Die Zeitgenossen der Gesellschaft

  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 21: Der Gamer
    Der Gamer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge/Plattformen/Systeme/die Welt als Spiele konzipiert, die es zu gewinnen gilt.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 20: Der Privatprogrammierer
    Der Privatprogrammierer (m/w) ist ein derzeit eher hypothetisch angenommener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er rein privat motiviert und jedenfalls finanziell unabhängig und ohne Auftrag vor sich hinprogrammiert.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 19: Der Verweigerer
    Der Verweigerer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich Dingen verweigert.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 18: Der Eisbrecher
    Der Eisbrecher (m/w) ist einer der am allerseltensten gesehenen Zeitgenossen, der sich dadurch auszeichnet, dass er kommunikativ auch durch vereiste Diskurse fahren kann.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 17: Der Rechtmacher
    Der Rechtmacher (m/w) ist ein abstrakter aber in den verschiedenen Instantiierungen extrem weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er es den anderen Leuten Recht machen will.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 15: Die Stummfilm-Diva
    Die Stummfilm-Diva (m/w) ist ein gelegentlich gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er vor 30, 40 Jahren mal ein Star war, sein Selbstbild seit damals aber nicht mehr angepasst hat und nun nur noch in einer Scheinwelt lebt.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 14: Der endlose Geschichtenerzähler
    Der endlose Geschichtenerzähler ist ein wirklich selten gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Thesen, Behauptungen und Aussagen quasi endlos fortsetzen kann und jedenfalls nie zu einem echten Punkt bringen muss.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 13: Der Schlüssige
    Der Schlüssige ist ein extrem selten gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er üblicherweise recht schlüssig ist.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 12: Der Forderer
    Der Forderer ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge fordert.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 11: Der indifferente Instanziierer
    Der indifferente Instanziierer ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Binsenweisheiten aka. allgemeine Gesetzmässigkeiten in Unterkategorien wiederentdeckt resp. neu konstatiert.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 10: Der diskursive Lobotomiker
    Der diskursive Lobotomiker ist ein weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er in seinen Texten und/oder Gedankengängen und/oder Argumentationen Schnitte einführt, die die vorgetragenen Propositionen vollständig trennen.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 9: Der Einrenner offener Türen
    Der Einrenner offener Türen ist ein extrem weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich - oft durchaus geistreich und - mit Verve gegen Behauptungen oder Positionen stellt, die allerdings ohnehin niemand vertritt.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 8: Der Annehmer
    Der Annehmer ist ein extrem stark verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge, Technologien, Phänomene sofort mit Annahmen bezüglich ihrer Wirkungskraft oder Effekte belegt und oft im gleichen Schwung ein dementsprechendes morali
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 7: Der Ungestörte
    Der Ungestörte ist ein extrem seltener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich vom ganzen Geschwafel um ihn herum nicht ablenken lässt.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 6: Der Überwinder
    Der Überwinder ist ein in letzter Zeit häufig gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich selbst als Vertreter einer neuen, digitalen Formation sieht, die im Begriff ist, eine alte, analoge Formation abzulösen.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 5: Die Bauchrednerpuppe
    Die Bauchrednerpuppe ist ein in letzter Zeit öfter gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Aussagen produziert, die ganz offensichtlich von woanders her kommen und dabei ein unheimliches Verhältnis zum Ausgesagten definieren.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 4: Der immer leicht Danebene
    Der immer leicht Danebene ist ein eher seltener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er mit seinen Aussagen, seinem Verständnis und seinen Schlussfolgerungen immer leicht daneben liegt.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 3: Der Sturschädel
    Der Sturschädel bleibt stur bei einer Verhaltensweise, die er als richtig empfindet, auch wenn ihm die Welt das Gegenteil sagt.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 2: Der solipsistische Generalisierer
    Der solipsistische Generalisierer braucht nur eine einzige persönliche Erfahrung, um daraus einen Trend oder ein allgemeines Gesetz ableiten und konstatieren zu können.
  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 1: Der binäre Switcher
    Der binäre Switcher hat in seinen Bewertungsregistern nur zwei Zustände, wobei ein jeweiliger Zustand zwar relativ stabil ist, aber jederzeit auch durch ein Ereignis umgestellt werden kann.

  • Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 21: Der Gamer

    09.04.2015

    Der Gamer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge/Plattformen/Systeme/die Welt als Spiele konzipiert, die es zu gewinnen gilt.

    Dem reinen Gamer geht es also nicht primär um die Erzeugung oder Abschöpfung von Wert oder Sinn (wobei er mit seinem tun durchaus wert und/oder sinn erzeugen und/oder abschöpfen kann), es geht ihm um das Maximieren von Punkten entlang einer Skala an Scores auf einem Leaderboard.

    Öfter als den reinen Gamer gibt es aber den Abschöpfer, also den Gamer, der das Spiel mit dem ausschließlichen Ziel des Abschöpfens von Wert in ein anderes System verfolgt (wobei er damit trotzdem durchaus wert und/oder sinn erzeugen kann). Das kann durchaus oft funktionieren, weil viele als ‘Spiele’ konzipierbare Verhältnisse eine ‘Gewinnfunktion’ haben, die von gewinnenwollenden Spielern relativ leicht angezapft werden kann, weil die meisten ‘Mitspieler’ gar nicht bewusst spielen; das bedeutet oft aber auch, dass das ganze Spiel zu einem Nullsummenspiel oszilliert, weil alle einfach zu gewinnenden Spiele früher oder später auch viele andere Abschöpfer anzieht, mit denen man sich dann herumstreiten muss (man denke an den ganzen komplex google- oder ebay basierten ecommerce).

    (den gamer bei analysen im hinterkopf zu behalten kann durchaus nützlich sein, weil wir in den letzten jahren ja immer wieder konstellationen hatten, bei denen irgendwelche incumbents plötzlich mit gamern zu tun bekamen, die ihnen die wurst vom brot stahlen und sich nun anschicken, auch noch ihr brot anzuknabbern)

    ((der grundsätzliche fehler ist dann fast immer, sich selbst in einen spieler im ‘vorgegebenen’ spiel verwandeln zu wollen, statt zumindest für sich selbst ein eigenes spiel zu definieren))

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 20: Der Privatprogrammierer

    25.03.2015

    Der Privatprogrammierer (m/w) ist ein derzeit eher hypothetisch angenommener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er rein privat motiviert und jedenfalls finanziell unabhängig und ohne Auftrag vor sich hinprogrammiert.

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 19: Der Verweigerer

    11.03.2015

    Der Verweigerer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich Dingen verweigert.

    Der Verweigerer verwendet also Dinge nicht deshalb nicht, weil er ahnungslos oder unfähig oder aus anderen Gründen ausgeschlossen ist (stichwort digital divide resp. literacy), oder weil er aus anderen, etwa infoökonomischen Gründen halt nicht verwendet (for personal reasons), es geht ihm mit seinem Verweigern um den Akt der Verweigerung selbst.

    (für die verweigerung kann es dann viele gute oder schlechte gründe geben, öfter als nicht ist der grund jedoch die übertragung der (vermuteten) eigenschaften der black box hinter der schnittstelle auf die eigenschaften der plattform selbst, die ich vor ein paar tagen im lazy blog ep. 46 angedeutet habe, paradebeispiel ilse aigners ‘sehe ich mich gezwungen’ bei facebook. so nobel oft das ziel ist, der einzige effekt ist üblicherweise, dass man halt selbst an etwas nicht mehr teilnimmt und also die möglichkeiten nicht nutzt und sich im schlimmsten fall über alle anderen ärgert)

    (für systemische ausdifferenzierungen ist der verweigerer aus ähnlichen gründen wie der sturschädel wichtig, weil er nämlich verharrt und in seinem verharren gelegentlich der opportunistischen homogenisierung entgegenwirkt und mitunter die möglichkeiten für alternativen skizziert)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 18: Der Eisbrecher

    10.12.2014

    Der Eisbrecher (m/w) ist einer der am allerseltensten gesehenen Zeitgenossen, der sich dadurch auszeichnet, dass er kommunikativ auch durch vereiste Diskurse fahren kann – und dadurch etwa auch üblicherweise verhinderte Argumente oder Positionen in anderen Köpfen ankommen lassen kann.

    (die metapher ist mir beim spazierengehen mit dem podcast von macpowerusers mit david allen im ohr aufgefallen, weil ich da wirklich einmal den für mich etwas peinlichen vergleich, wie ich bzw. david auf die probleme und fragen der zwei hosts reagieren, vor die nase gesetzt bekommen habe; während ich durchgehend seufzend mit dem rotstift die ganzen missverständnisse, falschen grundannahmen, non sequiturs, übertreibungen, übersehungen, irrelevanzen, etc. markiere, kann man bei allen fast schon den spass an der mustererkennung ebendieser fehlerpatterns erkennen, die er aber je nach situation einfach durchgehen lässt, oder mit kleinen fallen ironisch subvertiert, oder aber mit einem grossen gedanken oder prinzip in ihrer fehlerhaftigkeit im gesamtsystem positioniert, aber immer auf akzeptierbare und gesichtwahrenlassende und oft augenöffnende weise; vorraussetzung für einen eisbrecher scheint mir jedenfalls zu sein, dass man einerseits wirklich etwas zu sagen hat oder eine position mit differenz öffnen möchte, dass man andererseits aber auch einen gewissen grad der abgeklärtheit erreicht bzw. alles gesehen hat, damit man sich nicht in nebenfronten verzettelt)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 17: Der Rechtmacher

    25.11.2014

    Der Rechtmacher (m/w) ist ein abstrakter aber in den verschiedenen Instantiierungen extrem weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er es den anderen Leuten Recht machen will.

    Das ist sicher nicht die bösartigste Einstellung, die man haben kann, allerdings führt sie öfter als nicht zu unserem beliebten gut gemeint ist schlecht gemacht oder durchdacht.

    Der mit Abstand größte Rechtmacher-Doofus ist natürlich Google – bei denen kann man fast die Hypothese aufstellen, dass das Rechtmachen ihre große Schwäche ist, sprich sie immer dann genial oder zumindest gut sind, wo sie versuchen irgendwas so gut wie möglich zu machen und mit diesen Serien dann etwa bei einem neutralen Funktionalismus (etwa gmail vor 6, 7 jahren) oder einer autoritären Algorithmokratie (etwa google suche vor 6, 7 jahren) landen, und immer dann bestenfalls unbeholfen oder debil sind, wo sie versuchen das dann noch besser zu machen, indem sie es personalisieren, antizipieren und eben dem User rechter zu machen (so ziemlich jeder versuch email oder die suchergebnisse in dieser richtung zu verbessern ist bis dato in einem fiasko oder einer stillen revision geendet, siehe dazu googleheimer). Wobei Gmail und Suche ja noch tendenziell resilient sind und die Interventionen von Google noch relativ locker wegstecken konnten, problematischer ist natürlich, dass die ganze Vision von Google in diese Richtung schielt.

    die genuin falsche grundannahme ist, dass es dieses im moment ‘richtige’ gibt und man es nur auf basis der daten ausrechnen muß, daten hat google ja im idealfall wohl genug, es kennt den ort, es kennt die zeit, es kennt die gesamte vorgeschichte, alle bisherigen suchen, käufe, mahlzeiten, treffen, alle kontakte, die gesamte kommunikation, usw., da kann das dann wohl nicht so schwer sein. aber genau das ist der fehler. dieses ‘richtige’ gibt es nicht vorab, sondern nur retrospektiv. bei allem was den funken eines persönlichen werts hat, spielt das begehren eine viel grössere rolle als die summe aller neutraler sachverhalte. man kann glaub ich fast sagen, dass alles, was uns eine suchmaschine vorschlagen kann, per definitionem ‘wertlos’ wird und das begehren verscheucht. das begehren kommt immer nur von der seite, von der wir es nicht erwarten oder sehen können. google will also wohin, wohin es – zumindest für moderat komplexe lebewesen – nicht kann.

    The Google Supposed To Know (nts: mich öfter selbst zitieren)

    In eine ähnliche Sackgasse laufen aber auch alle anderen Rechtmacher, die die Zukunft der Ausdifferenzierung von sozialen Objekten (Zeitungen als personalisierte Nachrichtenströme, Fernsehen als personalisierte Ströme von Sendungen und Serien, etc.) in personalisierten Empfehlungssystemen sehen. Sie übersehen den entscheidenden Punkt, nämlich dass Wert nur aus Differenz entsteht. Wenn alles gut ist, ist nichts gut. Intensitäten kann man nur in Relation zu einem ‘Mangel’ erzeugen. Hunger ist der beste Koch. Und sie übersehen, dass Identitäten nur im aktiven Auslassen von dem, was man nicht ist, entsteht; das registrierende Auslassen ist eine wichtige Geste.

    Empfehlungssysteme sind grossartig zur Inspiration, als Reize, als Serendipity, usw. – aber sie sind kein guter kategorischer Imperativ für gesellschaftliche mediale Produkte.

    (wer sich noch daran erinnern kann: die über die filterbubble jammerten, jammerten exakt über den falschen punkt. das problem einer algorithmischen bubble ist nicht, dass man die alternativen stimmen nicht mehr zu sehen bekommt und deshalb auch keine alternativen blickwinkel kennen lernt, das problem der algorithmischen bubble ist, dass man die alternativen stimmen nicht mehr zu sehen bekommt und deshalb nicht mehr so tun kann, als gäbe es die ohnehin bestehende bubble nicht)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 15: Die Stummfilm-Diva

    19.10.2014

    Die Stummfilm-Diva (m/w) ist ein gelegentlich gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er vor 30, 40 Jahren mal ein Star war, er sein Selbstbild seit damals aber nicht mehr angepasst hat und nun nur noch in einer Scheinwelt lebt, in der er immer noch der Star ist, während die Welt weitergezogen ist und etwa Farbe und Ton bekommen hat.

    Der Punkt, um den es mir dabei geht, ist das Divergieren von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung, wobei die Selbstwahrnehmung oft durchaus verständlicherweise gleich bleibt, sich die Fremdwahrnehmung aber mitunter dramatisch verändert hat, weil sich die eigene Funktion für die Anderen dramatisch verändert hat, das jedoch nicht zur Kenntnis genommen wird. Und es geht dabei nicht um eine natürliche Evolution oder um unvermeidbare Kollateralschäden von einem ‘Fortschritt’, sondern um das Ignorieren von – oft natürlich technokulturell bedingten – Veränderungen und Verschiebungen der eigenen Position, was mittelfristig halt zu einer zunehmenden ‘Verrücktheit’ des eigenen Blickwinkels führt.

    Wie das oft ausgeht wissen wir aus Sunset Blvd.

    (die paradigmatischen stummfilm-diven sind derzeit natürlich die zeitungen und zeitschriften. immer, wenn man vom nächsten bezahlmodell hört, das sich irgendeine publikation ausgedacht hat, muss man sich ja kurz am kopf kratzen und sich fragen, wie sie sich auch nur ansatzweise denken können, dass das eine gute idee ist, oder wie sie sich auch nur irgendwie vorstellen können, dass das eigentlich funktionieren müsste. aber wenn man sie als stummfilm-diva konzipiert, wird das auf einmal schlüssig:

    vor dem internet war des selbstbild der verlage noch halbwegs mit dem fremdbild für ihre leser im einklang. nach dem internet haben die verlage von sich selbst noch immer das gleiche selbstbild, aber das fremdbild für die leser hat sich fundamental verändert, ebenso wie alle jobs, die sie für ihre leser noch erfüllen. dieser umstand wird von der verlagen aber mit doch bemerkenswerter sturheit übersehen und/oder verdrängt.

    wenn man so will: vor dem internet waren zeitungen für die zeitungsmacher und für die leser ein menü mit suppe, wienerschnitzel, salat und einem seidel bier. was anderes gab es im anderen gasthaus des dorfes auch nicht, und es war günstig und hat wirklich gut geschmeckt – es war also für alle ein guter deal. nach dem internet sind zeitungen für die zeitungsmacher selbst noch immer das gasthaus mit diesem köstlichen menü, für das leute aus der ganzen welt angereist kommen – aber für die leser haben sich die einzelnen gerichte der speisekarte schon vor jahren aufgelöst und mit allen anderen gerichten aller anderen gasthäuser zu einem einzigen, überall und immer verfügbaren, megalomanischen all-you-can-eat buffet mit köstlichkeiten aus der ganzen welt rekombiniert. der leser sieht die gasthäuser der zeitungen überhaupt nicht mehr; wenn der gurkensalat wirklich gut war, dann schlägt man vl. mit besonderer freude zu, wenn man im buffet darüber stolpert, und wenn das wienerschnitzel wirklich besonders zart und knusprig war, dann merkt man sich vl. sogar den ort, aber wenn nicht auch kein problem. wie gesagt: selbstbild der verlage und fremdbild für die leser stimmen nicht mehr überein, weil sich für die leser die funktion, der wert und die relativen vorteile der zeitungen komplett verändert haben.

    es ist nicht gänzlich unverständlich, dass die verlage den umstand, dass sich die umwelt verändert hat und sie für alle anderen plötzlich eine andere funktion erfüllen, einfach verdrängen. ihre internen prozesse zur erstellung von texten haben sich ja vglw. wenig verändert, der aufwand zur erstellung von ‘aufwändig recherchierten’ artikeln wurde nicht viel kleiner, die grossartigkeit des geschmacks oder der urteilskraft des redakteurs nicht schwächer, es gibt noch immer viel vom gleichen zu tun. der gedanke, dass sie für die leser nicht mehr der informationsnabel der welt sind, kommt ihnen ganz einfach gar nicht, und deshalb haben sie ihren eigenen anspruch überhaupt nie reflektiert oder überdacht und also auch nicht angepasst.

    das problem ist halt, dass in der realität das selbstbild mit dem fremdbild konfrontiert wird, und dass ein zu stark divergierendes selbstbild zu aktivitäten führt, die einfach nicht mehr angenommen werden oder anschlussfähig sind. sich im all-you-can-eat buffet hinzustellen und für den gurkensalat eine zusätzliche wöchentliche pauschale zu verlangen und die wienerschnitzel à la carte zu verkaufen wird selten funktionieren, auch wenn das vl. ungerecht ist, weil sie sich beim kochen wirlich sehr bemüht haben und sie wirklich gut schmecken. es nützt halt nichts.

    solange sie aber nicht den blickwinkel wechseln und ihre funktion einmal von aussen wahrnehmen, werden sie zu keinen massnahmen kommen, die tatsächlich funktionieren könnten. sie brauchen also einen realitätscheck, sie müssten wirklich einmal in einen spiegel schauen und das ist natürlich nicht leicht und wird mit jedem jahr schwerer)

    ((nur ein hint: auch vor dem internet haben die leser nie für den eigentlichen ‘journalismus’ bezahlt und das wussten die zeitungen auch selbst, es war aber gwm. notwendig so zu tun als ob es so wäre; dafür nach dem internet geld zu verlangen ist also völlig aussichtslos. aber sie waren doch aus anderen gründen ein wirklich attraktives produkt und haben eine ganze reihe an anderen jobs erfüllt; ihre überlegungen für die gegenwart und zukunft sollten also eher in die richtung gehen, welche davon noch immer funktionieren könnten und welche neuen sie vl. erfüllen könnten. ein guter startpunkt ist dabei übrigens immer cwf+rtb. das problem dabei ist, dass das eine gewisse ehrlichkeit, bescheidenheit und realismus erfordert, keine eigenschaften mit denen sie sich als stummfilm-diva bisher ausgezeichnet haben. aber wieder: es nützt halt nichts))

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 14: Der endlose Geschichtenerzähler

    20.08.2014

    Der endlose Geschichtenerzähler ist ein wirklich selten gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Thesen, Behauptungen und Aussagen quasi endlos fortsetzen kann und jedenfalls nie zu einem echten Punkt bringen muss, weil er in seiner Narration an fast beliebiger Stelle Abzweigungen folgen kann, die er dann mit der gleichen narrativen Qualität vorträgt, oder indem er in Begriffe oder Themen hineinzoomt, die er dann oft in enzyklopädischer Gebildetheit erklärt und darlegt, usw.

    (wenn es wirklich gut läuft erzeugt er einen raum, der selbst interessanter ist, als es die these jemals gewesen wäre und den man quasi ‘serendipitös’ durchlaufen kann; üblicherweise ist der effekt aber, dass ein gedanke wesentlich wichtiger klingt, als er ist und der gwm. nur mit einer bedeutungsscheinschwangerheit aufgeladen wird. anders als der schaumschläger, der einfach willkürliche anschlüsse mit einem rolodex aus bullshit bingo permutiert, steht sich der endlose geschichtenerzähler mit seiner bildung und tief empfundenen assoziationen quasi selbst im weg)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 13: Der Schlüssige

    30.01.2014

    Der Schlüssige ist ein extrem selten gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er üblicherweise immer sehr schlüssig ist.

    (ich bin mir nicht ganz sicher, ob es objektiv schlüssige gibt, also leute, die eine art universelle schlüssigkeit repräsentieren, die man dann halt erkennen kann oder nicht, oder ob schlüssigkeit nur subjektiv und kontextuell entsteht, wobei diese subjektivität dann natürlich trotzdem objektiv ist; vermutlich gibt es beides)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 12: Der Forderer

    29.01.2014

    Der Forderer ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge fordert.

    (die forderungen selbst sind meistens weder begründet noch in den konsequenzen analysiert oder durchdacht, müssen es aber auch nicht sein, weil ihre funktion üblicherweise darin besteht, einen erwartbaren inhaltlichen vektor für eine repräsentierte gruppe zu etablieren, der dann als kalkül in politischen tauschgeschäften eingelöst werden kann (was übrigens nicht notwendigerweise (aber natürlich öfter als nicht) bedeutet, dass die forderungen selbst blöd sind); und natürlich gibt es auch andere typen, allerdings nur im promille-bereich und inhaltlich dann oft mit sogenannten nonetnonas)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 11: Der indifferente Instanziierer

    28.01.2014

    (eher devoha weil eine art inversion vom solipsistischen generalisierer ..)

    Der indifferente Instanziierer ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Binsenweisheiten allgemeine Gesetzmäßigkeiten in Unterkategorien wiederentdeckt resp. neu konstatiert.

    (die aussagen sind also semantisch nicht falsch, aber trotzdem irgendwie daneben, weil sie etwas bedeutungsschwanger als konkrete eigenschaft oder signifikante strukturlogik betonen, was ohnehin auf alles (oder zumindest vieles andere) auch zutrifft. man erkennt das leicht, wenn man für das behandelte thema jedes beliebige andere thema einsetzen kann. während also der solipsistische generalisierer aus einzelerfahrungen allgemeine gesetzmäßigkeiten ableitet, erzählt der indifferente instanziierer allgemeine gesetzmäßigkeiten in einzelerfahrungen.)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 10: Der diskursive Lobotomiker

    01.01.2014

    Der diskursive Lobotomiker ist ein weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er in seinen Texten und/oder Gedankengängen und/oder Argumentationen Schnitte einführt, die die vorgetragenen Propositionen vollständig trennen.

    (anders als etwa der immer leicht danebene macht der diskursive lobotomiker keine ‘denkfehler’ innerhalb eines diskursiven milieus, sondern kommt frei flottierend von einem plateau zu einem mehr oder weniger gänzlich anderen, wobei es zwischen den plateaus aber auch keine allegorische oder metaphorische beziehung gibt; sprich: alles kann einstieg oder begründung für alles andere sein)

    ((wenn man so will ist der diskursive lobotomiker eine verallgemeinerung von eco’s irrem, der alles auf eine einzige fixe idee bezieht und den man deshalb leicht erkennt, man denke an morozov))

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 9: Der Einrenner offener Türen

    31.12.2013

    Der Einrenner offener Türen ist ein weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich – oft durchaus geistreich und – mit Verve gegen Behauptungen oder Positionen stellt, die allerdings ohnehin niemand vertritt. Er rennt also offene Türen ein, die vermeintliche Antithese würde von dem/den Kritisierten häufig unterschrieben.

    (für systemische ausdifferenzierungen kann der einrenner offener türen nützlich sein, weil er unausgesprochene grundannahmen sichtbar und also diskutierbar macht)

    ((eine variation vom einrenner offener türen ist der negativ-dialektische spiraler, der nicht mit einer ‘unterstellten richtigkeit’, sondern mit einer ‘unterstellten falschheit’ (also etwas, das ohnehin niemand vertritt, das aber auch wirklich niemand vertreten würde) beginnt, und diese dann – oft mit gehörigem pathos – mit einer vl. etwas weniger blöden aber üblicherweise immer noch ziemlich danebenen gegenposition entgegnet. im besten fall werden dabei sogenannte duhs produziert, wie sie der einrenner offener türen gerne aufgreift))

    (((weil gerade mehrfach durch meine timeline gespült: schönes beispiel für einen EOT mit positiver traktion ist we need to talk about TED)))

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 8: Der Annehmer

    03.05.2013

    Der Annehmer ist ein extrem weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge, Technologien, Phänomene sofort mit Annahmen bezüglich ihrer Wirkungskraft oder Effekte belegt und oft im gleichen Schwung ein dementsprechendes moralisches Urteil fällt.

    (die annahmen sind dabei fast immer ein blödsinn, egal ob sie sich retrospektiv als richtig oder falsch erweisen, das muss man leider so sagen; irgendwas stimmt natürlich immer, aber nicht weil man es wissen konnte. technologien verschieben üblicherweise einfach das milieu der möglichkeitsräume, aber welche selektionen dann stattfinden, welche linien verfolgt werden und wie sich alles sozial auf- und ausdifferenziert ist historisch kontingent)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 7: Der Ungestörte

    20.11.2012

    Der Ungestörte ist ein extrem seltener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich vom ganzen Geschwafel um ihn herum nicht ablenken lässt. Er nimmt es durchaus war und er nimmt auch daran teil, aber es stört nicht seinen Blick.

    (ein überlebender des verkehrsunfalls diskurs, wenn man so will. siehe nützliche unterscheidungen pt. 9. der einzige, der mir im themenfeld web einfällt, ist seth godin)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 6: Der Überwinder

    09.11.2012

    Die Überwinder ist ein in letzter Zeit häufig gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich selbst als Vertreter (oder auch nur ungewollter aber jedenfalls Teil) einer neuen, digitalen Formation sieht, die im Begriff ist, eine alte, analoge Formation abzulösen. Der Ablösungsprozess selbst wird dabei als mitunter durchaus kämpferisches Handeln für die revolutionäre Sache innerhalb einer allerdings natürlich gesehenen Evolution von etwas Einfacherem zu etwas Besserem gesehen, wobei sich die alte Formation aber durchaus auch wehrt, also zu überwinden gilt.

    Die dabei produzierten Aussagen sind dabei oft gar nicht falsch, das Problem seh ich eher darin, dass sich die Position für den eigenen Blick von Anfang an in einem weniger fruchtbaren Gegensatz verfängt, was in der Folge dazu führt, von Anfang an weniger fruchtbare Unterscheidungen aufgedrängt zu bekommen, die man dann kaum mehr los wird. Oft sind das eben genau die alten, eigentlich zu überwindenden Differenzen, die sich dadurch quasi in den Blick selbst hineinretten.

    (das spektrum der überwinder reicht natürlich von der liebenswerten dumpfbacke bis zum zynisch-pragmatischen vollprofi, der genau weiss, dass er sich damit (und eig. nur damit) am effizientesten sein massenmediales scheinwerferlicht abholen kann)

    ((ein subtypus ist übrigens der selbstüberwinder, ein überwinder, der aber zumindest ein bisschen mit sich ringt und irgendwie kurz davor steht das überwinden selbst zu überwinden. ein interessantes beispiel dafür ist der auf g+ dokumentierte schreibprozess vom bildungsbuch von yuri m lotman. kein expose – etwa heute – kommt ohne die tropen ‘früher wars mal so (langsam, zeitlich begrenzt, bürokratisch, verkrustet, …), aber jetzt geht das nicht mehr, jetzt läuft das so (schnell, lebenslang, graswurzelig, verflüssigt, …)’ aus, aber man spürt gleichzeitig auch das unbehagen mit sich selbst und gwm. ein dahinter der begriffe))

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 5: Die Bauchrednerpuppe

    01.11.2012

    Die Bauchrednerpuppe ist ein in letzter Zeit öfter gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Aussagen produziert, die ganz offensichtlich von woanders her kommen und dabei ein unheimliches Verhältnis zum Ausgesagten definieren.

    Die Aussagen selbst sind dabei oft gar nicht falsch, die verwendeten Wörter stimmen alle und stammen aus dem aktuellen Diskurs. Was aber irgendwie nicht stimmt ist die Rekonstruktion der Position aus der sie gesagt werden. Wenn man will kommt es zu keiner Schliessung zwischen den Wörtern und den Worten im Imaginären.

    (nur als beispiel: einige stellungnahmen oder programme von organisationen oder parteien klingen in letzter zeit entgegen jeder davor gezeigten disposition plötzlich, als wären sie mal schnell von netzpolitik via copy und paste genommen. inhaltlich ist es nicht zu kritisieren, aber man spürt auf der anderen seite der signifikanten nur einen unheimlichen abgrund)

    (den begriff beziehe ich übrigens weniger auf subjekte als auf den diskurs selbst; ein verwandtes, aber genuin davon zu unterscheidendes phänomen ist das von they live bekannte prinzip des geheimen/anderen subtextes, also das eine zu sagen aber das andere zu meinen. bei der bauchrednerpuppe ist das verhältnis zum gesagten selbst gespenstisch)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 4: Der immer leicht Danebene

    16.10.2012

    Der immer leicht Danebene ist ein eher seltener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er mit seinen Aussagen, seinem Verständnis und seinen Schlussfolgerungen immer leicht daneben liegt. Wenn man so will sieht und denkt er nicht unscharf, hat also keine falsche Brille auf der Nase, aber einen leicht verzogenen Diopter.

    (für mich ist das paradigmatische beispiel für den immer leicht danebenen alexander kluge’s stimme aus dem off bei den dctp sendungen; er ist eine quelle für – oder eig. ein strom an – assoziationen, verknüpfungen, ableitungen und verdichtungen, aber je ‘rigoroser’ sein jeweiliges gegenüber denkt, desto mehr muss es sich lustigerweise winden, den gedankengang wieder einzufangen, bevor die schlussfolgerungen dann wieder losgaloppieren)

    (für systemische ausdifferenzierungen ist der immer leicht danebene wichtig, weil er anschlusskommunikation ermöglicht/erfordert und weil er verbindungen herstellt, die es eigentlich nicht geben dürfte)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 3: Der Sturschädel

    15.10.2012

    Der Sturschädel bleibt stur bei einer Verhaltensweise, die er als richtig empfindet, auch wenn ihm die Welt das Gegenteil sagt.

    Dabei ist grundsätzlich egal, ob er mit seinem Konstrukt ‘hinten’ oder ‘vorne’ ist, ob er re- oder deterritorialisieren will, ob er alte Machtstrukturen bewahren oder utopische Kraftstrukturen bewirken will – der Punkt ist, dass er sein Handeln an seinem Glauben wie es sein sollte und nicht an der Welt wie sie ist ausrichtet.

    (für systemische ausdifferenzierungen ist der sturschädel wichtig, weil er – anders als der binäre switcher oder der solipsistische generalisierer – verharrt und damit stabilisiert; ein system bekommt natürlich ein problem, wenn es zu viele sturschädel gibt. und er ist wichtig, weil ‘glaube’ auch systemwirksam werden kann)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 2: Der solipsistische Generalisierer

    13.10.2012

    (eher devoha weil eine art strukturelle ergänzung zum binären switcher ..)

    Der solipsistische Generalisierer braucht nur eine einzige persönliche Erfahrung, um daraus einen Trend oder ein allgemeines Gesetz ableiten oder konstatieren zu können.

    (für systemische ausdifferenzierungen ist der solipsistische generalisierer wichtig, weil er anders als der binäre switcher zwar ein gedächtnis, aber gwm. keine geschichte hat und also vl. bzw. höchstwahrscheinlich an anderer stelle schon gelöste probleme oder komplexe wiederholt, aber möglicherweise mit einem anderen blick reinjiziert)

    (abt. supermarket studies)


    Die Zeitgenossen der Gesellschaft Pt. 1: Der binäre Switcher

    07.10.2012

    (eine art subserie zu den nützlichen unterscheidungen, wobei die jeweiligen typen dann natürlich selbst das ergebnis von getroffenen entscheidungen sind, aber es ist sinnvoll sie (getrennt) zu behandeln, weil sich mitunter die auswirkungen von getroffenen unterscheidungen je nach exposition mit konkreten ensembles verschiedener typen völlig unterschiedlich gestalten können)

    Der binäre Switcher hat in seinen Bewertungsregistern nur zwei Zustände, wobei ein jeweiliger Zustand zwar relativ stabil ist, aber jederzeit auch durch ein Ereignis umgestellt werden kann.

    Bewertungsregister sind etwa: mag ich jemanden/etwas oder nicht; vertraue ich jemandem/etwas oder nicht; glaub ich jemandem/etwas oder nicht; folge ich jemandem/oder nicht; kauf ich etwas oder nicht; etctrara. Wechselereignisse haben je nach Subtyp unterschiedliche Thresholds, können aber tatsächlich erstaunlich ‘unbedeutend’ aber auch ziemlich hoch angelegt also grundsätzlich wechselresistent sein.

    (für systemische ausdifferenzierungen ist der binäre switcher wichtig, weil er gwm. kein gedächtnis hat und also nicht ‘nachtragend’ ist und also viel leichter richtungswechsel initiiert oder mitmacht als andere; gleichzeitig ist das aber natürlich auch sein problem, weil er wissen in einen zustand der atemporality auflöst)

    ((ein subtyp des binären switchers ist der kill switcher. dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht mehr auf on springt, wenn er einmal – üblicherweise dann wegen einem signifikanteren ereignis – auf off gesprungen ist. auch der kill switcher hat ausdifferenzierungstechnisch wichtige funktion, aber eben auch seine probleme))

    (abt. supermarket studies)