Blogs werden von zwei Narrativen eingerahmt:

  • Blogs sind tot! (unlängst natürlich von Kottke – und wenn das der paradigmatische Blogger schlechthin sagt, dann ist das natürlich ein Schock, aber das kommt seit spätestens 2008 zumindest einmal im Jahr als Trope, siehe etwa Wired, wo Paul Boutin fünf Jahre vor Jason mehr oder weniger das gleiche sagte)
  • Sei frei und blogge! (man denke an Haeusler und iirc auch Lobo im Zuge der letzten re:publica, aber auch das ist ein sich periodisch wiederholender Imperativ)

Welcher ganz einfache Sachverhalt, der beide Positionen irrelevant macht, wird von beiden übersehen?

(wer will kann alternativ auch die jeweils falsche grundannahme nennen)

update aus den kommentaren:

- ich würde den ersten absatz etwas abstrahieren: der fehler liegt darin, an blogs einfach völlig willkürliche erwartungshaltungen (zukunft des journalismus, rettung der demokratie, etc.) zu knüpfen, die mit dem format blog aber nichts zu tun haben, statt blogs in ihrer konkreten potentialität in einem jeweils konkreten (und sich über die jahre ändernden) sozio-technischen gefüge zu sehen.

was uns zum zweiten absatz bringt: genau, warum sollte den leser auch interessieren, in welcher form er nachrichten bekommt? er oszilliert halt zum für ihn bequemsten medium, das noch gut genug ist und warum sollten das blogs sein.

auf eine einfache formel gebracht:

- der fehler vom blogs sind tot! ist, dass übersehen wird, wofür blogs geeignet sind und welche möglichkeitsräume sie erzeugen. (und das sind vl. nur noch 2% unseres outputs, aber u.u. gehören diese auch zu den wertvollsten 5% überhaupt, beides hausnummern)

- der fehler vom bloggt! ist, dass übersehen wird, wofür blogs nicht geeignet sind. und sie für was ungeeignetes zu empfehlen ist leider genauso kontraproduktiv, weil es alle beteiligten frustriert.