fyi: wir sind derzeit im web viel besser im erzeugen von möglichkeiten von sinn als im benutzen vom sinn.

(ohne grossartige beschreibung des speziellen oder allgemeinen milieus, im grunde gibts ja auch kaum was dazu zu sagen und auch über die unsaggebbarkeit gibts nichts mehr zu sagen, aber gleichzeitig ist das alles auch egal, usw.)

techdirt

Anyway und spät aber doch, das für mich beste/nützlichste Techblog 2017 war schon wieder Techdirt. Mike Masnick (via) ist noch immer eine Art ein-Mann-Armee, der mit glasklarer Urteilskraft sämtlichen Schwachsinn des medial-politischen Komplexes dekonstruiert und gleichzeitig dabei ohne Hysterie auskommt.

Apropos Techdirt: auf Kickstarter läuft gerade ein Projekt von Masnick: CIA: Collect It All – produziert wird ein Kartenspiel, das die CIA für ihre Agenten entwickelt hat. Läuft noch eine Woche, get it! (wenns nicht wehtut)

Eine lobenswerte Erwähnung geht an Dave Winer und seinem scripting ; der glaubt zwar immer das Gegenteil von mir, aber es ist gut zu wissen, dass es ihn gibt. Und Dave ist sicher auch der Unbeirrbarste, was das die Beirrbarkeit durch eigene Irrungen betrifft, und dem man vl. am allerwenigsten von allen vorwerfen kann, dass er es jenseits eines Blablas nicht auch versucht (wenn man sucht kommt man sicher auf einige dutzend projekte im und um das offenen web). Lustigerweise wird dieses Beharren zumindest mit scripting dann doch eben wieder auch zu einer Art Enzyklopädie eines gesamten Zeitraums, die ohne dieses Insistieren schon längst verloren wäre.

siehe Techblogs des Jahres und Techblogs des Jahres 2009 Edition und Techblogs des Jahres 2010 Edition und Techblogs des Jahres 2011 Edition und Techblogs des Jahres 2012 Edition und Techblogs des Jahres 2013 Edition und Techblogs des Jahres 2014 Edition und Techblogs des Jahres 2015 Edition und Techblogs des Jahres 2016 Edition

traditionell ein paar worte zur google i/o, die uns die letzten drei tage über den geisteszustand von google informierte: die spätestens seit 2012 beobachtbare ‘neue bescheidenheit’ von google (siehe I/O 2012 Neue Bescheidenheit Edition oder I/O 2015 Anhaltende Bescheidenheit Edition oder I/O 2016 Permanente Bescheidenheit Edition oder I/O 2017 Beharrliche Bescheidenheit Edition) hat sich auch in diesem jahr nicht nur als zum grundzustand von google etabliert, sondern trägt vl. sogar die ersten früchte. die großen blöden würfe blieben auch heuer wieder aus, irgendwie kann man sich wirklich kaum noch daran erinnern, dass google das potential für große blöde würfe überhaupt jemals hatte, im grunde bauen sie halt weiter ihren assistenten und ai in alles ein, aber die meisten ankündigungen könnten die wenigsten von denen aus 2017 unterscheiden.

trotzdem haben sie (übrigens wie facebook auf der f8) wellbeing/happyness als neues mantra für sich entdeckt, und das macht sich auf einigen produkten, besonders im neuen android p, tatsächlich bemerkbar, da haben sie fast einmal gegenüber ios vorgelegt (dumm nur, dass das halt dann frühestens in 2 jahren in dann bestenfalls jeder 3. hand liegt, der vorgänger oreo hat ja gerade erst jetzt zur i/o die 5% marke geknackt). und während ihnen spürbar noch immer jeder hausverstand dabei fehlt, die sinnvollen von den sinnlosen interventionen zu unterscheiden, so sind doch auch so einsichten wie vielleicht macht noch mehr crab vom hüpfendsten nicht immer am glücklichsten als neue parameter recht nützlich.

fyi: programmieren ist die (natürlich mehr oder weniger gut gelungene) bemühung eines menschen, einer maschine möglichst wenig arbeit zu machen.

Das Powerdummy (m/f, eher m) ist ein in Youtube- und Bloggerkreisen doch häufig zu sehender Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er mit Technik u/o dem Web aufwendig aber elegant Probleme löst, die man gar nicht haben müsste.

(powerdummies werden gerne mit powerusern verwechselt, paradigmatisch da sicher mac power users die seit jahren eigentlich fast nichts anderes tun, als irre aufwändig aber elegant probleme zu lösen, die niemand haben müsste, aber auch google ist fast bei allen neueren interventionen fast immer primär ein powerdummy usw.)

(abt. supermarket studies)

lobo

(link to video)

in alter tradition ein kurzer eindruck zur jährlichen lage der nation von sascha lobo bei der re:publica, zumal lobo ja doch immer ein schönes symptom vom jeweiligen zustand vom web in deutschland ist, allerdings fällt mir heuer noch noch weniger als letzes jahr dazu ein, deshalb nur topologisch:

nachdem sascha seinen standpunkt der problembeschreibung zwischen der rp13 und der rp16 jeweils immer auf die nächste ebene verschoben hat (rp13: zum sozialmedialen macht! rp14: zum gesellschaftlichen organisiert euch! strukturiert euch! rp16: zum wirtschaftlichen trotzdem! gründet!) und auf der rp17 dann eine besinnliche einkehr in den sozialmedialen diskurs selbst machte (diskutiert!), kehrt er diese einkehr in diesem jahr gwm. nochmal um, nimmt das internet überhaupt aus der gleichung und fordert den einsatz für und die rettung der liberalen demokratie und ihrer werte ganz grundsätzlich (rettet sie!). das macht die sache nicht leichter.

pinboard notes

Endlich wieder einmal ein thematisches Quiz: das einzige Feature, das Pinboard ja dem ursprünglichen Delicious hinzugefügt hat, sind bekanntlich notes. Stellt sich heraus, dass Maciej Ceglowski schon lange eine gewisse Obsession mit Notizen in Bookmarks hat (ich glaub nämlich nicht, dass die allzuviele leute verwenden, wobei, bei simpy gab es sie auch, dunno) – er hat nämlich schon vor langer Zeit (wobei lange besonders im web eher relativ ist, also jedenfalls vor beginn dieses blogs 2005) ein kleines Tool entwickelt, mit dem man auch schon zum damaligen del.icio.us Notizen hinzufügen konnte, übrigens mit einem cleveren hack, was dem Umstand, dass er am Ende dann Delicious übernahm eine weitere Pointe verleiht.

Was war der Name von diesem Tool?

fyi: ein guter blogger ist (oder wäre zumindest auch) ein guter schrebergärtner.

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 110 schuldig:

die lösung erfolgt in zwei schritten:

(1) in einem ersten schritt kehrt man das verhältnis von einer bringschuld zu einer holschuld um. genauer gesagt von einer aufdrängschuld zu einer abholschuld, die informationen müssen ja trotzdem bereitgestellt werden. aber statt jede webseite zu verpflichten, jedem besucher die jeweilige datenschutzpolicy unter die nase zu reiben, die dann spätestens ab der 72. ungelesen akzeptiert wird, wird diese datenschutzpolicy an einem erwartbaren ort – etwa als /privacy.html an der wurzel der webseite hinterlegt, damit sie der interessierte besucher jederzeit finden und einsehen kann. grundsätzlich aber wird von einer zustimmung ausgegangen, jede andere annahme ist im web einfach nicht praktikabel, zumal man cookies auch selbst jederzeit deaktivieren kann.

(2) in einem zweiten schritt macht man das format auch noch lesbar für maschinen, damit sich tools – primär wohl der browser der eigenen wahl – ohne zutun des benutzers darum kümmern können (wir kennen das prinzip von robots.txt, nur dass statt angaben von regeln für die bots der suchmaschinen etwa in einem privacy.txt angaben der auf einem webangebot vorgenommenen datenschutzrelevanten praktiken und eingebetteten scripts gemacht werden)

das einzige was der benutzer dann im normalfall machen muss, ist, ein einziges mal seine präferenzen festzulegen, also anzugeben mit welchen techniken und diensten er grundsätzlich einverstanden ist und vor welchen er in jedem fall gewarnt werden will.

das einzige was der betreiber einer weibseite machen muss ist, an einer stelle die eigenen praktiken und verwendeten scripts vollständig zu dokumentieren.

besucht man nun in diesem szenario eine seite, dann kann der browser diese datei auslesen, mit den regeln des benutzers abgleichen und braucht ihn nur dann darauf hinweisen, wenn etwas nicht koscher ist. dann kann dieser sich die privacy policy genauer anschauen und ggf. damit leben, oder auf der seite cookies und javascript deaktivieren – diese möglichkeit steht ja jedem ganz grundsätzlich auf jeder seite zur verfügung, nur wird das gerne verschwiegen, weil viele halt doch gerne tracken oder das mit der vermarktung interferiert – oder müssen halt weiterziehen, zum glück ist das web ein großer teich.

(den rattenschwanz an teilweise ganz fundamentalen realen problemen, die uns die dsgvo noch bescheren wird, hat man damit natürlich noch nicht tangiert, aber zumindest die 7.000.000.000.000 unnötigsten hinweise auf die omnipräsentesten logs und cookies, die überhaupt keinen informationsgehalt haben, wären damit vom tisch (700 mio betroffene in der eu, jeder wird im jahr auf 1000 seiten vor jeweils 10 ohnehin schon bekannten cookies nicht mehr gewarnt))

auch nicht weitergekommen sind wir 2017 jedenfalls dabei, einige universalitäten oder generalisierbarkeiten im web zu erkennen, zu benennen und irgendwann dann als bekannt vorauszusetzen, um uns auf die spezifischeren dinge konzentrieren zu können.

(das beginnt bei so harmlosen dingen wie youtubern, die sich im kollektiv wünschen, dass die geneigten zuschauer das video doch commenten, liken und sie dann subscriben, was sie dann auch nicht müde werden in tatsächlich jedem video zu betonen, und endet bei politikern, denen nichts besseres einfällt als jede webseite zu verpflichten jeden besucher darüber zu informieren, dass auch sie cookies verwendet und die ip-adresse loggt, was halt eine völlig informationslose verunsicherung ist, weil das halt tatsächlich jede einzelne webseite tut. und während das bei den youtubern vl. sogar noch über ein gewisses phatisches element erklärt werden kann, ich denk an euch, denkt ihr auch an mich, usw, so sind so maßnahmen wie die cookieregelung nicht nur ein kolossales ärgernis, sondern bewirken dann sogar das exakte gegenteil von dem, was vermutlich der sinn sein sollte (ich gehe einmal davon aus, dass sie das nicht aus anderen, zynischeren motiven oder aus reiner bösartigkeit tun). denn wenn auf jeder seite ‘achtung’ gerufen wird, dann hört man es auch nicht mehr dort, wo es vl. wirklich sinnvoll wäre)

((und es bewirkt ja nicht nur das gegenteil vom intentierten, es steht dann blöderweise auch noch jeder möglichen lösung im weg, die über eine generalisierung oft leicht erreicht werden könnte. das sieht man derzeit gerade im schön rund um die einführung der dsgvo, die in ihrem kern ja erstaunlich sinnvoll ist, nur in der umsetzung eher an einen schildbürgerstreich erinnert))

Eine weitere zumindest pragmatisch sehr nützliche Unterscheidung ist die Unterscheidung, ob eine Unterscheidung eine nützliche ist oder nicht.

(abt: draw the distinction!)

google goats

heute vor neun Jahren: Google Goats, die geheime Ziegenarmee und ziemlich sicher das letzte wirklich grossartige Projekt von Google. Ich hoffe sie kommen noch einmal zurück.

(überhaupt: mehr goat content)

fyi: es gibt lustigerweise nichts, was einem zu mehr klarheit verhilft, als es mit der größtmöglichen dummheit zu tun zu bekommen.

fyi: grep ist noch immer schneller als google.

Internet Health Report

Das Jahr laut Mozilla in einer Art Internet Health Report (ann)

The Life-Changing Magic of Tidying Up (for Collectors) von Marie Kondo.

(die serie meiner seltsamen koinzidenzen geht weiter; und während ich mir einige dann zumindest retrospektiv über eine veränderte wahrscheinlichkeitsverteilung erklären kann, die über eine veränderte exposition an thematische bereiche bedingt wird – dass ich etwa gerade in dem zeitraum, in dem ich ‘die feinen unterschiede’ so als backdrop lese, start hier übrigens dokumentiert, über eben jene feinen unterschiede innerhalb von zwei tagen zunächst im bildungsbuch von martin lindner und dann bei taleb stolpere, das liegt halt auch daran, dass ich anscheinend gerade eine soziologisch angehauchte lesephase habe, usw. -, aber dass mir der kleine hobbit beim sichten meiner kindheitsbücher in die finger fällt und ich ihn aus einem impuls heraus in einem schwung binge und dass ich dann am nächsten abend sehe, dass um 20:15 die verfilmung im fernsehen läuft, das kann ich noch nicht mal über einen vorabblick in ein fernsehprogramm erklären, das dann irgendwie mein hobbitsensorium auf maximalstufe gedreht hat, weil ich die programmzeitschrift für diese woche noch gar nicht hatte, oder dass barbarella mal im fernsehen läuft und baudrillard, der übrigens auf dem gleichen stapel wie bourdieu liegt, dann in der gleichen woche über barbarella schreibt, das ist mir dann doch etwas suspekt, weil ich nicht glaube, dass barbarella in vielen meiner bücher vorkommt, usw.)

scentsible wallpaper

kleiner Nachtrag zu diesem Tweet: irgendwie hat sich gerade diese Trendlosigkeit der Aprilscherze als eigentlicher Trend etabliert, bis zum letzten Tropfen blieben die Ansätze all over the map (siehe die ersten 4 seiten im momb), natürlich hatten einige Tiere, aber im Vergleich zu den letzten Jahren vernachlässigbar wenige, ein paar rekombinierten ihr Thema mit Cloud, AI, Voice, Bitcoin, Sharing, Mobile, usw., aber jeweils nicht viele, am greifbarsten war am Ende des Tages der Umstand, dass sich das dann oft irgendwie als crazy iot ding realisierte, als strömende Socke oder Polster zum Lernen im Schlaf oder Fussball mit wireless Meshnetwork oder intelligente Tapete oder Handyhülle aus Schokolade usw., aber insgesamt fehlen die Träume und blöden großen Visionen und die Luft ist nicht nur bei Google raus (und warum ist eig. keine schlechte frage)

(weil im zuge der aufregung um facebook gerade wieder einmal die fackeln der hoffnung für RSS entzündet werden (bezüglich derer ich übrigens bei voller sympathie nur vorsichtig optimistisch wäre, einfach deshalb, weil sie ein gewisses grundmaß an interesse voraussetzen), siehe etwa : irgendwie kann ich mir eine gewisse schadenfreude gegenüber google nicht verkneifen, weil sie mit einem nicht ihrer fixen idee G+ geopferten google reader jetzt in einer seltenen pole position stünden, facebook einen zumindest signifikanten (und qualitativ hochinteressanten) teil der globalen aufmerksamkeiten wieder abzwacken zu können und selbst als retter in der not aufzutreten und sich zumindest nicht gänzlich unangemessenerweise einen weissen hut aufzusetzen, der gegenüber dem nun wohl zumindest einige wochen mit pechschwarzem hut herumlaufen müssenden facebook auch eine unbestreitbare moralische hoheit proklamieren könnte. sie könnten sich nun plötzlich ganz nachvollziehbar als anti-facebook positionieren, was ohnehin das ist, was sie werden hätten können, wenn sie nicht aus gier, neid und systemischer dummheit auch facebook sein wollten und deshalb ein paar jahre im sozialen herumgetümpelt sind, bis ihnen irgendein kontrollalgorithmus ein enough is enough ausgerechnet hat. alleine diese mögliche differenz in der wahrnehmung wäre für google unbezahlbar, nun stecken sie in der kollektiven wahrnehmung untrennbar mit facebook und amazon als gollum fest)

(stand der welt: ein geschlossenes irrenhaus führt baudrillards ‘der symbolische tausch und der tod’ auf)

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