google plus

Heute vor einem Jahr hat Google Google+ vorgestellt: Real-life sharing, rethought for the web . Und seit gestern veranstaltet Google den alljährlichen Sanity-Check Google I/O (für einen Überblick der Keynote siehe Google I/O Tag eins), dort wurde mit den Google+ Events, dem Party Mode und der Version für Tablets das vorläufige Zwischenergebnis markiert; eine adhoc Diagnose von G+:

  • sie scheinen die fixe Idee, Facebook Konkurrenz machen zu wollen, zumindest vorläufig aufgegeben zu haben. Für Google+ ist das gut, weil sie einen Kardinalfehler nicht mehr in die Grundannahmen von G+ hineinbauen: den Glauben, es gäbe Social und den Wunsch zu Sharen als abstraktes Bedürfnis. Ich glaub zwar nicht, dass sie das wirklich verstanden und deshalb reagiert haben, aber man kann mit einem Blödsinn ja auch aufhören, ohne zu wissen warum das ein Blödsinn war.
  • für G+ bedeutet das, dass es das erste Mal eine konkrete Richtung bekommt und Google tatsächlich mit Elementen spielt, die sie haben, und auf eine Weise spielt, die sie auch können. (sie kommen zwar aus mind. drei richtungen: hangouts aka facetime; tabletview aka socialized flipboard bzw. google currents; events aka facebook, aber die stören sich nicht gegenseitig)
  • es bedeutet auch, dass die Werbebotschaft plötzlich besser passt. Die war davor irgendwie völlig schizoid, weil sie geglaubt haben, dass man mit dem Stil von Apple auch ‘Soziale Systeme’ verkaufen könne. Nur verkauft Apple natürlich das genaue Gegenteil von dem, was sie bewerben; die regressive Phantasie eines phantastischen Lebens mit liebender Jungfamilie und lachenden Freunden ist gwm. die imaginäre Ergänzung zum ‘masturbatorischen’ Gadget. Mit einem iPhone oder iPad kann man diese Imagination dann auch aufrechterhalten; auf G+ findet man sich schnell in der Wüste des Realen wieder.
  • von einer API bis dato kein Wort, wobei es für handerlesene Partner wohl eine gibt. Mich würde es zwar wundern, wenn sie nicht heute oder morgen eine vorstellen würden, aber ich verstehe Google irgendwie sogar, wenn sie es nicht tun. Ich weiss, Ökosystem und so, aber Google muss hier andere Phasen durchmachen, als ein neues Startup.
  • neben den endlich einmal genannten sinnvollen Zahlen – ca. 50 mio daily active users – kann ich bestätigen, dass sich der Google+ Button und/oder eine Google+ Page zumindest unter den Startups doch als Standard etabliert hat. Eigentlich gibt es nur noch drei Buttons im Web: Twitter (auf 90+% aller Seiten), Facebook (auf 80+% aller Seiten) und eben G+ (auf 60-70% aller Seiten, zumindest der neueren). Pinterest, Tumblr, Linkedin, etc. sieht man dann noch sporadisch, alle anderen sind fast schon Fundstücke. (nur am rande aber erfreulich: fast jedes, also wirklich fast jedes startup hat auch noch ein eigenes blog, und auch da geht der trend fast weg vom tumblr oder posterous)

Unterm Strich ist Google+ also auf einem guten Weg.