minianmerkung zur diskussion über das vermutliche guttenbergsche doktorarbeitsmashup, die vor zwei tagen in der sueddeutschen ihren ausgang nahm: ich glaub das ist das schönste beispiel für die sich durch das internet verschiebenden zeitachsen, das wir bisher miterleben durften. während sich auf der einen achse quasi in echtzeit ein kommunikationsstrom formierte, der u.a. auch eine art schnitzeljagd auf attributionslos übernommene passagen organisierte und als wiki dokumentierte, hinkten die informationsströme, auf die sich politiker normalerweise als handlungsbedarfsrelevant verlassen können – also wasauchimmersieverwenden und massenmedien – so weit hinterher, dass es zu solchen stellungnahmen wie jener von guttenberg heute morgen kommen kann, die nur unter der grundannahme eines völligen nochnichtwissens aller anderen abgegeben werden kann. nur stimmt diese grundannahme eben nicht mehr, weil es eine zeitachse gibt, die in diesem fall etwa 12 stunden vor der politischen läuft und aus deren sicht seine stellungnahme ganz einfach offensichtliche falschbehauptungen enthält. (sinnvoll erscheint sein statement tatsächlich nur, wenn er auch selbst noch keine ahnung vom ausmass hatte, wenn er also von den zwei bis drei ursprünglich kolportierten auszügen aus der einen und anderen tageszeitung ausging, aus denen man sich auch mal rausentschuldigen kann, aber es handelt sich ja um dutzende und teilweise proaktiv leicht angepasste passagen). vom konkreten fall abgesehen sieht man aber, wie sich die informationschronologische hegemonie des politisch-medialen komplexes aufgelöst hat. bis dato konnten sich politiker sicher sein, spätestens mit allen anderen zu erfahren, was die masse wissen kann; sie konnten ihre statements also dementsprechend anpassen. jetzt wissen sie noch nicht einmal, dass sich (ab und an, da muss einiges zusammenkommen) zumindest teilmassen formieren können, die ihnen quasi aus der zukunft zuschauen können.