(immer, wenn ich ein buch lese, denke ich mir: was die damals schon gewusst haben)

Understanding Selfie Stick: The Extension of Man von Marshall McLuhan.

(bei twitter ist es für mich wie bei fotos: im grunde finde ich wirklich jeden tweet irgendwie gut)

notizen

^ kl. projekt (someday/maybe): die notizen handschriftlich mit ‘all work and no play makes hackr a dull boy’ befüllen.

(im grunde wird es wieder einmal zeit, sich an das bekannte beispiel von zizek zu erinnern, in dem er die implizite verlogenheit der antiautoritären erziehung thematisiert:

der ‘autoritäre’ vater sagt einfach, dass das kind die grossmutter am wochenende besuchen geht, und das kind tut das murrend, kann sich dabei aber auch denken, was es will; der ‘postmoderne’ vater sagt, dass er sich von ganzem herzen wünschen würde, dass das kind die grossmutter am wochenende besucht, aber er will das kind auch nicht in seiner persönlichen entfaltung einschränken, es muss also natürlich nicht, sondern soll es nur tun, wenn es selbst wirklich will, auch wenn die grossmutter natürlich sonst alleine und traurig wäre usw. was wie eine freie wahl für das kind klingt ist in wirklichkeit natürlich nur eine noch viel stärkere verpflichtung, weil das kind nicht nur die grossmutter besuchen, sondern es auch noch wollen muss usw.

die geschichte erinnert nämlich stark an das, was wir derzeit im verhältnis zwischen menschen und massenmedien beobachten könnten, nur sind die elemente ein bisschen anders angeordnet. das verhältnis war da ja lange so, dass die medien dem autoritären vater entsprochen haben, die ihren kindern ihr programm einfach vorgesetzt haben, und die kinder konnten problemlos damit leben, weil ohnehin niemand wirklich daran geglaubt hat.

die ‘postmodernen’ medien hingegen sind dazu übergegangen, primär nur noch sich selbst zu thematisieren. ja, natürlich wollen wir über ereignisse angemessen berichten, aber wir müssen auch dazusagen, dass wir wirklichkeit natürlich ohnehin nie objektiv abbilden können, sondern dass wir selbst in unserem tun erst wirklichkeit erzeugen und dabei nicht nur mit menschlichen und prozessualen schwierigkeiten zu tun haben, sondern auch mit historisch kontingenten produktionsprozessen kämpfen müssen und in radikal übergeordnete makroökonomische abhängigkeiten (globaler wettbewerb, beschleunigung, soziales zeugs, volatilität der finanzmärkte) eingebunden sind, usw.

lustigerweise ist der effekt davon nicht ein neurotisches kind, sondern eine art selbstneurotisierung der medien durch erzeugung einer art autoritären vaters in form eines medienkritischen überichs, das die medien mittlerweile fast in echtzeit und üblicherweise deutlich professioneller über jede ungenauigkeit, jede dummheit, jede übertreibung und jeden anderen inhaltlichen oder methodologischen fehler informiert und öffentlich dokumentiert)

weil gerade links und rechts paywalls aus dem boden schießen:

was zeitungen, glaub ich, noch nicht verstanden haben aber verstehen sollten, ist, dass sich ihr wert für den benutzer als ‘bündel’ nicht nur verändert, sondern sogar umgekehrt hat. was als papier nützlich war, wurde im web ein störfaktor.

ihr wert im ‘analogen’ war, dass sie im monatlichen abo für $40 einen großteil des informationsbedürfnisses des lesers befriedigen konnten. leser mussten sich gwm. aus dem vorhandenen angebot aller zeitungen für eine zeitung entscheiden, und die ausdifferenzierung der zeitungen basierte darauf, für möglichst große oder zumindest gut definierte gruppen von lesern das attraktivste bündel zu schnüren.

das lesen einer und nur einer zeitung war deshalb sinnvoll, weil der wert einer 2. zeitung bei verdopplung der kosten nur wenig zusätzlichen nutzen brachte. gleichzeitig wurde dadurch die eigenleistung der gewählten zeitung überbewertet, weil ihr eben auch das angerechnet wurde, was die baseline ohnehin aller zeitungen ist (dpa-meldungen, fernsehprogramm, usw.).

ihr wert im ‘digitalen’ geht aber plötzlich gegen null, weil es keine distributionsbedingte notwendigkeit mehr gibt, sich auf eine zeitung zu beschränken. jeder artikel steht plötzlich neben allen anderen artikeln aller anderen nationalen und internationalen, grossen, kleinen und kleinsten publisher. im entbündelten stadium gibt es immer etwas besseres direkt daneben.

das lesen einer einzigen zeitung ist also nicht nur nicht mehr sinnvoll, es verursacht für den leser sogar ganz reale kosten, nämlich die verpassten gelegenheiten in gewissen ressorts oder zu bestimmten themen oder für bestimmte funktionen was viel besseres zu lesen oder zu benutzen. noch schlimmer wenn man dafür auch noch geld bezahlt, weil menschen dazu tendieren, ihr investment wieder hereinzubekommen und die zeitung dann auch dann lesen, wenn sie sogar wissen, dass es da was anderes viel g’scheiteres dazu gäbe.

aus dieser sicht täten zeitungen sehr gut daran, wenn sie ihre selbstwahrnehmung von der von den lesern verehrten prinzessin auf ‘eine unter’ umstellen würden, die prinzessin sind sie tatsächlich nur noch für sich selbst.

die gute nachricht ist, dass sie diese ‘eine unter’ für viel, viel mehr leute sein können, und dass sie es auf viele verschiedene weisen sein könnten, was gänzlich neue möglichkeiten eröffnen kann, wenn man sich nicht auf die ehemalige rolle als prinzessin kapriziert.

(minianmerkung zum pricing von paywalls: aus oben genannten gründen sind modelle für ‘full digital access’ für 25$ oder mehr völlig kontraproduktiv, selbst wenn sich einige finden, die es bezahlen. das werden primär ehemalige abonnenten der papierversion sein, die sich freiwillig selbst beschränken wollen oder die möglichkeiten noch nicht kennen oder können. der preis wird ansonsten aber allen anderen, auch den echten sympathisanten, schwer zu verkaufen sein, weil sich die frage aufdrängt, warum gerade für dieses und nicht für das oder für das dort oder für das dort drüben und überhaupt, die ja auch gute arbeit leisten. und für alle bezahlen geht halt auch nicht, das allokierte budget wird für bits kaum viel grösser sein als für papier. auf den selbstempfundenen wert und den hineingesteckte aufwand sollte man da nicht beharren, weil der grenznutzen aus lesersicht wie oben beschrieben eben fast null ist. techdirt’s cwf+rtb ist auch für zeitungen noch immer das einzige schlüssig klingende modell, wobei diese bei ihrem rtb vor allem auch auf eine ‘erzählung’ setzen müssen, wenn sie nur auf der ebene der inhalte bleiben wollen und ihre prozesse und produkte lieber nicht aufbohren)

^ bruce sterling mal wieder in hochform bei der sxsw.

(wenn wir in diesen sogenannten debatten gelegentlich zwischen dem gesagten und dem gemeinten unterscheiden würden, würden wir uns auch viel ersparen)

meerkat

(als wendepunkt vl. ganz interessant: das erdmännchen könnte die erste anwendung gewesen sein, aus deren hype (und in deutschland beobachtung vom hype) kein soziales kapital geschlagen werden konnte)

just setting up my twttr

Huch, vor neun Jahren wurde der erste Tweet abgesetzt.

(siehe just setting up my twttr 8, t7, just setting up my twttr 6, just setting up my twttr 5, just setting up my twttr 4, just setting up my twttr, 2 jahre twitter und immr)

my little tijuana

aus der beliebten abt. heute vor 10 jahren: ein mashup von my little tijuana

Der Verweigerer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er sich Dingen verweigert.

Der Verweigerer verwendet also Dinge nicht deshalb nicht, weil er ahnungslos oder unfähig oder aus anderen Gründen ausgeschlossen ist (stichwort digital divide resp. literacy), oder weil er aus anderen, etwa infoökonomischen Gründen halt nicht verwendet (for personal reasons), es geht ihm mit seinem Verweigern um den Akt der Verweigerung selbst.

(für die verweigerung kann es dann viele gute oder schlechte gründe geben, öfter als nicht ist der grund jedoch die übertragung der (vermuteten) eigenschaften der black box hinter der schnittstelle auf die eigenschaften der plattform selbst, die ich vor ein paar tagen im lazy blog ep. 46 angedeutet habe, paradebeispiel ilse aigners ‘sehe ich mich gezwungen’ bei facebook. so nobel oft das ziel ist, der einzige effekt ist üblicherweise, dass man halt selbst an etwas nicht mehr teilnimmt und also die möglichkeiten nicht nutzt und sich im schlimmsten fall über alle anderen ärgert)

(für systemische ausdifferenzierungen ist der verweigerer aus ähnlichen gründen wie der sturschädel wichtig, weil er nämlich verharrt und in seinem verharren gelegentlich der opportunistischen homogenisierung entgegenwirkt und mitunter die möglichkeiten für alternativen skizziert)

(abt. supermarket studies)

0.04 gb

^ kl. nachtrag zu 566262738172002304 : google hat uns die 2gb endlich gutgeschrieben.

mister wong ch

kleiner Nachtrag zu 老总发 : Mister Wong China tuckelt offensichtlich (anders als das mutterschiff) noch immer fröhlich vor sich hin.

Plattform wie die Wayback Machine, nur dass statt der gesamten Seite nur das ‘Readability’-lige gespeichert und entsprechend angezeigt wird.

(bonuspunkte für eine art textilisierung/markdownung; sternchen, wenn das auch noch via git dezentral versioniert oder via blockchain virealisiert wird)

rivva 2007

^ 2007

rivva 2014

^ 2015

kleines update zu Rivva : Rivva wird heute acht Jahre alt.

(was wirklich fehlt sind ‘continuations’ für twitter aber auch blogposts und alles andere soziale – also die monadische kapselungen aller zustände und gegebenheiten, innerhalb derer ein jeweiliger eintrag erst sinnvoll wird)

googleplex

auch nicht weitergekommen sind die blogger, twitterer und elloer 2014 jedenfalls mit dem konzipieren und organisieren von adäquaten gemeinsamen arbeitsbedingungen – da sind google und co schon deutlich weiter.

(kontextloses fyi/fmi: being a fan of sth. does not imply being good at sth.)

boing boing

happy birthday boing boing

(siehe auch BB10 und Five years’ worth of Boing Boing posts in one file)

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