alles ist gerade ermöglicht durch die (sehr begrenzte) “plattform” der jukebox-single and radio and standardisiertes rock’n‘roll inventar (technisch wie kulturell).

@marcpilloud: Ist die Frage aber nicht, ob “Entscheidungen” auch über eine Qualität besitzen, ob sie fremdbestimmt oder selbstbestimmt sind, ob sie öffnend oder schliessend sind, resp. alternierend oder fördernd. “Entscheidungen” geschehen ja nicht per se in einem wertefreien Kontext. Die meisten Plattformen sind ja nicht demokratisch organisiert, es gibt meist einen König der eben die Regeln vorgibt (wie z.B. in Second Life), insofern kann man meiner Meinung nach schon von Beschränkung reden. Da es ja nicht kollektiv vereinbarte “Entscheidungen” sind, sondern eben Entscheidungen einer “monarchischen” Institution.

@martinlindner: ja, wie benevolent dictators in Open Source communities. oder eben startups, die es (wie Peter Thiel ja will) zur monopolistischen plattform schaffen. das ist ein problem, ja.

aber: was hatten wir denn vorher? welche “plattformen” unseres bisherigen lebens waren denn überhaupt auf diese weise diskutierbar, wie wir das tun? was haben die “mütter und väter des grundgesetzes” getan, als sie diese plattform im grundriß zeichneten?

und wie kam es zustande, dass z.b. im popmusik-business lauter diktatoren herumliefen, die alle am liebsten monarchische monopolisten gewesen wären , aber trotzdem etwas irgendwie offenes, anarchisches und fruchtbares dabei herauskam? (jedenfalls phasenweisen.)

@marcpilloud: Anarchisches ist oft auch narzisstisch und unterscheidet sich wesentlich von dem was Wilhelm Reich “natürliche Sozialität” nennt. Real gesehen ist “natürlicher Sozialität” selten zu finden (Die Gründe sind bei Wilhelm Reich nachzulesen.), deshalb wurden ja politische Systeme entwickelt, deren wesentliche Aspekte die “Aufteilung” von Kontrolle/Macht sind (Sekularisierung: Aufteilung von Staat und Kirche / Gewaltenteilung: Judikative, Exekutive, Legislative / Subsidiaritätsprinzip / Mitbestimmung via direkter Demokratie) …. heutige Plattformen sind wie Königreiche …sie entsprechen relativ unentwickelte Sozialformen im Vergleich zu direkten Demokratie. Stell dir vor die Nutzer von Google+ könnten über die nächsten Entwicklungsschritte abstimmen, etc.

Bei Open Source, kann der Code aber gebranched werden wenn ein benevolent dictator zuviel Macht an sich reist. (siehe z.B. die Story von Twiki und Fosswiki), bei Apple kann ich nicht einfach den Code abzweigen. Open Source gehört deshalb auch zu diesen höher entwickelten Sozialformen, weil sie die Macht verteilt und damit nachhaltiger und antifragiler ist.

Die digital-Welt ist noch ne junge Welt, die noch ein paarmal stolpern wird, bevor sie Systeme entwickelt, die zu mehr Antifragilität, zu mehr Nachhaltigkeit und zu mehr “natürlicher Sozialität” führen.

@hackr: in der sache sind wir uns einig, nur komme ich gwm. von den (zukünftigen) plattformen, die (natürlich innerhalb ihrer eigenen beschränkungen) entscheidungen treffen das eine und nicht das andere zu tun, was im ergebnis dann einen möglichkeitsraum eröffnet, der halt auch seine beschränkungen hat (die man – je nach ebene um die es sich dreht – dann mehr oder weniger thematisieren oder politisieren muss, da stimme ich dir auch zu)

@hackr: (nur zur antifragilität: imo haben wir da das paradox, dass gerade die monarchischen plattformen quasi die antifragilen gewächse sind, während open source der versuch ist, das ganze auf politischer ebene zumindest halbwegs resilient zu halten)

@marcpilloud: die “monarchischen” Plattformen sind schnell und dynamisch, dass ist ihr Vorteil und deren “gute” Seite – kurze Entscheidnugswege etc. “Demokratische” Plattformen sind meist träger, weil Diskurs Zeit benötigt, viel Zeit … dann aber breit verankert und abgestützt. Ich finde die beiden Formen ergänzen sich gut.