kl. nachtrag zu quiz pt. 91 : ich hab die antwort schon im titel versteckt, sie ist ev williams, dem es tatsächlich dreimal gelungen ist, einen grundsätzlichen asymmetrischen nachteil in ein von der welt angenommenes produkt zu verwandeln und dabei die bestehenden hegemonialen strukturen zumindest ordentlich durchzurückeln.

blogger hat 1999 die erstellung von inhalten durch vereinfachung demokratisiert,

twitter hat 2006 die erzeugung von inhalten durch etablierung eines wirklich kleinen primären datentyps multipliziert, und

medium schickt sich seit 2012 an, die wertschätzung von inhalten durch ästhetisierung (nicht nur, aber primär, weil sich die jeweilige bemühtheit selbst daran klammert) zu reetablieren.

(die gute frage ist, was nach komplexität, aufwand und schönheit die nächste achse ist, die eine unbeantwortete andere seite hat)

Eine weitere wirklich nützliche Unterscheidung ist ganz sicherlich die Unterscheidung: verbessert eine/meine Lösung für ein Problem die bestmögliche Lösung für das gleiche Problem, die mit Bleistift, Papier und/oder entsprechend angepasstem Verhalten möglich wäre?

endlich wieder einmal ein quiz:

wer oder was hat (1) durch vereinfachung demokratisiert, (2) durch verkleinerung die produktivität eskaliert und (3) durch verschönerung die wertschätzung reetabliert?

update: die antwort liegt hier thx.

Die Stummfilm-Diva (m/w) ist ein gelegentlich gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er vor 30, 40 Jahren mal ein Star war, er sein Selbstbild seit damals aber nicht mehr angepasst hat und nun nur noch in einer Scheinwelt lebt, in der er immer noch der Star ist, während die Welt weitergezogen ist und etwa Farbe und Ton bekommen hat.

Der Punkt, um den es mir dabei geht, ist das Divergieren von Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung, wobei die Selbstwahrnehmung oft durchaus verständlicherweise gleich bleibt, sich die Fremdwahrnehmung aber mitunter dramatisch verändert hat, weil sich die eigene Funktion für die Anderen dramatisch verändert hat, das jedoch nicht zur Kenntnis genommen wird. Und es geht dabei nicht um eine natürliche Evolution oder um unvermeidbare Kollateralschäden von einem ‘Fortschritt’, sondern um das Ignorieren von – oft natürlich technokulturell bedingten – Veränderungen und Verschiebungen der eigenen Position, was mittelfristig halt zu einer zunehmenden ‘Verrücktheit’ des eigenen Blickwinkels führt.

Wie das oft ausgeht wissen wir aus Sunset Blvd.

(die paradigmatischen stummfilm-diven sind derzeit natürlich die zeitungen und zeitschriften. immer, wenn man vom nächsten bezahlmodell hört, das sich irgendeine publikation ausgedacht hat, muss man sich ja kurz am kopf kratzen und sich fragen, wie sie sich auch nur ansatzweise denken können, dass das eine gute idee ist, oder wie sie sich auch nur irgendwie vorstellen können, dass das eigentlich funktionieren müsste. aber wenn man sie als stummfilm-diva konzipiert, wird das auf einmal schlüssig:

vor dem internet war des selbstbild der verlage noch halbwegs mit dem fremdbild für ihre leser im einklang. nach dem internet haben die verlage von sich selbst noch immer das gleiche selbstbild, aber das fremdbild für die leser hat sich fundamental verändert, ebenso wie alle jobs, die sie für ihre leser noch erfüllen. dieser umstand wird von der verlagen aber mit doch bemerkenswerter sturheit übersehen und/oder verdrängt.

wenn man so will: vor dem internet waren zeitungen für die zeitungsmacher und für die leser ein menü mit suppe, wienerschnitzel, salat und einem seidel bier. was anderes gab es im anderen gasthaus des dorfes auch nicht, und es war günstig und hat wirklich gut geschmeckt – es war also für alle ein guter deal. nach dem internet sind zeitungen für die zeitungsmacher selbst noch immer das gasthaus mit diesem köstlichen menü, für das leute aus der ganzen welt angereist kommen – aber für die leser haben sich die einzelnen gerichte der speisekarte schon vor jahren aufgelöst und mit allen anderen gerichten aller anderen gasthäuser zu einem einzigen, überall und immer verfügbaren, megalomanischen all-you-can-eat buffet mit köstlichkeiten aus der ganzen welt rekombiniert. der leser sieht die gasthäuser der zeitungen überhaupt nicht mehr; wenn der gurkensalat wirklich gut war, dann schlägt man vl. mit besonderer freude zu, wenn man im buffet darüber stolpert, und wenn das wienerschnitzel wirklich besonders zart und knusprig war, dann merkt man sich vl. sogar den ort, aber wenn nicht auch kein problem. wie gesagt: selbstbild der verlage und fremdbild für die leser stimmen nicht mehr überein, weil sich für die leser die funktion, der wert und die relativen vorteile der zeitungen komplett verändert haben.

es ist nicht gänzlich unverständlich, dass die verlage den umstand, dass sich die umwelt verändert hat und sie für alle anderen plötzlich eine andere funktion erfüllen, einfach verdrängen. ihre internen prozesse zur erstellung von texten haben sich ja vglw. wenig verändert, der aufwand zur erstellung von ‘aufwändig recherchierten’ artikeln wurde nicht viel kleiner, die grossartigkeit des geschmacks oder der urteilskraft des redakteurs nicht schwächer, es gibt noch immer viel vom gleichen zu tun. der gedanke, dass sie für die leser nicht mehr der informationsnabel der welt sind, kommt ihnen ganz einfach gar nicht, und deshalb haben sie ihren eigenen anspruch überhaupt nie reflektiert oder überdacht und also auch nicht angepasst.

das problem ist halt, dass in der realität das selbstbild mit dem fremdbild konfrontiert wird, und dass ein zu stark divergierendes selbstbild zu aktivitäten führt, die einfach nicht mehr angenommen werden oder anschlussfähig sind. sich im all-you-can-eat buffet hinzustellen und für den gurkensalat eine zusätzliche wöchentliche pauschale zu verlangen und die wienerschnitzel à la carte zu verkaufen wird selten funktionieren, auch wenn das vl. ungerecht ist, weil sie sich beim kochen wirlich sehr bemüht haben und sie wirklich gut schmecken. es nützt halt nichts.

solange sie aber nicht den blickwinkel wechseln und ihre funktion einmal von aussen wahrnehmen, werden sie zu keinen massnahmen kommen, die tatsächlich funktionieren könnten. sie brauchen also einen realitätscheck, sie müssten wirklich einmal in einen spiegel schauen und das ist natürlich nicht leicht und wird mit jedem jahr schwerer)

((nur ein hint: auch vor dem internet haben die leser nie für den eigentlichen ‘journalismus’ bezahlt und das wussten die zeitungen auch selbst, es war aber gwm. notwendig so zu tun als ob es so wäre; dafür nach dem internet geld zu verlangen ist also völlig aussichtslos. aber sie waren doch aus anderen gründen ein wirklich attraktives produkt und haben eine ganze reihe an anderen jobs erfüllt; ihre überlegungen für die gegenwart und zukunft sollten also eher in die richtung gehen, welche davon noch immer funktionieren könnten und welche neuen sie vl. erfüllen könnten. ein guter startpunkt ist dabei übrigens immer cwf+rtb. das problem dabei ist, dass das eine gewisse ehrlichkeit, bescheidenheit und realismus erfordert, keine eigenschaften mit denen sie sich als stummfilm-diva bisher ausgezeichnet haben. aber wieder: es nützt halt nichts))

enthalten und ausgeführt hier

(das ist ein weiterer dieser begriffe, die mit einem schlag plötzlich fast alles erklären)

enthalten und ausgeführt hier

(das ist so einer dieser begriffe, die mit einem schlag plötzlich fast alles erklären)

poetter, pefferle

(links, rechts)

((abt. für die leicht zu unterhaltenden))

aber es wohnt eben nicht allem anfang ein zauber inne, ich meine, innewohnen, allein das wort schon, sondern wie bei jedem sozialgemeinten netwörk eben auch bei ello wohnt diesem ding hier eben noch ein zu gestaltendeer raum inne, will sagen: es fehlt an struktur, die man sich selbst verordnet, auf allen bestreitbaren eher: bespielbaren ebenen. comedy oder wortspiel oder ernsthaft oder linkschleuder, arschloch oder niceguy, kryptisch oder nahbar, und vor allem: all das mit welchem ton, mit welchem subtext, zweckswofür?, i mean - man muss doch mit dem medium spielen, sich auf die vorgegebenen strukturschubsis einlassen und mit ihnen /umgehen/, deswegen ist das hier so schwierig, weil: noch alles formlos. das weiße blatt papier mag zwar potential potenzial? wie sau haben, rein rechnerisch, aber es gibt halt auch von 360^3 grad keine richtung vor. meine fotos hier reinzukippen ist genauso sexy wie so ein meta-ello-absatz, nämlich gar nicht, weil es keine zeichenbegrenzung und keine zielgruppe und keinen anlass, also keinen KONTEXTverdammtescheiße gibt. i miss twitter. also das andere twitter, nicht das heutige mit den ganzen profiwitzlern und seo-arschgeigen und unternehmen und socialmediakanalbespieler, sondern das eigenartige, weirde, seltsame, erklärungsbedürftige. es gibt gewissermaßen keinen /grund/, hier kreativ zu sein, und das macht mir noch am meisten zu schaffen.

^ read and learn

At the end of my first sixty-thousand-step day, I staggered home with my flashlight knowing that I’d advance to sixty-five thousand, and that there will be no end to it until my feet snap off at the ankles. Then it’ll just be my jagged bones stabbing into the soft ground. Why is it some people can manage a thing like a Fitbit, while others go off the rails and allow it to rule, and perhaps even ruin, their lives?

David Sedaris via flowingdata

Eine weitere besonders nützliche Unterscheidung ist ganz sicherlich die Unterscheidung: besteht mein Verhältnis zu einem Ding eher in einem Verhältnis der Bringschuld oder eher in einem Verhältnis der Holschuld? Kann ich mich bequem im Ohrensessel neben dem Kamin zurücklehnen, weil das Ding ohnehin bei mir vorstellig werden und sich dann erklären muss, oder muss ich mir die Waldviertler anziehen und mich selbst darum kümmern, wenn ich das Ding benützen will?

und als allgemeine Formel kann man hier sicherlich sagen: Wenn du das Internet pragmatisch egoistisch benutzen und du also deine eigenen Möglichkeitsräume damit erweitern willst, dann zieh dir lieber deine Waldviertler an und kümmere dich selbst darum. Dem Internet ist egal, ob du bloggst oder ellost oder etc. oder nicht, und wenn du die sich dadurch jeweils für dich selbst ergebenden Möglichkeitsräume nicht von selbst siehst und erwartest, die dich überzeugenden 10 vorgekauten Gründe vorserviert zu bekommen, bevor du dich irgendwann zur Teilnahme erbarmst, dann geht es allen ohne deine Teilnahme wahrscheinlich besser.

(es geht dabei vor allem um die disposition; ist man neugierig oder ist man satt und überdrüssig. man muss sich nicht alles selbst aus der nase ziehen können, aber man muss bereit sein fragen zu stellen, sich anzuschauen was andere machen oder sich einzubringen und selbst zu experimentieren)

(abt: draw the distinction!)

sobooks

kl. nachtrag zu Social Books : nachdem sie es vor einem jahr vorgestellt haben, haben lobo/kappes/wagner heute ihr sobooks auch öffentlich lanciert, hier nach 5 minuten herumspielen also noch schnell mein endgültiges urteil:

ich fürchte das wird nix. aber der reihe nach: sobooks ist eine plattform, auf der man bücher (books) sozial (so) lesen kann. einige bücher kosten nichts, andere kann man kaufen nachdem man sie kurz angelesen hat. alles läuft im browser ab, als leser kann man seiten kommentieren oder durch kommentieren von kommentaren mit den anderen oder dem autor ‘diskutieren’ (und soweit ich sehe kann man auch textstellen sharen, aber dafür müssen anscheinend popups erlaubt sein, was die meisten browser aber unterbinden, weil andere damit schindluder treiben). die optik und zum grösseren teil die usability ist nicht schlecht. alles sehr minimalistisch und funktional, wenn sie es irgendwie auf die reihe bekommen, dass einzelne seiten eines buches auch ohne scrollen auf eine bildschirmseite passen ist es vl. der beste browserbasierte reader für ebooks, über den ich bisher gestolpert bin; bonuspunkte wenn sie dann noch so dinge wie bookmarks oder eine elegante übersicht der eigenen anmerkungen usw. implementieren. bezüglich der reinen leseerfahrung haben sie gegen kindle / ibooks auf ipads zwar trotzdem keine chance, allerdings auch keinen unverzeihlichen nachteil. bleibt also das soziale und die grosse leistung von sobooks scheint mir hier zu sein, die konkrete seite eines buches durch vergabe einer sprechenden URL quasi zu sozialisieren bzw. sharebar und kommentierbar zu machen – und das ist natürlich ein wirklicher meilenstein. trotzdem frage ich mich, wie viel tatsächlicher nutzen durch die dabei entstehenden aktivitätsszenarien entsteht. ich will jetzt noch überhaupt nicht ausschliessen, dass es nicht irgendwelche anwendungsfälle gibt, die irgendeinen nutzen erzeugen und auch funktionieren (vl. gibt es ja eine jerry cotton fangemeinde, die nur darauf wartet, spuren auf absatzebenen zu diskutieren oder zwischen den heften ein netz an querverweisen zu etablieren; autoren können es vl. zum korrekturlesen von betabüchern verwenden; usw.). aber ich glaube weiterhin, dass das buch und die damit assoziierten praktiken (sprich: das lesen) viel zu sperrig ist, um darauf eine nachhaltige kommentarwirtschaft zu etablieren, und viel zu teuer ist (neben den kosten vor allem natürlich die kosten der eigenen zeit für das lesen), um die kommentare und shares als wirkungsvolles mittel für distribution oder discovery zu transformieren, die nicht grundsätzlich von anderen schon mitunter besser gelöst ist. wenn ich nicht schon ein grosses oder noch besser: wirklich grosses bestehendes interesse am buch oder einem jeweiligen sobooker selbst habe, dann interessiert es mich im allgemeinen einfach nicht so besonders, dass irgendwer irgendeine stelle in irgendeinem buch wirklich sharenswert findet und ggf. annotiert, selbst wenn ich mir dann die ganze seite als kontext dafür anschauen kann. in diesem sinne: viel glück.

Dienst oder Tool, das diesen säuerlichen ‘altes Buch’ Geruch aus alten Büchern bekommt. Bonuspunkte für eine Ersetzung mit diesem wunderbaren ‘frisches Buch’ Geruch.

kl. nachtrag zum besserwisser pt. 1 revisited : ich wollte eigentlich zur apple watch nichts mehr sagen, bevor ich sie nicht zumindest einmal an der hand gehabt habe und zumindest die rudimentärsten offenen fragen (wie lang hält der akku wirklich, was geht für entwickler mit diesem watchkit, bis zu welchem grad kann man sie ohne iphone in unmittelbarer nähe verwenden, wieviel kosten die editions, inwieweit lassen sich die innereien updaten, etc.) ansatzweise beantwortet sind, und ich wollte die besserwisserserie eigentlich auch besser früher als später unter den teppich kehren, aber mit zwei kleinen änderungen des bezüglich ellos im speziellen aber sozialer webapps im allgemeinen vorgeschlagenen modells lassen sich auch die meisten einschätzungen zur watch etwas relativieren, wenn ich also schon dabei bin hier also auch noch usw…

zur erinnerung: die unterscheidung in maschine auf der einen seite und historisch soziale kontingenz auf der anderen seite im zusammenspiel mit dem begriff des asymmetrischen wettbewerbs hilft uns zwar nicht beim vorhersagen der auswirkungen von sozialen webapps, aber so trivial sie ist lassen sich damit die meisten getätigten prognosen ‘dekonstruieren’.

änderung 1: auf der anderen seite der ‘maschine’ apple watch steht nicht länger eine gesellschaftliche kontingenz, kein ergebnis eines historischen und sozialen ausdifferenzierungsprozesses usw., sondern ein jeweils einzelnes subjekt mit jeweils konkreten bedürfnissen und begierden. es gibt also nicht eine maschine für alle, sondern die (im rahmen der editions und variierbarkeit mehr oder weniger) gleichartige maschine für jeden einzelnen.

änderung 2: asymmetric competition bleibt zwar auch hier ein nützliches konzept, hier noch nützlicher aber ist: job to be done

und auch das verwende ich frei nach asymco der es frei nach christensen verwendet und das ist die ganz einfache frage: für welchen job heuere ich ein ding an? es geht dabei nicht darum, dass das jeweilige individuum die frage dann auch adäquat beantworten kann (oft wissen wir es selbst nicht, oft ist es was gänzlich anderes als vermutet), sondern um die annahme, dass wir das immer für einen konkreten job in unserem leben tun. diese jobs können übrigens durchaus andere sein, als es die macher der maschine gedacht oder geplant haben.

der fehler, den fast alle machen, die ihre einschätzungen zur apple watch publizieren, ist für die watch den EINEN RICHTIGEN job to be done zu suchen, diesen dann üblicherweise als zu erledigenden job FÜR ALLE selbst festzulegen und dann ihre gesamte kritik auf diese ihre eigene festlegung zu beziehen. aber hier kommt der unterschied zwischen der anderen seite der maschine zum tragen: anders als bei sozialen webapps, wo es (innerhalb vieler freiräume) doch auch stark darauf ankommt, ein spezifisches soziales objekt gemeinsam auszuhandeln, die dichte also mit dem grad der gemeinsamkeit zunimmt, liegt der wert von gadgets im potential für einen einzelnen einen oder auch mehrere jobs zu erledigen, der wert des gadgets also mit der vielzahl an möglichkeiten zunimmt.

im fall soziale webapps ist die geschichte kontingent, im fall gadgets der nutzen. die watch muss also keinen von irgendeiner instanz festgelegten universellen überjob realisieren, sie muss nur für jedes konkrete individuum NUR EINEN EINZIGEN aller möglichen jobs realisieren, um dem leben mehr freude oder sinn zu geben. und mit kosten von 50c pro tag liegt die hürde dafür, die watch auch ökonomisch attraktiv zu machen, wirklich nicht besonders hoch.

wenden wir diese abgewandelte unterscheidung und das neue konzept nur exemplarisch an einem der grössten cluster eines vorfestgelegten überjobs an (wer lust hat kann das leicht auf andere cluster wie ‘mode’, auch hier ‘offenheit’, etc. übertragen):

die naiven evolutionisten

die naiven evolutionisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie die watch als technoevolutionäre weiterentwicklung vom iphone sehen und die uhr als neue zentrale (kleinere, permanentere, bessere) kommandozentrale für das vernetzte selbst konzipieren, die das handy ablösen wird. und weil die watch das in der vorgestellten version nicht in der geforderten autonomie und vollständig tut und das iphone noch nicht komplett ersetzt, wird sie gleich bis auf weiteres als im grunde völlig sinnlos verworfen.

ich sympathisiere grundsätzlich mit jedem ansatz, der sich explorativ oder als gedankenspiel mit möglicherweise kommenden technologien auseinandersetzt, und es steht natürlich jedem völlig frei was auch immer als k.o.-kriterium für sich selbst zu definieren – aber wie man nicht sehen kann, dass die watch nicht alles bisherige vollständig ersetzen muss und wie sie auch im zusammenspiel mit dem ohnehin gegebenem setup hunderte andere und mitunter auch gänzlich neue jobs tun kann, geht wirklich über meine vorstellungskraft.

(nur am rande: ich glaube überhaupt, dass erst durch den dialektischen gang durch die watch einige qualitäten und eigenschaften von stinknormalen smartphones sichtbar werden, die wir derzeit gar nicht als solche registrieren oder schätzen; ein screen in der grösse zwischen 4 und 5 inch dürfte doch der sweet spot zwischen nützlichkeit zur darstellung von information und den kosten für portabilität sein; alles was kleiner ist hat (auch wenn es optimierte apps oder alternative interfaces wie voice gäbe) zunehmende kosten bei der informativen universalität, alles was grösser ist kann nicht länger gedankenlos eingesteckt werden. und wir können damit telefonieren; auch wenn wir das üblicherweise nicht mehr tun, viele wollen zumindest die theoretische möglichkeit dazu und nicht jeder will dick tracy sein. aber davon abgesehen hat ein phone etwa auch den vorteil nicht am körper befestigt zu sein, sondern als ding autonom zu sein, und das ist vl. wichtiger als wir es derzeit vermuten. aber das ist ein anderes thema.)

hmm, das mit dem besserwisser hat ja nicht gerade zu viel falsifikation von aussen geführt (nts: der titel war wohl doch ein bisschen suboptimal gewählt), hier zumindest als nachtrag zwei beispiele von mir selbst…

vorab eine vielleicht nützliche unterscheidung für die ‘bewertung’ von webapps (und im konkreten fall ello) und zwar die unterscheidung in die ‘maschine’ und das was die menschen damit machen also die ‘historisch soziale kontingenz der benutzung’.

unter maschine verstehe ich dabei die der anwendung zugrundeliegende analoge und digitale materialität, also den gesamten stack an hardware und software und den konkreten code der anwendung selbst. während das an sich jeweils unendlich komplex sein mag, diese komplexität braucht den benutzer nicht zu interessieren; was ihn betrifft stellt sich die maschine auf eine ganz konkrete art zur verfügung und den möglichkeitsraum könnte er ganz konkret beobachten. es gibt kein geheimnis, man muss es sich nur anschauen.

und unter der historisch sozialen kontingenz der benutzung verstehe ich die gesamtheit der konkret stattgefundenen und stattfindenden aktivitäten der benutzer, die von der maschine gebrauch machen und dinge tun inklusive der gesamtheit aller dabei angefallenen daten und spuren – das darauf stattgefundene und stattfindende leben, wenn man so will. auch diese prozesse können unendlich komplex sein, aber auch diese komplexitäten brauchen den benutzer nicht zu interessieren; was ihn betrifft stellen sich alle anderen auf eine jeweils ganz konkrete art und dadurch erzeugten möglichkeiten zur anschlusskommunikation zur verfügung und auch das könnte er wieder ganz konkret beobachten.

im zusammenspiel zwischen maschine und der historisch sozialen kontingenz ist es wichtig im hinterkopf zu behalten, dass jede historisch soziale kontingenz zwar eine maschine benötigt, die maschine selbst aber nie ein hinreichender grund für das auf ihr stattfindende ist. ab einem gewissen punkt der gegenseitigen ‘interpenetration’ kommt es idealerweise natürlich zu einer funktionierenden koevolution, aber auch dann bleibt der zusammenhang kontingent und kleinste justierungen an der maschine können ungewollt riesige konsequenzen haben und größte änderungen können wirkungslos bleiben.

und mehr vorab ein nützliches konzept: asymmetric competition

ich verwende es frei nach asymco der es frei nach christensen verwendet und ich verstehe darunter eigentlich nur die zwei ich glaube selbstevidenten aussagen, dass einerseits vorteile der einen mitunter auch vorteile für andere erzeugen können und dass andererseits einfach nicht alle das gleiche spiel spielen, aber alle oft so tun als ob. zum beispiel: sind plattformen einmal dominant, dann stellt es einen wert an sich dar, nicht ebendiese plattform zu sein. wer alles mit google macht, für den ist vl. sogar schon yahoo für die mails interessant, weil dann zumindest die mails und damit der zugang zu allen anderen accounts nicht bei google liegen. wer sein leben auf facebook verbringt, für den ist alles was nicht facebook ist eine möglichkeit für einen frischen wind, für andere kontakte, für eine andere darstellung von sich selbst, usw. nicht-das-eine-sein ist ein riesiger vorteil, den das eine selbst nie haben wird und der umso grösser wird, je dominanter das eine wird.

— (1)

[…] Paul Budnitz […] hat nach den Machern von Diaspora als einer der Ersten die Eier gehabt, einfach mal zu versuchen, einen Facebook-Konkurrenten zu basteln.

spreeblick

denkt man die zwei dinge zusammen, dann erledigen sich schon einige unfruchtbare vergleiche oder annahmen, die über ello gemacht wurden.

ello muss dann nämlich nicht mehr in einer direkten konkurrenzbeziehung zu facebook oder twitter konzipiert werden, sondern kann als asymmetrische und durchaus auch koexistierende alternative verstanden werden, deren wert gerade nicht darin besteht ein anderes facebook oder twitter zu sein um dort mit den gleichen das gleiche halt woanders zu tun, sondern darin, einen anderen raum aufzuspannen, den man auf facebook oder twitter nicht mehr aufspannen kann. und während das wiederum viele neue netzwerke tun hatte ello dabei auch das notwendige quäntchen glück vom richtigen timing, weil facebook gerade eine gruppe von dragqueens und viele andere mit einer verschärften durchsetzung vom juristischen namen quasi vertrieben hat, die dann ello als neues zuhause adoptiert haben, was als story natürlich gut war und ello also in die presse brachte.

gleichzeitig ist jede frage, ob es sich bei irgendwas um das – meistens bzgl. der grösse gefragte – nächste facebook oder twitter handelt, schon auf ganz grundsätzlicher ebene blödsinnig. nicht weil es grundsätzlich nicht möglich ist (statistisch wird halt jede 10.000 anwendung oder 2 bis 3 pro jahrgang gross und wenn man es bei jeder anwendung fragt hat man also auch mal recht), sondern weil die historisch sozialen kontingenzen einfach nicht vorhersehbar sind und milliarden von einzelentscheidungen zusammenkommen müssen und gleichzeitig keine destruktiven ereignisse eintreten dürfen.

(wie seltsam johnnys zitat auch ansonsten ist wird glaub ich klar, wenn man es neun jahre vordatiert als: “ehssan dariani hat mit seinem studivz als einer der ersten die eier, einfach mal zu versuchen, einen facebook-konkurrenten zu basteln”)

der grund, warum ich auf dem vl. mehr als angemessen herumreite, ist auch, weil der vergleich zwar gut gemeint ist aber mehr schadet als nützt. leute plappern das mit dem ‘neuer facebook konkurrent’ nach, schauen sich die seite an, denken sich aha, das soll das neue facebook sein, und gehen wieder. das ganze framing wird den möglichkeiten und eigenen eigenschaften überhaupt nicht gerecht.

— (2)

They don’t have feeds in or out. That means whatever you put in there, starting right now, is theirs. They won’t even share your stuff with you. That’s not a good deal. You shouldn’t accept that.
So Ello isn’t answering any question I can think of.
If they were open, then I would be interested.”

dave winer (interessanterweise ursprünglich auf facebook)

dave winer steht hier synekdochisch für alle vertreter und spielarten der offenheit, die seit vielen jahren reflexartig jedes geschlossene system mit der immer gleichen checklist in der hand kritisieren, sich aber anscheinend noch nie wirklich gefragt haben, warum offenheit in vielen bereichen so offensichtlich unwichtig ist, während sich die user in geschlossenen gärten horten und freiwillig melken lassen.

die einfache antwort ist: kultur. kultur verstanden als spezifische ausbildung eines sozialen objekts (SO) und von gemeinsam ausgehandelten formen zur produktion, rezeption und distribution ebendieses SOs (das ist etwas komprimiert formuliert, aber wer hier ein bisschen sucht findet viel dazu). und in diesem sinne verstandene kultur ist deshalb ein so filigranes und unwahrscheinliches pflänzchen, weil sie nur als ganz spezifische ausdifferenzierung zwischen maschine und der historisch sozialen kontingenz entsteht, wobei das soziale objekt sehr stark durch die maschine aber die gemeinsam ausgehandelten praktiken natürlich primär auf der seite der historisch sozialen kontingenz definiert werden. aber es ist halt die kultur, die einen dienst attraktiv und sinnvoll macht, nicht die tatsache offen oder verschlüsselt zu sein. solange die open crowd nicht versteht, dass ein tweet etwas ganz grundsätzlich anderes ist, als ein string mit maximal 140 zeichen, solange werden sie es nicht schaffen dienste zu entwickeln die kultur haben und offen sind.

der grund, warum ich auch auf dem vl. mehr als angemessen herumreite, ist, weil auch die forderung nach offenheit gut gemeint ist aber auch wieder mehr schadet als nützt. in vielen situationen ist die offenheit selbst nämlich der verunmöglicher der möglichkeit der entwicklung einer kultur. dienste brauchen üblicherweise eine gewisse zeit, bis sie zu sich selbst finden, die meisten bekannten dienste sind reine zufälle. das letzte was sie in dieser inkubationsphase brauchen sind leute, die irgendeine automatisierbare sozialmediale kommandozentrale verwenden, um ihre inhalte dann auf maximal vielen plattformen zu verbreiten oder um ihre netzwerkdichte zu maximieren ohne auf die jeweilige kultur rücksicht zu nehmen und alle andere bots. (der differenzlose gesamtstrom ist gwm. die definition der kulturlosigkeit)

(nur zur sicherheit als faustregel: sei so indie wie möglich!!11 und backe alles up; aber beharre nicht auf dem indie wo es mehr schadet als nützt oder wo es irrelevant ist)

We believe a social network can be a tool for empowerment. Not a tool to deceive, coerce, and manipulate – but a place to connect, create, and celebrate life.
You are not a product.

ello manifest

als kleiner anhang ein bauchgefühl: die art, wie die selbstbeschreibung von ello angenommen wurde, war eig. auch interessant. die einen nahmen es irgendwie wörtlich, haben es einfach mal geglaubt und das hat viele sicher auch motiviert; die anderen haben es mit dem dann ‘aufgedeckten’ funding quasi als grosse lüge entlarvt, weil vc-money und grundsätze oder keine ads ja ein oxymoron sind. ich glaube beide schiessen in die falsche richtung. das manifest kann glaub ich besser als übersteigerte approbation von tautologischen plattituden über soziale netzwerke – also etwa im stile von laibach – verstanden werden. mir kommt überhaupt vor, dass ello die erste app ist, die darauf basiert sich mit ernster miene ironisch von sich selbst zu distanzieren und die jetzt trotzdem einfach mit allem entstehenden und zufallenden einfach läuft, was ello dann wieder irgendwie sympathisch macht.

enthalten und ausgeführt hier in den kommentaren.


kl. revision vom papierkorb pt. 44 und nachtrag zu obigem tweet – aber ca. 50 reviews von ello später muss ich den ansatz vom besserwisser psychohygienisch doch fast zumindest einmal mit ello ausprobieren.

das interessante an ello ist ja, dass es es eigentlich nicht geben dürfte. es tut nichts, was nicht hunderte andere projekte auch oder auch besser tun, es ist vl. optisch nicht ganz uninteressant (vor allem natürlich durch die verweigerung aktuell sein zu wollen, sondern sich eher am webdesign der 90er zu orientieren) aber es ist jetzt trotzdem bei weitem nicht irgendwie grossartig, es ist zentralisiert und geschlossen wie nur was, das manifest ist eher prätentiös, usf, und trotzdem hat es zuerst in de und dann sogar international eine karawane ausgelöst, wie ich sie das letzte mal bei pownce erlebt habe. gleichzeitig bringt vl. gerade diese unwahrscheinlichkeit die phantasmatische qualität des diskurses selbst in einem grad zum vorschein, den ich bisher so auch noch nicht gesehen habe.

(andererseits merkt man selbst ja nicht, wenn man senil oder schrullig wird und nur noch auf der parkbank sitzend mit dem stock schwingend über alles vorbeiziehende schimpft; aber irgendwie geht es mir zunehmend so, dass ich mit dem web, oder besser: dem gebabbel über das web kaum noch im einklang bin und dass ich eigentlich fast überhaupt keine aussagen mehr lesen oder hören kann, ohne irgendwelche fehler oder falschen grundannahmen oder falsche logische schlussfolgerungen zu finden oder überhaupt irgendeine logik zu erkennen. und irgendwann drängt sich dann doch die vermutung auf, ob man nicht eben selbst der verrückte ist usw.)

jeder der will ist hier also wirklich ganz besonders willkommen, einen beliebigen (gerne auch eigenen) artikel oder text zu ello in den kommentaren zu posten, das in den letzten 5 oder so wochen ja für einiges an aufsehen gesorgt hat. ich wiederum werde versuchen, im jeweiligen artikel oder text zumindest einen groben fehler oder eine falsche grundannahme oder ein non sequitur oder irgendeinen sonstigen blödsinn zu finden und zu nennen. meine zu widerlegende wahnvorstellung/these lautet, dass ich in jedem text zumindest einen blödsinn finden werde.

(damit das sinnvoll ist, sollten die texte natürlich eine gewisse länge haben und jenseits der nachricht (also verkündung des starts oder des wachstums oder nennung der kerndaten) zumindest versuchen, eine art einschätzung oder bewertung oder prognose über ello abzugeben)

update: ist jetzt geschlossen. ein kl. nachtrag liegt hier .

G16

doodle

^ Google mit einer Art Geburtstagsdoodle

(siehe auch Google Piñata)

(habe nach langem hin und her eine neue serie namens ‘der besserwisser’ verworfen, bei der man beliebige artikel/texte zu einem jeweiligen thema/aufreger posten könnte und ich nenne dann zumindest den ersten groben fehler)

(man – und mit man meine ich jetzt nicht nur aber besonders auch mich – müsste wirklich mehr auf blogs kommentieren; öfter als nicht öffnen sich gerade in der dialektik aus post – kommentar – kommentar vom kommentar räume, die man im eigenbau nicht finden würde)

Plugin/Erweiterung für das Blogtool der Wahl, das tote Links aufspürt und mit dem frühesten entsprechenden Backup bei der Wayback Machine ersetzt.

(siehe auch ep. 23)

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