sobooks

kl. nachtrag zu Social Books : nachdem sie es vor einem jahr vorgestellt haben, haben lobo/kappes/wagner heute ihr sobooks auch öffentlich lanciert, hier nach 5 minuten herumspielen also noch schnell mein endgültiges urteil:

ich fürchte das wird nix. aber der reihe nach: sobooks ist eine plattform, auf der man bücher (books) sozial (so) lesen kann. einige bücher kosten nichts, andere kann man kaufen nachdem man sie kurz angelesen hat. alles läuft im browser ab, als leser kann man seiten kommentieren oder durch kommentieren von kommentaren mit den anderen oder dem autor ‘diskutieren’ (und soweit ich sehe kann man auch textstellen sharen, aber dafür müssen anscheinend popups erlaubt sein, was die meisten browser aber unterbinden, weil andere damit schindluder treiben). die optik und zum grösseren teil die usability ist nicht schlecht. alles sehr minimalistisch und funktional, wenn sie es irgendwie auf die reihe bekommen, dass einzelne seiten eines buches auch ohne scrollen auf eine bildschirmseite passen ist es vl. der beste browserbasierte reader für ebooks, über den ich bisher gestolpert bin; bonuspunkte wenn sie dann noch so dinge wie bookmarks oder eine elegante übersicht der eigenen anmerkungen usw. implementieren. bezüglich der reinen leseerfahrung haben sie gegen kindle / ibooks auf ipads zwar trotzdem keine chance, allerdings auch keinen unverzeihlichen nachteil. bleibt also das soziale und die grosse leistung von sobooks scheint mir hier zu sein, die konkrete seite eines buches durch vergabe einer sprechenden URL quasi zu sozialisieren bzw. sharebar und kommentierbar zu machen – und das ist natürlich ein wirklicher meilenstein. trotzdem frage ich mich, wie viel tatsächlicher nutzen durch die dabei entstehenden aktivitätsszenarien entsteht. ich will jetzt noch überhaupt nicht ausschliessen, dass es nicht irgendwelche anwendungsfälle gibt, die irgendeinen nutzen erzeugen und auch funktionieren (vl. gibt es ja eine jerry cotton fangemeinde, die nur darauf wartet, spuren auf absatzebenen zu diskutieren oder zwischen den heften ein netz an querverweisen zu etablieren; autoren können es vl. zum korrekturlesen von betabüchern verwenden; usw.). aber ich glaube weiterhin, dass das buch und die damit assoziierten praktiken (sprich: das lesen) viel zu sperrig ist, um darauf eine nachhaltige kommentarwirtschaft zu etablieren, und viel zu teuer ist (neben den kosten vor allem natürlich die kosten der eigenen zeit für das lesen), um die kommentare und shares als wirkungsvolles mittel für distribution oder discovery zu transformieren, die nicht grundsätzlich von anderen schon mitunter besser gelöst ist. wenn ich nicht schon ein grosses oder noch besser: wirklich grosses bestehendes interesse am buch oder einem jeweiligen sobooker selbst habe, dann interessiert es mich im allgemeinen einfach nicht so besonders, dass irgendwer irgendeine stelle in irgendeinem buch wirklich sharenswert findet und ggf. annotiert, selbst wenn ich mir dann die ganze seite als kontext dafür anschauen kann. in diesem sinne: viel glück.