fyi: katzen und reality tv sind die letzten räume für theorie.

Tool oder Plattform oder Plugin, das in den eigenen Stömen – dem Twitter-Strom, dem Feed-Strom, etc. – die überambitionierten Superfleissigen etwas vorfiltert und versteckt oder als schon gelesen markiert.

(das ganze müsste völlig transparent und mit opt-in und nicht auf basis einer geheimen sauce a la facebook oder google+, die dann erst wieder ohnehin nur eine proportion herstellt, ablaufen)

Tool oder Plattform, wo man ein Foto eines Anschlusses eines Gadgets posten kann und diesen (von der crowd, von einem lernfähigen algorithmus, etc.) in der Folge benannt und klassifiziert bekommt.

fyi: social media saugt den ganzen cognitive surplus aus der welt, sodass für ‘collective action’ oder ‘political interventions’ kaum was übrig bleibt.

(neurasthenie scheint derzeit überhaupt der allgemeine gemütszustand vom web zu sein)

Plugin/Erweiterung für das Kommentartool der Wahl, das es ermöglicht Kommentare auch als Postkarten zu verschicken.

(bonuspunkte für eine premium-version mit handgeschriebenen briefen)

fyi: herauszufinden, dass irgendeine annahme oder grundannahme*, die man gemacht hat und von der man ausgegangen ist, ja gar nicht stimmt, sondern dass ja alles ganz anders kommt oder ist, stellt einen und die welt nicht schlechter. die welt bleibt wie sie ohnehin ist. es bedeutet nur, dass die eigene annahme oder grundannahme eben nicht gestimmt hat (und dass man vl., je nachdem, etwas mehr für eine sache tun muss oder stärker gegen eine sache vorgehen muss).

*etwa: das offene web wird geschlossene plattformen hinwegfegen und freiheit, friede und wohlstand für alle bringen.

fyi: blogger, die einzelne artikel nicht richtig mit ihrem permalink verlinken können, die also etwa nur auf die startseite vom blog linken, oder den ganzen url-cruft von google analytics, feedburner, buffer, usw. mitschleppen oder die, noch schlimmer, die shorturls von twitter oder bitly verlinken, sind keine richtigen blogger.

fyi: alles sagbare ist schon gesagt – es ist nur noch nicht gleichmässig angekommen.

fyi: auf was es wohl hinausläuft: big data vs. eigensinn.

Algorithm, Or the Cultural Logic of Late Capitalism von Fredric Jameson.

fyi: das web ist der erste echte intelligenztest für unsere gesellschaften.

fyi: wer mehr löscht, muss weniger backuppen.

Der Wortklauber (m/w) ist ein doch gelegentlich gesehener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Worte klaubt, Begriffe relativ ernst nimmt und insgesamt ein etwas pedantisches Verhältnis zur Sprache hat.

(mit seinen mitmenschen gerät der wortklauber dadurch ganz automatisch in konflikt, weil kommunikation im allgemeinen auch unscharf funktioniert und nur in wenigen situationen – etwa das kleingedruckte in verträgen, der ganze komplex recht ist natürlich der paradigmatische wortklauberische bereich – auf korrektheit besteht. es wird also meistens nur geredet. nur nerven den wortklauber trotzdem die fehler, gleichzeitig nervt er damit alle anderen)

(für systemische ausdifferenzierungen ist der wortklauber nützlich, weil er oft auch besser getarnten bullshit erkennt)

(abt. supermarket studies)

(der durchschnittliche politiker oder journalist ist – was das web betrifft – auch nicht dümmer, bösartiger oder uninformierter als jeder andere.

das problem mit politikern ist, dass ihr tun perlokutiv ist, also den lebensraum von allen anderen ganz unmittelbar und öfter als nicht wirklich zum negativen betrifft; und das problem mit journalisten ist, dass ihr geschreibsel multiplikativ ist und öfter als nicht dabei verdummend wirkt.

wäre das nicht so, hätten sie also die gesellschaftliche position und die irgendwie doch damit verbundene verantwortung nicht, dann wäre ihre durchschnittliche dämlichkeit völlig egal und nicht weiter erwähnenswert)

(die infantilisierung vom caturday war der anfang vom echten ende von g+; ohne dem letzten funktionierenden sozialen objekt wird es nun wohl wirklich zur geisterstadt)

(das problem der massenmedien ist, dass sie halt wirklich nur das ‘neue’ skandalisieren können; die infoökonomische zumutung von schwarten mit 1000+ seiten wäre sonst wohl auch bei ihnen ein thema)


kl. nachtrag zu 429270640944627712 : irgendwie war (der kauf von payback) überhaupt eine ethische katastrophe für mich: zuerst hatte ich ein schlechtes gewissen, weil ich es erst im ‘last call’ stapel für läppische $3 gekauft habe1, dann hatte ich ein schlechtes gewissen, weil ich es nicht gelesen habe und es mahnend herumlag, dann war es irgendwie unangemessen, es so kurz nach seinem tod zu lesen, und jetzt habe ich es doch gelesen und hab nichts wirklich gutes darüber zu sagen, usw. trotzdem ein paar minianmerkungen …

es ist ein ärgerliches2 buch, weil er eigentlich knapp dran war und er im grunde nur leicht vermeidbare fehler gemacht hat: er hat seine persönliche einzelerfahrung als allgemeingültig gesetzt. er konnte nicht zwischen den kontingenten effekten und den notwendigen gesetzmässigkeiten unterscheiden; die idee, dass gewisse probleme für die (manchmal massen an) betroffen zwar real, aber grundsätzlich auch vermeidbar sind, kommt ihm aus irgendeinem grund ganz einfach nicht. er versteht nicht, dass irgendeine kontingenz immer notwendig ist. und um seine erfahrung dann also objektivieren zu können, ohne den anderen menschen den eigenen handlungsspielraum und deren subjektivität einfach schnell mal grundsätzlich abzusprechen, wendet er einen kniff an: er biologisiert das problem. das netz ist nicht nur selbst ein expandierendes gehirn (im grunde eine dämliche metapher, aber damit ist er nicht allein), das netz ändert auch unsere hirne und verdrahtet sie alle neu. und nimmt man das dann einfach an, kann man damit ohne weitere argumentation alles (wir werden dümmer, wir verlieren die fähigkeit zur aufmerksamkeit, unser textverständnis erodiert, wir werden zu nervösen wracks weil in jeder email überlebensnotwendige infos versteckt sein können, wir werden durch den zustand der dauererschöpfung lust- und leblos, etc.) erklären.

(eine technik, mit der wir uns in diesem szenario dann als menschen reetablieren können, zaubert er am ende dann übrigens doch aus dem hut: den perspektivenwechsel. leider befolgt er seinen eigenen ratschlag nicht, er hätte damit einige der von ihm vorgestellten auswegslosigkeiten selbst mit alternativen gängen umbauen können)

((zwei perspektiven, die sich zum gelegentlichen wechsel oft nicht nur angeboten hätten sondern die sich fast aufdrängen, die er aber gewissenhaft vermieden hat, sind persönliche produktivitätstechnicken/gtd und soziologie; david allen und gina trapani erwähnt er zwar, er kennt sie aber wohl nur vom hörensagen und tut sie vorschnell ab; mit pierre bourdieu hat er angeblich sogar einmal gespeist, wenn er dessen begriff vom ‘habitus’ zur beschreibung von unbewusst automatisiertem verhalten statt dem begriff ‘algorithmus’ verwendet hätte, hätte er sich und uns einige doofe anschlussüberlegungen erspart, weil gewisse blöde assoziationshöfe – der wahn um die algorithmen verfolgt uns ja bis heute – erst gar nicht aufgekommen wären))

unterm strich hätte er es als techniktagebucheintrag schreiben sollen; als subjektive erzählung eines eigenen konfliktes ist es durchaus interessant und wäre auch nicht ohne relevanz. als theorie oder erklärmuster der gesellschaftlichen verhältnisse ist es leider eher doof – und nicht, weil es zum damaligen zeitpunkt so doof sein musste.

1 meine heuristik ist bei büchern, dass man weniger für das buch bezahlt, sondern dass man sich selbst für das lesen bezahlt, weil einem die eigene zeit, die man mit dem buch verbringt, zumindest bei taschenbüchern immer mehr wert sein sollte als der preis des buches, und dass man also keine bücher kaufen sollte, nur weil sie verbilligt sind.

2 ärgerlich natürlich nur deshalb, weil der als herausgeber der faz dann die nächsten jahre ganz wesentlich den tonfall und das niveau der ‘internetdebatten’ vorgegeben hat. schirrmacher war halt wohl auch der fortschrittlichste unter den zeitungsmachern, alle anderen haben das immer als oberste grenze konzipert.

(blogpost über DAS fundamentale dilemma im derzeitigen web: den umstand, dass öfter als nicht das gesamte ‘web’ als beobachtungs- und bewertungsebene für dinge ausgemacht wird)

((was leider eine sinn- weil diskriminationslose abstraktionsebene ist, weil das web keine ontologische substanz ist oder hat, in der irgendwas stattfinden kann, sondern bestenfall die aggregierte summe aller einzelereignisse ist, die auf allen jeweils konkreten plattformen halt stattfinden. das zu unterscheiden ist deshalb wichtig, weil es eben keine allgemeine logik des webs gibt, sondern nur konkrete einzellogiken konkreter plattformen, die aber mitunter auch völlig verschieden sein und verschiedenste dynamiken triggern können))

(((nur als kleines beispiel, weil wir das in letzter zeit häufiger hören: die aussage ‘im web werden die umgangsformen immer barbarischer’ klingt zunächst völlig plausibel; man muss schon ein sehr behütetes dasein führen, wenn man noch nie über kommentare gestolpert ist, wo man sich nur fassungslos fragen konnte, wo man denn da gelandet ist. und gefühlsmässig weitet sich das tatsächlich auch in bereiche aus, die vor einigen jahren noch nicht betroffen waren. es breitet sich also aus, im netz, und da muss man was gegen tun.

das ding ist halt: die kommunikationskultur ist kein abstraktes phänomen, das im web seine ausdruckskraft sucht, kommunikationskultur entsteht immer nur als konkretes produkt auf konkreten plattformen. die gute nachricht dabei ist, dass sich damit das problem sofort zerteilt und dass es also viel leichter ist, die ‘pathologischen’ ereignisse auf plattformen zu isolieren und zu versuchen zu verstehen, was bei ihnen warum ‘schiefläuft’. die schlechte nachricht ist, dass trotzdem immer auch plattformen betroffen sein können, die das wirklich nicht wollen (etwa die kommentarspalten der qualitätszeitungen), oder die eingebaute verstärkungseffekte haben, die das ganze also auch noch multiplizieren (etwa facebook). die gute nachricht ist wieder, dass man das verständnis der plattformdynamik in die bewertung hinein fakturieren kann und man die tatsächliche signifikanz vl. realistischer versteht. die schlechte nachricht ist, dass man sicher auch gelegentlich plattformen gwm. abschreiben bzw. aufgeben muss, zumindest was die erwartungshaltung einer idylle zum erzeugen von kommunikativer vernunft betrifft (was nicht heisst, dass eine solche nicht auch stattfinden kann, das kann sie immer; nur stellen sich plattformen im konkreten gebrauch früher oder später als mehr oder weniger resilient heraus). was als gute nachricht nochmal die einschätzung des stattfindenden diskurses verbessert; das ist übrigens deshalb wirklich wichtig, weil das übliche hysterische skandalisieren oft selbst mehr schadet als nützt.

jedenfalls ist es wichtig im hinterkopf zu behalten, dass der kommunikative umgangston kein symptom vom web ist, sondern immer das symptom einer konkreten plattform, die halt im web ist, aber immer neben allen anderen plattformen steht, die halt auch im web sind und ihre eigenen verhältnisse und dynamiken und umgangstöne erzeugen. es gibt zum glück ja auch viele, die wirklich angenehm funktionieren. der gedanke ist übrigens auch dann nützlich, wenn man sich überlegt, wie man kommunikativ resiliente oder sogar antifragile plattformen bauen könnte)))

(bonuspunkte also wie immer für konkrete fallstudien und sternchen für eine umfassende typologie)

(twitter cards folgen der logik von überwachungskameras; hat einer angefangen müssen alle nachziehen und am ende hat niemand einen vorteil, aber die qualität des gesamtsystems ist geschrumpft)

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