(im grunde wird es wieder einmal zeit, sich an das bekannte beispiel von zizek zu erinnern, in dem er die implizite verlogenheit der antiautoritären erziehung thematisiert:

der ‘autoritäre’ vater sagt einfach, dass das kind die grossmutter am wochenende besuchen geht, und das kind tut das murrend, kann sich dabei aber auch denken, was es will; der ‘postmoderne’ vater sagt, dass er sich von ganzem herzen wünschen würde, dass das kind die grossmutter am wochenende besucht, aber er will das kind auch nicht in seiner persönlichen entfaltung einschränken, es muss also natürlich nicht, sondern soll es nur tun, wenn es selbst wirklich will, auch wenn die grossmutter natürlich sonst alleine und traurig wäre usw. was wie eine freie wahl für das kind klingt ist in wirklichkeit natürlich nur eine noch viel stärkere verpflichtung, weil das kind nicht nur die grossmutter besuchen, sondern es auch noch wollen muss usw.

die geschichte erinnert nämlich stark an das, was wir derzeit im verhältnis zwischen menschen und massenmedien beobachten könnten, nur sind die elemente ein bisschen anders angeordnet. das verhältnis war da ja lange so, dass die medien dem autoritären vater entsprochen haben, die ihren kindern ihr programm einfach vorgesetzt haben, und die kinder konnten problemlos damit leben, weil ohnehin niemand wirklich daran geglaubt hat.

die ‘postmodernen’ medien hingegen sind dazu übergegangen, primär nur noch sich selbst zu thematisieren. ja, natürlich wollen wir über ereignisse angemessen berichten, aber wir müssen auch dazusagen, dass wir wirklichkeit natürlich ohnehin nie objektiv abbilden können, sondern dass wir selbst in unserem tun erst wirklichkeit erzeugen und dabei nicht nur mit menschlichen und prozessualen schwierigkeiten zu tun haben, sondern auch mit historisch kontingenten produktionsprozessen kämpfen müssen und in radikal übergeordnete makroökonomische abhängigkeiten (globaler wettbewerb, beschleunigung, soziales zeugs, volatilität der finanzmärkte) eingebunden sind, usw.

lustigerweise ist der effekt davon nicht ein neurotisches kind, sondern eine art selbstneurotisierung der medien durch erzeugung einer art autoritären vaters in form eines medienkritischen überichs, das die medien mittlerweile fast in echtzeit und üblicherweise deutlich professioneller über jede ungenauigkeit, jede dummheit, jede übertreibung und jeden anderen inhaltlichen oder methodologischen fehler informiert und öffentlich dokumentiert)