ich frage mich gerade, warum die – ich sag mal – erregung über das kommende aus vom google reader primär aus rezipientensicht betrieben wurde, sprich: es wurde primär darüber gejammert, dass man selbst nicht mehr so gut feeds lesen kann (und mit einem spektrum an angedachten alternativen und konsequenzen). und es wurde gejammert. gejammert haben aber eben nur die unmittelbar betroffenen benutzer des google readers.

tatsächlich zumindest gleichviel, wenn nicht mehr grund zum jammern hätten nämlich die produzenten der feeds, besonders also die blogger, und tatsächlich alle blogger, egal ob sie selbst den google reader verwenden oder nicht. denn mit dem ende vom reader verliert jedes blog einen signifikanten teil seiner leser, einfach weil es im prozess der migration eine ganze reihe an ausschuss und abfall gibt (einige gr-nutzer werden gar nix machen, einige werden zu einem anderen feedreader wechseln und dabei ausmisten, einige werden sich im social media strom auflösen und ggf. auf twitter einen reader emulieren wo vieles rausfällt, etc.). ich schätze diesen wechselbedingten verlust an lesern auf 10-30%, das variiert aber sicher von blog zu blog.

ich glaub nicht, dass blogs die echten freunde – btw: danke! – des blogs verlieren, die machen bei sich zur not im browser ein bookmark oder schreiben sich die url ins moleskine. aber man darf auch nicht den wert von losen leser/schreiber-koppelungen unterschätzen (gelegenheitsleser machen einen eher auf einen etwaigen bullshit aufmerksam, den man verzapft, usw.)

die erregung sollte also durchaus auch von den produzenten – also allen bloggern – getragen werden, denn google verschlechtert einfach die infoinfrastruktur für alle. für die blogger werden die auswirkungen nicht am ersten tag nach dem ende sichtbar sein, zumal sich die leser mit dem google reader nicht in den referrern wiederfinden. der schwund wird sich aber langsam und indirekt einschleichen, das uh-oh wird dann aber umso stärker.

aus der serie: Reader—