Ich bin euch ja noch meine Antwort auf Quiz Pt. 106 schuldig:

das sich abzeichnende Muster ist ganz einfach, dass sich jede dumme Verweigerung gegenüber dem Web früher oder später auf unerwartete Weise rächt, und dass diese Weise umso grotesker wird, je dümmer man sich angestellt hat – üblicherweise, weil man gegen den völlig falschen Feind angelaufen ist, statt zu versuchen das Web positiv mitzugestalten, solange man noch in der allerbesten Position dafür ist.

Ich habe das in der Talfahrt schon mal für den Komplex Medien angedeutet:

(karma am rande: der journalismus bekommt mit buzzfeed, heftig und co nun endlich die rechnung dafür präsentiert, dass sie die nullerjahre mit dem belächeln und verspotten von zuerst blogs und dann twitter verbracht haben, die mit ihrer zukunft wenig bis nichts zu tun haben bzw. hatten. die irritation und konsternation darüber, dass es da plötzlich was anderes gibt, wo jeder seine meinung publizieren konnte und kann, hat sie blind für alle ihre existenz tatsächlich betreffenden entwicklungen gemacht. mit der aktuellen hysterie – man denke an das schnipsel- und leistungsschutzrecht, den ‘kampf’ gegen google, das am besten zerschlagen werden soll, usw. – wiederholen sie gwm. diesen ersten fehler, nur dieses mal ganz brav nach marx und hegel nicht als tragödie, sondern als farce.)

(nts: mich öfter selbst zitieren)

Und wenn es einen anderen Komplex geben sollte, der sich dem Web tatsächlich noch konsequenter als die deutschen Medien verweigert hat, dann ist das die deutsche Politik. Die Sammlung der netzpolitischen Interventionen der letzten 10 Jahre stünde dem Schildbürgerbuch an unfreiwilliger Komik kaum nach (man denke an stoppschilder, vorratsdatenspeicherung, recht auf vergessen, de-mail, störerhaftung, rechtsfreien raum, leistungsschutzrecht oder als persönliche fehden etwa, wie s. gabriel mehr angst vor google hat als vor allem, was durch e. snowden aufgedeckt wurde, wie sich i. aigner gezwungen sah, ihre mitgliedschaft bei facebook zu kündigen, falls nicht auf die kritikpunkte der studie der stiftung warentest eingegagen wird, usw.), wenn nur die Kosten nicht eine enorme gesellschaftliche Verhinderung und Bremsung wäre.

Um die Metapher von oben aufzugreifen: die falsche von den bürgerlichen Parteien ausgemachte Gefahr war die Piratenpartei, also der unorganisierte Haufen an Spinnern, die sich für Vernetzung, eine progressivere Netzpolitik, etcblabla einsetzen, und die man nach dem kurzfristigen Strohfeuer schon als erlegt erachtete, mit dem Thema digitale Bürgerrechte sind halt keine Wahlen zu gewinnen. Nur sind die Piraten und alle anderen Netzaktivisten völlig irrelevant. Das Problem sind nicht die, die sich das als Thema Internet auf die Fahne schreiben, sondern die, die die Dynamik des Internets und die Verstärkungseffekte von etwa Facebook ‘schamlos’ benutzen und einen plötzlich rechts mit 180 überholen können. Der blaue Balken ist also das wiederkehrende Verdrängte, das Symptom des jahrelangen Misstrauens und Mauerns gegenüber dem Web, das hinter jeder Ecke Gefahren sieht, ‘Feuer’ schreit und jeden, der es nicht besser weiss, völlig verunsichert – man denke nur an Cookies, die ja mindestens so giftig imaginiert werden wie Fliegenpilze.