(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass wir nicht besonders gut dabei sind, die schnittstellen zu erkennen und benennen, die zwischen dem was wir tun/tun wollen und dem angebot/mittel stehen, das wir dafür verwenden, und – vor allem emotional – zu verstehen, dass eigenschaften des angebots/mittels nichts mit den eigenschaften des ergebnisses zu tun haben)

((ein plakatives beispiel: wer will, kann seine allgemeine theorie und praxis zur revolution mit einem proprietären editor auf dem geschlossensten aller systeme schreiben, der text würde dadurch nicht schlechter.

gleichzeitig können die geheimdienste aller länder ihre überwachungsprogramme vollständig auf einem open stack an hard- und software betreiben, das gesellschaftliche vertrauen würde deshalb nicht weniger aufgelöst.

dem text ist es egal, wo und womit er geschrieben wurde.1 dem web ist es egal, mit welchem gerät es betrachtet oder benutzt wird.2 der funktionalen ausdifferenzierung ist es egal, was in der schwarzen schachtel hinter dem interface steckt.

bei text leuchtet glaub ich unmittelbar ein, dass man die schreibumgebung als black box verstehen kann, deren innereien auf das geschriebene keinen einfluss haben.

das gleiche prinzip gilt aber auch für sozialen plattformen oder für das ökosystem an mobilen apps, den üblicherweise ausgemachten feinden des offenen webs, und da wird die assoziation fast reflexartig hergestellt. winer glaubt noch immer, dass an facebook doch wirklich nix so kompliziertes dran sein kann, was man nicht schnell mit open source komponenten emulieren könnte. im cluetrain manifesto wird ganz selbstverständlich davon ausgegangen, dass die benutzung des webs selbst schon ein ethischer akt ist, während die benutzung von apps den wert in sich aufsaugt. usw. fast immer geht es dabei um kontrolle, aber um kontrolle über dinge, bei denen man mit der kontrolle nichts funktionales gewinnt.

das problem der oft falscherweise hergestellten assoziation der eigenschaften vom mittel hinter der schnittstelle mit den eigenschaften des produktes ist, dass im anschluss das falsche problem gelöst werden soll, was der lösung der eigentlichen probleme – es sind dann üblicherweise immer zwei: ein technopolitisches und ein produktqualitatives3 – dann doppelt im weg steht, vor allem aber auch die gesamte ‘schlagkraft’ der grundsätzlich vorhandenen energien für gesellschaftlich sinnvolle offene systeme reduziert, weil nicht nur energien in projekte gesteckt werden, die nix bringen, sondern im verlauf auch alle beteiligten frustriert))

(((bonuspunkte also wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie)))

1 was natürlich nicht heisst, dass man nicht auf gewisse technische details achten muss. im falle text etwa, dass man ihn in einem format speichert, der von den verschiedensten editoren auf den verschiedensten plattformen gelesen und geschrieben werden kann. oder dass man bei plattformen darauf achtet, dass man seine posts jederzeit sauber exportieren kann, siehe die pownce lektion.

2 was wiederum nicht heisst, dass es nicht unterschiede in der usability gibt und vor allem natürlich die bildschirmgrösse auch einschränkungen setzen kann.

3 technopolitisch meint etwa, dass es gesellschaftlich nicht wünschenswert ist, wenn es zum dominanten anbieter keine alternative gibt, oder wenn es für bestimmte anwendungsbereiche keine offene software gibt, weil man sich bei gewissen dingen nicht auf den goodwill eines herstellers verlassen will.