live.hackr

die romantische komödie


The Infinity of Communities

I do not want to belong to any community that would accept me as a member.

- g. marx

(note to self: groucho marx öfter zitieren)

so, nachdem es die gplus’schen communites schon zwei tage gibt, kann man schon ein endgültiges urteil fällen? jedenfalls ein paar lose anmerkungen:

(a) communities waren auf jeden fall, egal wie man dann die realisierung einschätzt, nötig. hier biss google das tollpatschige soziale design der circles in den arsch – siehe Im Namen des Kreises und Der Kreis der Gesellschaft das soziale design der kreise ist zwar patschert, hat aber den funken einer nicht uninteressanten phantastischen qualität (im sinne von todorov/polanski als riss in der realität / unsicherheit, ob man selbst oder die welt verrückt ist, man denke an repulsion, rosemary’s baby, usw.). was man sieht ist zwar für einen selbst selbstevident, korrespondiert aber mit keiner intersubjektiv teilbaren realität – und sie mussten irgendwas für thematische diskussionen in gruppen machen.

(b) communities könnten auf jeden fall, egal wie man die realisierung konkret einschätzt und bewertet, für viele use cases funktionieren. im kleinen (zwei, drei leute unter sich) wie im mittleren (squirrels) und grossen (cats). das ist gar keine frage, das ist ein emergentes potential, wenn man menschen die grundsätzliche möglichkeit dazu gibt und man ausreichend durchlauf generiert, und das scheint g+ ja mittlerweile zu offerieren. gleichzeitig wirken auf die verschiedenen community-typen dann verschiedene kräfte ein (zu wenig engagement und es trocknet aus, zu viel engagement und es ist too much, grössere ziehen social spam an und werden infoökonomisch teuer, etctrara) die die jeweilige dynamik zwischen entwicklung und lebendigkeit und qualität beeinflussen, aber das ist eh klar und wir kennen auch die grundsätzlichen typen und die historischen verlaufskurven dafür, wobei ich kleinere überraschungen sogar vermute, weil G+ natürlich eben eine andere grundumwelt bietet als damals friendfeed (das noch immer unheimlich ähnlich wirkt und eben schon damals deutlich bessere pro-features wie smart filter und facettierter suche, auch für gruppen, hatte), oder dedizierte community-plattformen wie mixxt, oder seiten mit thematischen communities wie reddit, oder communities für spezifische aktivitäten (etwa q/a) wie quora, oder pre-community portale wie foren, etctrara. google wirft hier zwar nix konzeptionell interessantes in den mix, aber eben sich selbst als schon existierenden durchlauferhitzer, und das kann eben auch neuartigere erscheinungen triggern. dass vieles nicht funktionieren wird ist eh klar, interessanter wird hier sein, was funktioniert.

© ich hab noch überhaupt keine intuition dafür, wie sich der ‘besitz’ von communities auswirken könnte. derzeit findet ja gerade der landrush um die 1000 grundthemen statt und üblicherweise hat der erste da einen grossen startvorteil, aber ist das ein hinreichend sinnvolles kriterium? wie gesagt, kein gefühl und irgendwie müssen sie ja entstehen. ich kann mir aber vorstellen, dass das nicht ideal ist.

(d) G+ wird langsam unübersichtlich. das zusammenführen von verschiedensten dingen zu einer zentralen stelle hat zwar auch seine vorteile, aber G+ beginnt sich vor ort zu zerfasern, bevor es eine echte identität entwickelt hat (das ist der grosse unterschied zu facebook. facebook fasert zwar auch, aber die essenz von facebook ist jedem und facebook selbst klar). aber was ist G+? home stream, circles und particularstreams, games, photos, local, pages, hangouts, events, jetzt communities, alles sehr postmodern eierlegend um ein undefiniertes macguffin herum.

meta 09.12.2012 #