scrivener

Mit meinen Infoflows, speziell meinen Outputflows, stecke ich ja schon lange in der Krise. Ich hab mich zwar nach einigen – üblicherweise reduzierenden – Iterationen auf einem funktional sinnvollen (rein Text/Textile basierten) Setup eingependelt, aber dieses mich tatsächlich schon seit Jahren beschleichende Gefühl der Nicht-Zeitgemäßheit bin ich nie wirklich losgeworden.

Mit Scrivener habe ich jetzt vielleicht das Tool gefunden, das die Lösung aller Probleme und die Erfüllung aller Hoffnungen ist, diedeldum. Seit Gmail und Delicious hat bei mir kein Tool mehr so schnell so intensiv geklickt, und die waren 2004.

Ich spare mir hier eine Beschreibung des Funktionsumfangs und eine Auflistung aller Vor- und Nachteile, aber vl. kann ich einen von euch mit zwei Anmerkungen etwas dafür interessieren, Scrivener gibt’s nämlich noch 4 Tage oder so im Macheist 4 Bundle , ist derzeit also auch ein Schnäppchen:

1. es geht Scrivener um ein Recherche-basiertes Schreiben, und das spürt man in vielen getroffenen Entscheidungen. Wer also primär am Layout von Texten arbeiten will, ist bei Scrivener falsch (wobei ganz normale Formatierungen oder Layouts ganz normal möglich sind). Wer Texte kollaborativ erstellen will, auch (wobei auch das über den Folder-Sync möglich ist, zumindest was Inhalte betrifft). Wer aber Texte zerstückeln, bearbeiten und dann wieder (gleich oder anders) rekombinieren will, wer Texte effizient und mit Keyboard-Shortcuts unbundlen und rebundlen will, wer neue – via Suchen, Labels oder Metatags parametrisierbare – Schreib- und Leseflows tatsächlich spüren und ausprobieren will, der ist bei Scrivener richtig. Und das klingt jetzt viel abstrakter als es ist und es stimmt eigentlich gar nicht, dass man diese Funktionen für einen ich sag mal ‚postmodernen‘ Schreibstil haben wollen muss. Eher umgekehrt: die von Scrivener offerierten Funktionen Texte zu splitten, als Chunks zu editieren, beliebig zu verschieben und (re-)organiseren und zu (re-)kombinieren läuft völlig intuitiv ab und dient nur dem Zweck, leichter und besser zu schreiben. Auch die (in einigen Reviews gelesene und anscheinend recht verbreitete) Verlustangst über die Integrität des Textes ist völlig unbegründet – die Ansicht über den gesamten Text ist immer nur einen oder maximal zwei Klicks entfernt und auch der Export zu einem finalen ‚Werk‘ – neben PDFs und RTFs und einigen anderen Formaten kann man den Text übrigens auch als E-Book (epub, kindle, sogar iBook) kompilieren – geht ruckzuck.

2. Scrivener ist offen genug. Was man reinsteckt und drinnen verfasst bekommt man zumindest als PDF, RTF oder TXT auch wieder raus. Und noch besser: Projekte können mit Dropbox synchronisiert werden. Der eigentliche Text kann also grundsätzlich mit jedem beliebigen Editor und auf jedem beliebigen Gerät verfasst (oder erfasst) werden. Scrivener lässt sich also in andere Workflows integrieren und kann andere Workflows integrieren.