Open Studies

  • 598425890696073216 Revisited
    Warum mir der Gedanke, dass die open crowd das Web verbessern will, Unbehagen bereitet.
  • Quiz Pt. 97 Solution
    Meine Lösung für Quiz 97.
  • Leftovers 2014 (Open Social Edition)
    auch nicht weitergekommen sind wir 2014 jedenfalls mit dem Verständnis der Dialektik zwischen 'offen' und 'sozial'.
  • Der Besserwisser pt. 1 Revisited
    Was man vom Diskurs über Ello über das Web lernen kann.
  • Nützliche Unterscheidungen pt. 20 (The Instant Gratification Edition)
    Eine weitere besonders nützliche Unterscheidung ist ganz sicherlich die Unterscheidung: wie wenig oder viel unmittelbare Intensität erzeuge ich denn mit meinem Verhalten auf den jeweils möglichen Plattformen?
  • 320236354460082177
    der grösste verhinderer des potentials der offenheit ist nicht die geschlossenheit, sondern der naive glaube an die automagie der offenheit.
  • Open Closed
    was die, die offene systeme fordern, oft nicht verstehen: man verliert alle vorteile von geschlossenen systemen.
  • Lazy Blog Ep. 15
    blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass offenheit zwar leicht und tatsächlich gedankenlos zu fordern oder herbeizuwünschen ist, dass die forderung oder der herbeiwunsch ober ein moo point ist.
  • ReQuoting pt. 51 (The Centralized Edition)
    Ev Williams über dezentralisierte Alternativen von Twitter.
  • Hello, I Must Be Going
    In seiner Symptomatik ganz interessanter Eintrag von hueniverse zum Stand/Ende von ‘open’, social und corporate culture
  • 5 Jahre live.hackr
    fünf jahre live.hackr - guter anlass für einen kleinen (eher assoziativen und nicht ansatzweise vollständigen) rückblick.
  • Das unsichtbare Dritte
    Das Problem mit Facebook ist also nicht Facebook, sondern die Dummheit des Restwebs im Zumsichselbstfinden unter den Bedingungen von Facebook.
  • Das offene Web und seine Feinde
    Nachtrag zur iPad-Diskussion. Die Protagonisten der Offenheit haben in diese erstaunlich wenig Vertrauen.

  • 598425890696073216 Revisited

    18.05.2015

    kl. nachtrag zu 598425890696073216 – zumindest eine erste iteration, die sich lustigerweise aus der überschneidung mit einem anderen tweet ergibt, den ich am gleichen tag aber in einem völlig anderen kontext (verizon schluckt aol) getwittert hatte:


    um die zwei tweets zusammenzubringen, sollte ich zwei dinge erwähnen:

    (1) einer der größten, wenn nicht der größte im allgemeinen ausgemachte feinde des offenes webs sind projekte wie facebook zero oder internet.org, also konstrukte, die ein kontrolliertes subset an webseiten oder apps kostenlos offerieren, um der nächsten milliarde menschen zugang zum internet zu ermöglichen. was sich als akt der nächstenliebe gibt, ist jedoch, so die verteidiger des offenen webs unisono, nichts anderes als die ausbeutung ökonomischer benachteiligung, die nur neue user einfangen und an sich binden und damit das eigene wachstum anheizen will, also digitaler imperialismus (und wem das nicht reicht nachtürlich auch eine freche verletzung der netzneutralität, aber um das geht es hier nicht). und ihr plan geht auch noch auf, viele der so angelockten glauben dann sogar, facebook sei das internet. statt im offenen web zu publizieren, verkaufen sich diese armen seelen an facebook und landen im vorraum zur hölle.

    (2) compuserve war anno dazumal, also plus/minus vor 20 jahren, neben aol die einfachste möglichkeit, mit einem macintosh zugang zum internet und email zu bekommen. es gab auch schon einige websites und der netscape navigator war gerade neu und hip, aber ein grosser teil des nutzens war zunächst das angebot, das compuserve bereitstellte. über die uni hatte ich dann bald auch ein bisschen webspace und zugang zum usenet und unter der ägide von hotwired und webmonkey dann irgendwann auch ein rudimentäres verständnis von html und framesets, aber die möglichkeiten von compuserve hat meine erfahrung mit dem internet in den ersten jahren weitgehend dominiert. und auch wenn ich dann quasi das web ‘mitbegleitet’ habe, bis zu meinem eigentlichen knacks im kopf dauerte es dann weitere 10 jahre.

    der punkt dieser zweiten, zugegebenerweise schon etwas verstaubten geschichte ist, dass die erste geschichte nicht notwendigerweise den dystopischen verlauf nehmen muss, von dem alle ausgehen. wer in einem geschlossenen garten aufwächst, muss nicht notwendigerweise den rest seines lebens darin verbringen. menschen können lernen und zusammenhänge verstehen. manchmal fehlt nur eine einzige information. wer heute zb. glaubt, dass facebook das internet ist, dem muss nur einer einmal zeigen, dass das nicht der fall ist, sondern dass facebook im besten fall ein nützlicher und in jedem fall ein grosser wal in einem riesigen ozean namens web ist, das man mit etwas entdeckergeist dann selbst erforschen kann (ob das dann angenommen wird und denjenigen interessiert ist eine andere frage). und wir brauchen gar nicht so betroffen tun, noch vor 10 jahren haben hierzulande die meisten geglaubt, dass das internet dieses blaue ‘e’ am desktop ist.

    ich will mit dieser anmerkung nicht die grundsätzliche korrektheit der kritik an facebook (und co) kritisieren und ich will die machenschaften von facebook (und co) weder relativieren noch legitimieren. was sie abziehen ist unterm strich eine riesige sauerei, vor allem deshalb, weil sie es auch ganz einfach auch anders andenken und umsetzen hätten können.

    der fehler liegt nicht in der vorgetragenen kritik, sondern in der analyse und der bewertung, was das bedeutet. und eine hysterische bewertung (es ist ganz eindeutig das endgame, wenn wir jetzt verlieren, dann ist das offene web verloren, usw.) führt zu einer hysterischen überreaktion, die dann, wenn wir pech haben, mehr schaden anrichtet als der feind, wegen dem man überhaupt erst losgelegt hat.

    (interessanterweise teilen die protagonisten eines offenen webs, hier fortan stellvertretend mozilla, und die ideologisch mehr oder weniger aus der gegenteiligen ecke kommenden verlage diesen schaum vor dem mund, wenn sie es mit google oder facebook oder apple zu tun bekommen; aber lassen wir hier die verlage einmal beiseite)

    der allgemeine fehler von mozilla ist, vom offenen web kein ‘sinnverständnis’ zu haben, sondern den sinn in der vorhandenheit selbst zu sehen, was bedeutet, dass sie den erzeugten wert also nur am marktanteil messen können. alles, was von facebook (und co) aufgesaugt wird, ist ein verlust und die masse des von facebook aufgesaugten ist eine katastrophe. als reaktion bleibt ihnen also nur der ‘kampf’ um marktanteile und als grund für die beliebtheit von facebook (und co) ist ihnen leider nur eingefallen, dass der offene stack technisch unterlegen ist, was nur bedeuten kann, dass sämtliche apis der geschlossenen plattformen nachgebaut werden müssen, siehe den kleinen überblick ihrer aktuellen interventionen.

    (man erkennt auch die wiederholung eines musters: als das soziale web der katalysator für das wachstum war, wurde im ‘social graph’ von facebook der zaubertrank gesehen, und die damalige erwartung war, dass man den nur offen nachbrauen muss, dann wird alles gut. wir erinnern uns an projekte wie open social, friend connect, portable contacts, chi.mp, diaspora, usw.)

    der spezifische fehler in hinblick auf die ‘emerging markets’ neuer user, die gleich mit dem smartphone einsteigen, ist, dass die entwicklung als lineare, technik-getriebene evolution vom statischen über das soziale hin zum mobilen web gesehen wird, und den menschen innerhalb dieser entwicklung keine subjektivität oder möglichkeit zum widerstand oder zur reinterpretation zuzutrauen. wir sehen es ja bei uns, da kleben die jungen ja nur noch an ihren handys und chatten oder posten selfies statt zu bloggen oder die wikipedia zu verbessern. was wir bei uns erleben ist aber weniger eine evolution, sondern eine angleichung an das ‘natürliche’ kommunikative gleichgewicht unter den bedingungen vom mobilen internet, das halt erst jetzt möglich geworden ist, aber immer schon so veranlagt war. die phasen waren also, wenn man so will, in ihrem historischen ablauf notwendig, weil wir uns immer kollektiv an das gerade technisch machbare angepasst haben, aber einmal vorhanden verhalten sie sich, als wären sie immer schon da gewesen.

    aber die technische ebene ist ja nicht die einzige. auch interessant ist mitunter, wie sich die technik / das web auf gesellschaftlicher ebene auswirkt – und da macht das narrativ der evolution einen u-turn. da sind dann plötzlich die apps des mobilen webs die primitive form, die halt (natürlich massenweise) private kommunikationsereignisse ermöglichen, die aber weder für die öffentlichkeit bestimmt noch für die gesellschaft nützlich wären. erst mit dem offenen und sozialen web bekommen wir einen viel interessanteren hebel, um gesellschaftliche probleme zu behandeln und gemeinsame lösungen auf sozialer sinnebene zu finden.

    und hier muss man der kommenden ‘mobilen milliarde’ einfach zutrauen, dass sie ihre eigene entwicklungsgeschichte durchmachen und dabei vl. auf einem viel höheren niveau landen, als wir es bis dato geschafft haben, oder aber auch nicht. sie beginnen zwanzig jahre später und das dauert sicher ein bisschen zeit, aber der umstand, dass sie bei unserem ‘ende’ beginnen bedeutet eben nicht, dass sie dort bis in alle ewigkeit braten müssen.

    (man erkennt übrigens die wiederholung eines weiteren musters: als etwa das ipad vorgestellt wurde, haben es die vertreter des offenen webs als zynische und infantilisierende konsumationsmaschine wahrgenommen und die kollektive volksverblödung befürchtet, siehe das offene web und seine feinde. gekommen ist es natürlich anders, nur das mangelnde vertrauen in die systemkraft der eigenen offenheit und die kreativkraft der menschen ist ihnen leider geblieben)


    Quiz Pt. 97 Solution

    05.05.2015

    Warum fällt es der Indiecrowd so schwer zu verstehen, dass sie es sind, die das materialistische/warenfetischistische Verständnis von Daten haben, und nicht die Plattformen?

    Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 97 schuldig:

    Ich glaube die Wurzel des Nichtverstehens liegt in den tendenziell linken/liberalen Werten der Indiecrowd – dem Glauben an Offenheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Autonomie, Demokratie, Bürgerrechten, Datenrechten, usw. Damit ausgestattet werden sie wiederholt mit Plattformen konfrontiert, auf denen Menschen Dinge tun und die mit hunderten Millionen, manche sogar mit dutzenden (Twitter) oder hunderten (Facebook) Milliarden bewertet werden.

    Das weckt natürlich die Neugier und wenn man sich fragt, wo der Wert denn herkommt, wer ihn erzeugt, wer davon u.u. unrechtsmäßig profitiert, usw., dann landet man schnell bei der Diagnose, dass es – und ich beziehe mich im folgenden exemplarisch auf Twitter, das Prinzip lässt sich aber leicht auf die meisten anderen Plattformen übertragen – ein Produkt gibt (den Tweet), das von ganz offensichtlich unbezahlten Arbeitern produziert wird (den Usern), was in der Summe ein aggregiertes Ganzes ergibt, dessen Mehrwert sich die Betreiber dann fürstlich bezahlen lassen.

    Ist man gedanklich einmal bei diesem Ausbeutungszusammenhang gelandet, kommt man nicht nur schwer wieder davon los, es beginnt auch eine Art warenfetischistische Überbewertung des Produktes Tweet. Sprich: der Tweet selbst wird als viel wichtiger und bedeutsamer und wertvoller imaginiert, als er eigentlich ist (in 98,2% aller Fälle ist es ein in 20 Sekunden abgesetzter Blurb mit 80 Zeichen und zwei Hashtags und/oder einem Link und/oder 6 Emojis).

    Es wäre sicherlich interessant, sich die Arten der Übertragungen und Projektionen etwas genauer anzuschauen – mitunter geht es um Fragen der Kontrolle, vom Besitzanspruch, von der sogenannten Hoheit über die eigenen Daten, um die Ströme und Reaggregierbarkeit, usw. – hier relevant ist aber nur, dass der Tweet fortan als Ware und also die eigene Aktivität als Arbeit und also das Verhältnis als Ausbeutungsverhältnis konzipiert wird und dass man sich in dieser Schlinge umso mehr verfängt, je mehr man sich darauf fixiert.

    Mein Vorschlag zur Kur wäre, Tweets nicht länger als Produkt mit einem (ohnehin nur solipsistisch imaginierten) Wert zu konzipieren, den dann ein anderer abschöpft, sondern funktionalistisch als Abfälle kommunikativer Akte zu verstehen, mit denen man Dinge erreichen will und/oder kann.

    Man twittert aus reinem Egoismus, weil man seine Bekannten und Verwandten mit dem eigenen Geistesblitz beglücken möchte, weil man die Welt unbedingt über den letzten grenzgenialen eigenen Blogeintrag informieren möchte, weil man eine schnelle Frage hat auf die wohl einer aus der geneigten Verfolgschaft eine Antwort hat, uswusf.

    Und man liest die Tweets der Anderen aus reinem Egoismus, weil es einen mit dem bekannten sozialen 6ten Sinn versieht, weil man über Ereignisse fast in Echtzeit informiert wird, weil man eine Injektion an Serendipity bekommt, die sonst kaum möglich wäre, weil man ein genuines Interesse an den Mitmenschen hat, etctrara.

    Das Problem der Indiecrowd ist also grundsätzlich, dass sie gelegentlich bürgerliche Eigentums- und die damit verbundenen Kontrollverhältnisse konstruieren und darauf bestehen, wo es eigentlich um Kommunikationsverhältnisse geht und wo deshalb auf diese Kommunikationsverhältnisse optimierte Plattformen, auch wenn sie noch so geschlossen sind (funktional sind die meisten ohnehin offen), den auf Eigentums- und Kontrollverhältnisse optimierten Indieplattformen in der Gunst der Benutzer bei weitem überlegen sind. Benutzer verhalten sich üblicherweise halt funktional rational und nicht asketisch ethisch.

    (nur zur sicherheit wie immer als faustregel: sei so indie wie möglich!!11 und backe alles up; aber beharre nicht auf dem indie wo es mehr schadet als nützt oder wo es irrelevant ist)


    Leftovers 2014 (Open Social Edition)

    18.12.2014

    auch nicht weitergekommen sind wir 2014 jedenfalls mit dem Verständnis der Dialektik zwischen ‘offen’ und ‘sozial’.

    (ich bin heute endlich draufgekommen, warum es mich immer irritiert hat, wenn in meiner timeline jubellinks zum indieweb (und/oder cousins) durchgelaufen sind. ich hatte vermutet, dass es der implizite solutionismus war, den ich nicht ganz teile, aber als ethischen horizont hätte ich es ja auch immer unterschrieben. die irritation kommt, vermute ich nun, vom namen indieweb selbst, weil damit semantisch schon den mehr oder weniger geschlossenen plattformen und gärten schon der normalzustand zugestanden wird, gegen den man sich mit einer unabhängigkeitserklärung erst abgrenzen/emanzipieren muss, während ja genau das, was das indieweb auszeichnet, der normalzustand – das web – ist, und die geschlossenen communities also als gartenweb abgrenzt/bezeichnet werden müssten.

    das zumindest im hinterkopf zu behalten wäre deshalb so wichtig, weil die lektion draus eine andere ist, als man vermuten würde. während der übergang web -> indieweb nur für die ohnehin schon bekehrten spricht und diesen vl. sogar eine falsche richtigkeit suggeriert, spricht der übergang web -> gartenweb eben fast alle anderen an und macht die unterscheidung bewusst, dass man gewisse freiheiten bewusst aufgibt, um in den genuss von dichteren sozialen objekten oder mehr bequemlichkeit zu kommen (die es leider nur in gärten gibt, wobei die gärten nicht notwendigerweise geschlossen sein müssen, es aber öfter als nicht sind), ohne sich dann aber von jammerern den spass verderben zu lassen.)


    Der Besserwisser pt. 1 Revisited

    04.10.2014

    hmm, das mit dem besserwisser hat ja nicht gerade zu viel falsifikation von aussen geführt (nts: der titel war wohl doch ein bisschen suboptimal gewählt), hier zumindest als nachtrag zwei beispiele von mir selbst…

    vorab eine vielleicht nützliche unterscheidung für die ‘bewertung’ von webapps (und im konkreten fall ello) und zwar die unterscheidung in die ‘maschine’ und das was die menschen damit machen also die ‘historisch soziale kontingenz der benutzung’.

    unter maschine verstehe ich dabei die der anwendung zugrundeliegende analoge und digitale materialität, also den gesamten stack an hardware und software und den konkreten code der anwendung selbst. während das an sich jeweils unendlich komplex sein mag, diese komplexität braucht den benutzer nicht zu interessieren; was ihn betrifft stellt sich die maschine auf eine ganz konkrete art zur verfügung und den möglichkeitsraum könnte er ganz konkret beobachten. es gibt kein geheimnis, man muss es sich nur anschauen.

    und unter der historisch sozialen kontingenz der benutzung verstehe ich die gesamtheit der konkret stattgefundenen und stattfindenden aktivitäten der benutzer, die von der maschine gebrauch machen und dinge tun inklusive der gesamtheit aller dabei angefallenen daten und spuren – das darauf stattgefundene und stattfindende leben, wenn man so will. auch diese prozesse können unendlich komplex sein, aber auch diese komplexitäten brauchen den benutzer nicht zu interessieren; was ihn betrifft stellen sich alle anderen auf eine jeweils ganz konkrete art und dadurch erzeugten möglichkeiten zur anschlusskommunikation zur verfügung und auch das könnte er wieder ganz konkret beobachten.

    im zusammenspiel zwischen maschine und der historisch sozialen kontingenz ist es wichtig im hinterkopf zu behalten, dass jede historisch soziale kontingenz zwar eine maschine benötigt, die maschine selbst aber nie ein hinreichender grund für das auf ihr stattfindende ist. ab einem gewissen punkt der gegenseitigen ‘interpenetration’ kommt es idealerweise natürlich zu einer funktionierenden koevolution, aber auch dann bleibt der zusammenhang kontingent und kleinste justierungen an der maschine können ungewollt riesige konsequenzen haben und größte änderungen können wirkungslos bleiben.

    und mehr vorab ein nützliches konzept: asymmetric competition

    ich verwende es frei nach asymco der es frei nach christensen verwendet und ich verstehe darunter eigentlich nur die zwei ich glaube selbstevidenten aussagen, dass einerseits vorteile der einen mitunter auch vorteile für andere erzeugen können und dass andererseits einfach nicht alle das gleiche spiel spielen, aber alle oft so tun als ob. zum beispiel: sind plattformen einmal dominant, dann stellt es einen wert an sich dar, nicht ebendiese plattform zu sein. wer alles mit google macht, für den ist vl. sogar schon yahoo für die mails interessant, weil dann zumindest die mails und damit der zugang zu allen anderen accounts nicht bei google liegen. wer sein leben auf facebook verbringt, für den ist alles was nicht facebook ist eine möglichkeit für einen frischen wind, für andere kontakte, für eine andere darstellung von sich selbst, usw. nicht-das-eine-sein ist ein riesiger vorteil, den das eine selbst nie haben wird und der umso grösser wird, je dominanter das eine wird.

    — (1)

    […] Paul Budnitz […] hat nach den Machern von Diaspora als einer der Ersten die Eier gehabt, einfach mal zu versuchen, einen Facebook-Konkurrenten zu basteln.

    spreeblick

    denkt man die zwei dinge zusammen, dann erledigen sich schon einige unfruchtbare vergleiche oder annahmen, die über ello gemacht wurden.

    ello muss dann nämlich nicht mehr in einer direkten konkurrenzbeziehung zu facebook oder twitter konzipiert werden, sondern kann als asymmetrische und durchaus auch koexistierende alternative verstanden werden, deren wert gerade nicht darin besteht ein anderes facebook oder twitter zu sein um dort mit den gleichen das gleiche halt woanders zu tun, sondern darin, einen anderen raum aufzuspannen, den man auf facebook oder twitter nicht mehr aufspannen kann. und während das wiederum viele neue netzwerke tun hatte ello dabei auch das notwendige quäntchen glück vom richtigen timing, weil facebook gerade eine gruppe von dragqueens und viele andere mit einer verschärften durchsetzung vom juristischen namen quasi vertrieben hat, die dann ello als neues zuhause adoptiert haben, was als story natürlich gut war und ello also in die presse brachte.

    gleichzeitig ist jede frage, ob es sich bei irgendwas um das – meistens bzgl. der grösse gefragte – nächste facebook oder twitter handelt, schon auf ganz grundsätzlicher ebene blödsinnig. nicht weil es grundsätzlich nicht möglich ist (statistisch wird halt jede 10.000 anwendung oder 2 bis 3 pro jahrgang gross und wenn man es bei jeder anwendung fragt hat man also auch mal recht), sondern weil die historisch sozialen kontingenzen einfach nicht vorhersehbar sind und milliarden von einzelentscheidungen zusammenkommen müssen und gleichzeitig keine destruktiven ereignisse eintreten dürfen.

    (wie seltsam johnnys zitat auch ansonsten ist wird glaub ich klar, wenn man es neun jahre vordatiert als: “ehssan dariani hat mit seinem studivz als einer der ersten die eier, einfach mal zu versuchen, einen facebook-konkurrenten zu basteln”)

    der grund, warum ich auf dem vl. mehr als angemessen herumreite, ist auch, weil der vergleich zwar gut gemeint ist aber mehr schadet als nützt. leute plappern das mit dem ‘neuer facebook konkurrent’ nach, schauen sich die seite an, denken sich aha, das soll das neue facebook sein, und gehen wieder. das ganze framing wird den möglichkeiten und eigenen eigenschaften überhaupt nicht gerecht.

    — (2)

    They don’t have feeds in or out. That means whatever you put in there, starting right now, is theirs. They won’t even share your stuff with you. That’s not a good deal. You shouldn’t accept that.
    So Ello isn’t answering any question I can think of.
    If they were open, then I would be interested.”

    dave winer (interessanterweise ursprünglich auf facebook)

    dave winer steht hier synekdochisch für alle vertreter und spielarten der offenheit, die seit vielen jahren reflexartig jedes geschlossene system mit der immer gleichen checklist in der hand kritisieren, sich aber anscheinend noch nie wirklich gefragt haben, warum offenheit in vielen bereichen so offensichtlich unwichtig ist, während sich die user in geschlossenen gärten horten und freiwillig melken lassen.

    die einfache antwort ist: kultur. kultur verstanden als spezifische ausbildung eines sozialen objekts (SO) und von gemeinsam ausgehandelten formen zur produktion, rezeption und distribution ebendieses SOs (das ist etwas komprimiert formuliert, aber wer hier ein bisschen sucht findet viel dazu). und in diesem sinne verstandene kultur ist deshalb ein so filigranes und unwahrscheinliches pflänzchen, weil sie nur als ganz spezifische ausdifferenzierung zwischen maschine und der historisch sozialen kontingenz entsteht, wobei das soziale objekt sehr stark durch die maschine aber die gemeinsam ausgehandelten praktiken natürlich primär auf der seite der historisch sozialen kontingenz definiert werden. aber es ist halt die kultur, die einen dienst attraktiv und sinnvoll macht, nicht die tatsache offen oder verschlüsselt zu sein. solange die open crowd nicht versteht, dass ein tweet etwas ganz grundsätzlich anderes ist, als ein string mit maximal 140 zeichen, solange werden sie es nicht schaffen dienste zu entwickeln die kultur haben und offen sind.

    der grund, warum ich auch auf dem vl. mehr als angemessen herumreite, ist, weil auch die forderung nach offenheit gut gemeint ist aber auch wieder mehr schadet als nützt. in vielen situationen ist die offenheit selbst nämlich der verunmöglicher der möglichkeit der entwicklung einer kultur. dienste brauchen üblicherweise eine gewisse zeit, bis sie zu sich selbst finden, die meisten bekannten dienste sind reine zufälle. das letzte was sie in dieser inkubationsphase brauchen sind leute, die irgendeine automatisierbare sozialmediale kommandozentrale verwenden, um ihre inhalte dann auf maximal vielen plattformen zu verbreiten oder um ihre netzwerkdichte zu maximieren ohne auf die jeweilige kultur rücksicht zu nehmen und alle andere bots. (der differenzlose gesamtstrom ist gwm. die definition der kulturlosigkeit)

    (nur zur sicherheit als faustregel: sei so indie wie möglich!!11 und backe alles up; aber beharre nicht auf dem indie wo es mehr schadet als nützt oder wo es irrelevant ist)

    We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce, and manipulate – but a place to connect, create, and celebrate life.
    You are not a product.

    ello manifest

    als kleiner anhang ein bauchgefühl: die art, wie die selbstbeschreibung von ello angenommen wurde, war eig. auch interessant. die einen nahmen es irgendwie wörtlich, haben es einfach mal geglaubt und das hat viele sicher auch motiviert; die anderen haben es mit dem dann ‘aufgedeckten’ funding quasi als grosse lüge entlarvt, weil vc-money und grundsätze oder keine ads ja ein oxymoron sind. ich glaube beide schiessen in die falsche richtung. das manifest kann glaub ich besser als übersteigerte approbation von tautologischen plattituden über soziale netzwerke – also etwa im stile von laibach – verstanden werden. mir kommt überhaupt vor, dass ello die erste app ist, die darauf basiert sich mit ernster miene ironisch von sich selbst zu distanzieren und die jetzt trotzdem einfach mit allem entstehenden und zufallenden einfach läuft, was ello dann wieder irgendwie sympathisch macht.


    Nützliche Unterscheidungen pt. 20 (The Instant Gratification Edition)

    14.12.2013

    Eine weitere besonders nützliche Unterscheidung (und kleiner Nachtrag zur Effort Edition) ist ganz sicherlich die Unterscheidung: wie wenig oder viel unmittelbare Intensität erzeuge ich denn mit meinem Verhalten auf den jeweils möglichen Plattformen?

    und als allgemeine Formel kann man hier sicherlich sagen: Plattformen mit mehr instant gratification (wie views, likes, etc.) verdrängen vergleichbare Plattformen mit weniger davon. Und ab einem gewissen Schwellenwerten an unmittelbarer Intensität werden andere mögliche Unterscheidungen (privacy, ownership, usw.) irrelevant.

    (das nicht zu sehen oder zu verstehen ist und bleibt übrigens der grösste verhinderer für die evolution vom offenen web, weil die entwicklungen oft in richtung ‘hier. nicht so intensiv aber offen’ geht und sie sich dann wundern, warum das niemanden interessiert)

    (abt: draw the distinction!)


    320236354460082177

    05.04.2013
    der grösste verhinderer des potentials der offenheit ist nicht die geschlossenheit, sondern der naive glaube an die automagie der offenheit.

    Open Closed

    18.01.2013

    was die, die offene systeme fordern, oft nicht verstehen: man verliert alle vorteile von geschlossenen systemen.

    was die, die sich in geschlossenen systemen tummeln, oft nicht sehen: man verliert alle vorteile von offenen systemen.

    es ist wirklich so einfach. (wobei man natürlich die jeweiligen vor- und nachteile kennen muss, aber das ist kein geheimwissen)


    Lazy Blog Ep. 15

    20.11.2012

    (blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass ‘offenheit’ zwar leicht und tatsächlich gedankenlos zu fordern oder herbeizuwünschen ist, dass die forderung oder der herbeiwunsch ober ein moo point ist, solange sie nicht mit einem vorschlag für eine alternative und ‘bessere’ reterritorialisierung begleitet wird. idealerweise wäre diese erzählung dann spannender als bla aber offen. bonuspunkte wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie)


    ReQuoting pt. 51 (The Centralized Edition)

    07.10.2010

    People have been talking about recreating Twitter as a set of standards and protocols pretty much since we launched and started getting popular. In fact these standards and protocols exist and Twitter is so open that people can just make Twitter work with a more open and federated network.
    So far that hasn’t taken off, I believe because it hasn’t provided as good a user experience. I think there are advantages to a decentralized system and there are also many disadvantages. The disadvantage is that it’s very hard to innovate and do some of the things you can do with a centralized service with a decentralized service, that’s just part of the trade-off and so far it doesn’t seem like a worthwhile trade-off.

    Ev Williams via RWW

    (sehe ich pretty much auch so; twitter ist zwar ein zentralisiertes system, aber es ist funktional offen (genug). das mit dem innovieren und der ux stimmt sicher auch, aber der entscheidende nachteil von dezentralen gegenentwürfen ist, dass die ströme reterritorialisierungen brauchen, um ‘kultur’ zu ermöglichen, ein tweet ist eben mehr als ein 140 zeichen blurb sondern eingebettet in ein spezifisches gefüge, etctrara. die falsche grundannahme so ziemlich aller offenen gegenentwürfe (von twitter, von facebook, …) ist der glaube, dass es das soziale anundfürsich gibt)


    Hello, I Must Be Going

    17.09.2010

    But I think the kind of open I was working on is mostly gone. This is not a bad thing, just the result of the changing industry, people’s careers, and economic conditions. For the most part, the movement that started with OpenID and OAuth is largely over.
    ..
    There is still interesting work done by Blaine Cook, Status.net, and the federated social web folks, but it’s all too experimental, and I don’t see it anywhere near mass market anytime soon.

    In seiner Symptomatik ganz interessanter Eintrag von hueniverse zum Stand/Ende von ‘open’, social und corporate culture (via). Er zeichnet zwar eher ein ernüchtertes Bild, nicht ohne Hoffnung, aber der Shift geht vom talking (open) zum doing (product).

    (ein aspekt wird indirekt wieder einmal klar: teile des potentials von offenen technologien werden deshalb verspielt, weil die entwicklungen selbst im valleyschen geist des gewinnen wollens betrieben werden. wenn etwas den massenmarkt nicht erreicht, wird es ultimativ als versager abgeschrieben. es wär vielleicht mal nicht uninteressant, wenn sich die entwicklung nicht an der möglichen kompatibilität mit allen orientieren würde, sondern an den bedürfnissen von leuten, die tech-savvy sind und denen offenheit und selbstbestimmbarkeit wichtig ist. man kann da sicher zwischen standards und protokollen unterscheiden, die basistechnologie oder webinfrastruktur sind, und jenen, die kulturelle serien triggern können. bei ersteren muss man sich halt einmal drauf einigen und dann funktioniert die maschine halt besser.)

    thema: valley vs. offenheit


    5 Jahre live.hackr

    01.07.2010

    live.hackr feiert heute seinen 5ten Geburtstag!

    fünf jahre sind doch ein kompakter block, guter anlass für einen kleinen (eher assoziativen und nicht ansatzweise vollständigen) rückblick:

    wie wars?

    vor fünf jahren stellte sich die situation etwa so dar, dass der übergang zum ‘web 2.0’ quasi vollzogen war. o’reilly hat die elemente und die sich daraus ergebende dynamik sehr treffend erkannt und benannt, die fundamentalen datentypen (links: delicious, fotos: flickr, video: youtube, musik: last.fm, maps: google maps, location: plazes, usw.) wurden gerade besetzt, die zutaten (profile, tags, ajax) waren bekannt, die design-ästhetik wurde (sicherlich auch damals schon ironisch affirmativ) eingehalten.

    vieles davon war auch damals schon nicht neu (es gab zb. auch 2004 eine gefühlte social network erschöpfung (yasn/yet another social network), einen seit jahren vor allem akademisch geführten diskurs über social software, usw.), aber es war auch spürbar, dass sich eine spezifische formation (die abstraktion von allem tu- und denkbaren in den raum web; die interpenetration der systeme menschen und maschinen) gebündelt hat, die ein aufbruch zu etwas neuartigem war. und das war es dann auch und wir stecken mittendrin.

    was ist passiert?

    • die besetzung der fundamentalen datentypen hat sich weitestgehend granularisiert (neben delicious: ma.gnolia, diigo, pinboard.in, …; neben flickr: picasa, ffffound, zooomr, …; neben youtube: ustream, blip, dailymotion, hulu, …; neben last.fm: hypemachine, soundcloud, spotify, pandora, …; neben google maps: openstreetmap, bing maps, yahoo maps, …; neben plazes: brightkite, fireeagle, foursquare, …)
      dienste entstanden entlang aller sinnvollen achsen (regionale klone, thematische vertikale, achse zeit (live video, timestamp check-in), open source, etc.). üblicherweise gab es zunächst viele direkte klone, nachdem sich aber ein gewinner abgezeichnet hat, kam es zu stratifizierungen und spezialisierungen.
    • so gut wie jeder andere sozialisierbare datentyp wurde besetzt und in das gesamtgewebe eingebunden (ich bin über 25.000 webapps gestolpert, die zu guten teilen kleinere datentypen sozialisieren; nur ein paar beispiele: bücher: library thing, farben: kuler, dokumente: scribd, finanzen: mint, …) das kernkonzept dabei ist das der social objects – die dienste entstanden rund um beziehungsgeflechte rund um getauschte objekte.
    • was die traditionellen medien betrifft kam es zu einer atomarisierung der vorherigen, an bestimmte formen geknüpfte aggregatszustände für inhalte (stichworte: unbundling, microchunking) und zu verschiedenen formen der rekombination.
      das betraf im übrigen nicht nur die traditionellen formen (albums zu tracks zu samples; zeitung zu artikel zu zitaten; etc.) sondern auch die webnativen formen wie etwa blogging (micro aka twitter, tumblelogs wie tumblr, soup.io).
    • es enstanden einige genuin neue und eben molekulare fundamentale datentypen: tweets / twitter (die kleinste gedankentragende einheit), check-ins / foursquare (die kleinste ortbesetzende einheit), likes / facebook (die kleinste aufmerksamkeit-indizierende einheit), usw., und eine neue semiotik bzw. ökonomie der produktion, distribution und rezeption dieser neuen datentypen.
    • the rise of the stream
      der stream wurde in der folge zur zentralen metapher für den konsum (input) und die transformation (output) dieser klein- und kleinstformatigen inhalte.
      der konsum von streams ist nach dem lesen von feeds tatsächlich auch die zweite grundsätzliche, web-native kulturtechnik des rezipierens. beide muss man sich aneignen bzw. erlernen, wenn man sie nicht kann, versteht man bestimmte phänomene nicht bzw. ist mit ihnen nicht kompatibel.
      imho ist das lesen von feeds die wertvollere (effizientere, optimierbarere, personalisierbarere) technik, aber das schwimmen im strom hat natürlich auch seine qualitäten (wireds proprioception / social 6th sense).
      (nur am rande: insofern ist es mehr als verwunderlich, dass es da nicht mehr gute lösungen gibt; friendfeed gibt’s jetzt auch schon drei jahre und viel hat sich seither nicht getan, buzz etwa hinkt konzeptionell und technisch noch immer hinter friendfeed stand 2008 hinterher).
    • the rise of mobile
      (devoha weil nicht wirklich mein thema; das iphone hat mehr oder weniger alleine das potential des mobilen internets freigesetzt, mit dem ipad machen sie jetzt das gleiche mit tablets, apps!, google versucht mit android den anschluss zu halten, etc; damit verbunden natürlich auch die zarten versuche rund um location).
    • der shift in die cloud.
      auch das war als vision und wunschvorstellung nicht neu (man denke an suns ansatz in den 90ern, grid computing, etc.) – aber auch hier hat sich wohl in den letzten fünf jahren eine konkrete formation gebildet, die erstmals auch marktfähig ist und auch gefühlsmässig hier ist; um zu den 25.000 webapps zurückzukommen: ein guter anderer teil davon sind tools, die ehemalige desktop apps in die cloud bringen; wie immer entlang der achsen private tools, kollaborative tools, enterprise tools und per definitionem auch soziale tools; man kann mittlerweile wirklich fast alles im browser machen. neben der abwanderung von funktionalitäten in die cloud hat sich auch eine neue infrastruktur für die cloud entwickelt, sprich amazons cloud-folio, google app engine, heroku, etctrara.
    • the rise and fall of the real time
      auch das real time web war nichts neues – technorati hat sich glaub ich schon 2004 damals das ‘live web’ auf die fahne geschrieben, instant messaging gab’s schon immer usw. – aber die letzte meile (von minuten zu sekunden) sind wir wohl erst jetzt gegangen. was aber ausblieb waren wirklich schlüssige anwendungen. das kleine gefühl der sich autoaktualisierenden intimität braucht eben nicht nur zufällige zeitgleichheit, sondern auch noch den unwahrscheinlichen fall der aufmerksamkeitskoinzidenz.
      (würde ich als thema nicht abschreiben, da werden sicher weniger ‘naive’ anwendungsfälle kommen, vor allem im bereich rekombination, filtering, analytics der gigantischen mengen an rohen echtzeitdaten)
    • the death of theory
      konzeptionell hingegen hat sich das web jeden funken theorie ausgetrieben. der eher akademische diskurs rund um social software wurde von niemandem gelesen und in der folge vom eher technokratischen diskurs web 2.0 abgelöst, dieser wiederum wurde von niemandem verstanden und in der folge von social media abgelöst, der aber eigentlich nur angewandte pr ist. was fehlt ist eine theorie, die konsequent den wirklichen wert für den user (entlang des gesamten spektrums individuum – gruppe – gesellschaft – system) in den mittelpunkt stellt. (in ansätzen gibt es das bei shirky (wie transformieren wir den cognitive surplus in civic value) und haque (was sind die relevanten kennzahlen für eine nicht selbstzerstörerische ökonomie)).
    • die gleichzeitigkeit von ungleichzeitigkeiten
      ohne das breit zu problematisieren, 2004/05 gab es eine art kultur der gleichzeitigkeit, einfach deshalb, weil alles für alle neu war und gerade kollektiv erarbeitet wurde. heute ist die situation eher eine radikale gleichzeitigkeit von ungleichzeitigkeiten, ständig fliessen neue gruppen hinzu und werden ein einer art atemporality, die auch die gesamte vergangenheit schluckt, aufgelöst.
      ein effekt davon ist, dass es für neue user insgesamt sehr viel schwerer geworden ist, die wichtigsten basics zu verstehen, weil das web nicht sehr gut dabei ist, wissen zu bewahren, und weil natürlich tonnenweise gänzlich uninformierte aussagen zirkulieren (nicht nur das systematische und hysterische verblödungsprogramm der massenmedien, auch die social media platituden, etc.), aber woher soll man das als frischling wissen oder richtig einschätzen können.
    • die übersättigung
      für neue apps wurde es ab einem gewissen grad der sättigung an apps unglaublich schwer, eine gesunde grund-community anzuziehen. eine solche ist aber unendlich wichtig, weil sie die kultur des dienstes definiert, den vibe vorgibt, weil sie sich und den dienst gegen einflüsse und angriffe von aussen verteidigt, weil sie oft überhaupt erst den dienst erfindet – siehe twitter. (das gefüge der community kann sich verändern und in den meisten fällen verändert es sich auch und oft zieht die grundcommunity weiter, aber sie wirkt trotzdem nach. man denke an delicious, flickr, ffffound oder dysfunktional digg). viele neue tools suchen ihr heil in der flucht (we’re in it to win it, fokus auf betriebswirtschaftliche zahlen und die social media metriken, herankarren von beliebigen usern, virality) – aber ignorieren die kulturelle dynamik von diensten. die sensiblere variante setzt derzeit auf game mechanics (paradebeispiele foursquare und gowalla mit ihren badges), aber auch hier muss man aufpassen, welche anreize man setzt. ein dienst ist nicht nur das von ihm ermöglichte angebot, sondern auch das spezifische ökosystem an usern und das zusammenspiel mit dem ökosystem at large.

    neben dieser serie an entwicklungen, die (tendenziell) expandierende und deterritorialisierende kräfte freisetzte, gab es eine andere serie an entwicklungen, die (tendenziell) alles wieder aufsaugte und auf sich reterritorialisierte:

    darth facebook

    an sich ist facebook eine extrem gut gemachte und extrem gut durchdachte seite, die für viele leute wirlich ganz super ist. etwas abstrahiert betrachtet ist facebook ein ding gelungen: sie haben grössere teile ehemals privater kommunikation ins web gebracht und vernetzt. für sich allein betrachtet ist das super aber für das web at large ist der aufstieg von facebook zum schwarzen loch ein holzweg. nicht wegen facebook selbst, sondern wegen der reaktionen aller anderen (was man facebook eigentlich nicht vorwerfen kann.)

    (privacy ist bei facebook übrigens kein echtes problem. wer sich eine stunde mit den settings auseinandersetzt, der kann die sichtbarkeit seiner outputs grundsätzlich kontrollieren; ein echtes problem wäre eher die übertragung der ownership des eigenen outputs an facebook, die auslieferung unter die willkür der tos, usw., aber das ist dann teilweise auch egal, weil die aktivitäten oft nur einen temporären charakter haben und von einem selbst gwm. abgeschrieben werden können.)

    einige der sich aus facebook ableitenden probleme sind:

    die neutralisierung des potentials des offenen webs

    die dominanz von facebook hat dazu geführt, dass grosse teile des offenen webs (natürlich nicht alle, es gab auch eine fülle an interessantesten entwicklungen) von facebooks grösse quasi mesmerisiert nur noch eines wollen: offene alternativen zu facebook zu schaffen. reflexartig wird bei jedem neuen feature von facebook oft innerhalb von wenigen tagen ein offenes gegenprodukt ausgerufen (fb connect – openid; likes – openlike; share – openexchange; facebook plattform – open social; usw.)

    effekt ist, dass sie nur von facebook ohnehin schon gelöste probleme nochmal lösen, aber keinen neuen horizont öffnen, keine bessere alternative offerieren. der einzige anspruch ist, von facebook vl. ein paar prozentpunkte marktanteil abzuknabbern.

    der wahrscheinlich blockierendste selbstgewählte würgegriff: sie setzen auf noch mehr privacy – wir alle wissen: facebook kann man nicht trauen, das ist unser usp – und machen dadurch für sich selbst alles wirklich kompliziert. wenn das open web privacy zunächst einmal ausklammern würde und versuchen würde, das fliessen von allem öffentlichen zu katalysieren, dann wären wir schon jahre weiter.

    the one social graph

    ein weiterer von facebook ausgehender bremsklotz für die entwicklung des webs ist die grundannahme, dass jeder seinen sozialen graphen hat und den dann idealerweise von dienst zu dienst mit sich mitschleppt (was eben auf facebook zentralsiert geschieht).

    schon die vorstellung ist schrecklich: man kann gehen wohin man will – und überall sind immer schon die gleichen leute da.

    der ganze punkt am web aber ist, dass man nicht auf den handlungs- und denkkosmos seiner freunde beschränkt bleibt, sondern dass man sich interessengetrieben ausdifferenzieren kann. die eigenen freunde sind immer die besten und sie bleiben es auch, aber einerseits weiss man ohnehin, was man von ihnen erwarten kann (i.e. ich weiss wen ich fragen kann, was ich lesen oder hören oder mir anschauen soll, und wen ich besser nicht frage), und andererseits macht sie die tatsache der freundschaft nicht notwendigerweise in jedem bereich interessant.
    (ich vermute mal der studentische background von facebook ist der grund, dass facebook das noch nicht erkannt hat. in der high school und im college hängt man halt mit seinen freunden ab und darüber hinaus interessiert einen wenig; es ist jedoch unverständlich, dass etwa google etwas noch viel blöderes glauben konnte, nämlich dass das adressbuch des email-accounts auch nur irgendwas bedeutet, geschweige denn ein indikator für globales interesse ist, wobei sich das wahrscheinlich daraus erklärt, dass das im googleverse zusammenfällt)

    wir brauchen jedenfalls eine entkoppelung vom engen social graph der freunde und eigentlich auch vom halt mitgeschleppten social graph aus twitter, gmail und allen anderen sammelgraphen und bessere mechanismen für frei flottierende graphen, die sich konkret via der zirkulation von social objects ausdifferenzieren können. das ist jetzt sicher nicht das grösste problem, aber angesichts der tatsache, dass jeder zweite neue dienst als erste amtshandlung facebook connect anbietet und mehr als eine million seiten die social widgets integrieren, zumindest ein bedenkenswerter.

    das verlernen von sharing

    das klingt ein bisschen paradox, aber facebook verlernt uns das sharen oder genauer: erschwert den moment des aha-erlebnis des erkennens des prinzips sharing, das uns quasi zu sozialen bürgern macht (und der, wenn man will, mit dem spiegelstadium vergleichbar ist, also jenem moment, in dem ein kind sich selbst als individuum neben anderen erkennt). sharing ist ja mehr als ein bloßes veröffentlichen, sharing ist eine sehr spezifische, soziale form des publizieren, die das milieu eines dienstes kennt und berücksichtigt, die das jeweils gegebene beziehungsgeflecht kennt und berücksichtigt, usw.

    der parasit

    es gibt viele gute köpfe auch im deutschen web, aber mit der kollektiven kompatibilität mit dem web ist es so eine sache. irgendwie läuft es mit selbstauferlegten fussfesseln herum. für das dahinmurksen gibt es wohl viele gründe, zumindest einen strukturellen, den ich sehr spannend finde, möchte ich erwähnen:

    das nicht ertragen können, dass ein anderer aus der eigenen existenz ungefragt und ohne direkte bezahlung irgendeinen nutzen zieht.

    dieses grundgefühl zieht sich durch alle schichten und ist – so verständlich auch die haltung ist, wer wollte das schon – im web die blockade schlechthin.

    paradigmatisch wird das von der kulturindustrie repräsentiert: zeitungsverleger halten es nicht aus, dass eine nachricht ohne direkte bezahlung gelesen wird und dass google davon sogar finanziell profitiert, musikverwerter halten es nicht aus, dass ein track ohne bezahlung angehört oder als untermalung einer slideshow benutzt werden kann und dass google davon sogar finanziell profitiert, usw., aber – wie wir eben im fall faz vs. mspro miterleben konnten – es reicht schon aus, einmal ein falsch lizenziertes bild zu verwenden, um als ausbeuter wahrgenommen zu werden, oder noch viel schlimmer: als jemand, der sich als gänzlich unsensibel gegenüber den globalen ausbeutungszusammenhängen erweist.

    komplementär zu diesem grundgefühl kommt der anspruch, aus der verwertung eines produktes auch noch den letzten tropfen wert aussaugen zu wollen.

    dass auch die produzenten vorteile davon hätten, wenn sie ihre objekte/produkte netzwerktauglich machten, ist dabei egal. ich schneide mir lieber den finger ab, bevor ein anderer von meiner leistung profitiert, ohne dass ich direkt bezahlt werde oder mein explizites einverständnis gebe, und den finger schneide ich mir übrigens ganz sicher nicht ab, also fordere ich umfassende kontroll- und sanktionssysteme, die diesem treiben der nutznießer einhalt gebieten. die kosten für die systemische verunmöglichung von missbrauch sind aber üblicherweise um faktoren höher, als der tatsächliche schaden selbst.

    im web gilt aber (mit o’reilly): erzeuge mehr wert als du abschöpfst. niemand im web will die produzenten, egal jetzt ob gross oder klein, um die früchte ihrer arbeit bringen. aber man muss sich vom anspruch befreien, die gesamte wertschöpfungskette kontrollieren zu können und jeden tropfen wert abschöpfen zu müssen. gefragt ist nicht das pochen auf sein recht und das festbetonieren von monetarisierungsmodellen und der krieg gegen die fans, gefragt sind neue geschäftsmodelle unter den bedingungen des webs. dass man nicht jeden track und jeden artikel verkaufen (oder oft nur lizenzieren) kann, bedeutet nicht, dass man damit kein geld verdienen kann.

    inklusion : exklusion

    eine der mich am meisten nervenden immer wieder gestellten forderungen ist, dass alles für alle voraussetzungslos zugänglich und unmittelbar verständlich sein muss, dass das internet viel zu kompliziert ist. mir ist klar, dass das gut gemeint ist (alle sollen sich an den früchten erfreuen dürfen/können/wollen, sonst verbaut man sich die chance, dass es jeder verwenden könnte, etc.) – aber der effekt davon ist, dass alles wertloser wird.

    natürlich sollten verschiedene klassen von diensten so verständlich und bedienbar sein, dass sie auch von leuten, die nur seltenst das web benutzen und nicht täglich vier stunden webtechblogs lesen, angstfrei benutzt werden können. aber für spannendere geschichten ist es üblicherweise fast eine voraussetzung, wenn sie etwas sperriger sind, wenn man vorab einen bestimmten grad an eigener kognitiver leistung aufbringen muss, wenn man ein spezifisches set an problemen haben muss, bevor das tool als sinnvoll erscheint.

    es geht mir um himmelswillen nicht um ausschlussmechanismen (türsteher vorm p1: mit diesen schuhen kommst du hier nicht rein) sondern um komplexitäten, die selbstselektionen ermöglichen, die in der folge eine kulturelle ausdifferenzierung auf diensten triggern (torhüter bei kafka: dieser eingang war immer schon nur für dich bestimmt).

    nanocasestudy delicious: bis zum verkauf an yahoo gab sich delicious in der neuuserakquise sehr, wirklich sehr spröde, es hat sich tatsächlich überhaupt nicht erklärt. viele haben es nicht verstanden (warum soll ich überhaupt bookmarken? warum sollte ich meine bookmarks auch noch öffentlich machen? was sollen diese tags überhaupt? die seite schaut ja hässlich aus! etc.) – der effekt des nichterklärens war aber, dass es in den ersten jahren fast ausschliesslich leute verwendet haben, die sich diese fragen selbst beantworten konnten. der effekt davon war, dass die qualität der geposteten links und der vergebenen tags sehr hoch war und dass eine community entstand, die ein regelwerk an akzeptablen verhalten entwickelte und die sich gegen störungen verteidigte. auch nach dem verkauf an yahoo blieb es spröde. sie haben zwar eine art begründung und anleitung geschrieben, aber auch nach yahoo blieb das wichtigste feature die verweigerung der implementierung von geforderten features.

    nanocasestudy hacker news: hacker news ist ein paradebeispiel dafür, wie sich ein dienst durch eigensinn auch in einem gesättigt scheinenden markt positionieren kann. 2007 gab es schon hunderte soziale aggregatoren für technews, allen voran digg. aber diggs dna war traffic und einfluss, es wurde zu einer art MMORPG mit der währung diggs und dem sozialen objekt links, das in der folge in die inhaltliche irrelevanz gegamed wurde (aber natürlich noch immer tonnen an traffic verschickte, was leider als relevanz interpretiert wurde). hackr news tat einen teufel, um auf sich aufmerksam zu machen, und hat der quantität an usern, links, diggs und klicks ein einfaches regelwerk entgegengesetzt, welches die höchste qualität an startup news und fast immer auch interessante kommentar-threads produzierte. der unterschied ist die qualität der community und das ignorieren unfruchtbarer metriken.

    livecasestudy tumblr vs. posterous: ein interessanter fall spielt sich gerade vor unseren augen ab: der kampf zwischen tumblr und posterous um die hegemonie unter den tumblogs. beide tun im grunde das gleiche, aber tumblr setzt (tendenziell) auf kultur und community und posterous setzt (tendenziell) auf alles was sich bewegt (inklusive yo mama und abwerbeaktionen von anderen publishing-plattformen) und auf ein aggressives virales cross-posting der posteroustings auf jeder möglichen plattform. der ausgang ist ungewiss (die lage ist etwas komplizierter, weil die soziale dynamik nur eine und vielleicht nicht die wichtigste komponente bei der benutzung ist. posterous ist, bei aller platzhirschigkeit, ein gutes tool und nichts verhindert das betreiben von coolen posterous-blogs. gleichzeitig sind diverse traffic acquisition stunts auch tumblr nicht fremd), aber tumblr sollte die kulturell interessantere plattform werden, weil es wuchernde serien fördert, die sich aufeinander beziehen. beide sind übrigens schon so gross, dass es auch wieder platz für nachzügler gibt, wenn sie das problem gute und selbstselektierende community knacken.

    dienste für alle sind also völlig ok, aber es muss nicht jeder dienst für alle sein. wir brauchen mehr tools, die sich an den rändern ausdifferenzieren, die für wenige aber für diese dafür extrem gut geeignet sind. auch die spezielleren dienste brauchen üblicherweise eine gewisse kritische masse, davor greifen die verstärkungslogiken und sozialen dynamiken nicht. es gibt aber auch eine kritische masse nach oben, einen punkt, an dem der dienst nur noch schlechter wird. (dabei ganz interessant: facebook ist gegen diesen punkt resistent, weil es kein eigentliches ‘soziales’ tool ist, sondern nur ein überraum über partialgraphen; auch wenn facebook eine milliarde mitglieder hat, tangiert mich das nicht).

    mit d/g könnte man sagen: wir brauchen ein web der tausend plateaus, der milieus, der falten.

    konversation

    words are cheap und conversation ist auch cheap.

    natürlich nichts gegen das prinzip konversation, aber wie oben im bereich theorie hat auch der begriff konversation in den letzten fünf jahren eine eine konzeptionelle abwertung erlebt; ging es im cluetrain manifesto noch um die veränderung und transformation von märkten, fehlt mittlerweile in der gleichung die transformation der märkte und der reine akt der konversation als solcher wird gefeiert. die folge ist leider systematisierte zeitverschwendung.

    ich kann mich an keinen tag in den letzten drei jahren erinnern, wo nicht irgendwer irgendwarum irgendwas über konversation gefaselt hat, sei es weil sie fehlt, oder als lobende erwähnung, weil sie da ist, oder als kategorischer imperativ für das web. ich kann mich aber nicht daran erinnern, dass irgendwer in den letzten drei jahren den tatsächlichen wert der tatsächlich geführten konversationen jenseits ihres bloßen haltdaseins hinterfragt hat. natürlich, sie muss authentisch und menschlich sein, engaging sein, auf augenhöhe geführt werden, durch zuhören getriggert sein, etc., aber wenn sie das ist (oder so tut, was auch nicht so schwer ist), dann geht schnell die la ola los und alle sind über sich selbst gerührt. und kann man mit seiner checkliste technische fehler ausmachen, dann wird gleich mit verve erklärt, wie man das jetzt in social media so macht. aber niemand schaut sich an, was der eigentliche mehrwert der konversation ist und vor allem: ob es tatsächlich effekte gibt. (ok, ok, jarvis hat natürlich dell vom taylorismus ins googlezeitalter geführt).

    mein eindruck: unterm strich sind grösste teile des gequatsches (von unternehmen auf ihren gefundenen social media kanälen) eine reine beschäftigungstherapie und also reine zeitverschwendung für alle beteiligten. ich habe zwar überhaupt nichts gegen selbstbestimmte zeitverschwendung. wer jeden tag eine stunde (oder drei stunden) farmville spielen will, weil ihm das spass macht, der soll das tun, besser als fernsehen ist es allemal. das problem ist, wenn unternehmen diese zeitverschwendung künstlich und systematisch in ihre aussenkommunikation hineinbauen, um irgendwelche (engagement-) metriken optisch aufzubessern, ohne aber auch nur im ansatz darüber nachzudenken, wie sie bessere produkte und weniger crap produzieren. (den unternehmen kann man wie oben facebook natürlich keinen vorwurf machen. klar findet es coca-cola super, wenn ein promoted tweet 85 mio impressions und 6% engagement kriegt und leute dann auf dem youtube-kanal von coke landen, wo man teil der coca-cola jubelkette werden kann).

    uff, ist doch etwas länger geworden. und auch etwas jammernder, als es mir lieb ist. und natürlich teilweise auch sehr pauschalisierend.

    Einen herzlichen Dank an alle, die es bis hierher geschafft haben oder gelegentlich hier mitlesen und kommentieren, ohne euch wäre es nicht so lustig!

    (wohl der kerntext von live.hackr)


    Das unsichtbare Dritte

    25.04.2010

    der unsichtbare dritte
    photo credit: wikimedia

    Facebook ist, das wissen wir alle, das Böse unter der Sonne.

    Frage: na und‽

    Der Touch of Evil von Facebook liegt, kommt mir vor, nicht in einer radikalen Bösheit – was machen die Leute? sie tauschen sich aus, sharen, spielen Farmville -, sondern in der Fähigkeit, alle anderen von dieser Bösheit besessen (im sinne von um diese bösheit herumzuobsessieren) zu machen.

    Das Problem mit Facebook ist also nicht Facebook, sondern die Dummheit des Restwebs im Zumsichselbstfinden unter den Bedingungen von Facebook. Facebook hat einerseits die Messlatte für die meisten Beobachter (Blogger, Gründer, VCs) so verschoben, dass nichts anderes mehr sichtbar ist (ein dienst mit 50.000 usern, roflmao, facebook hat 10.000 mal soviel). Und andererseits treibt es das ‘offene’ Web in diesen vor kurzem beschriebenen antisynthetischen Reaktionsstrudel. Offen bedeutet immer seltener intensivierend/molekular und immer öfter verdoppelnd/molar aber halt offen.

    thema: die dummheit des restwebs unter den bedingungen von facebook


    Das offene Web und seine Feinde

    01.02.2010

    ipad

    iDiss revisited, ca. 200 meinungen später.

    ein pattern dabei ist recht interessant: die protagonisten der offenheit und des hackens haben wenig vertrauen in die systemkraft der offenheit resp. die kreativkraft der menschen. viele sehen im ipad fast schon eine art endgame, bei dem offenheit und eigensinn kurz vor dem matt stehen, weil sie der grossartigkeit des ipads / dem schrecklichen weil lustvollen matmos / nichts entgegensetzen können.

    The iPad is an attractive, thoughtfully designed, deeply cynical thing. It is a digital consumption machine.

    alex payne zb macht aus dem ipad fast schon eine art bioadapter der gesellschaft.

    (kreativität wird nicht angeregt, sondern unterdrückt; das ist umso schlimmer, weil die vorgeschlagene metapher zur verwendunge von computern u.u. bei vielen sogar besser ankommen könnte als das (sinnlose aber lehrreiche) herumtinkern; wer nur das ipad kennt, wird kein hacker; viele iphone user kennen ausser ihren apps nichts; apple unterstützt das auch noch, die werbung sagt ‘da gibts ne app für’, vom web sagt sie nichts; apple schert sich keinen deut um offenheit und kann oder will offenheit nicht mit usability und eleganz verknüpfen;die entscheidung dafür hat keine technische grundlage, sondern ist strategisch; der weg den uns das ipad weist ist also verführerisch und dystopisch; usw.)

    Yet I am concerned that it will get a flow of great apps from people who are willing to compromise on their freedom and users’ freedom.

    dave winer rundet die befürchtungen ab. es könnte zu einem brain drain kommen, bei dem entwickler ihre kreativität in eine plattform pumpen, die dann – etwa wegen patentrechten auf multitouch – noch nicht mal auf anderen plattformen emuliert werden kann.

    leichter dahergesagt als getan aber trotzdem: wer an die offenheit glaubt, der muss auch an ihre konkurrenzfähigkeit in einem milieu glauben, in dem es auch geschlossene systeme gibt.

    wer an die offenheit glaubt, der muss auch an ihre konkurrenzfähigkeit in einem milieu glauben, in dem es auch geschlossene systeme gibt