bildnerische formlehre

^ ganz nett: die bildnerische formlehre von paul klee.

als kleine einstimmung auf die diesjährige ausgabe der leftovers (und damit ich mich vl. weniger wahrscheinlich wiederhole) eine kurze wiederbesichtigung der leftovers 2011 und leftovers 2012 und leftovers 2013 und leftovers 2014 (wo praktikabel):

  • Leftovers 2011 Stream Edition – nach wie vor einer meiner wenigen vl. nützlichen texte, der leider zu kurz ausgeführt ist, um das in einem anderen kopf ankommen zu lassen, der aber den kern zum verständnis von fast allem (things web) beinhaltet.
  • Leftovers 2011 Insight Edition – schwer dabei weiterzukommen und als prinzip irgendwie natürlich nicht falsch, allerdings eher als orientierung usw.
  • Leftovers 2011 Signifiers Edition – das kreative benennen hat in den folgenden jahren etwas abgenommen, wirklich paradigmatische 2.0 namen sieht man auch heuer etwas seltener, wobei es sich auf einem bestimmten niveau eingependelt zu haben scheint.
  • Leftovers 2011 Schöner Launchen Edition – gibts nach wie vor, hat aber massiv nachgelassen, zumal sich wohl die blindanmelder immer schwerer mobilisieren lassen, nachdem sie sich schon bei 8000 seiten angemeldet haben.
  • Leftovers 2011 Filter Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen. ich versteh nicht, warum das noch keiner systematisch angegangen ist, aber ich hab die hoffnung darauf mittlerweile aufgegeben, obwohl filter wirklich eines der duh-kriterien wären. wobei: ein riesiges problem wäre im allgemeinen das filter-management und die wartung, und ohne diese werden sie dann schnell unnötig.
  • Leftovers 2011 Clueless Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen, wobei da natürlich auch hier kein weiterkommen zu erwarten war, was aber insgesamt extrem schade ist.
  • Leftovers 2011 Composition Edition – hat sich zunächst verbessert, mitunter dank scrivener (siehe bartleby) in dem jetzt einiges steckt, wofür ich davor einiges an retrospektiv völlig blödsinnigen aufwand betrieben habe, hat sich dann aber in den letzten zwei jahren wieder etwas verkompliziert, grr. ein prinzip jedoch bleibt: alles, was aufwand verursacht, darf nicht nur nett, sondern muss wirklich nützlich sein.
  • Leftovers 2011 Scope Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen, wobei da natürlich auch hier wieder kein weiterkommen zu erwarten war, wobei vl. ganz insgesamt weniger überschätzt wird, weil insgesamt niemand mehr vom anderen irgendwas erwartet.
  • Leftovers 2011 Polychronicity Edition – auch das gilt noch, hat sich aber anders entwickelt, als ich vermutet hätte; statt immer grösseren strukturellen reibungen, die durch die kognitiven dissonanzen getriggert werden, scheint sich das gesamtsystem eher auf eine gemeinsame unzeitlichkeit zuzubewegen.
  • Leftovers 2011 Difference Edition – eine auslaufrille, ich weiß, wobei natürlich auch hier wieder kein weiterkommen zu erwarten war, es aber ein grundsätzlich lösbares problem ist und ziemlich sicher eines der einfachsten, mit dem man die welt echt verbessern könnte.
  • Leftovers 2011 Dead Man Edition – gar nicht schlecht, nur hat sich mit dem mobilen web die trope totes web sogar etabliert, nur natürlich aus den völlig falschen gründen und mit den völlig falschen schlüssen.
  • Leftovers 2011 Axis of Good Edition – das hat sich 2015 wieder verstärkt, nachdem es sich eine zeitlang etwas verbessert hat; wobei sich in einigen feldern gwm. auch das nein-sagen als beliebte strategie für schulterklopfer etabliert hat.
  • Leftovers 2012 Indifference Edition – da bin ich persönlich 2015 wieder etwas weitergekommen, aber weniger als indifferenz sondern eher als ähnliches symptom einer schlappheit.
  • Leftovers 2012 Mist Edition – damit struggle ich auch noch immer, wobei es sich mit grundsätzlich sinkendem output natürlich von selbst etwas lindert.
  • Leftovers 2012 Boxes Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen. wirklich schade, weil das wie die cluelessness ein grundsätzlich lösbares problem ist, das grosse teile von low hanging fruits sammeln und in köstliche marmelade verwandeln könnte.
  • Leftovers 2013 Deduction Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen, wobei da natürlich auch hier wieder kein weiterkommen zu erwarten war, unsere hirne sind einfach nicht so gestrickt.
  • Leftovers 2013 Logic of Sense Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen, was nicht erwartbar war aber natürlich schade ist, weil das das einzige wirklich sinnvolle kriterium ist (wobei ich vermute, dass man ihn halt einfach nicht direkt erzeugen und einfordern kann, sondern dass er sich eben immer retrospektiv konkret ergeben muss).
  • Leftovers 2013 Logic of Sensation Edition – auch 2015 kein jota weitergekommen, wobei sich genau das aber mittlerweile interessanterweise viele allerdings als leere phrase auf die eigene fahne schreiben.
  • Leftovers 2013 Latency Edition – nach wie vor ungelöst und auch 2015 kein jota weitergekommen. wirklich schade, weil auch das ein grundsätzlich lösbares problem ist, das immer dringlicher gelöst werden müsste, weil sich abzeichnet, dass auf absehbare zeit mit keiner hilfe oder verbesserung zu rechnen ist. der ganze diskurs läuft leider fast in die gegenteilige richtung, entwicklungsland deutschland ist ja die von allen parteien akzeptierte begründung für alles.

romkoem

eine art miniquiz: was ist der name vom gemälde, das zum namen vom blog wurde, das vor 10 jahren mit hackr.de verschmolzen wurde?

shed project

sehr nett: The Shed Project (instagram, via) – eine Art Katalogisierung vom großväterlichen Werzeugschuppen.

(arm wie eine kirchenmaus, aber topschlau)

(portrait-serie von dingen und ihren kabeln)

(einfache regel für mehr content im web: in diskussionen, threads, kommentaren, etc. immer das letzte wort behalten wollen und posten. go!)

Warum fällt es der Indiecrowd so schwer zu verstehen, dass sie es sind, die das materialistische/warenfetischistische Verständnis von Daten haben, und nicht die Plattformen?

Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 97 schuldig:

Ich glaube die Wurzel des Nichtverstehens liegt in den tendenziell linken/liberalen Werten der Indiecrowd – dem Glauben an Offenheit, Freiheit, Gerechtigkeit, Autonomie, Demokratie, Bürgerrechten, Datenrechten, usw. Damit ausgestattet werden sie wiederholt mit Plattformen konfrontiert, auf denen Menschen Dinge tun und die mit hunderten Millionen, manche sogar mit dutzenden (Twitter) oder hunderten (Facebook) Milliarden bewertet werden.

Das weckt natürlich die Neugier und wenn man sich fragt, wo der Wert denn herkommt, wer ihn erzeugt, wer davon u.u. unrechtsmäßig profitiert, usw., dann landet man schnell bei der Diagnose, dass es – und ich beziehe mich im folgenden exemplarisch auf Twitter, das Prinzip lässt sich aber leicht auf die meisten anderen Plattformen übertragen – ein Produkt gibt (den Tweet), das von ganz offensichtlich unbezahlten Arbeitern produziert wird (den Usern), was in der Summe ein aggregiertes Ganzes ergibt, dessen Mehrwert sich die Betreiber dann fürstlich bezahlen lassen.

Ist man gedanklich einmal bei diesem Ausbeutungszusammenhang gelandet, kommt man nicht nur schwer wieder davon los, es beginnt auch eine Art warenfetischistische Überbewertung des Produktes Tweet. Sprich: der Tweet selbst wird als viel wichtiger und bedeutsamer und wertvoller imaginiert, als er eigentlich ist (in 98,2% aller Fälle ist es ein in 20 Sekunden abgesetzter Blurb mit 80 Zeichen und zwei Hashtags und/oder einem Link und/oder 6 Emojis).

Es wäre sicherlich interessant, sich die Arten der Übertragungen und Projektionen etwas genauer anzuschauen – mitunter geht es um Fragen der Kontrolle, vom Besitzanspruch, von der sogenannten Hoheit über die eigenen Daten, um die Ströme und Reaggregierbarkeit, usw. – hier relevant ist aber nur, dass der Tweet fortan als Ware und also die eigene Aktivität als Arbeit und also das Verhältnis als Ausbeutungsverhältnis konzipiert wird und dass man sich in dieser Schlinge umso mehr verfängt, je mehr man sich darauf fixiert.

Mein Vorschlag zur Kur wäre, Tweets nicht länger als Produkt mit einem (ohnehin nur solipsistisch imaginierten) Wert zu konzipieren, den dann ein anderer abschöpft, sondern funktionalistisch als Abfälle kommunikativer Akte zu verstehen, mit denen man Dinge erreichen will und/oder kann.

Man twittert aus reinem Egoismus, weil man seine Bekannten und Verwandten mit dem eigenen Geistesblitz beglücken möchte, weil man die Welt unbedingt über den letzten grenzgenialen eigenen Blogeintrag informieren möchte, weil man eine schnelle Frage hat auf die wohl einer aus der geneigten Verfolgschaft eine Antwort hat, uswusf.

Und man liest die Tweets der Anderen aus reinem Egoismus, weil es einen mit dem bekannten sozialen 6ten Sinn versieht, weil man über Ereignisse fast in Echtzeit informiert wird, weil man eine Injektion an Serendipity bekommt, die sonst kaum möglich wäre, weil man ein genuines Interesse an den Mitmenschen hat, etctrara.

Das Problem der Indiecrowd ist also grundsätzlich, dass sie gelegentlich bürgerliche Eigentums- und die damit verbundenen Kontrollverhältnisse konstruieren und darauf bestehen, wo es eigentlich um Kommunikationsverhältnisse geht und wo deshalb auf diese Kommunikationsverhältnisse optimierte Plattformen, auch wenn sie noch so geschlossen sind (funktional sind die meisten ohnehin offen), den auf Eigentums- und Kontrollverhältnisse optimierten Indieplattformen in der Gunst der Benutzer bei weitem überlegen sind. Benutzer verhalten sich üblicherweise halt funktional rational und nicht asketisch ethisch.

(nur zur sicherheit wie immer als faustregel: sei so indie wie möglich!!11 und backe alles up; aber beharre nicht auf dem indie wo es mehr schadet als nützt oder wo es irrelevant ist)

Der zweite Megatrend 2015 sind ganz eindeutig diese schwarz-weiß gehaltenen Favicons von Publikationen – man kann ja fast schon sagen, dass jeder, der was von sich hält, ein schwarz-weißes Favicon verwendet.

faz – faz.net
nytimes – nytimes.com
nzz – nzz.ch
sz – sueddeutsche.de
tagesanzeiger – tagesanzeiger.ch
washingtonpost – washingtonpost.com

medium – medium.com
qz – qz.com
vice – vice.com
wired – wired.com

(lustig ist, dass das nicht nur die alteingesessenen zeitungen, sondern auch einige der ‘neueren’ medien als badge of honor and trust verwenden; und gnade uns das grosse squirrel, falls auch buzzfeed mal auf s/w umstellt)

nessie

^ Google heute mit einem Nessie Doodle. Im Blog gibt es dann auch ein paar Hinweise, wie man dem mit einer speziellen underwater view auch selbst auf/unter den Grund gehen kann.

google

^ endlich spargel.

Tool oder Plattform, das das Prinzip von IFTTT – also dem programmierbaren Verketten von Ereignissen – aufgreift, aber auf historische, auf Webdiensten schon abgebildete Ereignisse überträgt.

Die nicht notwendigerweise feinen Unterschiede von Pierre Bourdieu.

Der Gamer (m/w) ist ein relativ weit verbreiteter Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er Dinge/Plattformen/Systeme/die Welt als Spiele konzipiert, die es zu gewinnen gilt.

Dem reinen Gamer geht es also nicht primär um die Erzeugung oder Abschöpfung von Wert oder Sinn (wobei er mit seinem tun durchaus wert und/oder sinn erzeugen und/oder abschöpfen kann), es geht ihm um das Maximieren von Punkten entlang einer Skala an Scores auf einem Leaderboard.

Öfter als den reinen Gamer gibt es aber den Abschöpfer, also den Gamer, der das Spiel mit dem ausschließlichen Ziel des Abschöpfens von Wert in ein anderes System verfolgt (wobei er damit trotzdem durchaus wert und/oder sinn erzeugen kann). Das kann durchaus oft funktionieren, weil viele als ‘Spiele’ konzipierbare Verhältnisse eine ‘Gewinnfunktion’ haben, die von gewinnenwollenden Spielern relativ leicht angezapft werden kann, weil die meisten ‘Mitspieler’ gar nicht bewusst spielen; das bedeutet oft aber auch, dass das ganze Spiel zu einem Nullsummenspiel oszilliert, weil alle einfach zu gewinnenden Spiele früher oder später auch viele andere Abschöpfer anzieht, mit denen man sich dann herumstreiten muss (man denke an den ganzen komplex google- oder ebay basierten ecommerce).

(den gamer bei analysen im hinterkopf zu behalten kann durchaus nützlich sein, weil wir in den letzten jahren ja immer wieder konstellationen hatten, bei denen irgendwelche incumbents plötzlich mit gamern zu tun bekamen, die ihnen die wurst vom brot stahlen und sich nun anschicken, auch noch ihr brot anzuknabbern)

((der grundsätzliche fehler ist dann fast immer, sich selbst in einen spieler im ‘vorgegebenen’ spiel verwandeln zu wollen, statt zumindest für sich selbst ein eigenes spiel zu definieren))

(abt. supermarket studies)

Eine weitere pragmatisch oft nützliche Unterscheidung oder besser unterscheidende Grenze ist die Baseline, die das Niveau markiert, das mit der ‘besten dummen’ Heuristik oder Algorithmus erreicht werden kann.

(ich lasse das einmal so stehen, weil die implikationen der baseline je nach feld oder thema doch mitunter völlig verschieden sein können, aber es ist doch gelegentlich lustig, sich die baseline zu überlegen und die konkreten ‘ereignisse’ nicht absolut, sondern in relation zu dieser baseline zu bewerten)

((und zumindest eine vermutung: alles, was an oder in der nähe der baseline operiert, wird früher oder später gnadenlos kommodifiziert))

(abt: draw the distinction!)

(sterling zu hören ist auch deshalb postmeta-lustig, weil er einige sprachklangliche riffs kultiviert hat, die er immer wieder (mit mitunter gänzlich anderen inhalten) rekombiniert)

(als weekend projekt etwa reboot 2009 vs. sxsw 2015)

Der Privatprogrammierer (m/w) ist ein derzeit eher hypothetisch angenommener Zeitgenosse, der sich dadurch auszeichnet, dass er rein privat motiviert und jedenfalls finanziell unabhängig und ohne Auftrag vor sich hinprogrammiert.

(abt. supermarket studies)

fff

weil friendfeed ja in 2 wochen dicht macht:

kleines tool oder script, das mit den eigenen friendfeed friends eine twitter list befüllt.

(bin übrigens vorhin noch ein bisschen darin herumgestreunt und es ist nach wie vor erstaunlich, wie gut es schon 2008 war, so features wie virtual friends sind nach wie vor unerreicht. lustigerweise sind dem tool genau die zwei dinge auf den fuss gefallen, die es ursprünglich motiviert hat: das soziale und die echtzeit. indem sie das interagieren – kommentieren, liken, etc. – mit den aggregierten beiträgen auf friendfeed selbst gezogen haben, haben sie eine situation des alles oder nichts erzeugt, die eben nur so lange funktioniert hat, solange die bekannten und verwandten selbst auch dort aktiv waren, was eine fragile struktur ist und den exodus dann gwm. gefördert hat. das potential als antisozialer reader von sozialem, das die interaktion zum jeweiligen dienst zurückspielt, wurde genau deshalb nie ‘entwickelt’. und echtzeit war ein gimmick, das retrospektiv betrachtet aus dem irritierenden arsenal von professor horn aus den merowingern stammen könnte)

Tool oder Plattform, das diese amerikanischen Sportstatistiken bzw. -Ausreisser für Startups generiert.

(xy ist erst das zweite productivity-startups aus einer deutschen stadt mit weniger als 100.000 Einwohnern, das die android-app noch vor der ios-app lanciert hat und bei ello mehr als 1000 verfolger hat)

auch nicht weitergekommen sind wir 2014 jedenfalls mit dem bereitstellen/einfordern von den ursprünglichen und einfachen defaults von webdiensten.

(was absurd ist, weil viel bei vielen plattformen verzeihbar wäre, wenn man es einfach abstellen könnte)

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