Selection 2011


Google Bells

24.12.2011

google jingle bells

^ Google heute sehr stimmungsvoll.


Leftovers 2011 (Logical Fallacy Edition)

14.12.2011

Auch nicht (siehe die Filter) wirklich weitergekommen sind wir bei der logischen Konsistenz von Aussagen (bzw. aussageverkettungen).

(das tangiert jetzt natürlich nicht nur aussagen über das web, aber hier ist und bleibt es doch besonders schlimm; es gibt ja kaum einen text, der länger als 3 absätze ist, in dem kein non sequitur, keine willkürliche vermischung der ebenen oder logischen klassen oder ähnliches steckt etc.)

thema: logik


Leftovers 2011 (Filter Edition)

06.12.2011

Ein Ding wo wir heuer leider kein Jota weitergekommen sind, sind die Filter. Ich verstehe nicht, warum es nicht zumindest für die ganzen Standard-Inputströme – also Twitter, Google+, RSS usw. – dedizierte Clients gibt, die die offensichtlichsten Filter – und ich meine jetzt explizite, in ihrer Funktion transparente, von mir nach bestimmten Kriterien programmierbare Filter und nicht dieses ominöse wir-zeigen-dir-nur-das-beste Voodoo – implementieren.

thema: filter


Leftovers 2011 (Stream Edition)

05.12.2011

And again, the internet is not something you just dump something on. It’s not a truck. It’s a series of tubes. And if you don’t understand those tubes can be filled and if they are filled, when you put your message in, it gets in line and its going to be delayed by anyone that puts into that tube enormous amounts of material, enormous amounts of material.

Senator Ted Stevens zitiert nach Wired .

Was mir beim jahresausgänglichen infoökonomischen Anticluttern das erste Mal in dieser Klarheit aufgefallen ist und bevor ich es vergesse:

Der ganze Komplex Streaming – der ja doch einen nicht unbeträchtlichen Anteil am gesamten Webaktivitätskuchen hat, zumal ja das ganze Sharing ein Subset vom Streaming ist – basiert auf einer sehr einfachen Struktur:

  • es gibt eine URL
  • die mit einer Annotation versehen wird
  • und durch einen Bewegungsimpuls in einem Kanal/einer Series of Tubes reaktualisiert wird.

Es gibt zwar ein paar Grenzfälle – die Annotation kann z.B. leer sein (etwa bei allen phatischen Gesten wie Likes), der Bewegungsimpuls kann z.B. ein chronisches Einfrieren sein (etwa beim klassischen antisozialen Bookmarking, bei dem man die URL quasi aus dem Strom reißt, wobei das wiederum Ausgangspunkt eines abgeleiteten Stroms werden kann), die URL kann nichtexistent sein (und wird etwa erst im Stromereignis erzeugt; ein Tweet ist z.B. eine Annotation zu seiner eigenen URL), usw. – aber unterm Strich sind die meisten Tools die wir so kennen und lieben nichts anderes als Maschinen zur Produktion, Rezeption und Distribution von solchen Stream-Ereignissen. Sie unterscheiden sich lediglich in der Art, wie die möglichen Unterscheidungen ausdifferenziert werden.

Fast alle Tools sind dabei Mischformen und bedienen unterschiedliche Ebenen und Aspekte der Produktion, Rezeption und Distribution gleichzeitig.

(zb: der google reader ist primär ein tool zur anzeige von feeds im volltext für einen selbst. feeds sind dabei die universellste normalform, auf die sich URLs dem strom zur verfügung stellen können. gleichzeitig offeriert der GR aber funktionen zur organisation der informationen für einen selbst – starring, tagging, search – und funktionen zum weiterströmen – send to und eben nicht mehr sharing, welches selbst einerseits im GR für das eigene netzwerk und falls public selbst als feed für alle offen war -.)

Die Tools können oder besser sollten sich nun einige Dinge überlegen (wie lange kann die Annotation sein, wie zeige ich den Inhalt der ursprünglichen URL an, welche Quellen lassen ich als Inputs zu, führe ich den Komplex privacy ein oder nicht, welche Formen lasse ich als Outputs zu, welche Features zur persönlichen Organisation der Informationen offeriere ich und wie, welche Features zur Redistribution offeriere ich und wie, welche Features zur sozialen Vernetzung offeriere ich und wie, welche Formen der Diskussion erögliche ich und wie, etc; man kann hier noch ein bisschen schürfen) aber unterm Strich tun sie nichts anderes, als mögliche Entscheidungen zum Handling von Strom-Ereignissen auszudifferenzieren und ihnen einen – thematischen, sozialen, haptischen – Kontext zu geben.

(auch 2012 gelesen noch immer eine gute analyse)


Schon Wissen

22.11.2011

ach so, auch sehr wichtig: ideale multiplikatoren sind ja genau diejenigen, die es gerade selbst lernen, und nicht die, die es “schon wissen”.

lotman

(ich glaube sehr zutreffende beobachtung von martin lindner, die nicht nur die ‘positiven’ effekte der dynamik des webs erklärt (etwa supereffiziente lernknoten, auf denen sich in echtzeit wissens- und erkenntnisprozesse intensivieren etc.), sondern gleichzeitig auch die ‘dysfunktionalen’ (wo ein etwaiger body of knowledge vorhanden ist, auf den aber während der ausdifferenzierung dieser lernknoten nicht zurückgegriffen wird, mitunter weil eben das schon wissen öfter als nicht die reaktualisierung vermeidet, wobei das gerade neu gelernte aber deutlich doofer als das mögliche wissen ist, etc.) – und das betrifft vor allem ‘wissen’ um themen, die sich im web selbst herausgebildet haben, weil es eben eher flüchtig ist, während klassisch verankerte gebiete bessere techniken des zurücklehnens, verifizierens und sichselbsteinforderns gefunden haben)

thema: lernbewegungen


Mashup (DVG)

16.11.2011

lese ‘mashup’ (und irgendwie hat mich schon lange kein buch mehr so frustriert; viele richtige aussagen und alles trotzdem leicht daneben)Tue Nov 25 via web Favorite Retweet Reply

(nts: mich öfter selbst zitieren)

(weil ich damit angefangen habe… bin jetzt mit mashup durch und irgendwie hat sich an meinem ersten eindruck nichts geändert, ein bissl war für mich das lesen wie das anschauen einer episode von magnum, bei der die tonspur aber um eine sekunde verschoben ist. man merkt, dass alles wichtige dabei ist und dass das herz am rechten fleck sitzt, aber es fügt sich nicht ganz zusammen. nur ein paar punkte (rein konstatierend und ottomh): alles beweist für ihn alles (oder genauer: jede positive erwähnung irgendeiner art von kopie stärkt die positive konnotation jeder anderen art von kopie; wenn die tatsache, dass die kassiererin im supermarkt meine unterschrift als authentische kopie ihrer selbst erkennt, nicht beweis genug für die legitimiät des akts des zitatkopierens bei bands wie den gorillaz ist, dann weiss ich nicht was, usw). manchmal wirken die aussagen deshalb – obwohl nicht falsch – auch etwas willkürlich aneinandergereiht; über weite strecken bleibt er begrifflich unscharf (wobei zumindest eine klare und definierte eigene heuristik für die untschiedlichen begriffe (kopie, plagiat, mashup, remix, etc.) nützlich gewesen wäre, weil sich dann – und eigentlich auch nur dann – die konkret damit verbundenen kulturellen milieus, sozialen konstellationen, politisch-legalen kräfteverhältnisse etc. beschreiben und bewerten lassen*); formal versucht er ein bisschen zu emsig, auch wirklich jeden gedanken zu attribuieren, was einerseits natürlich lobenswert ist, andererseits aber in der zuordnung aleatorisch wirkt. teilweise führt das dann auch zu eigenwilligen erstzuschreibungen für aussagen (leseschreibweb, wie es lessig 2006 entdeckte, usw.); gleichzeit versucht er die autoren zu variieren, und auch das ist lobenswert, aber ein close-reading von masnick, doctorow oder auch weiss wäre teilweise ergiebiger gewesen; trotzdem liest es sich insgesamt gut und ist durchaus ein tipp)

* gerade das titelwort mashup hat ja - zumindest im musikalischen feld - eine sehr konkrete bedeutung und eine sehr spezifische form der künstlerischen wertschöpfung, die man beschreiben könnte (durch assoziation, historische kenntnis, timing der rekombination, etc.) und mit anderen kopie-basierten formen der kulturellen praxis vergleichen könnte, um vl. zu einer art vergleichenden kopierwissenschaft zu kommen oder so.

thema: konzeptioneller eintopf


Reader- Pt. 3 - The Golden Girls Edition

03.11.2011

nur eine kleine #nts/beobachtung am rande, aber mit delicious und dem google reader wurden nicht nur zwei der drei tools kastriert, die in den letzten jahren meine internen infoflows am allermeisten bestimmt haben (das dritte wäre gmail), sondern mir auch bewusst, wie in die jahre gekommen nicht nur die tools (delicious und gmail verwende ich seit 2004, den reader seit 2005) sondern also eben auch meine daran gekoppelten infoflows eigentlich sind. es handelt sich bei allen dreien natürlich gwm. um vollkommene tools, die den benutzer jeweils einen primitiven datentypen (bookmarks, emails, feeds) mit tags organisieren und ansonsten auf die effizienteste weise prozessieren lassen, aber der grad meiner resistenz gegenüber allen moderneren formen wie facebook, tumblr, g+, den iphone-basierten dingen, sämtlichen varianten von im/chat etc. ist doch bedenklich (ausnahmen sind vl. teilweise twitter und friendfeed, beide aber auch schon aus 2007).

im grunde wird’s also ohnehin zeit, das ganze mal zu modernisieren, zumindest mal zu überdenken, aber das ist leichter gesagt als getan, weil ja nicht mal offensichtlich ist, was überhaupt das ziel / erwünschte ergebnis sein könnte; es knüpft natürlich teilweise an der nullpunkt reihe aus 2010 an, siehe besonders dem data clean aus pt. 2, nur sind die ströme selbst wieder ein ganz anderes biest, weil sie auf mehreren ebenen topographischen, zeitlichen und sozialen de- und reterritorialisierungen unterliegen usw.

thema: workflows


Reader- Pt. 2 - The Still Sharing Edition

02.11.2011

kleines update zu reader-: stellt sich heraus, dass dieses dings mit der infomonopolistischen marktmacht (wo sollen sie denn sharen als auf G+, muhaha) wohl doch ein schuss ins eigene knie war. die antwort lautet nämlich: dann halt woanders (via pinboard.in sehr elegant mit fulltextrssfeed, via instapaper, via tumblr, etc.). im grunde haben sie nur eins gemacht: sie haben den einzigen sozialen dienst auf dem sie tatsächlich die besten waren genuked. sie haben eine der prozessbewusstesten sharing-communities ausgelöscht, auf dass sie sich woanders reformieren müssen und also einen anderen dienst stärken.

(nur am rande: wirklich dezentral/portabel/unabhängig sind die meisten bis dato vorgeschlagenen ansätze nicht oder nur indirekt; lernen wir als kollektiv aus krisen denn überhaupt nix und wo bleibt dave winer wenn man ihn braucht?)

anyway und zum titel kommend:

die gute nachricht: man kann noch immer direkt aus dem GR heraus sharen.

die schlechte: nur dann, wenn man schon vor der umstellung mindestens ein tag auf public gesetzt hat.

warum und wie das funktioniert:

in der alten version konnte man bei tags zwischen private und public switchen. waren sie public, dann konnte man sie als clipping an anderer stelle einbinden usw.

die möglichkeit des switchens ist mit der neuen version verschwunden, aber die alten einstellungen sind noch da. wer also ein altes public tag hat, der kann damit arbeiten, weil es auch einen öffentlichen feed für dieses tag gibt.

(1) man selbst muss also alle artikel, die man sharen will, mit dem entsprechenden tag taggen (am ende des artikels auf ‘Edit tags’ klicken).

(2) die am gesharten interessierten müssen den feed zu dem tag im GR abonnieren. das prinzip für die URL zum feed ist:

http://www.google.com/reader/public/atom/user%2F{googlereaderid}%2Flabel%2F{tagname}

tagname ist klar und variiert offensichtlicherweise von fall zu fall. die googlereaderid ist eine 20stellige (oder so) zahl die einem google zugewiesen hat. wenn man sie nicht kennt kann man sie u.a. ermitteln, indem man wie hier beschrieben im GR ein bundle erzeugt, unter 5. fertig steht dann auch die eigene id.

wenn man das ganze dann noch durch feedburner jagt, dann kommt in etwa raus:

http://feeds.feedburner.com/hackr-refeed

(funktioniert übrigens noch immer)


Reader Minus

01.11.2011

der neu google reader

devoha: der neue google reader ist da, siehe, siehe auch, und hat glaub ich alle befürchtungen erfüllt (das neue infantile google design; sharing ist tatsächlich bis auf google+ weg, auch shared items reblogs usw; die grundfunktionalität ist ansonsten noch da)

(die traurige nachricht dabei ist leider, dass man google nicht länger eine funktionierende urteilskraft unterstellen kann, vielmehr kann man ihnen fortan alles zutrauen. die gesamte dontdoevil-narration ist natürlich so viel wert wie klopapier, wenn sie sich mit facebook – und also das erste mal mit einem echten herausforderer – konfrontiert in einen moron verwandeln, der seine infomonopolistischen marktmacht ohne rücksicht auf verluste (auf seiten der user, wohin sollen sie den gehen, muhaha) ausnützt, um dem eigenen hoffnungsträger g+ ein gewisses momentum zu verleihen; wobei sie das alleine natürlich nicht evil macht, aber – wie diplix schön sagt – billig, schlampig und doof. dass die gesamte logik der ströme im GR und auf G+ völlig verschieden und im grunde völlig inkompatibel ist, ist wurscht, wir brauchen ein pluswachstum in unserem quartalsbericht; bin gespannt, wie sich G+ neu ausdifferenzieren wird, vl. tut es ihm gar nicht schlecht (oder nicht nur schlecht, die spannungen der verschiedenen dispositionen sind ja vorprogrammiert), bis dato war es ja eher sinnlos, nur wird es sicher nicht in die richtung gehen, die google dabei vorschwebt.)

thema: GR und die verlust der urteilskraft von google


Phänomen und Logik der Kreise

18.08.2011

weitere minianmerkung zu google+, genauer gesagt ein viertes (siehe im namen des kreises und der kreis der gesellschaft und archäologie des kreises) bauchgefühl:

k) wenn ich mir so anschaue, wer mir folgt, dann hat google+ im grunde schon verschissen, weil der soziale graph nicht irgendwie organisch wächst, sondern jenseits von gut und böse wuchert. (mir kann ja gerne jeder folgen, und auch leute, die ich nicht kenne, aber in den meisten fällen kann ich dann doch so gar keine schnittmenge zu meinen interessen erkennen, was ich dann doch eher darauf zurückführe, dass denen selbst nicht so recht klar ist, warum sie mir folgen, i.g.s. verhalten sie sich wie refollow-spambots, allerdings ohne das zu sein, auf alle fälle sehr merkwürdig und auf keinen fall besonders gedeihlich für das zarte pflänzchen der sozialen beziehungen und das hat sich google mit der klarnamenspflicht dann wohl nicht gedacht etc.)

aber immerhin ist es ganz lustig, den quadranten des amerikanischen philosophen donald rumsfeld sozial zu paraphrasieren; there are known knowns, there are things we know we know (aka facebook, freunde die sich kennen); and there are known unknowns (aka twitter, unbekannte leute die wir aber kennen); but there are also unknown unknowns (aka google+). wenn man will ergänzt subjot den quadranten, als unknown knowns (unbekannte, deren output jedoch sofort vertraut wirkt.)

thema: g+ mit donald rumsfeld gelesen


Archäologie des Kreises

03.08.2011

weitere minianmerkung zu google+, genauer gesagt ein drittes (siehe im namen des kreises und der kreis der gesellschaft) bauchgefühl:

h) man spürt an allen ecken, dass eines fehlt, nämlich eine reifungsphase, während derer sich der dienst ausdifferenziert (funktionen durch die benutzer abgeklopft, besetzt und reinterpretiert werden, entwicklung einer grundkultur mit geteilten werten was gutes verhalten ist, vor allem natürlich etablierung des sozialen objektes). effekt ist ein viel zu schnell aufgeblasenes gebilde, das auf kulturell viel zu dünnen beinchen steht.

i) unter anderem kommt es deshalb viel zu früh zu einer goldgräberstimmung (verteilung der pfründe) und zu autoreferentiellen praktiken der popularitätssteigerung. am besten sieht man das an der art der tools, die sich rund um google+ entwickelt haben:

follower charts und directories (socialstatistics, plusalyzer, gpluscharts, circlecount, group.as, findpeopleonplus, recommendedusers)

get more followers und andere follower management tools (plusmeads, googleminus)

profileurl shortener, teilweise mit analytics (plusya, iplus.im, gplusid, goplus, plus.ly, topl.us, gplus.to, usw.)

crossposting tools (googleplustotwitter, gplussync, tweetmyplus, syyn.cc, plusto)

add me widgets (widgetsplus, google+ wordpress widget)

- nette/experimentelle/verspielte tools, wie es sie in der anfangszeit von den meisten anderen später dann populären plattformen gab, sucht man vergeblich (es sei dazugesagt, dass das teilweise am fehlen der API liegen kann; kennt man die ID kann man anscheinend ohne API am leichtesten die anzahl der followers scrapen).

j) gleichzeitig haben sie es geschafft, mit google+ nach google wave die zweite wirklich postmoderne webanwendung zu entwickeln. aber während google wave die logik des postmodernismus auf der technologischen ebene verankerte (siehe dazu wave runner), so bringt google+ die logik des postmodernismus quasi an die oberfläche des sozialen selbst (das verhalten basiert nicht auf einer auflösung eines modernistisch/traumatischen kerns, sondern ist ein selbstzitat von einem anderen dienst – twitter, facebook, tumblr, heise kommentarthread – und die aggregierte summe ein patchwork ohne dahinter usw.)

thema: g+ und postmodernismus


Der Kreis der Gesellschaft

10.07.2011

weitere minianmerkung zu google+, genauer gesagt ein zweites (siehe) bauchgefühl:

d) das soziale design der kreise ist zwar patschert, hat aber den funken einer nicht uninteressanten phantastischen qualität (im sinne von todorov/polanski als riss in der realität / unsicherheit, ob man selbst oder die welt verrückt ist, man denke an repulsion, rosemary’s baby, usw.). was man sieht ist zwar für einen selbst selbstevident, korrespondiert aber mit keiner intersubjektiv teilbaren realität.

e) die facebooksche symmetrie der beziehungen ist sinnvoller, als ich vermutet hätte; ein kreis ‘freunde’ funktioniert nur dann, wenn mir die inkludierten zumindest auch folgen und idealerweise die zuordnung teilen. gerade bei den kreisarten, bei denen google gegenüber facebook punkten will, ist die reziprozität fast notwendig (und die nichtverifizierbarkeit von solchen i/o-circles fast ein dealbreaker).

f) für funktionale kreise hingegen ist die asymmetrie ein vorteil, allerdings muss man selbst die kreise mindestens in input-circles und output-circles trennen und also doppelt gemoppelt organisieren; was dann aber noch immer fehlt, wäre die möglichkeit beliebige o-c’s von anderen mit beliebigen eigenen i-c’s zu pipen.

g) überhaupt natürlich filter, und was ich mir hier wünschen würde (und was die sache wirklich gut machen würde) wäre die möglichkeit, sich selbst nach einem regelwerk die eigenen filter ‘programmieren’ zu können. das braucht nicht mehr als ein editor zu sein, mit dem man zu erfüllende kriterien UND verknüpfen und daran eine aktion binden kann. (aber absolut notwendig jedenfalls ist die möglichkeit bestimmte circles aus dem hauptstrom zu verbannen.) hier könnte sich google wirklich mal ausgeeken ohne es für die dummies zu komplizieren, wenn es allgemeintaugliche presets gibt.

thema: g+ und das phantastische


Im Namen des Kreises

05.07.2011

facebooker verhalten sich auf google+ sofort facebookesk (abt. google)Fri Jul 01 via web Favorite Retweet Reply

(nts: mich öfter selbst zitieren)

minianmerkung zu google+, genauer gesagt ein erstes bauchgefühl, weil ich mich damit noch nicht besonders lange herumgespielt habe, aber ich bin glaub ich nicht ganz so begeistert, wie einige andere, und here is why:

a) das soziale design ist ein bisschen patschert. auch wenn das verfolgen i.g.z. facebook asymmetrisch und also sehr webby ist (siehe asymmetric core), man also anderen folgen kann ohne dass sie zurückfolgen müssen etc., so ist diese asymmetrie i.g.z. twitter nicht nur asymmetrisch auf dieser ebene des verfolgens/empfangens, sondern auch asymmetrisch auf der ebene des sendens. und damit ist es vl. ein bisschen zu viel des guten, weil der raum ‘unvertraut’ definiert wird. der sender bläst die nachricht in einen trichter, den er für ein bündel von adressierten eingerichtet hat, und die empfänger bekommen die nachricht durch einen u.u. ganz anderen trichter, den sie für ein bündel von adressierern eingerichtet haben, aber zwischen sender und empfänger kommt es zu keiner kommunikativen verständigung über die art dieser trichter, zu keinem abgleich der erwartungshaltungen an diesen trichter usw. missverständnisse scheinen mir da vorprogrammiert.

(im grossen und ganzen haben sie sich an paul adams’ real life orientiert, ohne das aber im design abzubilden; der name des kreises ist geblieben, aber nicht die reziprozität des kreises im echten leben)

b) es fehlt mir (zumindest derzeit noch) die carlness, also der grund, warum es das eigentlich gibt (ausser dass google auch was mit social machen will), die wesenheit von google+, die das sharen auf eine spezifische und eigene art strukturiert (und die man auf allen populären plattformen spüren kann; der fehler von google war schon immer zu glauben, dass es ein sharen an sich gibt, während sich das sharen immer in dialektik mit dem jeweiligen ökosystem ausdifferenziert, man denke an facebook, twitter, tumblr, dem alten myspace usw.). mein strom kommt mir eher schizoid vor, in dem sinne, dass die meisten eine von einem anderen dienst bekannte praktik wiederholen, sich jeder dabei aber einen anderen dienst ausgesucht hat, viele facebook.

c) das ist zwar nicht besonders sozial, aber ich hasse das geschnatter von leuten, die ich nicht kenne, das aber in meinen strom gespült wird und das teilweise die idiosynkratischen nettigkeiten zum unangenehmen hin verstärkt. ich liebe den katzencontent von leuten, denen ich folge, aber ich kann auf die adhoc chats darüber verzichten. und es gibt keinen weg, das zu filtern.

ansonsten gibt es viele kleinigkeiten, siehe das piratepad von @chl, aber unterm strich ist es doch sehr super.

thema: g+ und seine carlness


Das Des Disrupt

27.05.2011

(nts: mich öfter selbst zitieren)

(der serie halber … irgendwie war diese ausgabe der tcdisrupt fast noch schwächer als die letzte, siehe click click interrupt, das interessanteste dabei war vielleicht, dass in diesem jahr überhaupt kein leitthema übergeblieben ist, während es davor immer zumindest eines gab, an dem sich eine signifikante anzahl orientierte – 2010 game mechanics, 2009 echtzeit, usw. – aber die elemente wurden nicht zumindest auf selbstverständliche weise smart absorbiert, sondern sind gwm. einfach verschwunden, und die einzige verbliebene selbstverständlichkeit ist, dass man sich in den existierenden social graph aus facebook, twitter und foursquare einnisten muss. es gab natürlich auch ein paar nicht ganz blöde ideen (do@ denkt mobile suche neu an, billguard mappt woc auf kreditkartenmicrobetrug, die sieger getaround hatten mit dem ich leih mir via iphone ein auto aus neben der idee (p2p carsharing) auch ein haptisches wow erlebnis, siehe auch hackr.tv), aber von gewagter idee ansonsten keine spur, und wenn man bedenkt, dass das die 30 vielversprechendsten startups aus 1000+ bewerbungen waren, dann muss man sich doch über die derzeitige gesamtkonstellation wundern)

thema: im westen nix neues


ReQuoting pt. 65 (The Politicized At Any Given Moment Edition)

09.03.2011

The North African revolutions and remind us that citizens aren’t so much political or apolitical as they are politicized or unpoliticized at any given moment;

Shirky via Techdirt.

(dieser gedanke, ggf. mit dem mitdenken der vorhandenen technosozialen mittel und des mileus, würde dann auch den grossteil der teils doch sehr skurrilen verwunderung ob des plötzlichen auftauchens der proguttenbergers entwundern; die meisten beiträge haben sich leider in hierarchischen oder kausalbeziehungen verwurstelt, was den intensitäten, aufladungen und umschichtungen in keinster weise entsprach)

thema: intensitäten, aufladungen und umschichtungen


Jenseits von Gutt und Böse

04.03.2011

plagiatszeilen
(vis4)

noch eine minianmerkung zum guttenbergschen doktorarbeitsmashup (siehe) : ich hab mich lange gefragt, warum die causa guttenberg sooo einen nerv getroffen hat. ich mein, es ist ja nicht so, dass dabei ein grundsätzlich neues sentiment gegenüber der gattung politiker entdeckt wurde. die ganzen (zuerst rein charakterlichen, dann auch fachlichen) bewertungen seiner person waren ja weniger skandal über etwas undenkbares, sondern eher das anforderungsprofil eines postmodernen profipolitikers. (in diesem sinne verhalten sich die 80% der bild-leser deutlich kontemporärer als die restlichen 20%, die noch deuten wollen, werte suchen, sanktionen fordern, usw. die wertediskussion etwa musste an den bild-lesern abprallen, weil sie intuitiv wissen, dass es sich ohnehin nur um wertesimulationen handelt, dass es unter der oberfläche keinen aufzudeckenden dreck gibt, sondern eben rein gar nichts.) ich glaube das entscheidende an der geschichte war die unfassbarkeit der doktorarbeit selbst. ich hab mir gestern wieder einmal die vögel angeschaut, und das doktorarbeitsmashup steht den vögeln wenig nach und komprimiert die sache noch zu einem einzigen ding. beide reflektieren (pseudolacanisch gesagt) das eindringen des ausgeschlossenen realen in die symbolische ordnung, im fall vögel als eindringen eines exzessiven sexuellen begehrens in form eines schwarms, im fall mashup als eindringen eines exzessiven postpolitischen begehrens in form einer verdichtung. mit dem doktorarbeitsmashup bekamen wir gwm. die materialisierung einer gesamten politikgeschichtlichen epoche in die hand gelegt.

thema: was man von hitchcock über guttenberg lernen kann


ByeBlogLog

24.02.2011

a yahoo company

Yahoo bereitet dem Dahinsiechen von MyBlogLog ein Ende (und kann sich nun tatsächlich endgültig die eselsmütze für den totalvermassler von chancen aufsetzen; yahoo war bei allen sozialen dingen google immer zwei jahre voraus, hatte auch ein gutes händchen bei akquisitionen (delcious, flickr, eben auch mybloglog), hatte einige gute ansätze (yahoo open strategy, fireeagle), hätte auch mit mehreren hundert millionen usern eine solide basis für alle interventionen gehabt und setzt plan- und ziellos ein ding nach dem anderen in den sand; das momentum war aus mybloglog natürlich schon seit jahren raus, aber mybloglog hätte mit etwas pflege das einzigartige potential für ein dezentrales soziales netzwerk aus blogs und also eine veritable zumindest komplementierende alternative zu facebook gehabt)

thema: die verschwendete jugend von mybloglog


Am Ende der Guttenberg Galaxis

18.02.2011

minianmerkung zur diskussion über das vermutliche guttenbergsche doktorarbeitsmashup, die vor zwei tagen in der sueddeutschen ihren ausgang nahm: ich glaub das ist das schönste beispiel für die sich durch das internet verschiebenden zeitachsen, das wir bisher miterleben durften. während sich auf der einen achse quasi in echtzeit ein kommunikationsstrom formierte, der u.a. auch eine art schnitzeljagd auf attributionslos übernommene passagen organisierte und als wiki dokumentierte, hinkten die informationsströme, auf die sich politiker normalerweise als handlungsbedarfsrelevant verlassen können – also wasauchimmersieverwenden und massenmedien – so weit hinterher, dass es zu solchen stellungnahmen wie jener von guttenberg heute morgen kommen kann, die nur unter der grundannahme eines völligen nochnichtwissens aller anderen abgegeben werden kann. nur stimmt diese grundannahme eben nicht mehr, weil es eine zeitachse gibt, die in diesem fall etwa 12 stunden vor der politischen läuft und aus deren sicht seine stellungnahme ganz einfach offensichtliche falschbehauptungen enthält. (sinnvoll erscheint sein statement tatsächlich nur, wenn er auch selbst noch keine ahnung vom ausmass hatte, wenn er also von den zwei bis drei ursprünglich kolportierten auszügen aus der einen und anderen tageszeitung ausging, aus denen man sich auch mal rausentschuldigen kann, aber es handelt sich ja um dutzende und teilweise proaktiv leicht angepasste passagen). vom konkreten fall abgesehen sieht man aber, wie sich die informationschronologische hegemonie des politisch-medialen komplexes aufgelöst hat. bis dato konnten sich politiker sicher sein, spätestens mit allen anderen zu erfahren, was die masse wissen kann; sie konnten ihre statements also dementsprechend anpassen. jetzt wissen sie noch nicht einmal, dass sich (ab und an, da muss einiges zusammenkommen) zumindest teilmassen formieren können, die ihnen quasi aus der zukunft zuschauen können.

thema: was man von guttenberg über zeitlichkeiten lernen kann


Q: Warum ist live.hackr so langweilig?

25.01.2011

A: Weiss nicht genau, aber Marcel hat mit seinem Kommentar nicht ganz unrecht, ich sempere in letzter Zeit ganz schön herum, und während das Jammern natürlich ein Grundbedürfnis ist, so ist es doch bedenkenswert, wenn einen nicht nur das Gejammere der anderen nervt, das nervt natürlich immer und man erträgt es ja nur, weil man sonst auch den moralischen Anspruch auf sein eigenes Gejammer verliert, sondern wenn einen auch das eigene Herumjammern nervt, weil man sich dann nicht nur über das eigene Gejammere ärgert, sondern sich auch noch darüber, dass man sich darüber ärgern muss, metaärgert, usw. Ein guter Hinweis zum was da falsch läuft kommt von echovar mit seinem Übergang vom Schlaraffenland zur Unendlichkeit, den das Web gegangen ist, den ich mit meinen Rezeptions-, Denk-, Emphase-, etc.- Routinen nicht mitgegangen bin, was zunehmend zu diversen kognitiven Overheads führt etc.

thema: über den übergang vom schlaraffenland zur unendlichkeit


Q: Warum ist Groupon so langweilig?

21.01.2011

A: Weiss nicht genau, aber es liegt wohl daran, dass der Deal wahrscheinlich an sich das konzeptionell langweiligste soziale Objekt überhaupt ist. Die Schönheit des frühen Groupons lag ja gerade im Herauskitzeln einer guten Idee, in der Reverpackung des Deals innerhalb einer netten Erzählung, in der Aufwertung eines schnöden Dings durch Zirkulation in einem sozialen Gefüge. Aber mein Problem mit Groupon ist dann noch gar nicht die Transformation von sich selbst in eine – dann weniger gut (aber immer noch ganz gut) erzählte, weniger (aber immer noch) aufwertende – universelle Plattform für lokale (oder auch nicht) Deals, mein Problem ist (eigentlich ähnlich wie bei facebook), dass das überhaupt sein kann, dass sowas wie Groupon im Jahr 007 nach Web 2.0 nicht nur noch existieren, sondern sich auch noch fast als Leitmotiv für alle anderen formieren kann. Vergiss die haque’sche Dreifaltigkeit aus Märkten, Communities und Netzwerken und die möglichen Effekte (Interpenetration auf den verschiedensten Feldern, Ausdifferenzierung entlang der verschiedensten Achsen, etc.) – 50% off und gut ist’s. Aber Deals machen die Märkte nicht schlauer oder besser, wenn überhaupt machen sie sie dümmer; und Deals machen die Konsumenten nicht schlauer oder besser informiert, wenn überhaupt, dann bringen sie Leute dazu, mehr Crap zu kaufen, den sie eigentlich nicht brauchen (wahrscheinlich werden Dauerschnäppchenjäger mittelfristig sogar unglücklicher, weil sich der Gebrauchswert auflöst und der Dealwert ja verpufft, sehr hobbypsychologisch vermutet); und Deals stellen natürlich die anbietenden Shops oder Dienstleister nicht besser, und auch wenn es vl. betriebswirtschaftlich betrachtet in einigen Situationen sinnvoll erscheinen kann, 75 cent pro euro zu verschenken, als gar nichts zu machen, siehe etwa, so vergessen diesen Überlegungen ja, was man im Webzeitalter alternativ nicht alles machen könnte, also die strategischen Opportunitätskosten. Gleichzeitig macht das Groupon zu einem schönen Detektor für Bereiche, für die noch eine Lösung gefunden werden muss/kann.

thema: die inhärenten probleme von groupon


Magischer Realismus

13.01.2011

hmm, diese Radiergummidiskussion ist an mir irgendwie vorbeigerauscht, ich bin immer noch am Postprozessieren von 2 Wochen offline, was dann selbst zwei Wochen dauert also eigentlich ein wash ist, aber zum Glück bin ich doch noch drüber gestolpert, zum Glück deshalb, weil die Sache so seltsam/schräg ist, dass der Versuch der Emphase, wie man grundsätzlich jemals überhaupt auf so etwas (zaubertinte, die nach zwei jahren unsichtbar wird, das wird der exportschlager, ich schwöre) kommen kann, doch spannend ist.

Auf sachlicher Ebene gibt’s natürlich keine Nachvollziehbarkeit; wer weiss, wie man einen Screenshot macht oder wie man Textstellen kopiert, oder wer auch nur weiss, dass es grundsätzlich jedem möglich ist, Screenshots zu machen oder Textstellen zu kopieren, und das weiss wohl wirklich jeder, der weiss gleichzeitig, dass der Radiergummi eine reine Augenauswischerei ist und kein ernstgemeinter Vorschlag sein kann.

Aber wenn man sich anschaut, welche strukturfunktionalen Aufgaben Verbraucherschutz und Datenschutz – die zwei primären Protagonisten in den ganzen Diskussionen – haben, dann wird der Radiergummi plötzlich plausibel, und mit dem Radiergummi auch die ganzen anderen Debatten wie Street View, Stopschilder, Jugendmedienschutz, sehe-ich-mich-gezwungen, etc.

VS/DS sind politische Entitäten, die nach politischen Regeln spielen. Es ist nicht ihre Aufgabe Probleme pragmatisch zu lösen, sondern (im vorgeschobenen Auftrag der ‘Verbraucher’ oder ‘Benutzer’) Forderungen zu stellen, die in anschliessenden Verhandlungen mit den Forderungen anderer Parteien (üblicherweise diverser wirtschaftlicher Interessensgruppen) so lange aufgeweicht werden, bis man bei einem Kompromiss und/oder einer Regelung landet.

Man muss jetzt nicht besonders zynisch sein, um zu diagnostizieren, dass VS/DS kleine Würstchen sind, sobald ihre Anliegen mit konkreten wirtschaftlichen oder politischen Interessen kollidieren. Beispiel Verbraucherschutz: Die Machenschaften der Lebensmittelkonzerne werden (wenn es nicht gerade einen Giftskandal gibt) weitestgehend toleriert, bei allem, was man machen könnte, um die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern, beschränken sich die Forderungen auf die Font-Grösse, mit der der Grundpreis von Lebensmitteln pro 100g ausgezeichnet werden muss und ähnlichem. Beispiele Datenschutz: Der ist natürlich sakrosankt, ausser Verlage wollen mit Adressen handeln, dann bekommen sie ein Listenprivileg; ausser es geht um die Terrorbekämpfung, da braucht die US-Regierung natürlich Zugriff auf die Bankdaten; etc.

Die (vor allem: Selbst-) Bewertung der Protagonisten (Aigner beim Verbraucherschutz, Schaar beim Datenschutz) kann deshalb nicht durch Bewertung ihrer Aktionen in Relation zum tatsächlichen Erreichen gesellschaftlich wünschenswerter Ergebnisse erfolgen, sondern kann nur am Anteil / dem Batting Average der Durchsetzung der gestellten Forderungen (egal wie sinnvoll oder sinnlos sie sind) gemessen werden. Es ist also durchaus rational, möglichst viele möglichst sinnlose Forderungen zu stellen, besonders in Bereichen, in denen kaum organisierter Widerstand zu erwarten ist (gut für den Durchschnitt), oder wenn es sich um einen bekannten Gegner wie Google handelt (gut für den Ruhm).

Wir dürfen also mit mehr und mehr solcher Ideen rechnen, was die zweite gesellschaftliche Funktion von VS/DS erklärt: Die Forderungen entsprechen den automagisch getriggerten Zwangshandlungen von Neurotikern, mit denen sich die Gesellschaft quasi selbst versichern will, dass alles so bleibt, wie es nicht mehr ist.

Auf der anderen Seite sind so ziemlich alle (webbezogenen) Forderungen von VS/DS auch völlig egal; bzgl. der Selbstverantwortung kann (und sollte) man auf sich selbst viel besser schauen (und das meine ich nicht als ‘jeder soll selbst schauen wo er bleibt’); andererseits sind auch die tatsächlichen Auswirkungen von grösseren Dingen wie Street View ein Monat später abgehakt und unspürbar, die verpixelten Bilder selbst haben gerade mal noch eine anthropologische/touristische Qualität; und auch an die immer wieder vorgetragene Erzählung ‘das alles macht deutsche / europäische Startups wettbewerbsunfähig’ glaub ich nicht, deutsche Startups verhalten sich zu US-Startups wie Welke mit der heute-show zu Stewart mit der Daily Show, wie DSDS zu American Idol, etc; es kann durchaus die eine oder andere Leuchte geben, aber das Grundniveau ist um einige Klassen niedriger und es entstehen also ganz grundsätzlich nicht die Szenen und Wettbewerbsbedingungen, die systematisch Weltniveau erzeugen. Die Gefahr von VS/DS besteht also nicht so sehr in besonders schlimmen persönlichen Nachteilen, die Gefahr besteht eher in der schleichenden digitalen Emigration der einen – die es sich leisten können, denen das Internet wichtig ist – und der Provinzialisierung des Rests.

(auch 2012 gelesen noch immer eine gute analyse)


Q: Warum ist Quora so langweilig?

10.01.2011

A: Weiss nicht genau, aber irgendwas an Quora löst bei mir fast einen narkoleptischen Reflex aus. Dabei finde ich einige Aspekte durchaus spannend (etwa die möglichkeit zum beobachten der herde und sich selbst als teil der herde, oder die grundsätzliche möglichkeit für startups, distinktionsgewinne auch noch auf der abgekautesten weide erzielen zu können, einfach indem man zur richtigen zeit die richtige ebene ein richtiges stückchen verschiebt, usw.), aber so vom Vibe her kommt es mir so vor, dass Fragen eher gestellt werden, um elegant beantwortet werden zu können und um dann kollektiv über sich selbst gerührt zu sein, als um eine Antwort auf ein echtes Problem zu bekommen. Ich bin da vl. ein bisschen hysterisch, Fragen empfinde ich grundsätzlich schnell als Zumutung, vor allem wenn sie im falschen Raum/Situation/Kontext/etc. gestellt werden, aber bei Quora vermisse ich trotz der tatsächlichen Qualität vieler Threads und trotz bzw. vl. gerade wegen der Qualität der Antwortenden (omg, stelle eine frage über ein startup und der gründer selbst klärt das auf, omfg, frage irgendwas über finanzierung im valley und die ganze riege der hippen vcs stellt sich ein und gibt ihren senf zum besten) die (systemisch oder kulturell eingebaute) Fähigkeit, dumme Fragen erkennen und entsprechend behandeln zu können. Wenn man will hat Quora ein Luxusproblem: während sich andere Seiten mit blöden Antworten rumschlagen müssen, muss sich Quora mit guten Antworten auf bzgl. der Sinnhafigkeit unentscheidbaren Fragen rumschlagen; das muss aber mittelfristig kein Vorteil sein, weil sich eine Community eher entlang eben dieser Achse der jeweiligen Entscheidung was eine gute und was eine dumme Frage ist ausdiffernzieren kann, siehe etwa das Paradebeispiel Ask MetaFilter, aber eben auch Yahoo Answers usw.

thema: die inhärenten probleme von quora


Flavor of the Day

05.01.2011

RSS is quiet and fast and professional and largely hype-free. Perhaps that’s why it’s not the flavor of the day.

Seth Godin … zum gerade wieder keimenden rss ist tot, nein doch nicht kammerspiel.

(kl. datenpunkt am rande: techcrunch hat vor kurzem das momb verlinkt und der ausgelöste traffic hat sich mehr oder weniger paritätisch zwischen tc.com und google.com/reader verteilt, und das sagt zwar nichts über die gesamte leserschaft von tc aus und wie sie es liest (ich vermute doch stark, dass tc wesentlich mehr besucher und streunende leser auf der webseite als im gr hat), aber es sagt etwas über die sich auch aus tc raus- und weiterklickende leserschaft von tc aus, und zwar, dass diese tc zur hälfte im google reader liest; nochmal: jeder 2te proaktiv klickbegierdige leser von tc liest es im google reader. tc sieht das nicht in ihren stats, weil die nur das reinkommende messen, aber die hälfte ihrer strahlkraft nach aussen entsteht selbst aussen und zwar via rss.)

((bonuszitat meiner mutter:

für die einfach gestrickten ist immer nur das allerneueste fortschrittlich.

damit erklärt sich nicht nur die unsägliche rss-ist-tot trope, sondern auch das wer-bookmarked-denn-heute-noch? gedöns und vieles andere; feeds abonnieren und lesen bzw. (auch anti-) soziales bookmarking sind auf ihre art perfekte technologien, die aber ihren wert nur durch jeweils konkrete individuelle aktualisierungen erzeugen und erfahrbar machen; dieser dem jeweiligen individuum unmittelbar zugängliche weil eben selbsterzeugte wert ist halt im sensorium der socmed-crowd nicht wahrnehmbar, und irgendwie scheint es auch unter den (immer noch) aktiven selbst zu periodischen sinnkrisen und selbstzweifeln zu kommen, ist der strom nicht am ende doch viel besser/intensiver/weiter/etc.? aber zumindest den längenvergleichsbasierten krisen könnte man mit einer milchmädchenrechnung zum grundsätzlichen marktanteils begegnen, etwa (quantitativ): es gibt halt 100x mehr leute, die kurze nachrichten für freunde schreiben (twitter/fb), als leute, die längere texte für fremde schreiben (blogs); oder (qualitativ): ein link, das man nach dem durchprozessieren von 500 anderen links als speicherungswert für die eigene ewigkeit und also primär für sich selbst auserkiest (delicious), hat eine andere qualität und haltbarkeit (vor allem für einen selbst) als ein link, das im vorbeifahren und/oder während dem vorprozessieren mal schnell und aus den verschiedensten motivationen getwittert wird; bzw. das quantitiv umgeschrieben: es gibt halt viel mehr zeugs, in dem man suchen kann, als was man finden kann, uswusf.))

für die einfach gestrickten ist immer nur das allerneueste fortschrittlich.