eine art nanoreview von die bildung und das netz von martin lindner in tweets:

(kl. nachtrag: die tweets klingen, wenn ich sie so sehe, doch etwas muffig, nur zur sicherheit: es ist eine absolute leseempfehlung, schon allein deshalb, weil martin einen ganz eigenen blickwinkel gefunden und ganz allgemein eine der angenehmsten stimmen überhaupt hat. lustigerweise enthalten die tweets trotzdem auch schon meine beiden einwürfe, wenngleich etwas zu kompakt u/o kryptisch, also vl. zur ergänzung:

einwurf 1: das absteckbare abstecken usw: mit bildung ist es wie bei vielen begriffen, die auf mehreren/allen gesellschaftlichen u/o technologischen ebenen wirksam sind: sie ist ein homonym, das nicht nur auf jeder ebene des stacks was grundsätzlich anderes bedeutet, es gibt auf jeder ebene auch noch eine art horizontale streuung, bei der jeder einfach das damit bezeichnet, was er damit gerade bezeichnen will (es teilt dieses schicksal zb mit der armen ‘plattform’. auch die hätte auf jeder ebene eine grundsätzlich definierbare sinnvolle bedeutung, aber jenseits davon assoziieren die leute damit frei vor sich hin und berücksichtigen in den seltensten fällen auf welcher ebene sich ein etwaiger anderer damit gerade befindet). das insistieren auf das abstecken ist sicher ein bisschen anal und im jeweiligen ‘sprechakt’ mitunter irrelevant oder sogar kontraproduktiv, es ist aber dort notwendig, wo man grundannahmen macht oder erkenntnisse übertragen will. beim dokumentieren/reflektieren der jeweiligen grundannahmen oder geltungsbereiche stellt man übrigens nicht selten fest, dass anscheinend konfliktierende positionen überhaupt kein problem mehr sind, aber auch, dass man bestimmte lektionen vl. nicht einfach so übertragen kann.

und weil das immer noch etwas abstrakt klingt ein konkretes beispiel: die MOOCs. über MOOCs gäbe es fast nichts zu diskutieren oder problematisieren, wenn man sich einfach anschauen und abstecken würde, was sie sind (und nicht, was andere darüber sagen). das sprengt hier ein bisschen den rahmen aber unterm strich sind sie einfach eine spezifische form eines kurses mit einigen variablen (gut/schlecht gemacht, als event/permanent, primär linear/offen, usw.) das in der konkreten instanziierung dann ein konkretes potential zum lernen entfaltet (das je nach lerner auch völlig variieren kann). und man würde leicht einige buckets finden, für die sie bestens (und mitunter besser als alles andere) geeignet sind, und müsste sie auch nicht länger mit aufgaben oder annahmen versehen, für die sie halt nicht geeignet sind. skurrilerweise findet das aber ohne übertreibung einfach nicht statt und es wird immer nur etwas angenommen oder diskutiert, was ein anderer angenommen oder darüber gesagt hat, was auch wieder üblicherweise mit einer hanebüchen übertreibenden selbstdarstellung beginnt, die dann nachgeplappert und verstärkt oder ohne eigenen blick weggeschüttet wird.

einwurf 2: er setzt die logik vom web ethisch/normativ und landet dadurch in einer position, die blöderweise genau das erschwert, was sie eigentlich bewirken will. damit steht er in guter schule mehr oder weniger aller, die mit dem herzen am rechten fleck (also humanistisch, emanzipatorisch, sozial, indie) in den letzten 29 jahren über das web nachgedacht haben, nur nützt das nix (wobei es auch nicht schadet). das webbige am web ist eine nützliche und völlig valide kategorie zur beschreibung von phänomenen, es ist aber ein fast unerreichbarer imperativ, der das subjekt/die organisation in eine fast unmögliche position bringt.

und das klingt as is nicht nur kontraintuitiv sondern eher doof aber als beispiel: das bloggen. der bösartigste tipp, den man jemandem geben kann, ist das gutgemeinte ‘sei frei und blogge!’. ich hab das (gee, auch schon wieder 5 jahre her) mal hier kurz thematisiert aber dazu ergänzend: das problem beim bloggen ist ja paradoxerweise genau der umstand, dass blogs ein perfektes medium sind, nicht nur weil einfach jeder einfach alles schreiben kann (man braucht noch nicht mal geld und ein zimmer, man braucht nur noch ein iphone und ein bluetooth keyboard). und genau weil man alles tun könnte, was man will, erfordert das das allerschwerste: man muss etwas wollen und den sinn für sich selbst erzeugen. keine likes oder follower, die das leben versüßen. blogs haben also unendliches potential, aber sie brauchen auch einen akt der selbsterzeugung (der als forderung eine zumutung ist).

oje, das wurde nicht viel klarer, anyhow und wie gesagt: großer lesetipp)