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woanders ist es auch schön


2010.04
ebennicht ebennicht - ebennicht. sie interessieren sich schon für menschen, nur nicht im gemeinplatzlichen sinne unmittelbar/emphatisch/direkt; das interesse/die kommunikation ist nur VIA social objects vermittelt/möglich. in dem sinne sind also die social objects notwendig, aber sekundär.
...
oder als systeme, dann erspart man sich den humanismus und kann die ganze beziehung als notwendige irritation / unsicherheit aus der umwelt konzipieren, um das eigene system am laufen zu halten. (dazu tendiere ich fast, aber damit kommt man auch nicht weiter ...)
/via @lotman #

Martin Lindner – aus Peter Glasers re:publica keynote (die sich für mich als schrift viel echter anfühlt als gesprochen):

“Vor allem aber haben wir mit der Sprache eine bemerkenswerte Technologie und zugleich ein Urmuster der Demokratie an der Hand. Aus 26 Buchstaben lassen sich ganze Universen errichten.
Jeder von uns hat mit seinem Namen seinen höchstpersönlichen Anteil an der Sprache. Und jeder kann neue Worte, Formulierungen und Gedanken vorschlagen, und wenn sie gut sind, werden sie bleiben und sich verbreiten. Die Sprache gehört uns allen, sie kostet nichts und wir alle arbeiten als Entwickler mit an dem großen Projekt.”

Wie immer habe ich aber ein Problem mit dem “Menschen interessieren sich für Menschen”-Gemeinplatz:

“Das weist für mich auf den rätselhaften Kern von Technologie. Denn Menschen interessieren sich nicht für Maschinen. Menschen interessieren sich für Menschen.”

ebennicht, ebennicht, ebennicht. menschen interessieren sich NICHT für menschen. sie interessieren sich für soziale objekte. für kommunikation im abstrakten sinn. die menschen, die da dranhängen, um das zu erzeugen, sind notwendig, aber sekundär.

Martin Lindner – das wird dann sehr scholastisch (was ich mag). und es stimmt: soziale objekte sind ja per definition mittel zum zweck des socializing. aber “socializing” ist nicht dasselbe, wie sich für menschen interessieren. eher: was mit menschen machen, anfangen, erfahren..

menschen wollen einen sozialen flow erzeugen, in dem sie sich gut fühlen. sie wollen ein bild zurückgeworfen bekommen, bei dem sie nicht das gefühl haben, dass das nur ein steriles selbstspiegelbild ist. sie wollen erfahrungen von “lebendigkeit”, die voraussetzen, dass sich mehrere lebenslinien überschneiden und (maßvolle) unvorhersehbarkeit erzeugen.

sie interessieren sich aber nicht zuerst “für” menschen und überlegen sich dann, wie sie mehr oder minder hilflos mit ihnen in kontakt kommen können. (das wäre dann ja so wie die komödien-variante von “wie spreche ich ein mädchen an”.) natürlich gibt es auch immer wieder menschen, für die man sich wirklich, also primär interessiert: aber das sind emphatische ausnahmen, und sie werden auch als ausnahme erlebt.

viel öfter ist es glaub ich so, dass man primär dem beschriebenen sozialen impuls folgt, sekundär ein soziales objekt findet/entwickelt, und dann mitunter dabei/dadurch tertiär ein “interesse für den menschen” entwickelt (das ist eben eine sehr abgeleitete zivilisatorische errungenschaft).

der sprachfehler ist vermutlich doppelt: der ausdruck “für … interessieren” ist hier mindestens sehr mißverständlich, weil er eben suggeriert, es gehe um eine “eigentliche individualität”. und das wort “menschen” selbst ist ja auch schon immer schwer verfälschungsverdächtig, wenn es pathetisch (nicht nebenher) ausgesprochen wird. ich würde das wort “menschen” immer gern durch “leute” (oder politisch: “bürger”) ersetzen, außer es geht konkret um menschenrechte und menschenwürde.