4 jahre nach ethische rocker und ethische rocker II gwm. der dritte teil meiner trilogie über die theorie des kontrollverlusts von mspro – zur abrundung in form eines (informellen, nicht kritischen) eindrucks von das neue spiel.

wie soll ich sagen und ich will nicht despektierlich klingen, aber ich war wirklich positiv überrascht. nicht dass ich was anderes erwartet hätte, aber es ist inhaltlich insgesamt sehr rund und durchaus am puls, er hat eine gute und sehr lesbare sprache gefunden und driftet dabei weder in diesen oft unsäglichen babytalk für dummies ab, noch überladet er es bedeutungsschwanger mit irgendeinem jargon. und er definiert einen sinnvollen und konkreten politischen vektor, ohne dabei aber ins assoziative wunschdenken oder ins frei flottierende fordern oder in die netzpolitische selbstgefälligkeit zu verfallen (wie es sich beim thema doch anbieten würde). eher im gegenteil, er bleibt eher pragmatisch und stapelt mit seinen thesen fast schon tief. nicht nur deshalb von mir eine kauf- resp. leseempfehlung.

(seine kernbegriffe (kontrollverlust, query) verwendet er vl. etwas zu grosszügig. nicht dass sie unfruchtbar wären, aber er presst so ziemlich jeden gedanken mit ihnen aus, egal ob er jetzt besonders gut passt oder nicht. und query oder kontrollverlust sind halt so generisch und selbstevident, dass sie natürlich immer irgendwie passen. aber ich könnte sie auch auf jede beliebige folge columbo anwenden und hätte die gleiche schlüssigkeit (ist der täter nicht das paradigmatische (arrogante, selbstverliebte) subjekt des kontrollverlusts, das alles geplant und in der höchsten präzision ausgeführt hat, nur um dann über columbo zu stolpern, der die spuren sammelt und sie mit queries mehr und mehr vernetzt bis der täter selbst die unmöglichkeit seiner offiziellen narration eingestehen muss usw.) aber darauf will ich nicht herumreiten; wer kein freund von social objects ist, muss zb hier einiges ertragen, die mappe ich ja auf alles was nicht bei drei auf den bäumen ist)

mein kleines problem mit dem buch ist aber, dass sein hauptbegriff ‘kontrollverlust’ selbst auf der falschen seite der unterscheidung/des bruchs angesiedelt ist und gwm. den blick aus der vergangenheit kapselt. was wir mit dem internet erleben ist in seinem wesen ja nicht ein verlust der kontrolle, sondern eine intensivierung und eine steigerung der komplexität des gesamtsystems, die halt mitunter eine verringerte kontrollierbarkeit der art und weise hat, wie andere systeme von uns und allem anderen ‘gebrauch machen’ oder eben anschluss suchen (siehe etwa am ende der wurst). der jeweilige grad der kontrollierbarkeit ist kein wesensmerkmal, sondern ein effekt des neuen aggregatzustands. über den kontrollverlust sinniert man nur auf dem schrumpfenden eisberg, im wasser selbst ist er nicht besonders sinnvoll. (er spürt das glaube ich auch selbst. wenn man so will ist das ganze buch der versuch diesen begrifflichen fehler/den umstand sich auf die eisscholle gesetzt zu haben zu korrigieren.)

aber wie gesagt: lesetipp.