blogpost aus­nahms­wei­se über ein eher spezifisches thema: warum die überlegungen, twitter in eine von den usern betriebene genossenschaft überzuführen, selbst blödsinnig sind.

(man könnte damit beginnen zunächst einmal zu beschreiben, was man eigentlich ‘retten’ möchte. mir zb. wäre nur wichtig, dass das system twitter (datentyp tweet, profile und beziehungen, referenzimplementierungen für web und iOS/android, API für alle anderen) in seiner jetzigen form erhalten bleibt und nicht noch weiter verschlimmbessert wird. your mileage may vary – aber wem twitter gehört wäre in jedem fall zunächst einmal egal.

in einem zweiten schritt müsste man dann zeigen, dass ein genossenschaftliches modell ein garant dafür wäre, dass twitter in ein bald nicht mehr erkennbares konstrukt transformiert würde, das dann zwar allen u/o vielen gehört, jeden ursprünglichen sinn aber verloren hat. das nur mal in den raum gestellt, aber wer sich in johnnys googledoc anschaut, welches abstruse macro- und micromanagement sich schon bei einer beteiligung von 10 oder 20 leuten einstellt (kaufen oder reicht auch nachbauen? open sourcen oder nicht? be excellent als motto oder nur kein dick? vl. ein karma-system, aber ab wann ausschluss und was ist überhaupt hatespeech? foto/video/audio oder nicht? 140 zeichen oder mehr? oder 140 zeichen aber links und sagen wir 10 mentions werden nicht mitgezählt? favs oder hearts? conversations als baum oder liste? vl. ein flag für important? vl. verlust vom handle bei inaktivität? und wer machts eigentlich, ein team oder freestyle open source prozeß und offices vl. in berlin? free oder freemium oder paid und ggf. was wann und wie überhaupt mit ads? vl. auf basis vom interplanetary file system? etctrara) das problem dabei ist nicht nur, dass niemals gute software entsteht, wenn man die crowd fragt, welche features sie haben will, das eingebaute problem ist, dass mittelfristig alle unzufrieden sind, weil features, die man selbst will, ignoriert oder features, die man ablehnt, eingebaut werden, obwohl einem twitter gehört und man sich beteiligt hat)

((nur am rande: der übersehene witz an twitter ist ja, dass es im grunde überhaupt kein verbessern oder nachdenken oder sonstigen informationellen transaktionskosten benötigen würde, weder auf seite der betreiber noch auf der der user; die letzte wirklich wertsteigernde innovation war die formalisierung von retweets und das war 2009. alles was danach kam waren nur versuche den marktanteil zu pimpen, kein einziger war erfolgreich und fast jeder hat twitter etwas schlechter gemacht, wobei man ihnen hoch anrechnen muss, dass sie es trotzdem noch immer halbwegs intakt gelassen haben. twitter als genossenschaft würde asymptotisch ein völlig sinnloses aber permanentes nachdenken und abstimmen aller über alles bedeuten, das trotzdem twitter in jeder iteration immer noch schlimmer macht))

(((bonuspunkte wie immer für konkrete ethnographische und ökonomische beschreibungen und sternchen für eine umfassende typologie)))