Blog Studies

  • Minimal Models pt. 1 (The Media Edition)
    Minimal Models pt. 1: Zur Ausdifferenzierung von Medien.
  • Lazy Blog Ep. 38
    (blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass ein format wie medium tatsächlich deutlich effektivere mechanismen zur produktion, rezeption und distribution von mediumreads erzeugen konnte, als die ges. blogosphäre zusammen)
  • Quiz Pt. 86 (The To Blog Or Not To Blog Edition)
    Blogs werden von zwei Narrativen eingerahmt. Welcher ganz einfache Sachverhalt, der beide Positionen irrelevant macht, wird von beiden übersehen?
  • Papierkorb pt. 16
    (was mich immer irritiert - und das sieht man nicht so selten - ist, wenn sich leute wesentlich mehr anstrengen, wenn sie irgendwo einen gastbeitrag schreiben, als im eigenen blog usw.)
  • Lazy Blog Ep. 16 Material
    nur ein paar gedanken zu Lazy Blog Ep. 16
  • Lazy Blog Ep. 16
    blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass blogs zwar tatsächlich ein 'ideales' format sind, dass das ihnen inhärente potential aber gedämpft wird, weil sie selbst in der triade produktion/distribution/rezeption nur die p
  • Die Zumutung
    blogs sind tatsächlich nur noch als soziale zumutung nützlich
  • Text and Nothingness
    diskurs ist im web immer an eine konkrete formation (und deren je spezifische produktions-, rezeptions- und resonanzbedingungen) gebunden.
  • why not blog?
    was trotzdem jeder haben sollte: eine webseite / why not blog? / unter der eigenen kontrolle.
  • Short Cuts Pt. 4 (Tod von RSS Edition)
    In den letzten Wochen war mal wieder viel vom Tod von RSS zu hören. Ohne auf die jeweiligen Thesen im Detail einzugehen trotzdem ein paar Worte dazu, warum das ein blödsinniger hubbub ist.
  • Ungebloggt soll man nicht schlafen gehen
    Ein paar Übelegungen zur zunehmenden Abwesenheit der Anschlusskommunikation von Blogs, was neue Tools betrifft.
  • Konzept des Tages: Das Selbstgespräch, das von anderen geführt wird
    Eigentlich unser Konzept des Montags: das selbstgespräch, das von anderen geführt wird.
  • Bloggen
    Ein guter Grund dafür so zu bloggen wie andere, ist der, dass die anderen so bloggen.

  • Minimal Models pt. 1 (The Media Edition)

    16.11.2014

    stellen wir uns einmal eine welt vor, in der es zur elektronischen publikation/kommunikation nur ein medium gibt: jeder der will kann schreiben was und wie er will. nennen wir es blogs.

    alle, die etwas publizieren wollen, benutzen blogs für ihr gesamtes ausdrucksbedürfnis, was sollten sie auch sonst tun. es wird sich ein bestimmter infoökonomischer raum an bloggern und lesern ausbilden und sich auf einem gewissen aktivitätsniveau mit einer gewissen verteilung von ‘jobs’ einpendeln.

    stellen wir uns vor, dass dann ein zweites medium hinzukommt, das zwei unterscheidungen einführt: einerseits wird die länge der texte auf 140 zeichen begrenzt, andererseits werden die teilnehmer sozialisiert/vernetzt. nennen wir es twitter.

    was wird passieren?

    • leute werden neue kommunikative ‘jobs’ entdecken, die mit dem neuen, kleinen medium plötzlich sinnvoll werden (nicht, weil sie davor grundsätzlich unmöglich waren, aber weil sie davor ‘infoökonomisch’ gwm. zu teuer waren).
    • es wird eine umverteilung/migration der beteiligten geben: leute werden beginnen, twitter statt blogs für die neuen dinge zu verwenden, und für die dinge, für die twitter besser geeignet ist.
    • einige leute werden erstmals an der kommunikation teilnehmen, weil sie erstmals für sich sinnvolle jobs entdecken oder weil es für sie erstmals einfach genug ist oder schnell genug geht.
    • einige andere werden fortan blogs und twitter verwenden, einige weiterhin nur blogs, einige nur oder nur noch twitter.
    • die anzahl der teilnehmer wird insgesamt zunehmen.
    • die anzahl der kommunikationsereignisse wird in diesem fall wohl dramatisch zunehmen, einfach weil es von einfacherem und kleinerem üblicherweise mehr gibt (allerdings könnte das auch anders sein; hätten wir unsere welt mit twitter begonnen, würde sie wohl ebenso dramatisch abnehmen).
    • der marktanteil wird sich verschieben. (die bewertung davon ist jedoch eine schwierige sache, weil der marktanteil an den gesamten kommunikationsereignissen tatsächlich nichts über die nachhaltigkeit oder gesellschaftliche relevanz von medien aussagt.)

    als ergebnis entsteht irgendwann jedenfalls ein neues infoökonomisches milieu mit zwei ebenen der ausdifferenzierung: einerseits differenzieren sich die medien ‘gegeneinander’ aus; andererseits differenzieren sich innerhalb der einzelnen medien die kommunikationsereignisse der jeweiligen jobs aus. sowohl die medien selbst als auch die qualität und quantität der kommunikationsereignisse innerhalb der jeweiligen medien pendeln sich auf einem gewissen neuen aktivitätsniveau ein.

    these:

    mit jedem weiteren medium entstehen – immer der gleichen logik folgend – jeweils immer wieder neue milieus, die sich jeweils immer wieder einerseits bezüglich der medien untereinander und andererseits in jedem medium in sich selbst bezüglich der jobs und ereignisse ausdifferenzieren.

    (neue medien entstehen üblicherweise durch einführung von neuen unterscheidungen; neben der unterscheidung lang und asozial (blogs)/kurz und sozial (twitter) wie in unserer welt, gibt es viele andere wie öffentlich/privat, stationär/mobil, billig/teuer, E/U, autonom und selbstbetrieben/abhängig und in der cloud, permanent/peripher, frei flottierend/vernetzt, vom gemeinen volk/von spezialisten, und viele mehr. jede unterscheidung verdoppelt gwm. die anzahl der möglichen medien, wobei es aber auch clusterbildungen und nicht genutzte kombinationen gibt).

    was kann man nun schon aus diesem allereinfachsten modell lernen?

    • ein neues medium kann die anzahl der systemweiten ‘kommunikationsereignisse’ erhöhen (etwa weil es schneller oder kleiner oder billiger oder omnipräsent ist) oder aber auch reduzieren (etwa weil es dinge zusammenfasst oder überflüssig macht). in beiden fällen funktioniert die gesamtkommunikation danach idealerweise besser. die anzahl der kommunikationsereignisse selbst ist also eine völlig sinnlose metrik.
    • man kann und sollte mehrere medien gleichzeitig verwenden, idealerweise jeweils für den damit angemessenen job. das alte oder andere medium muss nicht sterben, damit das neue sinnvoll oder wertvoll wird. (das klingt offensichtlich aber viele fühlen sich leider nur wohl, wenn sie irgendwas ausstopfen und an die wand hängen können.)
    • es ist ganz grundsätzlich nicht schlecht oder beklagenswert, wenn ein altes medium ‘marktanteile’ an ein neues medium verliert. das ergebnis der anpassung ist ein kommunikatives gleichgewicht auf höherem niveau. es gibt ganz grundsätzlich nichts zu urteilen, sondern nur was zu beobachten. (don’t ask yourself if this is a good thing or a bad thing. ask yourself what’s going on)
    • der ‘marktanteil’ der verschiedenen medien ist auch nicht sinnvollerweise vergleichbar, weil sie völlig unterschiedliche funktionen mit unterschiedlicher wertigkeit entlang der achsen persönlich, sozial und system (siehe) erfüllen können. (ein beliebiger blogeintrag erzeugt eine woche später mehr diskursive anschlussfähigkeit als alle 50 milliarden whatsapp messages eines tages zusammen.)
    • es bringt nichts, die alten marktanteile im neuen milieu retten zu wollen oder künstlich zu pimpen. (das zu verstehen ist wirklich wichtig, wenn man ein betreiber vom alten medium ist, vor allem, wenn man die produktion – etwa von zeitungen – irgendwie ‘finanzieren’ muss. den eigenen realistischen anteil falsch einzuschätzen kann mitunter auch ein fataler fehler sein, weil der threshold zur erhaltung von aufgeblähten apparaten ja nicht kontinuierlich ist, sondern erst ab einem kritischen punkt einen dann aber plötzlichen sog nach unten erzeugt, der oft aber vermeidbar wäre. wir sehen das leider derzeit bei fast allen altmedien wie print aber auch etwa bei twitter inc.) viel wichtiger als der relative marktanteil sind die absoluten ereignisse.
    • die effekte und möglichkeiten des jeweiligen mediums sind keine ‘leistung’ des mediums oder der macher, sondern effekte, die durch die benutzung entstehen.
    • es gibt strukturell keine zeitlichkeit oder vorrecht des einen mediums über das andere; ist das neue medium einmal da, koexistiert es mit allen anderen medien gleichwertig. (der kleine vorteile vom historisch älteren medium ist, dass die leute erst wechseln/ihr verhalten adaptieren müssen. das endgültige gleichgewicht für eine bestimmte konstellation ist aber zeitlos.) zwar wird es im konkreten historischen verlauf gewisse wellen geben (überschätzung am anfang, hysterie bei beobachteter abnahme, etc.), früher oder später passt sich die kommunikation jedoch an, weil das kämpfen gegen die ineffizienzen zu teuer wird.
    • interessanterweise ist die möglichkeit der entstehung mancher medien selbst ‘historisch’. bestimmte medien sind nur sinnvoll, wenn sie sich etwa asymmetrisch gegen andere medien positionieren können. (sind sie aber erst einmal da, können sie gwm. nicht mehr ungeschehen gemacht werden.)
    • medien können durchaus auch obsolet werden und verschwinden. (allerdings sollten sie überleben können, solange es zumindest einen halbwegs populären ‘job’ gibt, für den sie das medium sind, das dafür am besten geeignet ist.)
    • gelegentlich können die verschiebungen und migrationen ob eines neuen mediums auch sehr schnell gehen und/oder sehr grosse auswirkungen haben.
    • es ist wirklich wichtig, nicht den fehler zu machen, die übergangsphase von einem zustand in den neuen als etwas anderes als eine anpassung ans neue gleichgewicht zu interpretieren. (das ist natürlich der fehler, den alle machen, die sich zahlen von twitter, facebook und whatsapp anschauen und dann aleatorisch extrapolieren um dann wasauchimmer und jedenfalls den tod von irgendwas zu prognostizieren.)
    • auch wenn medien wegen anderen medien üblicherweise ‘marktanteile’ verlieren, so wird doch gleichzeitig auch ihr eigenes profil geschärft. sie werden also besser, weil sie zunehmend für die jobs herangezogen werden, für die sie wirklich geeignet sind.

    nur zur sicherheit: das modell ist natürlich nicht realistisch; es basiert auf der sicher nicht erwartbaren annahme, dass alle teilnehmer über alle medien vollständig informiert sind und sich egoistisch rational verhalten; es nimmt auch einen frei fliessenden informationsmarkt an, während die reale situation in vielen fällen ein spieltheoretisches problem egoistischer anbieter ist. auch als medientheorie ist es supernaiv. aber für die entwicklung eines gefühls für die grösse des eigenen ballparks ist es tatsächlich nützlich, zumal sich die menschen in summe üblicherweise erstaunlich rational verhalten, oft viel rationaler, als es zb die macher der einzelnen angebote selbst können. (twitter zb macht entgegen vieler unkenrufe ja noch immer vieles richtig, ihre ganzen probleme haben sie sich eigentlich durch eine deutliche selbstüberschätzung eingehandelt und je länger sie das nicht verstehen, desto fragiler wird der ganze datentyp tweet, weil sie ihn mehr und mehr micromanagen und immer mehr einschränken, aber das ist eine andere geschichte.)

    (die gleiche logik kann man grundsätzlich natürlich auch in anderen feldern wie handel oder gadgets vermuten, zumindest als asymptotischer horizont. oft hilft wirklich schon, wenn man sich die lage für die zwei achsen offline/online und statisch/mobil durchdenkt.)


    Lazy Blog Ep. 38

    13.11.2014

    (blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass ein format wie medium tatsächlich deutlich effektivere mechanismen zur produktion, rezeption und distribution von mediumreads erzeugen konnte, als die gesamte blogosphäre zusammen)

    ((die meisten fragmente dazu sind ohnehin hier zu finden, wer hier mitliest dürfte also zumindest eine der möglichen argumentationslinien kennen))

    (((für mich – also leider nicht lazyblogifizierbar – ist das so ein fall vom fluch ‘mögen deine wünsche’ in erfüllung gehen)))

    ((((bonuspunkte wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie))))


    Quiz Pt. 86 (The To Blog Or Not To Blog Edition)

    21.12.2013

    Blogs werden von zwei Narrativen eingerahmt:

    • Blogs sind tot! (unlängst natürlich von Kottke – und wenn das der paradigmatische Blogger schlechthin sagt, dann ist das natürlich ein Schock, aber das kommt seit spätestens 2008 zumindest einmal im Jahr als Trope, siehe etwa Wired, wo Paul Boutin fünf Jahre vor Jason mehr oder weniger das gleiche sagte)
    • Sei frei und blogge! (man denke an Haeusler und iirc auch Lobo im Zuge der letzten re:publica, aber auch das ist ein sich periodisch wiederholender Imperativ)

    Welcher ganz einfache Sachverhalt, der beide Positionen irrelevant macht, wird von beiden übersehen?

    (wer will kann alternativ auch die jeweils falsche grundannahme nennen)

    update aus den kommentaren:

    - ich würde den ersten absatz etwas abstrahieren: der fehler liegt darin, an blogs einfach völlig willkürliche erwartungshaltungen (zukunft des journalismus, rettung der demokratie, etc.) zu knüpfen, die mit dem format blog aber nichts zu tun haben, statt blogs in ihrer konkreten potentialität in einem jeweils konkreten (und sich über die jahre ändernden) sozio-technischen gefüge zu sehen.

    was uns zum zweiten absatz bringt: genau, warum sollte den leser auch interessieren, in welcher form er nachrichten bekommt? er oszilliert halt zum für ihn bequemsten medium, das noch gut genug ist und warum sollten das blogs sein.

    auf eine einfache formel gebracht:

    - der fehler vom blogs sind tot! ist, dass übersehen wird, wofür blogs geeignet sind und welche möglichkeitsräume sie erzeugen. (und das sind vl. nur noch 2% unseres outputs, aber u.u. gehören diese auch zu den wertvollsten 5% überhaupt, beides hausnummern)

    - der fehler vom bloggt! ist, dass übersehen wird, wofür blogs nicht geeignet sind. und sie für was ungeeignetes zu empfehlen ist leider genauso kontraproduktiv, weil es alle beteiligten frustriert.


    Papierkorb pt. 16

    22.10.2013

    (was mich immer irritiert – und das sieht man nicht so selten – ist, wenn sich leute wesentlich mehr anstrengen, wenn sie irgendwo einen gastbeitrag schreiben, als im eigenen blog usw.)


    Lazy Blog Ep. 16 Material

    23.11.2012

    nur ein paar gedanken zu Lazy Blog Ep. 16

    vom produktionsmodus her sind etwa tweets deutlich konsistenter als blogposts. tweets erzeugen sich selbst. der schreibmodus ist nicht, dass man sein tolles leben führt, in dem einem irgendwann der zu twitterende satz einfällt. die tweets entstehen, während man auf twitter ist.

    auch blogs erzeugen ihre eigene form. aber da blogs offen sind erzeugt das jeder blogger den modus für sich selbst. und die rezepionstechnisch traurige nachricht bei blogs ist ganz einfach: leider kann nicht jeder alle blogs lesen. aber jeder kann auf facebook, twitter und G+ sein und also in dem dortigen environment alles in den eigenen strom gespült bekommen, aber ftg+ ist es dann auch schon mit den plattformen und dem jeder.

    anderer punkt ist etwa die ökonomie des kommentierens. kommentiere ich in eine blog, dann ist es aus meiner perspektive dort versunken. kommentiere ich auf FTG sind sie alle fein säuberlich dort.


    Lazy Blog Ep. 16

    22.11.2012

    (blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass blogs zwar tatsächlich ein ‘ideales’ format sind, dass das ihnen inhärente potential aber gedämpft wird, weil sie selbst in der triade produktion/distribution/rezeption nur die produktions- und rezeptionsbedingungen in der eigenen hand haben, nicht aber die distributionsketten. die tragik des dilemmas ist, dass die distribution grundsätzlich gelöst ist – aka google reader -, dass der dafür notwendige aufwand aber, so minimal er ist, eine unüberwindbare hürde darstellt. bonuspunkte wie immer für konkrete fallstudien, welche alternativen serien mit welchem erfolg entstehen (tumblr, das eigene distributionscommunities via following und likes etabliert, etc.) und sternchen für eine umfassende typologie aller textbasierten formate)


    Die Zumutung

    13.10.2012

    blogs sind tatsächlich nur noch als soziale zumutung nützlich

    ^ auch devoha


    Text and Nothingness

    23.08.2012


    (nts: mich öfter selbst zitieren)

    sorry, eindeutig zu viele quizzes lately. also nur noch schnell meine antwort für quiz pt. 67 die natürlich mit dem gleichen grundgedanken spielt, wie social and nothingness, die antwort auf quiz pt. 64, nämlich dass sascha schon wieder (genauer gesagt auch schon davor) den falschen prozess (bloggen erleichtern) für das falsche problem (texte aus den klauen der plattformen emanzipieren) fordert. ich ersetze mal in social and nothingness sozial mit diskurs:

    “die falsche grundannahme (nicht nur von lobo, auch von allen anderen ohnehin reflexartig geforderten ‘befreiungen’ von auf ‘geschlossenen’ plattformen geführten texten, aussagen und diskursen) ist, dass es ein abstraktes mitgeteiltes gibt, das eine öffentlichkeit sucht.

    es gibt aber keinen ungebunden diskurs, der an keine konkrete formation gebunden ist. diskurs ist im web immer an eine konkrete formation (und deren je spezifische produktions-, rezeptions- und resonanzbedingungen) gebunden. vielleicht nachvollziehbarer: es gibt auch kein abstraktes bedürfnis sich mitzuteilen, für das man nur einen container sucht, und falls es der eine nicht tut, dann verwendet man halt den anderen. jede erfolgreiche plattform erzeugt ihre diskurse aus dem nichts. (das ist die saure lektion, die blogger noch verstehen müssen.) und es gibt auch keinen abstrakten text, den man halt bei gelegenheit aus facebook oder twitter oder g+ ausräuchern und an einem offenen blog in freiheit reterritorialisieren könnte.

    der diskurs ist nicht die ursache für, sondern der effekt von plattformen (und wieder: deren je spezifische produktions-, rezeptions- und resonanzbedingungen). und das verhältnis ist nicht struktur-funktional, sondern – wenn man will – quantenphysikalisch.”

    (passt zwar nicht ganz, aber gar nicht so schlecht. wer sich betätigen will: siehe Lazy Blog Ep. 3)


    why not blog?

    15.12.2011

    was trotzdem jeder haben sollte:

    eine webseite / why not blog? / unter der eigenen kontrolle.

    es kann sein und kommen was will, man kann drauf machen, was man will (und wenn man sich an die allgemeinen regeln hält auch ziemlich problemlos)

    und deshalb kann man es als anlaufstelle benutzen, die auch dann funktioniert, wenn andere dienste verschwinden, wenn man blockiert wird, whatever.

    und man kann dort auf etwaige dienste verweisen, wo man tätig ist. ggf. das bei sich wiederholen.

    und man kann zb eine email-adresse posten, auf dass alle interessierten mit einem in kontakt treten können.


    Short Cuts Pt. 4 (Tod von RSS Edition)

    20.01.2010

    In den letzten Wochen war mal wieder viel vom Tod von RSS zu hören. Ohne auf die jeweiligen Thesen im Detail einzugehen trotzdem ein paar Worte dazu, warum das ein blödsinniger hubbub ist.

    Zunächst werden oft zwei Dinge vermischt: RSS als Format und RSS als kulturelle Technik des Abonnierens und Lesens von Feeds. Gemeint wird immer zweiteres, aber die Schlussfolgerungen werden manchmal vermischt. Egal, diese Unstimmigkeit erkennt man schnell und kann man abheften.

    Was bleibt ist die Annahme, dass Feedlesen eine aussterbende Gattung ist, die von neueren, besseren, effizienteren, fortgeschritteneren Techniken abgelöst wurde. Und diese Annahme ist auf mehreren Ebenen problematisch. Das Äugen auf und die Bervorzugung von Charts (Wachstum hier, Verluste dort) anstelle der Wahrnehmung von Wert; die Notion eines ‘weiter ist besser’ bei blinder Zerstörung der Vorhandenen; der Begriff von Early Adopters, die die fortgeschrittensten Techniken reflektieren aber in Wirklichkeit dichtere Formen gegen dünnere eintauschen; die Annahme, dass was sich nicht als mainstreamtauglich für alle herausstellt nix wert ist; usw.

    Das alles ist im Grunde egal, jeder soll machen was er will, und was andere tun tangiert einen persönlich wenig (anders als bei sozialen systemen, wo die koppelung viel stärker ist). Aber ganz stimmt das dann doch wieder nicht, weil man selbst natürlich auch nur irgendwie im Gesamtökosystem verankert ist, und auch wenn man seinen eigenen informationsökonomischen Haushalt selbst bestimmen kann, so schwimmt man eben im aggregierten Ergebnis der Aktionen aller anderen; und die Resonanzräume, die durch die Praktik des Rezipierens und Prozessierens von Feeds getriggert werden, sind interessanter, als die Resonanzräume, die durch verstümmelte Formen wie Beschränkung auf Twitter und Memetracker und Empfehlungssysteme mit anschliessendem Retweeten und Liken getriggert werden.

    Nix gegen Memetracker und Twitter und Empfehlungssysteme, die sind super und haben ihren Wert und können einige Dinge viel besser, als das persönliche (zuerst einmal Finden und) Abonnieren und Lesen von Feeds.

    Aber das (zuerst einmal Finden und) Abonnieren und Lesen von Feeds ist die potentiell dichteste, effizienteste und persönlich wertvollste Technik. Sie sollte das Herz der individuellen Anbindung an den Gesamtstrom sein.

    Die wunderbarste Eigenschaft des Webs sind die kleinen Dinge und die Möglichkeit einer Ausdifferenzierung an den Rändern. Wie strange man auch immer selbst veranlagt ist, wie noch so unwahrscheinlich die eigenen Interessen, im Web gibt es für alles Anschlusskommunikation. Massenmedien müssen per definitionem immer Massen ansprechen, aber niemand ist Masse und also pendelt sich das was sie tun auf irgendeinem kleinsten gemeinsamen Nenner ein. Aber im Web gibt es immer einen, der sich auch mit dem Thema beschäftigt, der Dinge radikaler beschreiben kann, der ohne Rücksichtnahme auf Allgemeinverständlichkeit und also dichter denken kann und vielleicht für einen gerade richtig ist etc. Massenmedien müssen für alle gut genug sein, aber im Web dürfen Spezialisten für andere Spezialisten gut genug sein, und auch wenn das nur 10 Leute sind ist die Welt ein besserer Ort.

    Blogs sind nun die ideale Form, um partikulare Expertise von anderen mit spezifischen Interessen zu mappen, und das Abonnieren und Lesen von Feeds ist die ideale Form, um die spezifischen eigenen Interessen zu beliefern. Blogs sind deshalb ideal, weil es drei Dinge besser als jede andere Form vereint: Geschmack, Urteilskraft und Komplementarität.

    Geschmack

    Über Geschmack kann und braucht man nicht zu streiten, aber es ist eine binäre Kategorie. Wird der eigene Geschmack getroffen, ist man happy, sonst muss man halt durch.

    Urteilskraft

    Bei der Urteilskraft ist es ein bissl wie bei dem Geschmack, die gefühlte Unterstellung einer Urteilskraft ist immer ein subjektives Gefühl, die vom eigenen Wissenstand abhängt. Anders als beim Geschmack muss das Vertrauen in die Urteilskraft des Anderen allerdings erst aufgebaut werden und wachsen. Auch anders als beim Geschmack kann man über die Urteilskraft schon streiten.

    Komplementarität

    Bei der Komplementarität geht es darum, zu welchem Grad das, was man selbst ohnehin weiß, ergänzt wird. Auch Dinge mit wunderbarem Geschmack und präzisester Urteilskraft sind völlig witzlos und wertlos, wenn man alles ohnehin schon kennt. (einer der grössten fehler der mehrzahl von systemen ist die annahme, dass sich möglichst gleiches mit gleichem mischen soll)

    thema: rss und urteilskraft


    Ungebloggt soll man nicht schlafen gehen

    22.11.2008

    Kleine Notiz am Rande: Mir fällt schon seit einiger Zeit auf, dass die blogosphärische Resonanz auf neue Tools am Abnehmen ist.

    Ich hab jetzt gestern einmal an die hundert Links zu Betas fürs MoMB, die sich in den letzten Wochen angesammelt haben, weil ich sie nicht sofort gepostet hab, en block prozessiert und interessehalber auf Technorati die Reaktionen gegengecheckt.

    Breit diskutiert wurden die wenigsten, und da kann man jetzt sicher sagen, na gut, wer soll denn über die zehntausendste Permutation von einem durchgekauten Prinzip noch gross was schreiben, aber auffallend war dabei besonders, dass auch Tools, die auf allen Grossblogs (TechCrunch, RWW, Mashable, VentureBeat, Webware) und bekannteren Listblogs (KillerStartus, eHub, …) die Runde gemacht haben, dann auf 40, manchmal 100 Gesamtreaktionen gekommen sind, wobei man da dann oft die Zahl von eigentlichen Reaktionen auch gleich wieder halbieren kann, weil die Einträge dann oft von irgendwelchen Reblogs noch 10x wiederholt werden.

    Jedenfalls geht die Anschlusskommunikation in 9 von 10 Fällen wirklich gegen Null, und zwar nicht nur bei überflüssigen Tools, sondern auch bei nicht so schlechten und teilweise auch bei völlig netten. Es gibt keine Blogger mehr, die jenseits einer Verkündung neue Tools ausprobieren, mit ihnen herumspielen, und dann darüber schreiben.

    Ein Faktor ist sicher, dass sich die Kommunikation / die Berichterstattung von gerade entdeckt’s in Richtung Twitter oder FriendFeed verschoben hat, und das ist auch völlig ok so. Ob man 10x liest blabla ist gestartet, oder 200x ist tatsächlich wurschtegal. Ich glaub nicht, dass Twitter & Co. deshalb und dadurch eine Verdünnung des Diskures fördern. (ein kleines problem, bzw. kein problem, aber eine verschiebung der milieus, hier ist, dass microblogging / lifestreaming keinen diachronen wert hat; was nicht sofort aufgegriffen wird ist eine stunde später in die unauffindbarkeit weitergespült.)

    Doch die völlige Nichtvorhandenheit von Blogs, die spielerisch, kreativ, wenn man will auch kritisch neue Tools beschreiben (und die nicht nur den launch, alle fundings und ggf. den deadpool vermelden), wie es sie 2005 / 2006 doch noch in stattlicher Anzahl gegeben hat, ist ein echtes Problem, weil sich der diskursive Wert in einer Spirale nach unten bewegt.

    Meine Hypothese ist, dass Blogs ursprünglich einen grossen Teil ihrer Kraft als Gegenentwurf zu den MSM bezogen haben, der sich dann tatsächlich auch in einer Ausdruckskraft wiedergespiegelt hat, dass Blogs aber (noch) kein Mittel gegen die daran anschliessende Ausdifferenzierung und die einsetzenden Power Laws der Blogosphäre gefunden haben, die in einer negativen Auslese mehr und mehr die Blogs mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner begünstigt hat, was die zugrundeliegenden Ökonomien destabilisierte. Was auch egal wäre, wenn nicht dadurch die kollektiven Selektionsmechanismen verdummen würden, was den verblödenden Trend nochmal verstärkt.

    (abt. offene loops)

    (relativ frühe diagnose des sich zunehmend schwerer gestaltenden positionierungskampfes von blogs im infoökonomischen gesamtsystem)


    Konzept des Tages: Das Selbstgespräch, das von anderen geführt wird

    22.05.2008

    enthalten hier

    (dsdv… dünkt mir überhaupt die adäquateste definition vom bloggen zu sein)

    (nach wie vor die eigentlich einzige zutreffende beschreibung vom bloggen)


    Bloggen

    30.04.2005

    Ein guter Grund dafür so zu bloggen wie andere, ist der, dass die anderen so bloggen. Der Bloggebrauch ist stark konventionell und nicht bloß kongruent. Man stimmt nicht einfach darin überein, wie man Blogs zu gebrauchen hat, sondern führt die Übereinstimmung als einen Grund dafür an, dass man sie so zu gebrauchen hat. Eine Folge davon ist, dass Blogkonventionen dazu neigen, sich selbst zu stabilisieren. Wenn ihr ‘so sein’ ein guter Grund dafür ist, sie zu beachten und zu befürworten, dann widersetzen sie sich durch einen reflexiven Prozess von innen heraus dem Wandel. Abweichungsversuche werden aufgehalten und der konvergente Gebrauch wird der nächsten Generation als Standard der Korrektheit übermittelt. Dieser Prozess dient der Selbststabilisierung. Alle konventionellen Normen sind auf die gleiche Weise selbststabilisierend. Nachdem sie einmal da sind, ist ihre Existenz sowohl Grund, als auch Ursache ihrer Fortdauer.

    (keine ahnung, was mich da geritten hat. irgendwie aber ganz witzig.)