live.hackr

die romantische komödie


CfG

kleine Anmerkung zum politischen Programm Code for Germany :

(1) zur Einleitung: sicher nicht falsch und der Satz So gesehen sollte eigentlich im Zentrum von internet-veranlasster Politik nicht „das Netz“, sondern die Entwicklung von Wissen, Software und Kultur stehen, die von jedermann nutzbar sind darf auch eingerahmt werden, aber er rennt da, glaub ich, offene Türen ein. Wenn sich Leute für das Netz einsetzen, dann ja gerade wegen dieser (und anderer) Effekte des Netzes, die dann eben unter dem Begriff Netz zusammengefasst werden.

(wenn man sich für, was weiss ich, besseren schulsport einsetzt, dann tut man das ja auch nicht für den sport an sich, sondern weil man die kinder gerne gesünder sehen möchte, weil man sich die folgekosten für die krankenkassen in 40, 50 jahren sparen möchte, weil man die adhs-ler vl. im klassenzimmer erschöpfter sehen möchte, etc.)

(2) zum Prozess: der ehemalige Qualitätsmanager in mir freut sich, aber das ding mit Prozessen, Prozesshandbüchern und Prozessmodellen ist halt, dass sie in sich durchaus logisch sind und eigenrichtig klingen, aber unterm Strich halt Sy-Fi (System Fiction) sind. Nicht, dass sie noch überhaupt nie irgendwem irgendwas gebracht haben, aber der reale Nutzen bleibt von Fall zu Fall und von Organisation zu Organisation konkret zu bestimmen. Und gerade bei allen Sachen Web ist das Ding, dass wir überhaupt nicht wissen, was wann wie warum funktioniert und was wir wollen und was wir wollen sollten. Und nichts vom retrospektiv betrachtet Funktionierenden war das geplante Ergebnis eines definierten Prozesses. Fast alles war ein Zufall, siehe Standardsituationen. Insofern hab ich wenig Grundvertrauen in jeden tendenziell technokratischen Ansatz.

Das gesagt: was er vorstellt sind ja eher Materialien zum Thema Netz für die traditionelle Politik als ein Vorschlag für eine ‘organische Netzpolitik’, und in diesem Kontext könnte das durchaus nützlich sein.

Mein kleines Problem allerdings dabei: er vermischt die eher neutrale Katalogisierung von Wirkungsfeldern (Bildung, Kultur/Literatur, Wissenschaft, Karten, Verbraucherschutz, …) mit relativ konkreten Vorstellungen und Grundannahmen, wie das dann konkret gestaltet sein sollte (diaspora in richtig, owncloud in richtig, ning in richtig, …) und mit welchen Förderungsmodellen das dann realisiert werden könnte. Teilweise verschiebt er die Entscheidung in die Crowd, aber das hat selbst wiederum die (imho falsche) Grundannahme, dass die Crowd im Vorhinein ein gutes Sensorium für das hat, was im Nachhinein funktioniert haben wird.

Und auch die Annahme mit dem mehr (hochwertigen) Code braucht das Land teile ich nicht ganz, schon gar nicht, solange wir keine guten Selektionsmechanismen haben; siehe diesen Thread auf G+. Mit dem 300 Mio Dollar Loch für die Produktion von Qualitätsvideos hat Google diese Lektion unlängst bei YouTube gelernt.

meta 08.04.2013 /via @christophkappes #