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re:publica 2019 - Sascha Lobo: Rede zur Lage der Nation

re:publica 2019 - Sascha Lobo: Rede zur Lage der Nation
(link to video)

in alter tradition ein kurzer eindruck zur jährlichen lage der nation von sascha lobo bei der re:publica, zumal lobo ja doch immer ein schönes symptom vom jeweiligen zustand vom web in deutschland ist:

nachdem sascha seinen standpunkt der problembeschreibung zwischen der rp13 und der rp16 jeweils immer auf die nächste ebene verschoben hat (rp13: zum sozialmedialen macht! rp14: zum gesellschaftlichen organisiert euch! strukturiert euch! rp16: zum wirtschaftlichen trotzdem! gründet!) und auf der rp17 dann eine besinnliche einkehr in den sozialmedialen diskurs selbst machte (diskutiert!) und auf der rp18 das internet dann überhaupt aus der gleichung genommen hat und nicht weniger als die rettung der liberalen demokratie und ihrer werte fordert (rettet sie!), sieht er in diesem jahr gwm. die antithetische seite des endpunktes der dialektischen spirale gekommen, als kollektives unbehagen mit guten gründen (nach jahrzehnten der kollektiven illusion kommt es qua digitalisierung zu einem realitätsschock, zu einer krise der expertise, usw.)

(bei der allgemeinen stimmungslage bin ich völlig bei ihm und seine dokumentarischen serien (die andauernde überraschtheit ob des ifo-klimas, die einführung einer co2-steuer um deutschland seit 30 jahren herum während die cdu noch immer nicht hudeln möchte, usw) sind wie immer grossartig, aber seine allgemeine herleitung der situation kann ich nicht ganz nachvollziehen. einerseits weil die vorbedingungen tatsächlich schon immer existieren (experten liegen immer falsch, und nicht nur in bereichen, die man ganz grundsätzlich nicht vorhersagen oder verstehen kann, die kluft zwischen weltwissen und volkswissen war schon immer da, usw.) und also eher ein umstand sind und also nicht erklären, warum gerade jetzt, warum gerade so, usw. andererseits weil die interpretation ‘jetzt hat uns die wirklichkeit wirklich eingeholt und aus den fugen endlich in die fugen gesetzt’ doch sehr optimistisch ist und ich keinen guten grund sehe, warum es ausgerechnet jetzt soweit sein soll. trotzdem ist die frage, was diesmal anders ist natürlich interessant. ein faktor ist sicher die rückkopplung, die durch ‘soziale medien’ entsteht (die konstruiertheit der geschlechter ist seit 30 jahren bekannt, spätestens seit ‘gender trouble’ 1990, aber es braucht eine generation an facebookern, instagrammern und youtubern, um genügend schwung zu erzeugen, dass sich das dann auch in formularen, der sprache und also gwm. dem gesellschaftlich erwartbaren hausverstand manifestiert) usw.)

06.05.2019 | tags: , , | tv-tags: , ,