streaker, nudist, hippie, protestor, disturbance, cops

So, noch ein vorläufig letztes Update zu der Community Serie (siehe Greendale und Señor Chang und Pierce Hawthorne und Troy Barnes) und auch meine Antwort für Quiz #60 :

diese Woche sind die Finals und unterm Strich ist wirklich irre, wie weit man in sechs Wochen kommen kann. Die Exams selbst sind nicht leicht aber machbar (bei CS101 etwa die Optimierung vom Ranking Algorithmus, indem reziproke Links bis zu einer definierbaren Tiefe als solche erkannt und also nicht gewichtet werden oder die Realisierung von einem einfachen zellulären Automaten, bei CS253 die Entwicklung eines auch wieder einfachen Wikis mit Versionskontrolle, und sechs harte Knochen / Puzzles von Norvig) und runden die Kurse doch schön ab.

Was uns zum Quiz bringt:

Die primäre Leistung von Udacity (und Coursera und dem kommenden edX usw.) besteht in der Bündelung der Zeitlichkeiten der ‘Studenten’ und ‘Lehrer’.

Die Inhalte selbst sind die längste Zeit schon irgendwie da. Aber auch wenn es super ist und bleibt, wenn das MIT oder Berkeley oder Stanford ihre Vorlesungen aufnehmen und dann ggf. mit einigen Slides ins Web stellen, in Zukunft reicht diese Geste der Gnade beim gleichzeitigen ‘lasst uns bitte ansonsten zufrieden’ nicht mehr aus (wobei natürlich themen bleiben, die sich so auch gut abbilden lassen; ein crashkurs in poststrukturalistischer literaturkritk ist auch als vorlesung nicht schlecht, siehe).

Was fehlte war der persönliche Anspruch an die Teilnehmer, das Gefühl der Aufgehobenheit (i.g.z oben angesprochenen erwarteten Dankbarkeit) und eben die Synchronisierung der Zeiten bei gleichzeitigem Setzen von Deadlines für Homeworks und Exams. Nur durch diese Gleichzeitigkeit ist dieser persönliche Anspruch und das Gefühl der Aufgehobenheit möglich, nur durch die Gleichzeitigkeit entsteht genügend Dichte, dass sich die Leute bei Problemen – Verständnisschwierigkeiten in den Lectures, Stocken in den Homeworks – auch selbst helfen können.

Das für sich nutzbar machend hat sich Udacity thematisch in einem sweet spot positioniert, der bis dato zumindest massentauglich nicht angegangen wurde: im Niemandsland zwischen dem ‘hello world’ und den Problemen von Leuten, die schon jahrelang in dem Feld arbeiten. Hello worlds gibts zu allem, aber es ist schwer dann zum nächsten Schritt zu kommen (man denke an das Codeyear der Codacademy). Auch vielleicht nicht gelöst, aber sicher nicht unterorganisiert ist der Austausch und die Weiterbidung von ohnehin schon Professionals (Kurse, Kongresse, Zertifikate, Blogs von und für Spezialisten, etctralala.) Und wirklich gelöst ist das Problem der Nanochunks sprich konkreten Fragen. Spezifisch genug kann man diese ohne Umformulierung in Google stellen und wird dann üblicherweise zur passenden Frage/Antwort-Kombi bei Stack Overflow verwiesen.

Was aber fehlte war ein ‘Curriculum’ das zwischen den Erleuchtungsebenen vermittelt und wenn man sich das überlegt, dann ist das tatsächlich ein Problem, das sich nicht wirklich leicht durch das Web lösen lässt (zu unterscheiden vom im web vermitteln; einmal gelöst lässt es sich natürlich ideal im web vermitteln). Und das Problem für das Problem ist natürlich einerseits der Aufwand der Erstellung und andererseits das Risiko der Evaluation auf seiten der Azubis. Es ist einfach zu riskant, einige Wochen zu investieren, nur um dann draufzukommen, dass das alles ein veralteter und stilistisch grauenhafter Blödsinn war, der einen eigentlich nur noch dummer gemacht hat, als man ohnehin schon war.

Aber Udacity (und zu einem geringeren Grad Coursera – die stecken eher noch im alten Modell fest und tendieren den Mehraufwand ab gefilmter Vorlesung eher zu minimieren, da basiert der Wert derzeit eher noch auf der Qualität und dem Einsatz der ‘Lehrer’) schickt sich an, sukzessive die Blöcke für solche Curricula zu entwickeln und dadurch einige mögliche Probleme für Selbstlerner zu lösen. Vor allem das der Roadblocks.

Roadblocks

Roadblocks sind – wie wir von the Amazing Race wissen – Blockaden, die wir aus dem Weg räumen müssen, bevor wir unsere Reise fortsetzen können. Oft sind das nur Kleinigkeiten – deshalb bleibt der modus face to face so wichtig, ein anderer sieht oft in 5 Sekunden, warum es hängt -, aber bevor man sie nicht gelöst hat, geht es nicht weiter. Und Udacity versucht auf allen Ebenen und ich würde sagen nicht ganz erfolglos, diese Roadblocks zu vermeiden. Das beginnt mir der Auswahl der Tools und der technischen Infrastrukur (fast alles kann man im online editor machen, es wird sofort diagnostiziert, Google App Engine läuft bei den meisten out-of-the-box), geht über die Auswahl und Entwicklung der Themen bis zur semibetreuten (TAs springen eig. immer ein) Community. Für Autodidakten jedenfalls ein guter Modus.

(es gab durchaus auch zu kritisierendes; die automatischen grader etwa sind sehr pingelig und die anweisungen waren oft viel zu uneindeutig und teilweise auch selbstwidersprüchlich, da ein externes paar augen drüberschauen zu lassen wäre vl. keine schlechte idee gewesen, denken wir an die diversity models der model thinking klasse. pädagogisch ‘zumutbar’ sind einige einheiten sich auch nicht usw, aber ich will hier nicht jammern)

((nur am Rande aber ein Ding ist mir ganz extrem aufgefallen: die Kluft zwischen schnell hingeklopft und verschiffbar ist gigantisch. Einen Prototypen zu bauen, der funktional das meiste kann und im eigenen Setup problemlos funktioniert ist eine ganz andere Nummer als in der freien Wildbahn zumutbar zu sein und alle möglichen Kontingenzen abzufedern. Ich schätze das Verhältnis liegt irgendwo zwischen 1:10 und 1:20. Nicht nur deshalb hab ich aber jedenfalls einen ganz neuen Respekt vor jeglichen Anwendungen, aber es nützt ja nix, es is halt trotzdem wie’s is))