Eine weitere im Grunde offensichtliche, aber derzeit in vielen das Web u/o Technologie u/o Politik/Sozialität im Zeitalter der mobilen Vernetztheit betrefenden Debatten öfter als nicht übersehene Unterscheidung ist die zwischen Voraussetzung und Ursache.

Aus Vogelperspektive betrachtet: die Welt muss da sein, damit in ihr irgendwas geschehen kann; trotzdem ist die Welt dann nicht Ursache für alles, was in ihr geschieht. Die Sprache muss da sein, damit mit ihr irgendwas gesprochen werden kann; trotzdem ist die Sprache nicht Ursache für alles, was mit ihr gesprochen wird. Usw.

Man kann das dann beliebig granular herunterbrechen, derzeit gerade aber gerne verwechselt: die Existenz von Facebook ist eine Voraussetzung dafür, dass darauf Nachrichten, Meme und Seme kursieren und sich auch in kreisenden Bewegungen steigern können, aber Facebook ist nicht die Ursache dafür, dass sich in bestimmten Clustern besonders die allerblödesten postfaktischen Erregungen hochschaukeln.

(natürlich gibt es immer wieder auch einen mehr oder weniger starken zusammenhang zwischen dem ermöglichenden und dem verursachsenden – im fall socmed hat das soziale und das infoökonomische design der jeweiligen plattform mitunter auch signifikanten einfluss darauf, was wie mit welcher verstärkungslogik strömt etc. – trotzdem laufen alle interventionen, die diese unterscheidung nicht treffen, etwa die ganzen ‘facebook ist schuld an trump wegen den fakenews in den filterbubbles’ erklärungen, was sich ja als primäres narrativ der selbstberuhigung der medien über sich selbst etabliert hat, in die leere, weil sie am symptom doktoren wollen und nicht am grund, der in dem fall das eigene sichnichtfestlegenwollendebessermaldämlichstellen ist)

(abt: draw the distinction!)