if you sit on a high horse it would help if you don't use a totally misleading chart

kl. nachtrag zu 798063054332121088 und ich will nicht darauf herumreiten, aber ein, zwei notizen, weil die sich darin abspiegelnde logik doch symptomatisch ist:

nyt confidence

die grafik stammt natürlich aus der prognoseseite der nyt und wurde von einigen artikeln, die alle unisono facebook und/oder die filterbubble zum primären schuldigen des wahlergebnisses erklärten, ob ihrer offensichtlichen dramatik zur illustration des umsturzes verwendet.

There’s plenty of blame to go around, but the list of actors has to start with Facebook. And for all its wonders […] it’s also become a single point of failure for civic information.

das tragikomische ist, dass just diese grafik besser als jede andere das exakte gegenteil illustriert, nämlich wie die medien der wohl entscheidende single point of failure waren, weil sie blind in ihre umfrageergebnisse vertrauten; die grafik zeigt ja nicht den wandel der stimmung (davor monatelanges thumbs up, dann eine konzertierte attacke der filterblase mit millionen von fehlinformationen, deshalb dann das traurige erwachen), sondern die gewissheit, mit der die statistischen superhirne der nyt glaubten das ergebnis der wahl vorhersagen zu können; der knacks kam dann erst am tag der wahl, als die ersten ergebnisse eintrudelten, und nach dem verlust von den wichtigsten swing states hat man sich dann schnell umorientiert. genau diese absicherung der unvorstellbarkeit von trump durch die medien war aber der fatale irrtum und sicher ein signifikanterer irrtum als alle reaktionären filterblasen zusammen (wenn man einen ausmachen will, was bei der komplexität des zusammenspielens der verschiedensten ebenen ohnehin sinnlos ist; ein bisschen mehr dazu hier )

(wobei ich ihnen das nicht vorhalten will; trump war ja in erster linie deshalb unvorstellbar, weil wir bis dato eine art blindes systemvertrauen haben konnten; wir hatten keinen grund anderes anzunehmen, deshalb war es auch rational, darauf keine energie zu verschwenden; und am rande ganz witzig, dass er ja selbst wochenlang die polls als manipuliert hingestellt hat, in wirklichkeit läge ja er vorne usw., dass das aber alle als spinnerei abgetan haben, eben auch wieder weil es halt unvorstellbar war)

aber weil es im grunde auch etwas müßig ist, so dinge wie filterbubble oder systemvertrauen zum schuldigen zu erklären, weil das umstände sind, deren infophysikalischen eigenschaften man nicht mal schnell per dekret ändern kann, von mir ein bonus-schuldiger, der auch ganz konkret anders gehandhabt hätte werden können: hillary’s emails

wenn ich an die debatten zurückdenke sehe ich viel nebel und sumpf, aber ich kann mich noch immer daran erinnern, dass ich mich bei der ersten debatte gefragt habe, ob das so schlau ist, dass sie ihr unbehagen mit der technik als ausrede dafür angeführt hat, dass sie einen privaten server verwendet; ein zweites telefon zu verwenden ist eigentlich ein zumutbarer aufwand, aber vor allem hat sie sich als techdummchen stilisiert, was vl. nicht die ideale eigenschaft vom präsidenten der techweltmacht #1 ist.

und das andere, an das ich mich erinnern kann, ist, dass ich mich bei der dritten debatte gefragt habe, ob das so schlau ist, dass sie vom thema ablenkt und russland die schuld gibt. und während ich die idee dahinter verstehe – die leute werden sich denken ‘was, russland will, dass wir trump wählen, ohne mir! jetzt erst recht hillary’ – so hat die strategie einige löcher:

  • das raushauen von konspirativen theorien ist das metier der crazies, aber gerade nicht der besonnenen demokraten; vor allem aber auch ist trump sicher niemand, den man mit einer russischen gefährdung in form von sozialismus oder gar kommunismus assoziieren würde.
  • aber selbst wenn russland intervenieren will: was haben sie schon getan? emails veröffentlicht. und wenn sie das tun, weil sie glauben, dass trump deshalb gewinnen kann, muss dann nicht in diesen emails ja wirklich verbrecherisches stecken? warum sonst sollten sie trump helfen?
  • mit den emails hatte hillary also ein loch im symbolischen gewebe, das nicht nur beliebig befüllt werden konnte, sondern das deshalb auch ‘unheimlich’ war. das ist wirklich was, was man nachher besser weiß, aber sie hätte vor ein paar monaten die zähne zusammenbeissen und den wachsstreifen entschlossen in einem zug mit einem begleitenden mea culpa abziehen sollen, dann wäre die sache erledigt gewesen (hier wieder ihr grundproblem, dass sie eine zähe verhandlerin ist, die immer so wenig wie möglich aufgeben oder als angriffsfläche offerieren möchte, auch wenn es ein nebenschauplatz ist; und plötzlich findet man sich in einem wunderland wieder, wo nichts wichtiger ist als das)
  • die andere lektion ist, dass man populistische ressentiments nicht von oben verordnen kann. in diesem sinne war trump sicherlich der bessere campaigner, weil er die effektivität seiner 4, 5 parolen auf den rallies feingetuned hat; diese russland-geschichte wurde eher im sterilen war room konzipert und war deshalb ein schuss ins eigene knie.