kl. Nachtrag zu 348175006318071808 : in der Folge The Praetorian Guard plaudert Horace Dediu über verschiedene organisatorische Strukturen (nämlich functional und divisional) und Apples Eigenheit, so ziemlich als einziges Megatechunternehmen auf eine dediziert funktionelle Struktur zu setzen, was mitunter zwar bedeutet, dass sie nicht jedes Marktpotential maximal aus- und abschöpfen, was andererseits aber immense Vorteile in allen Aspekten rund um Innovation bringt, weil sich etwa nicht alles dem Sog und Primat der Cashcows unterwerfen muss; in einem kleinen historischen Exkurs positioniert er diese Struktur dann im Militär, das sich auch funktional ausdifferenziert und nur temporär zu ‘Divisionen’ verbindet, um eine konkrete Aufgabe zu lösen, wobei man dabei etwas aufpassen muss, weil dieses System dazu tendiert, eine Eigendynamik zu entwickeln und sich irgendwann gegen den ursprünglichen Sinn zu wenden oder selbst das System/der Staat zu werden oder werden zu wollen o.ä.

Ich erzähle das deshalb nach, weil er damit ein schlüssiges Modell für zwei gerade aktuelle Themen offeriert, Prism und die Ermordung vom Google Reader.

Wenn wir historisch sehen können, dass politische, militärische, wirtschaftliche, etc. Organisationen immer wieder diese hypertrophe Eigendynamik entwickeln, dann kann man sich schon ausmalen, dass diese Strukturen unter den sich beschleunigenden Möglichkeiten des Netzzeitalters noch viel schneller und verstärkter ausarten und dass es vl. keine so gute Idee ist, diese Organisationen so geheim zu betreiben, dass sogar die dafür eingesetzten staatlichen Kontrollsysteme geheim gehalten werden.

 Thank you for stopping by. Google Reader has been discontinued. We want to thank all our loyal fans. We understand you may not agree with this decision, but we hope you'll come to love these alternatives as much as you loved Reader. Sincerely, The Google Reader team

Und im Falle Google liegt die Vermutung nahe, dass der Reader einfach ein Opfer einer divisionellen Struktur unter der Vorgabe/Chefsache alles auf G+ war. Die gute Nachricht wäre dann, dass man Google vl. die Intelligenz (siehe Googleheimer) oder die Ethik (siehe Gemeingefährlich) noch nicht ganz absprechen muss; die schlechte wäre, dass ‘Intelligenz’ oder ‘Ethik’ selbst natürlich keine autonomen Kräfte sind, sondern eben nur emergente Eigenschaften (in diesem fall) organisatorischer Strukturen; und Google scheint bei einer Strukturform angekommen zu sein, die die großen Möglichkeiten nicht mehr erkennen kann und wertetechnisch bei MBAs angekommen ist. Sie haben sich also organisatorisch verdummt.