kleine anmerkung zur sommerlochserregung google street view: irgendwie ist die ganze diskussion ein wunderbares symptom der gesellschaft, das tiefer geht, als es die üblichen hinweise auf politischen populismus, mangelnde internetkompetenz der bevölkerung oder allgemeine technologische rückständigkeit andeuten. das stimmt zwar natürlich alles, aber im grunde stellt google street view eine grundsätzlichere frage:

was passiert, wenn die kosten der informationsbeschaffung, wie es an jedem beliebigen ort ausschaut, gegen null gehen?

wie man diese frage beantwortet, ist weniger ausdruck eines technologieverständnisses (bei wenig verständnis: um himmels willen, nicht mit mir! was denn noch?; bei fortgeschrittenem verständnis: awesome, lovin’ it) sondern viel mehr ausdruck eines genuinen systemvertrauens.

wie bei vielen anderen bereichen auch verändert das internet das ökonomische gefüge von märkten, indem es die transaktionskosten eliminiert. es entstehen neue formen des verhaltens und neue geschäftsmodelle, die davor wirtschaftlich nicht sinnvoll waren. was man von google street view hält, ist also weitestgehend geframed von der eigenen vorstellungskraft, welche auswirkungen das mögliche neue verhalten anderer auf das system und einen selbst haben könnte.

nun gibt es natürlich ein breites spektrum an möglichen neuen verhaltensformen. das beginnt beim browsen in der eigenen geschichte (wie schaut’s jetzt aus in meinem geburtsort, gibt’s das zuckerlgeschäft noch, …), geht über hunderte denkbare fälle einer pragmatischen informationsbeschaffung, die einem dabei helfen kann, eine fundiertere (kauf-, ausgeh-, reise-, miet-, …) entscheidung zu treffen, und endet bei panzerknackerbanden, die sich auf die suche nach geeigneten tatorten machen.

welche der neuen möglichkeiten man als bewertungsrelevant selektiert, ist ein ausdruck der eigenen disposition und hängt vom vertrauen in alle anderen und in das system ab. anders als etwa beim datenschutz, wo es – auch wenn die diskussion hysterisch und uninformiert geführt wird – dennoch um das echte problem geht, was passiert, wenn einzelne private unternehmen sehr sehr viele mitunter auch personen konkret zuordenbare daten sammeln, geht es bei der street view ja primär darum, was andere menschen damit machen könnten. und hier liegt der eigentliche knackpunkt: ganz offensichtlich haben grösste teile der medien und politik ein sehr geringes vertrauen in die bevölkerung und das system. die ängstlichkeit zieht sich als grundhaltung durch die abgegebenen statements, wer weiss, was die leute nicht alles damit anstellen könnten, aber sicher nichts gutes.