fyi: wer content konsumiert ist selbst schuld. einzige ausnahme ist cat content.

(wer content produziert, dem ist ohnehin nicht mehr zu helfen, aber das ist ein anderes thema)

traditionell ein paar worte zur google i/o, die uns die letzten drei tage über den geisteszustand von google informierte: die spätestens seit 2012 beobachtbare ‘neue bescheidenheit’ von google (siehe I/O 2012 Neue Bescheidenheit Edition oder I/O 2015 Anhaltende Bescheidenheit Edition oder I/O 2016 Permanente Bescheidenheit Edition) hat sich auch in diesem jahr nicht nur fort- und festgesetzt, man kann wohl fast schon sagen nun auch zum grundzustand von google verwandelt. die großen blöden würfe blieben auch heuer wieder aus, irgendwie kann man sich schon fast nicht mehr daran erinnern, dass google das potential für große blöde würfe überhaupt jemals hatte. von den kernkompetenzen von facebook und apple lassen sie meilenweit die finger, da haben sie sich wohl einfach einmal zu oft die finger verbrannt, und selbst gegenüber amazon und microsoft versuchen sie die schnittmenge so klein wie möglich zu halten. man gratuliert sich eher zu den vorhandenen billion-user projekten und nimmt als interne irritation ansonsten nur das war, was einen growth-faktor von 10x, mindestens von 4x hat (das haben sie skurril oft betont).

(gleichzeitig kann man gar nicht jammern; als infrastrukturprovider im zeitalter der cloud haben sie ihren eigentlichen sinn gefunden, das hat man während der cloud next gesehen, siehe google cloudbag, und bei ihrem symbolischen mantra AI – from mobile first to ai first – haben sie mittlerweile sogar selbst die vermutung, dass das eher erst im mittelfristigen zeithorizont die interessanteren früchte gedeihen lassen wird, weshalb sie bis dahin AI halt einfach in alles einbauen, was nicht bei drei auf den bäumen ist (gmail bekommt smart replies, die fotos für photobücher werden von einer KI ausgewählt, das war ja immer die zumutung, machine learning nimmt einem die mühe des sharens von fotos ab, sogar die text selection in android wird smart mit ai und bekommt dafür sogar einen eigenen chip), ansonsten wird an den projekten halt gearbeitet, aber seit den ankündigungen des letzten jahres gibt es kein vorzeigbares projekt das selbst dem geneigten zuschauer ein ah oder oh entlocken würde, am ehesten noch google lens, falls es dann halbwegs gut funktionieren sollte)

Der Beleuchtete (m/f) ist ein selten zu sehender aber in der jeweiligen Position dann durchaus erwartbarer Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass ein individuelles Gefühl der Erleuchtung mit der Aufmerksamkeit durch Erfolg kurzgeschlossen wird.

(der beleuchtete ist gwm. zufällig in seiner position der erleuchtung gelandet – d.h. er ist kein walter bishop der massive dynamic gründet, sondern er hatte einfach glück und den richtigen riecher zur richtigen zeit und glaubt sich fortan aber nicht nur selbst, es wird ihm auch geglaubt)

((es ist doch interessant, wie effektiv diese übertragung funktioniert; wenn man sich die paradigmatischen beleuchteten – also elon musk, peter thiel, mark zuckerberg, sergey brin, usw. – anschaut, dann war weder die ursprüngliche idee hinter ihren milliarden besonders genial, noch sind ihre derzeitigen visionen – ewiges leben, telepathie, kolonisierung vom mars, etc. – auch nur im ansatz irgendwie innovativ oder kreativ und unterscheiden sich von schlechter sf nur dadurch, dass die technologische realisierbarkeit vl. ein bisschen nähergerückter erscheint))

(abt. supermarket studies)

Eine weitere zumindest pragmatisch nützliche Unterscheidung ist die Frage ob etwas ein Problem ist oder ein Umstand.

(frei nach clay shirky, der einmal ich glaube issak rubin den ausspruch if you have the same problem for a long time, maybe it’s not a problem, maybe it’s a fact zugeschrieben hat)

Die Unterscheidung Problem/Umstand ist als Unterscheidung funktional deshalb interessant, weil sie gwm. nur auf der Ebene der Bewertung wirksam ist, die Beschreibung des jeweiligen Phänomens ist üblicherweise die gleiche und der Unterschied ist der Sache gwm. inhärent. Oder anders gesagt: man erkennt erst an der Bewertung (oder Betonung), ob der Unterschied gesehen wird oder nicht.

Gleichzeitig ist es oft so, dass die falsche Bewertung eines Umstands als Problem die in der Folge angedachten ‘Lösungen’ dann selbst erst an anderer Stelle Probleme erzeugen, weil man Umstände eben nicht lösen kann, sondern man mit ihnen leben/herumleben muss.

(es liegt glaub ich die vermutung nicht fern, dass mehr oder weniger die gesamte europäische und besonders natürlich die deutsche mediale hysterie und der dadurch getriggerte politische (re-)aktionismus bezüglich dem web/technologie nichts anderes ist als lösungen für fälschlicherweise als problem verstandene umstände, die dann auf der falschen ebene behandelt werden sollen; so betrachtet erklären sich phänomene wie oettinger, das leistungsschutzrecht, das recht auf vergessen, das netzwerkdurchsuchungsgesetz usw. fast von selbst)

(abt: draw the distinction!)

in alter tradition ein kurzer eindruck zur jährlichen lage der nation von sascha lobo bei der re:publica, zumal lobo ja doch immer ein schönes symptom vom jeweiligen zustand vom web in deutschland ist, allerdings fällt mir heuer nicht wirklich viel dazu ein, was aber vielleicht selbst wiederum symptomatisch ist, es gibt halt ganz einfach kaum was zu sagen.

am interessantesten war vielleicht, dass sascha soweit ich mich erinnern kann das erste mal das von ihm ausgemachte hauptproblem und seine damit verbundene position als aufforderer zur problembewältigung nicht gefunden hat, indem er das problem des vergangenen jahres eine ebene verschoben hat (rp13: zum sozialmedialen macht! rp14: zum gesellschaftlichen organisiert euch! strukturiert euch! rp16: zum wirtschaftlichen trotzdem! gründet!), sondern dass er gwm. eine einkehr in den in den sozialen medien beobachteten gesellschaftlichen diskurs macht, dort verstörendes vorfindet und als letzte hoffnung/hail mary bei der aufforderung diskutiert! gelandet ist, um die welt zu retten.

nur zur sicherheit: ich finde auch hier grundsätzlich gut, was er macht (dass er das gespräch mit den rechten und rechteren sucht, dass er versucht, muster zu erkennen, ein verständnis und ggf. strategien zur verständigung zu entwickeln, usw.). nur hat er diesmal weder eine gute metapher für seine zustandsbeschreibung gefunden (was neben seinem schalk üblicherweise seine grösste stärke ist, man denke nur an die bekassine), noch einen geeigneten anker zum verständnis vom problem.

ganz im gegenteil, seine ‘insel der liberalen demokratie’, die im schlammigen ‘meer des autoritären’ schwimmt, ist auf mehreren ebenen problematisch, vor allem aber, weil sie die autoritäre suppe gwm. als naturzustand setzt und den zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen kräften und dynamiken verschleiert, der die braune suppe erst erzeugt.

(ist nicht mein thema und ich bin bei seinem dark euphorischen gefühl des fallens (sterling) bei ihm, aber er behandelt das problem dadurch auf der alten achse der politisch-kommunikativen rationalität zwischen links und rechts, die im koordinatensystem aber gerade auf den kopf gestellt wird, wie wir es eben in frankreich sehen konnten, siehe etwa zizek)

fyi: ironie ist im sozialen unmöglich.

Eine weitere nützliche und eigentlich gut bekannte, aber üblicherweise falsch utilisierte Unterscheidung ist das Constraint.

(ich verwende constraint, weil es im deutschen keine entsprechung ohne für diese unterscheidung kontraproduktive konnotationen gibt; zwang, einschränkung, restriktion, limitation, etc. haben alle den hauch eines makels oder mangels, während constraint zumindest nach meinem empfinden weitestgehend neutral klingt)

Ein Constraint ist allerdings keine normale nützliche Unterscheidung, sondern eine Unterscheidung mit nur einer (Innen-)Seite, die sich nur dann erzeugt, wenn man dem Constraint unterliegt.

(tut man es nicht ist man nicht auf einer anderen seite der unterscheidung, sondern einfach im ununterschiedenen raum)

Ich glaube so formuliert wird auch schon der Wert des Constraints offensichtlich: es wird aus dem Nichts ein Raum erzeugt. Und in diesem Raum wird natürlich nichts möglich, was im allgemeinen Raum grundsätzlich nicht auch möglich wäre, er ist ein strikte Untermenge der Möglichkeiten, aber durch die Beschränkung auf das Constraint entsteht öfter als nicht auch eine Verdichtung, die zu interessanteren Ergebnissen führt als sie sonst entstanden wären. Mehr ist nicht immer besser.

(das ist ein fast schon peinliches statement of the obvious, aber das übersehen des konstitutiven werts von constraints zieht sich durch grösste teile vom gebabbel über technologie und dem web, die grundannahme ist fast immer, dass jede form von beschränkung schlecht ist, dass jedes aufbrechen von grenzen gut ist, dass einzig das wuchern und wachsen und die freie entfaltung wünschenswert ist; fast alle medialen idealformen – das buch, die papierzeitung, die LP, das blog, twitter, haikus, usw. – entstehen innerhalb eines bündels extrem restriktiver constraints und keine aufweichung macht den output besser; das gleiche gilt für fast alle paradigmatischen apps und tools und überhaupt)

(abt: draw the distinction!)

fyi: sinn lässt sich nicht digitalisieren.

Eine weitere im Grunde offensichtliche, aber derzeit in den meisten das Web u/o Technologie u/o vor allem den gesamten Komplex AI/AR/VR betreffenden Debatten und Produkten öfter als nicht übersehene Unterscheidung ist die zwischen Disruption und Interruption.

(als faustregel kann man sich wohl merken, dass nichts was derzeit von den pundits und ihrem journalistischen hofstaat als disruptiv konzipiert wird, sich im futurum exaktum auch als disruptiv herausgestellt haben wird – und wenn, dann anders als gedacht)

((ihr grundproblem ist wie so oft, dass sie das feld gewinnen und nicht die echten probleme lösen wollen, was sie und ihre tools dann selbst (als timesucker, als bioadapter, etc.) zum problem macht))

(abt: draw the distinction!)

kleiner nebenabfall von einem udacity projekt, aber das fand ich irgw. nicht unwitzig:

aapl

amzn

fb

goog

msft

twtr

yhoo

cowsonly

Der erste Metatrend 2017 ist ganz eindeutig der Bezug auf Hunde, Katzen und alle anderen tierischen Freunde mit Federn oder Fell in den Aprilscherzen.

Natürlich waren Tiere auch in den Jahren davor immer schon ein beliebtes Element vieler lustiger Produktideen, aber heuer haben sie den 1. April weitgehend dominiert, nur eine kleine Auswahl aus dem MoMB :

(die april fools sind ja ein von vielen unterschätzter indikator für den technologischen zeitgeist, weil sie gwm. entweder die ansonsten unausgesprochenen phantasien (wurden von google übernommen als pm) oder in variationen das aktuelle trendthema (vor 2 jahren der selfie stick) reflektieren. in diesem sinne ist auch interessant was fehlt, und da war heuer die irrelevanz vom komplex AI/VR/AR das augenscheinlichste. es gab vl. eine handvoll, aber im vergleich zu den jahren davor nimmt das eher ab, obwohl es von google, microsoft und facebook gepusht wird wie nix anderes)

Der Stan (m/f) ist ein immer öfter zu sehender Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er eine simplizistische und hypertrophe Begeisterung für eine Person oder seltener eine Sache entwickelt und dann auch mit jeder Faser seines Herzens gegen alle auch noch so berechtigten Widerstände vertritt.

(der name stammt natürlich von eminem, der in seinem song ursprünglich die traurige geschichte von einem stalker fan erzählte, aber als bezeichner hat es sich in den letzten 15 jahren ein bisschen weg vom stalker und hin zu einem obsessiven fan gewandelt, wobei ganz lustig ist, dass das stalking auf einer anderen seite wieder zurückgekehrt ist, weil die stans mitunter jene stalken, die das objekt ihrer begierde kritisieren)

Und während der Stan einzeln betrachtet ob seiner Erwartbarkeit eher ein uninteressanter Zeitgenosse ist – er ist halt einfach immer für alles, was für sein Idol ist oder seinem Idol hilft und gegen alles, was seinem Idol widerspricht oder gegen sein Idol ist oder auch nur den Hauch einer Kritik verbreitet und insofern also der Zeitgenosse mit der geringstmöglichen Unwahrscheinlichkeit überhaupt ist – so ist diese Erwartbarkeit auch gleichzeitig die Bedingung der Möglichkeit der Entwicklung eines Kollektivs an Stans, die im Schwarm auf sozialer Ebene dann interessantere Effekte triggern können.

(das streichen jeglicher komplexität aus der wahrnehmung u/o bewertung und die reduktion auf ein einziges binäres verhältnis für oder gegen das idol minimiert die sozialen und kommunikativen ‘transaktionskosten’ der gruppenbildung gwm. auf null. jeder stan erkennt jeden anderen stan auf den ersten blick; ganz lustig dabei ist, dass das stan-sein keine geschichte kennt und also permanent aktualisiert werden muss, ansonsten wird auch über alte freunde und co-stans zähnefletschend hergefallen)

(für systemische ausdifferenzierungen ist der stan interessant, weil schon kleine gruppen an stans eine enorme wirksamkeit haben, oder zumindest den eindruck einer enormen wirksamkeit erzeugen können. kaum ein artikel oder thread in einem auch nur im ansatz populären medium (sei es nun zeitungen, blogs, plattformen oder communities) kann einen ‘kritischen’ artikel zum idol publizieren, ohne dass zumindest ein stan eine ‘korrektur’ formuliert. das ist jetzt eher eine hypothese, aber mir kommt es fast so vor, als ob die stans ab einer gewissen anzahl eine sich selbst organisierende schwarmbildung entwickeln, die herumschwirrt und einerseits sicherstellt, dass jeder relevante inhalt zumindest markiert wird (d.h. es wird nicht von jedem auf alles reagiert, wenn schon eine markierung vorhanden ist zieht man auch weiter), dass aber auf ich sag mal umkämpfte inhalte auch mit der gebotenen kollektiven verve reagiert wird (d.h. wenn es zu diskussionen kommt, werden mehr und mehr stans angezogen))

(abt. supermarket studies)

auch nicht weitergekommen sind wir 2016 jedenfalls beim verstehen, was das alles bedeutet, vor allem was die mengen und die massen betrifft.

(uns fehlt vor allem noch immer der log-filter, der die phänomene auf ein intelligibles maß skaliert, ansonsten kommt uns natürlich alles wie ein hereinbrechendes hochwasser oder tsunami vor. und das wäre in vielen fällen noch nicht einmal verzerrt, weil viele dinge ohnehin nur das ergebnis von netzwerkeffekten sind, denen ansonsten aber keine besondere bedeutung oder bedeutsamkeit zukommt)

auch nicht weitergekommen sind wir 2016 jedenfalls beim aufbau einer gewissen systemischen dichte für ‘nachhaltige’ webdienste, also dienste, die zwar eine soziale komponente haben, sich aber trotzdem autonom finanzieren und regenerieren können und die eine hohe resistenz gegenüber außeneinflüssen haben.

(pinboard ist dafür sicher das beste beispiel, eine gewisse kleinheit und finanziertlosigkeit scheint mir insgesamt fast die grundbedingung dafür zu sein)

just setting up my twttr

Huch, vor elf Jahren wurde der erste Tweet abgesetzt.

(siehe just setting up my twttr 10, just setting up my twttr 9, just setting up my twttr 8, t7, just setting up my twttr 6, just setting up my twttr 5, just setting up my twttr 4, just setting up my twttr, 2 jahre twitter und immr)

fyi: der grundfehler fast jeder digitalpolitik ist, rechte mit effekten zu verwechseln und dann nicht zu versuchen, sie dann im zeitalter der digitalisierung bezüglich ihres eigentlichen sinns ggf. umzuformulieren und zu schärfen, sondern nur, um die welt auf die bisher gesehenen effekte zu beschränken.

auch nicht weitergekommen sind wir 2016 jedenfalls bei der entwicklung eines europäischem entwurfs für technologie und das web. aber es gibt keine alternative und eigenständige vision, es wird nur nachvisioniert, was man aus dem valley vorgesetzt bekommt. was dazu führt, dass die höchste stufe der autonomie das nachbauen ist (ein deutsches twitter oder facebook, ein europäisches google, eine europäische cloud, usw. wir kennen die ergebnisse) und wo ansonsten verhindert wird.

(was schade ist, weil es nicht notwendigerweise so ist, weil der weg das valleys nur einer der möglichen wege ist. im grunde wär sogar recht spannend zu sehen, was eine alternative linie, die die sensibilität der europäischen verhältnisse inkorporiert, produzieren könnte, aber man muss halt einen eigenen weg finden und darf nicht die vorhandenen unterscheidungen, metriken und kräfte übernehmen und sich nur reaktive positionieren)

google cloud

kl. nachtrag zu 841036605653692416 und eher eine nts, aber die google cloud next 2017 (eine playlist mit allen vorträgen liegt hier, die keynotes hier und hier ) ist dann doch etwas erschreckend, weil es die auf absehbare zeit geltende synthese von google darstellt und sich google gwm. als corporate douche bag selbst gefunden hat (these war ihre pragmatisch-geniale algorithmik bei der suche und adsense; antithese ihre grössenwahnsinnige debilität bei allem anderen und besonders allem sozialen). es ist wirklich so eines dieser dinge, die man so nicht vorhersehen kann, die dann retrospektiv aber auch nicht gänzlich überraschen, die aber doch ein echter schock sind, wenn man sich nach zwei, drei jahren das erste mal wiedersieht.

wenn man so will sehen wir das symptom davon, dass sie nie eine bewältigungsstrategie für ihre flops, facepalms und fails gefunden haben, und dann zunehmend nur noch das selektiert und verstärkt haben, was ihnen den damit verbundenen makel und die immer tiefer verdrängte scham nicht verursacht, was halt die corporate douchebagery wurde, weil dieser bereich selbst so lange affirmativ wirkt, solange man sich an die regeln hält und sich mit den etablierten ritualen, sprachformen, habitus, etc. identifiziert. das traurige dabei ist, dass für google leicht auch eine andere, utopischere synthese möglich gewesen wäre, wenn sie nur ein eitzerl mehr demut und weniger grössenwahn aufbringen hätten können, weil sie dann auch irritationen aus der umwelt in ihre feedbackloops einbauen hätten können und dadurch ihre selbstwahrnehmung verbessern.

die meisten ihrer fails waren ja nicht deshalb fails, weil die idee selbst schon idiotisch war (wobei es die auch gab), die meisten fails wurden deshalb fails, weil google als system einen hermetischen grad an operativer geschlossenheit entwickelt und die umwelt nur über extrem limitierte selektionen angeschlossen hat, das aber in bereichen, wo der gesamte wert der anwendung oder plattform darin besteht, die umwelt möglichst differenziert wahrzunehmen und sich in dialektik damit zu entwickeln.

(was google übrigens intern nie entwickeln konnte ist sinn, aber das ist ein anderes thema)

gelandet sind sie jetzt jedenfalls in einem sicheren hafen als infrastrukturprovider einer cloud für fortune 500 companies mit allen rahmenbedingungen, die vor allem hierarchisch tiefe it-strukturen mit faible für salesmen und integrationsberater ansprechen und also irgendwie dort, wo man vor 10 jahren vl. noch microsoft vermutet hätte, die lustigerweise bei einem, ich sag mal, hipperen und teilweise auch deutlich offeneren portfolio gelandet sind. traurig hier besonders auch, dass man sie irgendwie noch nie so glücklich und in ihrem element gesehen hat.

(nur als oberflächlicher eindruck, die unterschiede der clouds von amazon, google und microsoft müsste man sich ohnehin irgendwann mal genauer anschauen, nicht nur was die produkte, features und preise betrifft, sondern auch die ideologischen grundannahmen, den grad der freiheiten usw.)


apple 2012-17
(aggregate revenue w/o iphones ipod, mac, services, other 2011-2016)

(schon ein bisschen älter, hab es damals vergessen zu posten, aber bevor ich es wegwerfe usw.)

hab interessehalber die zahlen von apple auch mal über die kalenderjahre aggregiert, und neben der flachheit sind mir bei einem kurzen überfliegen aufgefallen:

apple hat 2016 trotz ihres jüngsten rekordquartals 16 mio. weniger iphones verkauft als 2015. und sie haben 2016 16,9 mrd. weniger umsatz gemacht als 2015. das muss man auch erst mal schaffen.


average unit price
(average unit price iphone, ipad, mac 2011-2016)

der durchschnittliche unit price der iphones liegt seit 2010 konstant im bereich 640 +/- 30 (633, 655, 632, 607, 626, 672, 2016 bei soliden 647); der durchschnittliche unit price der ipads sinkt seit 2011 allerdings kontinuierlich (615, 602, 567, 543, 505, 2016 gerade noch 481), der der macs sinkt sogar schon seit 2007 jahr für jahr (1475, 1439, 1394, 1351, 1325, 1306, 1295, 1291, 1279, 2016 gerade noch 1278)

(der fallende unit price der ipads deutet übrigens darauf hin, dass sie sich bei den ipad pros preistechnisch kolossal verzockt haben; und wenn das kleine ipad pro mit 128gb in kombination mit dem doch nützlichen stift 900 euro und das grosse ipad pro mit 128gb, stift und diesem lächerlichen keyboard (die konfiguration für ihr ‘der beste computer ist vielleicht keiner’) 1300 kostet, dann muss man sich vl. nicht wundern)


services, watch
(devices, services pro device, watches sold high, penetration 2013-2016)

und auch der komplex services nimmt seit ich es beobachten kann ab, wenn man ihn auf die im umlauf befindlichen geräte bezieht, hat sich aber 2014 etwa bei 20/gerät eingependelt.

(meine heuristik war die anzahl an in den davorigen 5 jahren verkauften ios und macos geräten dividiert durch die revenues der services im jeweiligen jahr. das ist sicher nicht ganz genau, ist aber als annäherung gar nicht so schlecht, weil iphones länger als androids im markt bleiben und auch weiterverkauft werden können, weil macs doch ein paar jahre halten, weil ipods vl. noch länger halten und weil es sicher auch noch ein paar watches gibt, die überproportionale service-revenues erzeugen; das sei aber nur für den hinterkopf genannt, signifikanter wäre sicher die verteilung der services pro user mit mindestens einem apple device)

und die apple watch kann mit 9,1 (2015) resp. 8,4 mio (2016) verkauften stück (bei einer freundlichen heuristik) gleichzeitig als top und flop beschrieben werden; es stimmt interessanterweise, dass in den ersten zwei jahren mehr watches als an­no da­zumal (2007 und 2008) iphones verkauft wurden, andererseits hatte das iphone dann vier jahre lang wachstumsraten im dreistelligen bereich, während die watch trotz best quartal ever schon im zweiten jahr um 5-10% gefallen ist. und wenn man es freundlich rechnet haben derzeit maximal 2% aller möglichen iphone-user (man braucht ja mindestens ein iphone 5) auch eine watch.

die zahlen sind natürlich trotzdem erstaunlich, gegen alle trends und selbst ihren kleinsten geschäftsbereich others (also dongles, watches, ipods, beats und co, 2016: 10mrd) würden alle anderen mit handkuss nehmen. aber der einzige treibende motor ist das iphone, alle anderen bereiche tuckeln bestenfalls auf gleichbleibendem niveau dahin, auch wenn leute wie asymco immer wieder zahlen cherry picken, um der strategie von apple dann einen genialen spin zu geben.

(nur als randbemerkung: bei asymco ist, das kann man dann erst bei genauerem hinschauen bemerken, wirklich unterhaltsam zu beobachten, wie er formal anders als einige politiker tatsächlich vereidbar bleibt, mit seinen selektionen dann aber trotzdem dinge suggeriert, die kontextuell betrachtet falsch oder irreführend sind; nur als beispiel: im q1fy17 hatte apple mit 695 tatsächlich den höchsten durchschnittlichen unit price für iphones in einem quartal aller zeiten, nur hat er das als ein bis dato unbekanntes und alleine bei apple gesehenes wunder interpretiert, das entgegen jeder marktüblichen kommodifizierung und damit verbundenen verbilligung von hardware immer noch teurer werden kann; das stimmt, nur war der durchschnittliche unit price für iphones über das jahr betrachtet 2015 um $25 höher als 2016 und ist im grunde seit 6, 7 jahren gleich. oder wie apple seit der einführung der touch bar den durchschnittspreis für macs um fast 200 erhöhen konnte, nur erwähnt er hier nicht, dass im weihnachtsquartal immer mehr ausgegeben wird (jo mei, dann gönn ich mir halt die zusätzlichen 8gb ram für 240), dass über das jahr betrachtet der durchschnittspreis für macs auch im zeitalter der touch bar gesunken ist; und auch die services sind weniger der strategische geniestreich, zu denen er sie immer stilisiert, sondern zumindest derzeit gerade mal eine lineare funktion der im umlauf befindlichen gerätschaften)

rivva 2007

^ 2007

rivva 2017

^ 2017

kleines update zu Rivva : Rivva wird heute zehn Jahre alt.

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