Ich bin euch/Marcel ja noch die Auflösung von Quiz 54 bzw. der Frage, warum Pinterest so erfolgreich werden konnte, schuldig. Wie gesagt, richtige Antwort gibt es sowieso nicht, natürlich spielt da eine Reihe von Faktoren zusammen. Anyway:

(1) Die Pflicht: Es hat die notwendigen inhärenten Merkmale einer guten Webanwendung. Das Design stimmt, man versteht schnell um was es geht, die Features stimmen, die sozialen Achsen stimmen und laufen auf mehreren Dimensionen, die Performanz stimmt, es befriedigt den Impuls des Jagens, Sammelns und Kuratierens, etc. Alles zumindest gut genug.

(dieser punkt ist üblicherweise notwendig, aber natürlich keineswegs hinreichend. i.e. nicht jede auch sensationell gut gemachte seite wird erfolgreich, duh)

(2) Die Kür: Es etabliert – und das ist doch eine Leistung an sich – einen neuen fundamentalen Datentyp: den Pin.

(das ist dann auch das flottierende soziale objekt)

(3) Die Kernreaktion: Es hatte sich eine funktionierende Community etabliert gehabt, bevor die Pundits, ‘early adopters’ und Massenmedien drauf gestossen sind. Das ist der wichtigste Punkt.

Pinterest ist ja vor fast zwei Jahren gestartet, ist also keineswegs vom Himmel gefallen. Dann blieb es allerdings ca. 1,5 Jahre lang mehr oder weniger unentdeckt, hat sich aber in der ‘kreativen’ Szene nicht nur als Geheimtipp etabliert. Ein früher Eindruck :

Ein schneller Blick verrät: Pinterest zieht vor allen Dingen weibliche Nutzer an; vom Moodboard für die eigene Hochzeit, über Mode und Ausgehfrisuren sowie Inneneinrichtungsideen bis zu Designinspirationen ist so ziemlich alles vertreten, was das kreative Web derzeit umtreibt.

Damit haben sie sich selbst die Bedingung für die spätere Möglichkeit zur viralen Explosion geschaffen, weil – als dann der Impuls zur sich beschleunigenden Ausbreitung kam – etwas da war, an das neue User anknüpfen konnten. Es gab Kultur, Material, funktionierende Praktiken und eine gutgelaunte Community. Als neuer Gast fand man sich durch Zufall auf einer unerwartet coolen Party ein (bevor die social media crowd draus ein saufgelage am ballermann macht, anders als ‘geplante’ erfolge wie alles von google, wo man sich eher wie der zehnte besucher in einem ansonsten leeren stadion fühlt; das ist auch der grund, warum google nix soziales machen kann; bei ihnen gibt es nichts, was zwischen der steppe und der horde liegen kann).

Ein glückliches Timing ist zwar wichtig (wir sehen ja immer wieder: ein und die gleiche idee kann zwei oder zehn jahre zu früh kommen; eine welt, in der jeder ein iphone hat und bei facebook und tumblr ist und in der man den sinn von twitter nicht mehr erklären muss ist eine andere als eine welt davor; usw. siehe Timing oder Timing II), aber nur wegen der schon existierenden Community konnte Pinterest die durch den Hype und Metahype (wie damals bei twitter) ausgelöste Kraftwelle in echte neue Benutzer konvertieren, die die Welle dann verstärken.