Eine weitere besonders nützliche Unterscheidung ist ganz sicherlich die Unterscheidung: denke ich über ein Ding nach (handelt es sich um die Sache, etc.) oder denke ich über eine Aussage über das Ding nach (handelt es sich um eine Meinung über eine Sache, etc)?

So trivialphilosophisch die Frage klingt, sie ist aus einem Grund ein nützlicher Kanister zur Einstufung von Diskursen: Leute tendieren dazu, die Bewertung einer Aussage über ein Ding zumindest gefühlsmässig mit der Bewertung des Dings selbst gleichzusetzen. Und Diskurse und Diskussionen drehen sich selten um die Sache, sondern meistens um Aussagen über die Sache. Die einen freuen sich in der Folge dann über jede jubilatorische Aussage und verstärken sie, egal wie doof; die anderen füllen dann seitenweise Flächen im Feuilleton, egal wie hanebüchen, hauptsache kritisch, tausend Wörter und mit zumindest einer historischen Referenz aus dem 19. Jhr. oder davor. Usw.

Die Widerlegung eines blöden Arguments gegen eine Sache ist jedoch kein Argument für die Sache. Sie zeigt nur, dass das Argument blöd war. Genausowenig ist die Widerlegung eines blöden Arguments für eine Sache ein Argument gegen die Sache. Sie zeigt nur, dass auch dieses Argument blöd war. Dinge und Aussagen über Dinge verhalten sich zueinander orthogonal. Die armen Dinge können nichts dafür, was irgendwer, egal ob er es gut meint oder nicht, über sie behauptet.

(nur am rande: man kann und sollte natürlich tiefer bohren, teilweise wird es sicherlich spannend; allein schon das phänomen, dass aussagen quasi verkehrsunfälle sind – wir können nicht wegschauen und sie nicht nicht-sehen, wenn wir sie einmal gehört haben – ist schon grossartig; oder der komplex aussagen als hegemonialer kampf mit dem strategischen spektrum vom (ver)schweigen bis zum aleatorischen overkill; oder das epistemologsche dilemma, dass wir natürlich die dinge ohnehin nie unmittelbar sondern immer über aussagen vermittelt erfahren können; etctrara; wie gesagt: schon mit der ganz groben unterscheidung bekäme man die grössten brocken zerlegt und verpackt)

(abt: draw the distinction!)