Reader--

  • Moral Hazard
    Dieser Moment der kurzen Verstörung zeigt eines sehr schön: dass Google mit der Vernichtung des Readers auch die moralische Autorität verloren hat, sich künftig über solche Dinge zu äussern
  • Made in America (The Google Reader)
    das serienende vom GR
  • Gemeingefährlich
    was ist mit dem ende des readers wirklich kaputt gegangen?
  • Shoemail
    hab aus psychohygienischen gründen bei allen google diensten mit custom background einen schuh als hintegrundbild genommen. hat übrigens geholfen.
  • Abfall für Alle (Reader Edition)
    ich frage mich gerade, warum die - ich sag mal - erregung über das kommende aus vom google reader primär aus rezipientensicht betrieben wurde
  • The Night of the Living Feeds Revisited
    aus gegebenem anlass muss ich fast ein posting aus 2010 ausgraben: The Night of the Living Feeds
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  • Döödel
    Google will also den Google Reader killen.

  • Moral Hazard

    03.04.2013

    rt @google

    Blogs, open feeds, readers help people connect and share dots, learn, get inspired and stay current.

    hmm, oops, ne da stimmt was nicht, das stammt ja nicht von Google sondern aus dem Blog von Feedly . Aber ich glaube dieser Moment der kurzen Verstörung zeigt eines sehr schön: dass Google mit der Vernichtung des Readers neben vieeeelen anderen negativen Effekten auch die moralische Autorität verloren hat, sich künftig über solche Dinge zu äussern und sich den Heiligenschein aufzusetzen, ohne sich dabei lächerlich zu machen.

    Das Absurde daran: sie waren de facto die einzigen, die im Komplex RSS (und also auch in den damit assoziierten konnotationshöfen offenheit, freiheit, fluss von informationen, etc.) diese moralische Autorität hatten; nicht weil sie jemals besonders viel für RSS getan hätten, aber weil sie mit dem Reader die für den Menschen wahrnehmbare Schnittstelle kontrollierten. Einfach. So. Weggeschmissen.

    Und das steckt natürlich an, das lässt sich nicht auf den (für Google) Störfaktor RSS begrenzen. Die moralische Autorität bröckelt dann ganz automatisch auch bei so Dingen wie Google Books, Google News, usw, egal ob dort dann berechtigt oder nicht.

    aus der serie: Reader—


    Made in America (The Google Reader)

    01.04.2013

    made in america, the end google reader

    ^ das serienende vom GR

    (video leider wegen don’t stop believing von der gema gesperrt, grrr, und die subtile, vl. sogar sublime qualität kommt im drehbuch leider nicht ganz rüber, aber die idee war, über den soundtrack der letzten szene der sopranos einen screencast der benutzung vom google reader zu legen, der dann, wie bei den sopranos, auch plötzlich schwarz und tonlos wird)

    aus der serie: Reader—


    Gemeingefährlich

    22.03.2013

    ach google. aber eine frage bleibt beim google reader desaster:

    was ist wirklich kaputt gegangen?

    die offizielle antwort heisst natürlich ‘das vertrauen, das vertrauen ist kaputt gegangen!’ usw. aber ich glaube, es ist etwas anderes. google hat – wie viele andere auch – bereits viel zu viele andere dienste gekillt, ohne dass wir kollektiv dieses gefühl der irritation mit google hatten. insgesamt haben wir uns mittlerweile wohl an den umstand gewöhnt, dass wir auf jedem webdienst zu jedem zeitpunkt nach reiner willkür rausgeschmissen werden können, unsere sachen packen und weiterziehen müssen, siehe dazu die überlegungen zum favela chic von bruce sterling oder auch auch postpreposterous. und im vergleich zu vielen anderen schliessungen ist das ende vom google reader ja tatsächlich kein datentechnisches problem bei dem wir jahre an arbeit und inhalten verlieren, wir exportieren einfach unser opml-file und importieren es woanders und gut ists.

    was, glaub ich, kaputt gegangen ist, ist die möglichkeit an eine ethik von google zu glauben. daran zu glauben, dass google einer der ‘guten’ und keiner der gemeinen (wie facebook, microsoft, apple und twitter) ist. google hat ethisch begonnen und diese ethik war tatsächlich die bedingung der möglichkeit für ihren erfolg (alle megalosaurischen portale wollten nur eines: die eyeballs der besucher auf dem eigenen property behalten und melken; google hat in einem paradigmenwechsel die suchenden zur besten externen seite weggeschickt; noch heute ist es etwa für verlage einfach ein ding der undenkbarkeit, für die leser das beste zu tun, deshalb sind sie ja in einem zustand der dauerirritation durch google). und bei allem was danach kam war es bis zu diesem zeitpunkt immer möglich, die von google gemachten fehler, flops, facepalms und fails einfach auf dummheit oder profane unfähigkeit zurückzuführen. google ist halt ein sozialer doofus, eine geschmackstechnische dumpfbacke, hat halt einen facebook-komplex, der gelegentlich irrationale und erratisch reaktionen triggert, hat kein sensorium für soziale objekte, usw., schwamm drüber (für eine lange kritik aus diesem blickwinkel siehe googleheimer). auch wenn google seit einigen jahren vl. nicht länger als ‘subject supposed to know’ betrachtet werden konnte, es blieb das einzige megaunternehmen, bei dem man nicht vom bösen (im sinne von: spieltheoretisch versierte buchhalter, deren ziel das gewinnen und akkumulieren von wert ist, was natürlich trotzdem tollste produkte und viel wert für alle erzeugen kann, bestes beispiel apple) ausgehen musste.

    diese möglichkeit zu glauben hat uns google mit der vernichtung des google readers nun genommen. und zwar deshalb, weil es keine andere mögliche erklärung als vorsätzliche und rücksichtslose bösartigkeit gibt, die die interessen der benutzer unter irgendwelche fünfjahrespläne+ stellt. viele dinge lassen sich durch umstände erklären oder zumindest relativieren, aber in diesem fall ist der einzige umstand, dass sie auf geschätzte 5-10 millionen benutzer schlicht und einfach scheissen, weil das in ihren büchern eine fussnote ist und weil das einer anderen agenda ((a) – wir bauen mit g+ unser eigenes schwarzes loch, (b) – für den rest sind eyeballs für raufpappbare werbung doch nicht schlecht, gelesenes muss wieder page impression werden, da ist noch einiges drin) entgegenläuft, auch wenn es die allerengsten benutzer mit der allergrössten bindung sind, was google natürlich weiss. ein an sich durchaus kleines ereignis hat also eine phantasie zerstört und eine (ich will nicht sagen mütterliche, aber viele user hingen beim reader wie am tropf) bindung einfach so aufgelöst. google hat sich gemein gemacht und sich neben allen anderen eingereiht. google ist nicht länger der imaginierte nordstern, an dem man sich ausrichten kann, sondern nur noch ein (mächtiger aber nicht besonders heller) spielstein in einem relationalen spiel (das sie selbst als nullsummenspiel spielen, obwohl es natürlich keines ist). und wir müssen das zur kenntnis nehmen und können das investment in unseren bisherigen glauben abschreiben, deshalb fühlen wir uns so beleidigt.

    (es geht natürlich nur um die möglichkeit zu glauben, innerhalb von google selbst hat sich die ursprüngliche ethik wohl schon eine weile zerfastert und zersetzt, das leitbild g+ und indirekt also facebook hat den verbliebenen rest dann ausgeräuchert)

    was die betroffenen user mit dieser säkularisierung machen, liegt jetzt dafür in ihrer hand. aber es muss nicht nur schlecht sein und neben dem zynismus (siehe nochmal postpreposterous) stehen natürlich auch andere serien (webaufklärung, postwebismus, neopragmatismus, etc.) zur verfügung.

    aus der serie: Reader—


    Shoemail

    20.03.2013

    shoemail

    ^ hab aus psychohygienischen gründen und aus gründen symbolischen zivilen ungehorsams bei allen google diensten mit custom background einen schuh als hintergrundbild genommen. hat übrigens geholfen.


    Abfall für Alle (Reader Edition)

    18.03.2013

    ich frage mich gerade, warum die – ich sag mal – erregung über das kommende aus vom google reader primär aus rezipientensicht betrieben wurde, sprich: es wurde primär darüber gejammert, dass man selbst nicht mehr so gut feeds lesen kann (und mit einem spektrum an angedachten alternativen und konsequenzen). und es wurde gejammert. gejammert haben aber eben nur die unmittelbar betroffenen benutzer des google readers.

    tatsächlich zumindest gleichviel, wenn nicht mehr grund zum jammern hätten nämlich die produzenten der feeds, besonders also die blogger, und tatsächlich alle blogger, egal ob sie selbst den google reader verwenden oder nicht. denn mit dem ende vom reader verliert jedes blog einen signifikanten teil seiner leser, einfach weil es im prozess der migration eine ganze reihe an ausschuss und abfall gibt (einige gr-nutzer werden gar nix machen, einige werden zu einem anderen feedreader wechseln und dabei ausmisten, einige werden sich im social media strom auflösen und ggf. auf twitter einen reader emulieren wo vieles rausfällt, etc.). ich schätze diesen wechselbedingten verlust an lesern auf 10-30%, das variiert aber sicher von blog zu blog.

    ich glaub nicht, dass blogs die echten freunde – btw: danke! – des blogs verlieren, die machen bei sich zur not im browser ein bookmark oder schreiben sich die url ins moleskine. aber man darf auch nicht den wert von losen leser/schreiber-koppelungen unterschätzen (gelegenheitsleser machen einen eher auf einen etwaigen bullshit aufmerksam, den man verzapft, usw.)

    die erregung sollte also durchaus auch von den produzenten – also allen bloggern – getragen werden, denn google verschlechtert einfach die infoinfrastruktur für alle. für die blogger werden die auswirkungen nicht am ersten tag nach dem ende sichtbar sein, zumal sich die leser mit dem google reader nicht in den referrern wiederfinden. der schwund wird sich aber langsam und indirekt einschleichen, das uh-oh wird dann aber umso stärker.

    aus der serie: Reader—


    The Night of the Living Feeds Revisited

    16.03.2013

    aus gegebenem anlass muss ich fast ein posting aus 2010 ausgraben: The Night of the Living Feeds (daraus die zitate unten; nts: mich öfter selbst zitieren); damals ging es um die auslaufrille rss ist tot, aber zwei angesprochene punkte wurden eben wieder relevant:

    1. interesse

    ob das (aufwändigere) lesen von feeds für einen sinnvoll ist, oder ob das dahinplätschern im social media strom nicht ausreicht, hängt vom grad des eigenen interesses an einem thema ab.

    Interessiert man sich für die die Neuigkeit der Neuigkeit an sich, dann haben Feedreader tatsächlich ausgedient. Twitter ist da einfach der wesentlich effektivere Kanal, und die vollständige Anschlusskommunikation findet auf Twitter selbst (durch wiederholung der nachricht mit eigenem senf, durch retweets) statt. Was dabei neuigkeitswertig ist, ist systemeigenrichtig (um bolz zu paraphrasieren) – ist eine Nachricht neuwertig, dann findet sie mich automagisch indem ich den Strom einschalte; was mich nicht findet, kann es per definitionem nicht sein, sonst würde es ja im neuigkeitsrelevanten Zeitfenster von [die letzten 10 min, in de die letzten 10h] auftauchen. Zur Lückenfüllung am Abend noch Techmeme und passt.

    wenn man sich ein bisschen interessiert, dann treibt man am besten im strom und fischt aus dem vorbeitreibenden heraus. das wichtigste ist da sicher dabei und sicher auch was nettes und was zufälliges, das reicht völlig aus.

    wenn man sich doch schon für etwas interessiert, dann treibt man am besten im strom und schaut vielleicht, dass man einigen menschlichen filtern folgt, die einem einige nuggets herauspicken, und checkt am abend vl. den aggregator zum thema. auch das reicht dann völlig aus.

    wenn man sich wirklich für etwas interessiert, dann fischt man natürlich auch im strom, aber dann kommt man um das lesen von einem selbstselektierten bündel an feeds nicht herum, weil man dann ja alles wissen will, weil man selbst derjenige ist, der die anderen spezialisten kennt, der für andere kuratiert, weil man die allerbesten texte tatsächlich nie im strom und schon gar nicht auf einem aggregator findet.

    (nur zur sicherheit: ob man sich bzw. wie sehr man sich für etwas interessiert ist keine leistung an sich, man interessiert sich oder man interessiert sich nicht, das ist halt so. aber der grad des interesses korrespondiert idealerweise mit der den techniken des rezipierens. und wer sagt, dass er keine feeds braucht, weil ihn twitter ausreichend informiert, der sagt damit halt auch, dass er sich nicht sehr für das thema interessiert)

    ^ ((diese klammer als satzzeichen wurscht lesen. wurscht auf, wurscht zu, alles dazwischen ist wurscht))

    2. nihilismus des schwarms

    das strömen in tweets und das lesen von feeds führt zu verschiedenen strukturen:

    Die erste Disposition führt als Organisationsstruktur zu einem (hypereffektiven, postmodernen) Schwarm, die zweite zu mehr oder weniger einsamen (existentialistischen, modernen) Individuen, die im Levy Flight herumkrebsen.

    interessanter aber ist fast, wie sehr sich der damals schon spürbare nihilismus seither verstärkt hat:

    Ich mag beide Formen, was mich aber zunehmend nervt ist der latente Nihilismus des Schwarms. Es reicht ihm nicht der Wille zur Macht (unter den kollektiv geführten aber singulär repräsentierten regimen von facebook, twitter, 4chan, etc.), öfter als nicht ist damit auch eine Lust am Zerstören aller anderen Formen verbunden (können wir bitte RSS und das damit verbundene schuldgefühl der unread items endlich beerdigen und uns alle auf twitter einigen?

    der ganze bullshit von twitter seit dick costolo und der ganz blödsinn von google, seit sie auf social machen, auf der spitze der schwachsinnigkeit eben jetzt die vernichtung vom google reader, das alles ist ein symptom dieses nihilismus, der den verbliebenen frei flottierenden eigensinn am liebsten weglöschen will. ich beginne langsam zu befürchten, google weiß, was sie da tun (auch wenn sie wohl nicht mit diesem grad an aufschrei gerechnet haben und auch wenn ihnen wohl die indirekten folgekosten erst jetzt langsam zu dämmern beginnen), die wollen das ökosystem zertrampeln im naiven glauben, teile werden sich schon auf g+ reterritorialisieren.

    aus der serie: Reader—


    300,000+

    15.03.2013

    Since October 7, 2005 you have read a total of 300,000+ items

    ^ kleiner nachtrag zu 299,999 und witzigerweise bin ich gerade jetzt an diesem 300k limit angekommen, ob das was bedeutet? joyent (home u.a. vom momb) wird auch diese stunden zurück zu textdrive migriert, irgendwas ist infrastrukturbiorhythmisch eindeutig im busch.

    (nur am rande: die diskussionen rund um den google reader zeigen eins, was mir in dieser form überhaupt nicht bewusst war auch wenn es nicht wirklich verwunderlich ist, ganz megadeutlich: das spektrum der feedreaderbenutzer ist ein regenbogen über ein wildestes spektrum an eigenen motiven, wissenständen, zielen, setups, wünschen, etctrara. da einmal einen blick über den eigenen tellerrand hinaus zu bekommen ist echt informativ. bin mir allerdings nicht sicher, was das für eine mögliche rekonsolidierung bedeutet, eigentlich deutet das eher auf eine verteilung auf spezifisch ausdifferenziertere tools hin, was nicht das schlechteste sein muss)


    299,999

    15.03.2013

    Since October 7, 2005 you have read a total of 299,999 items

    (was wir eig. bräuchten, wär eine art infonationalprodukt, das eine halbwegs verbindliche kennzahl für das infoökoomische leistungsvermögen einer gesellschaft darstellt, wobei das natürlich anders als etwa das bruttoinlandsprodukt den fokus nicht auf die produktion von gütern (was weiss ich, summe aller blogposts, tweets, kommentare, bookmarks, videos, etctrara) legen dürfte, sondern auch die distribution (eben subscriptions, aber auch shares, likes und alles andere geströme) und vor allem auch die rezeption legen müsste, also die aggregierte gesamtheit der erzeugten lust, des übertragenen wissens, der dialektisch upgemashten und rekombinierten ideen und lolcats, etctrara)

    ((abt. the man of the crowd))

    (((subabt. the quantenfied self)))


    Döödel

    14.03.2013

    google has lost its motherfucking mind

    Google will also den Google Reader killen

    Ich spare mir den Rant, ich hab echt keine Lust mich da hineinzusteigern, was ich wohl würde, wenn ich darüber nachdächte, siehe Googleheimer, aber trotzdem zwei Anmerkungen:

    (1) Es ist schlecht für das Web

    Das Ende vom Google Reader ist nicht deshalb so schlecht, weil es keine Alternativen gibt. Die gibt es. Das Ende vom Google Reader ist deshalb schlecht, weil er die Default-Anwendung für die Technik Lesen von Feeds ist.

    Defaults sind deshalb so wichtig, weil sie keiner Erklärung bedürfen und gwm. eine solide Basis für ein Feld/einen Bereich/ein Thema bereitstellen. Sie müssen nicht das beste Tools sein und oft gibt es für spezifischere Anwenderbedürfnisse bessere Tools, aber sie sind die Tools, die man gedankenlos verwenden kann und bei denen man wissen muss, warum man sie nicht verwendet, wenn man ein alternatives Tool verwendet. Und es sind die Tools, die man Newbies bedenkenlos empfehlen kann, ohne sie mit einer Auswahl zu überfordern, die für sie unmöglich ist, weil sie ja noch nicht die Kriterien für das Auswählen kennen, die ergeben sich ja erst durch die Benutzung.

    Defaults sind auch deshalb so wichtig, weil sie die Koppelung von Systemen ermöglichen. Nimmt man das Default raus, dann zerfällt oft das ganze Gewebe. Man denke an Delicious: Delicious war die Default-App fürs Bookmarking. Hätte Yahoo nicht Delicious an die Wand gefahren, dann würde es heute in jeder iOS-App neben dem ‘Tweet This’ einen ‘Save at Delicious’ Button geben. Stattdessen streiten sich alle anderen darum und im Ergebnis integrieren nun einige wenige Apps Instapaper und Bookmarking hat sich ansonsten insgesamt fast erübrigt. Defaults wachsen also nicht automagisch nach, manchmal zerfällt auch die Struktur.

    Mit dem Ende vom Google Reader verliert der Komplex Feeds, der ohnehin schon in einer Art Krise steckt, sein Default und es ist leider kein anderes in Sicht.

    (2) Es ist armselig von Google und es zeigt ihren wahren Charakter

    Aufräumen zu wollen ist ein verständliches Motiv. Google ist tatsächlich zehn Jahre lang rhizomatisch in die verschiedensten Richtungen gewuchert. Aber dann ausgerechnet eines der ganz wenigen Produkte einzustellen, das wirklich sinnvoll und gut ist und das auch seine Fans hat, während sie daneben einen obstrusen Facepalm nach dem anderen produzieren, das ist einfach unverständlich. Ohne die Betriebskosten vom Google Reader zu kennen, ich bin mir sicher, dass das Privacy-Oops mit Google Buzz (wo sie sich mit einer stunde nachdenken was man per default anzeigt und was nicht (schon wieder: der wert der defaults…) 8,5 mio dollar sparen hätten können) den Betrieb vom GR einige Jahre tragen hätte können. Und es ist ja auch nicht so, dass sie plötzlich insgesamt mehr Fokus hätten, sie schiessen ja noch immer mit der Schrotflinte auf jedes Moorhuhn, das sie sehen.

    Ihr altruistisches Gehabe können sie sich fortan jedenfalls sparen. Wenn sie eines der wichtigsten Tools zur offenen (und unabhängigen, und personalisierten, und etc.) Informationsrezeption und -prozession einfach so schliessen, ein Tool, das fast paradigmatisch ihre Mission ‘organize the world’s information and make it universally accessible and useful’ personalisiert, ein Tool, das vl. nicht mehr zig Millionen, aber sicherlich Hunderttausende wirklich lieben, während sie an anderer Baustelle mit der Übernahme von DailyDeal mal schnell 100 Mio Dollar versenken, was mit ihrer Mission nichts zu tun hat, dann sieht man, wo sie stehen.

    ein paar stimmen:

    und sammler:

    aus der serie: Reader—