(kontextlose – oder eig. nicht kontextlose aber hier nicht konkreter kontextualisierte – randbemerkung: es gibt zwei grundsätzliche fehler, die von den meisten bewertungen der angeblichen indifferenz der bevölkerungen ob der überwachung und/oder der netzpolitik im allgemeinen gemacht werden: (a) aus der abwesenheit kollektiver tangibler reaktionen wird der (falsche) schluss gezogen, dass privacy nicht wichtig genommen wird, dass die vollständige überwachung niemanden wirklich juckt, dass netzpolitik kein thema ist, etc. (die piraten ziehen trotz vogelstraußtaktik ob snowden und trotz offensichtlicher internetplanlosigkeit der regierung nicht mit wehenden fahnen in den bundestag – also ist netzpolitik bei den menschen kein thema; die leute migrieren nicht in scharen von facebook zu diaspora – also ist ihnen egal, dass amerikanische konzerne ihre daten sammeln und sicherlich dann auch verkaufen; die leute verwenden immer noch handys obwohl alle verbindungsdaten gesammelt und ausgewertet werden – also ist ihnen der überwachungsglobus egal, usw.). dabei wird aber übersehen, dass verschiedene dinge verglichen werden und dass mit einer etwaigen verhaltensänderung üblicherweise riesige reale kosten anfallen würden. die vorhandene alternative zur cdu ist ja nicht eine netzpolitisch informierte und ihr programm dementsprechend ausrichtende cdu, sondern sich selbst dekonstruierende und in erster linie mit methodischen und anderen internen grabenkämpfen beschäftigende piraten. das einzige was man aus dem wahlergebnis ableiten kann ist also nur, dass für die meisten menschen netzpolitik (noch) nicht das die eigene wahl entscheidende thema ist, nicht dass sie kein thema ist. die vorhandene alternative zu facebook, twitter & co. ist ja nicht ein ansonsten äquivalentes datenschutz- und privacytechnisch korrekteres facebook, twitter & co., sondern ein dann quasi selbstgewähltes exil wie diaspora oder app.net oder der völlige verzicht auf diese art der kommunikation mit seinen bekannten und verwandten. das einzige was man aus dem freudigen verbleiben bei facebook, twitter & co. ableiten kann ist also nur, dass für die benutzer der dienst unter berücksichtigung der privacy-kosten mehr wert erzeugt als alle bekannten alternativen oder der totale verzicht auf selbstausdruck und kommunikation. (b) in ermangelung präziserer begriffe wird ‘privacy’ für gänzlich unterschiedliche sachverhalte und gänzlich unterschiedliche individuelle dispositionen benutzt. einmal benutzt wird die diagnose ‘privacy’ dramatisch maximal aufgeladen, der zugrunde liegende sachverhalt aber vergessen. vor cookies, die im schlimmsten fall dazu dienen, dem benutzer werbung aufzutischen, die ihn vl. wirklich interessiert, oder vor fotos von haus­fas­sa­den werden wir in der folge mit der gleichen (wenn nicht mit mehr) verve beschützt, wie vor der sammelung aller digitaler spuren aller durch sich immer paranoider ausdifferenzierende geheimdienste. ein effekt davon ist, dass der begriff selbst abstumpft. wer immer feuer schreit, dem glaubt man irgendwann auch dann nicht mehr, wenn es mal wirklich brennt. gleichzeitig sollen mit ‘privacy’ bereiche behandelt werden, die damit nicht mehr adäquat behandelt werden können. (post-privacy versucht das glaub ich teilweise zu thematisieren, das problem mit dem begriff post-privacy ist aber, dass er eine art überwindung oder ein weiter suggeriert, während es sich aber nur um eine in gewissen szenarien (für gewisse leute mit gewissen dispositionen, nicht immer für alle) einfach nicht zutreffende oder relevante unterscheidung handelt))