oder was twitter aus dem u2/itunes fiasko lernen könnte, was beide big brother aber nie zu fragen wagten:

präambel: ich glaube es war das amerikanische big brother 15, bei dem es in den ersten wochen den twist gab, dass die zuschauer für einen bewohner stimmen konnten und dieser erhielt dann irgendeine besondere macht. und weil eine bewohnerin die schwester der sehr beliebten siegerin der vorigen staffel war, hat sie dann in den ersten wochen immer klar gewonnen. und weil das aber wiederum langweilig wurde, haben die produzenten dann irgendwann umgestellt und es wurde dann nicht mehr für eine belohnung sondern für irgendeine bestrafung gevotet. der umstand, dass auch das dann immer noch die gleiche bewohnerin getroffen hat, hat sowohl im haus als auch in der gesamtsphäre von social media eine kognitive dissonanz erzeugt, die im kollektiv nicht aufgelöst werden konnte. als beste erklärung hat sich dann durchgesetzt, dass die fans der schwester der bewohnerin nicht verstanden haben, dass sie seit dem wechsel nicht mehr für sondern gegen sie stimmen und ihr deshalb quasi unabsichtlich im eifer auch den schwarzen peter zugesteckt haben. auf den ganz einfachen umstand, dass der ausgang eines votings für irgendwas nur wenig mit dem ausgang eines votings gegen irgendwas zu tun hat, besonders, dass beide votings durchaus und sogar durchaus wahrscheinlich den gleichen ‘sieger’ haben, kam tatsächlich niemand. der beliebteste kann nicht der unbeliebteste sein, wie sollte denn das gehen? es geht natürlich, weil ein starker fanblock viele stimmen für jemanden generiert und sich die stimmen aller anderen auf alle anderen verteilen. bei der wahl gegen die kanditaten sammeln sich aber die ‘gegner’ und die stimmen das fanblocks verteilen sich auf alle anderen. anyway, das war alles ein bisschen umständlich für: ‘die wahl für etwas ist nicht die umkehrfunktion der wahl gegen etwas’ und für ‘ein starker fanblock kann die reale bedeutung und wertschätzung stark verschleiern’.

apple durfte den effekt dieses missverständnisses kürzlich mit den reaktionen auf die zwangsbeglückung mit dem album von u2 hautnah erleben. das sind jetzt hausnummern, aber nehmen wir einmal an, dass u2 mit durchschnittlich 5 mio verkauften downloads pro album die beliebteste aller bands auf itunes ist. aber obwohl u2 vl. übers jahr die meisten tracks verkauft, das macht sie noch lange nicht für die mehrzahl aller 500 mio benutzer hörbar oder wünschenswert. auf alle 5, die sich wirklich über das geschenkte album freuen, kommen 45, die halt mit den achseln zucken, und 50, die das wirklich irritiert. ein starker fanblock kann stadien füllen, aber er sagt nichts über die allgemeine disposition aus.

was uns zu twitter bringt: twitter ist drauf und dran den gleichen fehler wie apple zu begehen und (relativ betrachtet) populäre tweets für allgemein wünschenswert empfundene tweets zu halten. ich habe vorhin unabsichtlich auf den bereich #discover geklickt, der ja gwm. andeutet, was twitter für jeden als empfehlenswert erachtet und was uns twitter wohl in zukunft mit mehr nachdruck ans herz legen möchte um unsere erfahrung auf twitter zu verbessern, und während ich bei den meisten vorgeschlagenen tweets nachvollziehen kann, warum sie von twitter empfohlen werden (das wird algorithmisch wohl eine mischung aus sozialer entfernung, reaktionen und zeit sein), so scheint es sogar jetzt schon einen unsäglichen/gewissen typ an tweets zu geben (irgendein bildl mit einem lustigen begleitenden spruch oder irgendeiner art von überraschung oder einem bruch), die von einem mikroskopisch kleinen aber hypersozialen anteil der betwitterung so freudig geteilt werden, dass sie die (wieder: relativen) ‘charts’ trotzdem immer dominieren werden. nur macht diese relative popularität tweets für einen weder gut noch aus anderen gründen wünschenswert; sicher ist mal ein kleiner lacher dabei, aber in fast allen fällen sind sie kleine u2’s, die mehr nerven als sonstwas.

(und die antwort auf diesen umstand ist natürlich nicht, dass man halt einen besseren algorithmus finden muss, der jedem dann die richtigen tweets/musik vor die nase setzt, sondern zu verstehen, dass das problem selbst falsch formuliert ist und dass man g’scheiter ein attraktiveres angebot für selbstselektionen machen könnte, was ja übrigens nicht ausschließt, dass man einen bot offeriert, dem man zb freiwilligen folgen kann und der einem dann ‘intelligente’ populäre tweets oder lokale schnäppchen injiziert usw.)