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kathrin passig über schwarzfahren in der aufmerksamkeitsökonomie: pt. 1 pt. 2

dunno. grundsätzlich bin ich bei ihr (problem: es gibt leute, die verbringen jeden tag stunden damit, hunderte blogs zu scannen und die rosinen herauszupicken und im google reader und also meistens auch auf buzz zu sharen, und dann kommen andere daher und resharen das ohne attribution; das ist aber nicht nur unhöflich, sondern verschweigt die leistung des ursprünglichen jäger und sammlers und hat negative auswirkungen auf das gesamte system der aufmerksamkeitsökonomie. ihre lösung: auch im google reader und oder auf buzz in der notiz die fundstelle vermerken, auf twitter funktioniert das ja auch).

aber es gibt auf mehreren ebenen kosten und probleme.

was tut man, wenn man über ein shared item aus einen feed stolpert, den man selbst abonniert hat?

ab wann greift die sharungshöhe? verdient man attribution, wenn man artikel aus blogs wie techcrunch, boing boing, kottke, etc. shared, die jeder ohnehin kennt? oder wenn man ökonomischerweise die top-news bei techmeme oder rivva wiederholt?

wie weit soll die quellenforschung gehen, wenn man sich aus einem aggregator wie hacker news bedient, die sich selbst wiederum aus den sammelleistungen der dortigen user befüllen? greift ein via hacker news dann nicht zu kurz und müsste man da dann nicht auch dem ursprünglichen poster bei hacker news tribut zollen?

was tut man, wenn einen artikel mehrere leute geshared haben? der erste, wo man darüber stolpert, ist zwar der, auf dem man es halt selbst gefunden hat, alle anderen sieht man aber erst danach, sie haben es aber vor dem dann attributierten geshared. noch komplizierter wird das, wenn der, bei dem man es selbst gefunden hat und bei dem man sich bedankt, es selbst nur von einem anderen gereshared hat, also gwm. die attributions-früchte völlig unverdient erntet.

es ist ein bruch im flow. die aussage ‘Auch bei Twitter und in Blogs spart es Zeit und Arbeit, Quellenangaben wegzulassen. Und doch machen sich die meisten die Mühe.’ stimmt zwar, aber auf twitter oder im blog ist man beim verfassen schon im schreib-modus, hängt die attribution also nur an; im google reader müsste man den texteingabemodus erst starten.

es stimmt das gesamtbild des outputs nicht, die attribution bekommt bei shared items mit note den prominentesten platz.

ich sehe auch die gefahr der belohnung des falschen verhaltens. in dem moment, wo man irgendwas ernten kann (in dem fall also vias und thanks und gefunden beis) sharen die leute nicht mehr nur aus der intention des sharens heraus, sondern wollen auch vias und thanks und gefunden beis zählen und sammeln; es könnte/dürfte/würde wohl also das über-sharen fördern, ‘je mehr ich share, desto grösser die wahrscheinlichkeit, dass ein anderer sich dann bei mir bedankt, right?’ genau das aber widerspricht der ursprünglichen intention, die aufwändige filterleistung zu belohnen, die ja vor allem im auslassen besteht.

ein paar der ableitbaren argumente/konsequenzen sind stärker als andere (das mit der optik: so what…), aber unterm strich sehe ich keine verallgemeinbare handlungsanweisung für sharepolitisch korrektes verhalten im google reader, das nicht gegen die dynamik der von der plattform nahegelegten benutzungsformen schwimmen muss (kathrins form ist sehr spezifisch, da sie ohnehin annotiert geht das via auch schneller und stört gleichzeitig weniger) und den kognitiven overhead in überschaubaren grenzen hält.

my take:

geshared wird vieles und auf vielen plattformen. einige der plattformen eignen sich besser für eine vertikale integration der angabe der quellen und zur quellenforschung als andere. auf einigen plattformen geht es zb. ausschliesslich um das anhäufen von attributionen vom geshareten (etwa digg, man kennt die dysfunktionalen konsequenzen). auf anderen geht es überhaupt nicht darum (etwa delicious) – aber auch auf diesen entwickeln die netten spieler gelegentlich praktiken der attribution (auf delicious etwa via:xxx tags). playing nicely mit den anderen ist im allgemeinen nicht nur gut für das infoökonomische gesamtsystem, sondern üblicherweise auch vorteilhaft für einen selbst (alle beobachten alle und die muster, wie man sich verhält, werden einem nicht nur zugeschrieben, sondern wirken lange nach). wie sich das playing nicely aber am besten manifestiert, muss sich auf den jeweiligen plattformen jeweils konkret ausdifferenzieren – und das tut es üblicherweise auch. es wird sich aber nichts durchsetzen, was gegen den vibe der plattform läuft oder was zuviel overhead erzeugt. was nicht heisst, dass man sich da nichts überlegen sollte und dann mit gutem beispiel voranschreitet. auf geht’s, der goaß nach. was aber auch nicht heisst, dass das dann so ausschauen muss, wie es auf anderen seiten funktioniert (per item attribution funktioniert im GR imho nicht, was aber andere formen nicht ausschliesst usw.)