fyi: das wesentliche merkmal unserer zeit ist weder das netz (netzzeitalter usw.), noch die information (informationszeitalter usw.), noch die postdemokratie (wtfzeitalter usw.), sondern der ganz grundsätzliche double bind von allen gesellschaftlichen sphären.

eine art nanoreview von the inevitable von kevin kelly in tweets:

(kl. nachtrag: die tweets klingen, wenn ich sie so sehe, doch deutlich muffiger, als ich das buch beim lesen empfand. nur zur sicherheit: es ist über weite strecken gut und man sollte es auf alle fälle lesen, alleine schon als schnappschuss im dispositiv. mein kleines unbehagen entstand dadurch, dass so ziemlich in jedem kapitel der jeweilige begriff eigentlich besser ist, als er ihn dann ausgeführt hat. ich hab mir fast in jedem kapitel ‘hmm, ist das nicht eine themenverfehlung?’ gedacht, weil plötzlich ein abschnitt aus dem leftfield kam, der in sich vl. nicht falsch ist, aber mit dem hauptbegriff nix zu tun hat. (ich vermute fast, dass das mit dem schreibprozess zusammenhängt. nach ‘what technology wants’ hat er wohl eine kleine pause gemacht, dann hat er über 2 jahre material gesammelt und skizzen verfasst, und die hat er dann auf die 12 themen verteilt, wenn sie irgendwie gepasst haben). und inhaltlich würde ich wohl kritisieren, dass er die komplexe begehren, kultur, politik und sinn einfach ausklammert, aber das ist hier ja eh eine endlosschleife. aber wie gesagt: lesetipp)

in einer vielleicht neuen tradition ein paar worte zur wwdc, die uns gestern über den gemütszustand von apple informierte (siehe dazu auch das serial #apple-2016-june-event mit den live tweets).

und viel gibt’s eig. nicht zu sagen, so ziemlich jedes vorgestellte feature war eine – mehr oder weniger schlüssige, mehr oder weniger schicke, mehr oder weniger kindliche – inkrementelle verbesserung, die es eig. auch schon vor einem jahr geben hätte können (os x heisst jetzt macOS, siri und apple pay laufen jetzt auch auf ebendiesem macOS, siri bekam sogar eine api, shared clipboards und login via continuity, watchOS apps starten schnell und ohne 5 sekündigen beach ball, es gibt einen timer, der einen ans atmen erinnert, es gibt sogar watchfaces mit minnie mouse, für tvOS gibts anwendungen die im herbst kommen, ein paar apps wie music, photos oder homekit wurden etwas slicker, man kann sich sein eigenes mr clippy fenster im fenster bauen, und der messenger bekam verschiedensten blödsinn, text2emoji usw.)

watchOS, iOS, macOS, tvOS

trotzdem kann man leider konstatieren, dass sie mit ihrer vierheit watchOS, iOS, macOS und tvOS doch einen guten griff auf alle screens von 2 bis 80 inches haben, auch wenn sie spürbar selbst noch nicht wirklich wissen, wofür watchOS und tvOS wirklich gut sind. gefühlsmässig ist es aber nur eine frage der zeit, bis sich das findet, weil ihre ausrichtung unterm strich stimmt.

(als satelliten gibt es dann auch noch carplay und homekit, auch die sind eher uninspiriert durchdacht, aber startklar genug, um ggf. auf entwicklungen aufspringen zu können)

und während der allgemeine duktus wie bei google in richtung infantilisierung geht, so ist ihre fluchtlinie doch weniger der bio-adapter (wie bei google), sondern die disney world, in der alltägliche erfahrungen magisch übermalt und aufgewertet werden.

fyi: genau genommen sind blogs das ergebnis angewandter groucho-marx’scher ethik (“I do not want to write for any publication that would accept me as a writer”)

(zumindest alle bücher, die noch öS resp. DM preise haben endlich mal lesen)

fyi: hello alexa ist ist das neue hello api.

(siehe etwa Alexa, meet Remember The Milk)

(blogpost über DAS fundamentale dilemma des derzeitigen webs: den umstand, dass sich kritischer diskurs und geschwafel nur schwer in konkreten code und plattformen transformieren lassen)

((ein möglicher aufhänger wäre etwa wie medium, das es eigentlich nicht geben sollte, zu einem hamsterdam der bemühtheit werden konnte))

(((bonuspunkte wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie und gegenstrategie)))

fyi: diese highlights bei medium geben mir immer dieses gefühl der abgelesenheit von gebraucht gekauften büchern oder skripten

fitbit

^ heute vor vier jahren: Fitbit

(kein tipp sondern eher eine herausforderung: don’t like everything)

((cheerleading und naysaying sind sicher zwei hochgradig funktionale personas, und gute cheerleaders und naysayers finden dann auch ihren sich mitunter rekursiv verstärkenden markt, usw., aber wer dumme dinge, die gescheit klingen, promoted, oder schlaue dinge, die dumm sind, dämpft und umgekehrt ist halt ein funktionär))

traditionell ein paar worte zur google i/o, die uns die letzten drei tage über den geisteszustand von google informierte: die spätestens seit 2012 beobachtbare ‘neue bescheidenheit’ von google (siehe I/O 2012 Neue Bescheidenheit Edition oder I/O 2015 Anhaltende Bescheidenheit Edition) hat sich auch in diesem jahr nicht nur fortgesetzt, man kann wohl fast schon sagen nun auch festgesetzt. die großen blöden würfe blieben auch heuer wieder aus, weder facebook (mit social) noch apple (für alle screens, die grösser als 5 cm sind) noch microsoft (mit ihrer vr) werden von google noch als erreichbare ziele angesehen, auch das rennen um die kolonialisierung der 2. hälfte der menschheit wurde anscheinend zumindest verschoben, ist vl. doch weder so leicht noch die leute dann so dankbar, wie man gehofft hat usw., die einzige verbliebene hoffnung scheint das thema chat in allen facetten zu sein, bevor ihnen whatsapp und snapchat und echo völlig davongelaufen sind.

(wofür ich völlig das gefühl verloren habe ist das verhältnis von google zur infantilität; bis dato bin ich immer davon ausgegangen, dass google einfach die user infantilisieren will. nach dieser keynote bin ich mir aber nicht mehr so sicher, meine erste vermutung wäre nun eher, dass google selbst infantil ist und die produkte nur der ausdruck dieser infantilität. selbst die namen für die features (‘knock knock’, ‘whisper shout’, usw.) sind mehr onomatopoetisch als sonst was)

((was sie unabhängig davon in keinem fall haben, ist auch nur der funke eines verständnisses von sozialität. sie verstehen nicht, dass im leben das gemeinsame aushandeln von aktivitäten genau so wichtig ist, wie die aktivität selbst, dass snapchats der emphatische ausdruck von beziehungen sind und kein problem für ML, das für einen die wahrscheinlichste reaktion berechnet, usw.))

fyi: form follows data.

(lustigerweise hatten wir gerade vor etwa 100 jahren den ‘modernistischen’ übergang zu form follows function )

(hyperlinks, die fußnoten des armen mannes)

(fußnoten, die hyperlinks des armen mannes)

eine art bittorrent börse, bei der man statt dem erhofften film nur das zugrundeliegende buch oder script, statt dem erhofften track nur die zugrundeliegende partitur oder midi-sequenz, etc. bekommt.

(bonuspunkte für optionales begleitmaterial, making ofs, einführungen in die kulturhistorischen und/oder soziopolitischen verhältnisse, etc.)

Eine Art Twitter, an dem nur Bots mitmachen dürfen.

eine art nanoreview der kultur der digitalität von felix stalder in tweets:

(kl. nachtrag: einmal drüber geschlafen kann ich glaub ich ein bisschen besser mein kleines unbehagen damit formulieren: das buch ist mir deshalb etwas unheimlich, weil es die gängige bürgerliche kritik am web wirklich unblöd formuliert, so paradox das klingt. es ist vl. das buch zur webkultur, das die wenigsten falschen grundannahmen und non sequiturs hat, er kennt sich ganz klar aus, es fehlt aber die seite der potentialität und der hoffnung (und damit meine ich, nur zur sicherheit, nicht, dass er jeden fluch mit einem segen gegenrechnen sollte, zum internetoptimismus aufruft, etc.)

aber wie gesagt: lesetipp)

fyi: hab begonnen meine dateien funktional (war divisional) zu reorganisieren; uff.

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 106 schuldig:

das sich abzeichnende Muster ist ganz einfach, dass sich jede dumme Verweigerung gegenüber dem Web früher oder später auf unerwartete Weise rächt, und dass diese Weise umso grotesker wird, je dümmer man sich angestellt hat – üblicherweise, weil man gegen den völlig falschen Feind angelaufen ist, statt zu versuchen das Web positiv mitzugestalten, solange man noch in der allerbesten Position dafür ist.

Ich habe das in der Talfahrt schon mal für den Komplex Medien angedeutet:

(karma am rande: der journalismus bekommt mit buzzfeed, heftig und co nun endlich die rechnung dafür präsentiert, dass sie die nullerjahre mit dem belächeln und verspotten von zuerst blogs und dann twitter verbracht haben, die mit ihrer zukunft wenig bis nichts zu tun haben bzw. hatten. die irritation und konsternation darüber, dass es da plötzlich was anderes gibt, wo jeder seine meinung publizieren konnte und kann, hat sie blind für alle ihre existenz tatsächlich betreffenden entwicklungen gemacht. mit der aktuellen hysterie – man denke an das schnipsel- und leistungsschutzrecht, den ‘kampf’ gegen google, das am besten zerschlagen werden soll, usw. – wiederholen sie gwm. diesen ersten fehler, nur dieses mal ganz brav nach marx und hegel nicht als tragödie, sondern als farce.)

(nts: mich öfter selbst zitieren)

Und wenn es einen anderen Komplex geben sollte, der sich dem Web tatsächlich noch konsequenter als die deutschen Medien verweigert hat, dann ist das die deutsche Politik. Die Sammlung der netzpolitischen Interventionen der letzten 10 Jahre stünde dem Schildbürgerbuch an unfreiwilliger Komik kaum nach (man denke an stoppschilder, vorratsdatenspeicherung, recht auf vergessen, de-mail, störerhaftung, rechtsfreien raum, leistungsschutzrecht oder als persönliche fehden etwa, wie s. gabriel mehr angst vor google hat als vor allem, was durch e. snowden aufgedeckt wurde, wie sich i. aigner gezwungen sah, ihre mitgliedschaft bei facebook zu kündigen, falls nicht auf die kritikpunkte der studie der stiftung warentest eingegagen wird, usw.), wenn nur die Kosten nicht eine enorme gesellschaftliche Verhinderung und Bremsung wäre.

Um die Metapher von oben aufzugreifen: die falsche von den bürgerlichen Parteien ausgemachte Gefahr war die Piratenpartei, also der unorganisierte Haufen an Spinnern, die sich für Vernetzung, eine progressivere Netzpolitik, etcblabla einsetzen, und die man nach dem kurzfristigen Strohfeuer schon als erlegt erachtete, mit dem Thema digitale Bürgerrechte sind halt keine Wahlen zu gewinnen. Nur sind die Piraten und alle anderen Netzaktivisten völlig irrelevant. Das Problem sind nicht die, die sich das als Thema Internet auf die Fahne schreiben, sondern die, die die Dynamik des Internets und die Verstärkungseffekte von etwa Facebook ‘schamlos’ benutzen und einen plötzlich rechts mit 180 überholen können. Der blaue Balken ist also das wiederkehrende Verdrängte, das Symptom des jahrelangen Misstrauens und Mauerns gegenüber dem Web, das hinter jeder Ecke Gefahren sieht, ‘Feuer’ schreit und jeden, der es nicht besser weiss, völlig verunsichert – man denke nur an Cookies, die ja mindestens so giftig imaginiert werden wie Fliegenpilze.

(blogpost über DAS fundamentale dilemma des derzeitigen webs (und also zumindest indirekt auch der welt): den umstand, dass sich die positionen für ‘berater’ nur an den dümmstmöglichen differenzen ausdifferenzieren)

((nur als cheap shot: ‘social media’ ist als abstraktion genauso blödsinnig wie ‘growth hacker’ oder offshore, mobile oder automotive specialist))

(((bonuspunkte wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie)))

« vorher