noch ein kleiner Nachtrag zu Google Plus Eins und I/O 2012 State of Google Edition nachdem ich mich durch eine ganze Reihe an – teilweise wirklich sehr interessanten – Sessions geschaut habe:

@pfefferle hatte sie ja schon entdeckt und mit der History API (session vid) bekommt Google+ nun gwm. eine Art Schreib-API und der Ansatz scheint mir für G+ zu stimmen: wenn eine Anwendung History unterstützt und ein User die Anwendung autorisiert, dann kann eben jener User auf eben jener Anwendung Dinge zunächst mal für den eigenen Gebrauch auf G+ posten, um es dort dann ggf. öffentlich oder mit Gruppen zu sharen. Das ist zwar ein bisschen umständlich, aber damit vermeiden sie wohl, dass Anwendungen die Erfahrung von G+ übernehmen.

Was mir aber insgesamt – neben dem Ausbleiben der großen blöden Projekte und der an deren Stelle getretenen großen Schlüssigkeit – aufgefallen ist, ist eine fast durchgehende neue Bescheidenheit, die vl. wieder der Grund für das Ausbleiben der Projekte und der Schlüssigkeit ist.

Ich vermute, dass Google die Zusammenfassung meines keimenden Unbehagens mit Google gelesen und nicht nur gelesen sondern in der größtmöglichen Intensität studiert hat. Fast alle dort aufgeworfenen Problemfelder wurden irgendwie adressiert.

Realistischerweise sollte ich aber vermuten, dass hier Google eher einen anderen Umstand utilisiert: die Tatsache, dass sie ein datengetriebenenes Unternehmen sind, welches alles misst und seine Prozesse und Entscheidungen auf Basis dieser Messungen adjustiert. Sprich: auch wenn ihnen der gesunde Hausverstand fehlt (was wiederum modelltechnisch nichts als ein Problem mangelnder Diversifikation ist), ihre Logfiles zeigen ihnen, was nicht funktioniert. Und während sie Flops wie Buzz, Wave, Knol, Lively, Jaiku, Health, Answers, Aardvark, Bookmarks, Notebook, Video, Music, etctrara immer auf Umstände schieben konnten, Google+ war Chefsache, sie haben alles draufgeworfen und es blieb dennoch ein Dud. Also konnte sich auch Google endlich mal die Fragen stellen, wo wie und warum es kratzt. Auf was konkret sie da gekommen sind kann man leider nicht deduzieren – da wär ich aber gern ein Mäuschen gewesen – , aber eine Lektion war eindeutig, den Anspruch und die Erwartungshaltung mal ein bisschen zu relativieren. Eine konkrete deduzierbare Einsicht war, dass ihnen die soziale Masse nicht einfach zufliegt, nur weil sie 250 Mio (~50% der Gmail-Accounts) Benutzer zum ‘upgraden’ zu G+ usurpiert quasi geschupst und mit seotechnischen Karotten für die Verbreitung auf Webseiten gesorgt haben. Auch wenn sie nicht wie alle anderen bei Null beginnen müssen, auch sie müssen sich auch die kleinen und kleinsten konkreten Aktivitäten verdienen, mit neuen experimentieren, iterieren und dann das verstärken was funktioniert. Es schaut so aus als hätten sie jetzt damit begonnen.