(abt. tag der kurzkritik der langkritik…) miriam meckel hingegen ist in ihrem text über die tragik der digitalen allmende auf einem sehr eigentümlichen trip: sie skizziert ein schirrmacher-kompatibles infoökonomisches desaster (wobei sie in ihrer apokalyptik nicht unwitzig ist: “Milliarden von Papieren mit Nachrichten flögen durch die Luft und verdunkelten den Himmel, ein ohrenbetäubender Krach aus Musikfiles und Youtube Videos dröhnte über den Platz, vom Rasen wäre ob der unzähligen in den Boden gestampften Werbeplakate längst nichts mehr zu sehen” usw.), nennt gleichzeitig aber auch alle gegenmittel, führt beide stränge aber nicht zusammen und bleibt beim pessimistischen bild. (das internet ist für sie eine weide, deren endlosigkeit zu einer masslosigkeit der produzenten führen wird, die uns mit ihren inhalten und werbebotschaften zuscheissen, was die sicherungen unserer aufmerksamkeiten zum durchbrennen bringen wird, weswegen wir uns dann in ein disneyland zurückziehen werden und damit die chance zum guten verpassen.)

ihr fehler ist, die aufmerksamkeit der konsumenten als das gefährdete und zerstörbare gut zu betrachten (“Für den Tausch der Informationen in der virtuellen Welt gibt es eine zentrale Währung, die durch diesen Prozess inflationiert und damit entwertet wird: Aufmerksamkeit” usw.). aber unsere aufmerksamkeit ist zwar ein knappes – aber eben nicht zu zerstörendes gut (im schlimmsten fall kann uns unnötiges zeug für jeweils fünf sekunden belästigen, und auch das kann mit entsprechenden tools und techniken weitestgehend minimiert werden), ihr wert nimmt also mehr und mehr zu, je mehr und mehr zeug um sie buhlt, und wir können selbstbestimmt mit ihr umgehen und uns für uns massgeschneiderte info-pakete schnüren. nicht die weiden werden zerstört, sondern die kühe sind nichts mehr wert. wenn es also eine tragik der virtuellen commons gibt, dann besteht sie nicht darin, dass wir im datenmüll ersticken, sondern darin, dass wir einige perlen nicht entdecken (aber auch das hängt noch am bild der vollständigkeit und/oder maximierung; in den meisten fällen reicht etwas selbstsystemirritation völlig aus). die kosten tragen jedenfalls die produzenten, nicht – wie bei den analogen commons – die allgemeinheit.