da anscheinend nix mehr kommt: meine antwort für quiz 65 ist:

weil wir die zukunft nicht kennen und wir deshalb damit die soziale zukunft ausdünnen und austrocknen würden.

(für soziale netzwerke zu bezahlen und diese dadurch von anderen monetarisierungsnotwendigkeiten zu befreien, könnte dann funktionieren, wenn wir (1) in der gegenwart aus der zukunft zurückblickend wissen könnten, welche plattformen wir in der zeit zwischen der gegenwart und der zukunft benützen werden, und wir (2) auch wissen, dass alle anderen die gleiche zeitmaschine haben und das also auch für sich wissen, und wir (3) davon ausgehen können, dass sie sich dann auch wie wir denken: ja ok, $x im jahr ist mir das wert, das bezahl ich doch gerne.

aber dieses wissen haben wir natürlich nicht. ‘das soziale’ ist ein bienenstock und niemand KANN im voraus wissen, wie und wo er sich manifestiert. die ausdifferenzierung der sozialen plattformen erfolgt organisch, jeder betreibt andauernd trial und error, probiert die plattform aus, ‘interpenetriert’ sich mit dem jeweiligen system, verwirft den grössten teil, lässt sich auf wenigen nieder. dabei entstehen natürlich stabilere temporäre strukturen und krusten wie facebook oder twitter, aber es gibt immer und jederzeit auch die möglichkeit zu brüchen und paradigmenwechseln, etctrara. aber um das geht es hier nicht, der für die frage relevante gedanke daraus ist:

dass geld, und zwar schon der kleinste symbolische obolus, die ‘freie’ ausdifferenzierung des sozialen verstopft, weil man auch als wohlgenährter mittelschichtler mit kreditkarte (und auch das ist eine durchaus zu problematisierende voraussetzung und aber auch das ist ein anderes thema) sich gerne bei einer, wenn es sein muss sicher auch bei zwei oder drei kostenpflichtigen plattformen anmeldet, aber sicher nicht bei zehn oder zwanzig oder allen 20.000, die es gibt. 15 euro im monat für sozial, na gut, wäre denkbar. 100 dann wohl nur ungern und 100.000 im monat ganz sicher nicht. der gesamte möglichkeitsraum wird künstlich verknappt, aus der losen koppelung ‘wohin es uns trägt’ wird die enge koppelung ‘wofür wir bezahlt haben’.

und da gehen die probleme dann aber erst los. wie gesagt: wir wissen nicht, für was wir uns in einem jahr entscheiden würden. bei einem kostenpflichtigen dienst legen wir uns aber quasi jetzt schon darauf fest. und es gibt ganz pragmatische probleme wie die frage: was passiert mit meinen daten, wenn ich in zwei jahren nicht mehr zahle, weil ich zu einer anderen plattform wechseln möchte? (es könnte eine garantie der konservation geben, aber alle beispiele, dich ich kenne, löschen das einfach aus dem system und man steht schlechter da als bei jeder kostenlosen plattform). und für welche plattform entscheidet man sich, wenn die einen freunde auf der einen und die anderen auf der anderen und die kollegen auf der dritten sind? individuell werden also die möglichkeitsräume eingeschränkt und die auswahl wird künstlich limitiert. die plattformen selbst werden sozial eingeschränkt und also ökosystemisch uninteressant, was mitunter den effekt hat, dass die katalysierende kritische masse überhaupt nicht mehr erreicht werden kann. usw. man kann das noch lange weiter spinnen, es ist einfach eine wirklich nette aber blöde idee.)